Erfahrung vermehrt unsere Weisheit, verringert aber nicht unsere Torheiten.
                                                                                              Josh Billings



Sonntag, 5. Februar 2017

 

My Birthday.

Bei jeder anderen Fluggesellschaft bekäme ich zur Feier des Tages sicher ein Gläschen Schampus an den Sitz, aber wir flogen Ryanair und alles was hier zum Sitz kam, waren ich und mein 10kg Handköfferchen. Naja, eigentlich nur ich, da wir unsere Köfferchen vor dem Flieger kostenlos abgaben, da nicht alles Handgepäck im Passagierraum Platz hat.
Mir war’s egal.


Als wir wenig später den Dubliner Airport Richtung Shuttlebus verließen, war es schon dunkel draußen und ich war soooo froh, daß … nennen wir sie Anna… mich begleitete und wußte, was zu tun war.
Wir hatten ein Shuttle über Terravision gebucht, aber weit und breit waren keine Terrabusse zu sehen. Wie sich später herausstellte, kooperieren hier irgendwie alle miteinander und schwupps saßen wir in der 747 Richtung Temple Bar. Nein, nicht mit einer Boeing.

747 ist die Buslinie in die Stadt.
Hab ich erwähnt, daß alle Busse hier WiFi anbieten? Kostenlos? Jederzeit?
Ich war ein wenig verblüfft.
Irgendwo in der Innenstadt stiegen wir aus und überlegten, wo denn das Hotel stand und wo war gleich nochmal Norden?
Ich hab bis zu unserem Rückflug am Freitag nicht rausfinden können, wie man sich in der vergleichsweise kleinen Stadt zurechtfindet. Ein Nightmare.
New York oder San Francisco ist ein Kinderspiel dagegen.
Eine Stunde nach der Landung waren wir im „Fleet Street Hotel“ und wir fanden sofort: eine gute Wahl.
200m neben der Temple Bar und der Supermarkt war direkt gegenüber. WiFi gab es kostenlos und mehr braucht man eigentlich nicht.
Das letzte Essen lag gefühlt Jahre zurück so hatte die Dame vor einem Restaurant in der Nähe leichtes Spiel mit uns.


Happy Hour mit Lachssuppe und Irish Stew. Wow…wußte gar nicht, daß man hier so gut kochen kann. In meinem Kopf sah ich vor der Reise nur Fish and Chips und Blutpudding. Aber das hier war Note 1. Nur etwas reichlich. Den Rest haben wir einpacken und nach Afrika schicken lassen. Ganze Völker würden davon satt werden.


Im Temple Bar Komplex gibt es unzählige Restaurants und Bars und Pubs und überall gibt es Livemusik und Anna zahlte das Bullmers für mich, was leider nicht ganz reinpasste. Das Stew lag im Weg.
Den restlichen Abend verbrachten wir dann laut mitsingend im Quays, wo sich Gott und die Welt traf und alle sangen mit und es war herrlich. Das, wo ich eigentlich mit Musik nix am Hut hab, aber hier war es toll.


Happy Birthday Sylvi


 

Montag, 6. Februar


Die Nacht war holprig, um es mal einfach auszudrücken. Aber sind das die ersten Nächte in fremden Betten nicht immer?

Den Tag verbrachten wir, nach dem besten Hotelfrühstück seit Jahren, komplett in Dublin.
Als ich vor der Reise checkte, was denn hier im Februar so die Temperaturen sagten und ich sah, daß es hier bis 10° wärmer war, als diesen Winter in Dt, dachte ich: Shirt und Jäckchen genügen.
Heute weiß ich: Die sibirische Kälte, die Deutschland ab und an heimsucht, stammt ursprünglich aus Irland.



Den ganzen Tag stürmte es und zwar direkt aus der Arktis. Ich hab selten so lange geklappert, wie  an diesem Tag. Mir war SO kalt und wenn man sich hier die Ladys in ihren High Heels anschaut und dann tragen sie auch noch Minirock dazu, dann wird mir auch Tage später nicht viel wärmer.


Um ehrlich zu sein, ich weiß immer noch nicht, was genau jetzt das Sehenswerte in Dublin ist, aber die Alternative wäre auch nicht sexyer gewesen.
In der Firma schoben sie wegen uns Doppelschichten und es gab sicher Zeter und Mordio, aber was soll’s? Da mußten sie jetzt für paar Tage durch.
Was macht man in Dublin, wenn einem kalt ist, man aber viel sehen möchte?
Richtig, man kauft sich ein Ticket für eine Hopp on Hopp off Tour in einem Doppeldeckerbus und sitzt oben unter dem nach hinten offenen Dach.
Gott, mir ist schon wieder kalt.


