Mittwoch, 8. Februar

 

Wieso haben irische Hotelzimmer 2 verschieden große Betten?
Das war gestern schon so und heute wieder?
Und wieso liege ich immer im schmalen Bett?
Entweder Pärchen oder Familie, aber Freunde werden ausgeklammert?

Seltsam.


Hier war plötzlich der Bericht zu Ende.

Wie dem auch sei, ich versuche jetzt, alles Mögliche an Erinnerungen hervorzukramen, was geht, um nicht nur Fotos zu zeigen.
Hauptziel des Tages waren die Cliffs of Moher, ein Afternoon Tea in der Nähe von Ennis und wenn wir es schafften, wollten wir uns noch die Burren ansehen. Was das genau ist, schreibe ich später.

Wenn es etwas gibt, an was ich als erstes denke, wenn mir Irland in den Sinn kommt, dann sind es alte Gemäuer und Friedhöfe, die aussehen, als hat da schon seit langem keiner mehr Blumen hingebracht und so ein Friedhof tauchte plötzlich am linken Fahrbahnrand auf und ich muß sagen, die Bremsen des kleinen Kia leisteten ganze Arbeit.



Dieser Ort war mystisch.
Die Sonne hatte es schwer, sich gegen die Wolken durchzusetzen und zeigte nur einzelne Strahlen, aber genau das war das Spannende.
Die Temperaturen waren auch heute wieder „schwierig“ und ich klapperte mir schon nach wenigen Minuten den Hintern ab. Sollte ich wieder dieses Land besuchen, dann muß eine dickere Jacke her. 10° hin oder her. Hier fühlt sich alles an, als befindet man sich in der Antarktis. Im Winter.

10 Fotos später waren wir wieder auf der Piste und hielten immer Ausschau nach etwas Essbarem. Wie gesagt, Frühstück gab es keins und auch Schafe waren keine zu sehen.
Kurz vor den Cliffs gab es dann endlich Cappuccino und einige süße Teilchen, welche wir in einem Cafe fanden, daß hier mitten im Nichts stand. Schon mutig die Unternehmer hier…

Die Cliffs kann man kostenlos besichtigen, nur für den Parkplatz muß man zahlen. Wieviel genau, daran erinnere ich mich nicht mehr. Es war allerdings zu verschmerzen.


War es vorhin auf dem Friedhof kalt, begann es jetzt eisig zu werden. Der Wind pfiff, als müßte er jemandem etwas beweisen und schon nach wenigen Minuten hatte ich blaue Hände.
Checkliste: dicke Jacke UND Handschuhe. Mütze wäre auch nicht übel. Und ein Regenschirm. Wobei, ich streiche den Regenschirm. Er würde hier nicht überleben.


Die Cliffs of Moher gehören zu den bekanntesten Orten Irlands und vermutlich haben sie ihre Berechtigung, aber mir war es hier eindeutig zu hoch, zu kalt, zu pampig und zu windig.
Man kann am Rim Richtung Norden oder Richtung Süden laufen. Vermutlich könnte man auch Richtung Westen, aber die Fotos würde vermutlich nachher niemand zu Gesicht bekommen. Genauso wie den Fotografen.

 

Wir liefen Richtung Süden bzw. stämmten uns gegen den Sturm an und eigentlich alles nur, um sich irgendwann ins Gras zu hausen, damit wir diese berühmten „ich liege hier auf dem Gras über dem Abgrund und spucke nach unten genau gegen den Wind und alles fliegt zurück in meine Richtung“-Fotos machen konnten.
Nach gefühlten Stunden zogen wir es dann vor, im Auto langsam aufzutauen. Meine Haut fühlte sich an, wie Monate auf dem Meer und draußen schlafen.
Ob ich die Cliffs noch einmal besuchen würde?
Hm… wenn es keine Alternative gäbe und das Wetter besser wäre, bestimmt. Ansonsten würde ich dem ganzen hier alte Gemäuer eindeutig vorziehen.

Den Termin zum Afternoon Tea hatten wir gegen 3 und wir hofften inständig, daß wir die einzigen waren und direkt am Kamin sitzen konnten. Uns war ja sowas von kalt.
Bevor es Kleinigkeiten zu essen gab, vorab einige Erläuterungen:



Afternoon Tea ist eine britisch-irische Tradition.
Briten und viele drumherum brauchen ihren Tee und Knabbereien und der 5 Uhr Nachmittag ist denen heilig und irgendwann entstand dann diese Art der Nachmittaggestaltung, welche nicht ganz billig ist und vorher angemeldet werden sollte.
Ich hatte schon zuhause gegooglet, wo in der Nähe unseres Hotels die Möglichkeit bestünde und gestern hielten wir kurz am Hotel Woodstock an und es sollte morgen, also heute kein Problem sein, hier eine Weile den Gepflogenheiten zu fröhnen.

Soweit ich mich erinnere, kostete es etwas um die 14/15€ pro Person. Can’t exactly remember.

Als wir im Hotel eintrafen, war schon alles für uns einzige Afternoon Tea Gäste vorbereitet. Direkt am Kamin. Mit echtem Feuer. Und edlem Porzellan. Und jeder hatte eine Couch für sich und wir kamen uns vor, wie Royalties.
Jeder von uns bekam schon nach kurzer Zeit eine Etagere mit allerlei Leckereien und bevor wir uns daran genüsslich taten, wurde alles aus allen erdenklichen Richtungen abgelichtet. Wir trauten uns kaum, irgendwas davon anzufassen, so schön sah es aus.
Aber nun gut, wir sind schließlich nicht zum glotzen hier. Und ich muß sagen, es war genial.


Kleine Sandwiches. Scones. Süßes Fingerfood. Dazu Tee bis zum Abwinken. Wir waren im Himmel.
Alle hier waren sehr nett und zuvorkommend und später sah sogar die Chefin nach uns und nach dem Kaminfeuer und legte noch einmal nach. Wir wollten hier nie wieder weg.

Irgendwann beschlossen wir aber dann doch, noch ein wenig County Cork unsicher zu machen und noch Richtung der/des Burren Nationalparks zu fahren.
Was genau den Nationalpark ausmacht, weiß ich nicht, aber die engen Straßen dahin und was wir alles gesehen hatten, rechtfertigt schon den Parkstatus. Alles, was man hier sah, waren Steine und Gras und Gras und Steine und an der Küste kamen noch Kühe hinzu.



Wer hier früher lebte, mußte sich nach Alternativen zum Ackerbau umsehen. An Landwirtschaft brauchte man keine Sekunde denken. Heutzutage ist es einfach nur fotogen.