Apropos fahren. Morgen war ICH dran und während Anna sich die Highlights reinpfiff, machte ich mich so langsam mit den hiesigen Verkehrsregeln vertraut und schaute anderen beim Linksfahren über die Schulter.
Ich war nicht nervös oder so Zeug, aber es schadet nie, schon etwas vorbereitet zu sein.
Irgendwann vor der Tour las ich zum Thema Irland und Auto fahren folgenden Satz:
Auto in Dublin – Lassen Sie es mich kurzfassen: Don’t!“
Was ich aus dem Bus heraus sah, war schon… anstrengend. Klar war es hier nicht New York City und niemand stand auf der Hupe, aber leer waren die Straßen hier auch nicht.
Ich hatte jedenfalls nicht vor, je einen Fuß Rad in die Stadt zu setzen. Ich wollte morgen früh direkt vom Flughafen an die Westküste fahren. Außenrum. Und ohne Maut. Auf der linken Seite…

Hab ich schon erwähnt, daß man hier 6€ Eintritt zahlen muß, wenn man sich eine Kirche von innen ansehen möchte?
Schwachsinn, ge?

  Trinity College

Im Bus saßen wir oben. Unter einem Dach, das nach hinten offen war und wenn mir bis jetzt nicht kalt war, so näherte ich mich dem Gefühl nach einem Eiszapfen mit jeder Sekunde mehr.

Es wurde auch nicht wärmer, als ich die Lady neben uns im Miniröckchen und High Heels sah.
Während der nächsten 90 Minuten Fahrt plapperte der Busfahrer ohne Punkt und Komma und was man alles sehen und nicht sehen kann und Geschichte heute und damals und Guinness.


Irgendwann waren wir zurück am Ausgangspunkt, zumindest meinte das Anna. Ich hatte keine Ahnung wo wir waren und in welche Richtung wir gingen. Ich sagte, was ich wollte und sie lief voraus.

Ich brauche zur Orientierung entweder Margret oder den Stand der Sonne. Beides stand zu Fuß nicht zur Verfügung. Wäre ich hier alleine unterwegs, ich wäre hoffnungslos verloren.
Zum Aufwärmen gab es später einen großen Kaffee und pappsüße Teilchen, deren Anteil Zucker ausreicht, um einen eine ganze Woche damit zu versorgen. Wobei Amis noch süßer können.
Schon beim Gedanken daran, kleben mir meine Zähne zusammen.



Den Abend verbrachten wir erst bei Fish and Chips und Livemusik, wobei ersteres in dem Fall der Musik bei Weitem überlegen war.
Backfisch und Pommes?
Nie war es leckerer, als dort.


Bevor es dann zu Bett ging, schauten wir noch einmal im Quays für ein Bullmers und ein paar Live-Liedchen vorbei.
Kaum hatten wir uns ein bequemes Eckchen gesucht, waren die beiden Herren der Schöpfung fertig mit Singen und gaben den Platz an ein ziemlich schüchtern wirkendes männliches Wesen frei und wir dachten schon, das kann ja was werden. So wie er aussieht, hat er ein zartes Stimmchen und kommt gegen die Masse an gröhlenden Partygästen nie an.

Und irgendwann nahm er seine Gitarre und fing an zu singen…


Goosebumps.

Schon erstaunlich, wozu der Mensch fähig ist.
Die einen können Malen, sprechen vll. 8 Sprachen fließend oder können die Zahl Pi bis auf 1000 Stellen nach dem Komma aufsagen und dann gibt es Kreaturen, die haben eine Stimme, das ist unglaublich.
Keine Ahnung, wer das Männlein da vorn war, aber es wurde Zeit für eine Runde google.

Irgendwann stellte er sich vor und … wow. Er war erst 22.

Für alle, die wissen wollen, wer uns den besten Montag seit Jahren beschert hat, sein Name ist Daniel O’Sullivan. Zu finden auf Youtube, Instagram und Twitter.

Hätte ich 2 Wochen vorher gewußt, wie der Abend ablaufen würde, hätte ich den Mietwagen nicht für zeitig morgen gebucht, sondern erst für gegen Mittag. Doch weil es nun nicht mehr zu ändern war, mußten wir uns notgedrungen irgendwann gegen halb 1 von Goldstimmchen trennen.

Wenn man wüßte, ob er hier jeden Montag…?