22. September 2009



Wieso werde ich eigentlich immer vor dem Wecker klingeln wach?
Vor bedeutete heute: 5 Uhr
Naja, dann drehe ich mich eben noch einmal um und warte ab, wann das Handy klingeln wird. Kaum hatte ich mich auf die linke Seite sortiert, gab das Handy Laut. Ich schälte mich aus dem Zelt, ging „ins Bad“ und wartete anschließend aufs Hühnchen, denn sie braucht ja immer ein wenig länger.
Halb 7 fuhren wir vom Hof und da fiel es uns auf:
N E B E L
Und zwar nicht einer der Sorte „is gleich vorbei“ sondern eher der, der den Namen trägt „macht euch keine Hoffnung auf Sonne“.

Am Hafen von Bar Harbor waren wir eine der ersten, das Office hatte noch geschlossen also liefen wir ein Stückchen und kamen schließlich zur Anlegestelle für die Fischkutter.
Normal vermutet man da Fischer und Netze und Fische und…Gestank, aber was uns da erwartete, mit dem hätten wir im Leben nicht gerechnet.
Fotografen.
Hobbyfotografen.

Grob geschätzt 25 Knipser, die zusammengerechnet 5 Mehrfamilienhäuser als Equipment mit sich rumtrugen. Ein Objektiv größer als das andere und wenn man sie beobachtete, konnte man nur mit dem Kopf schütteln. Da standen sie am Pier, das sündhaft teurer Stativ aufgebaut, die 6000,-€-Canon draufgeschraubt, dazu ein Objektiv, das bis nach Alaska reichte und knipsten, was das Zeug hielt. Man hörte nur noch klack klack klack.

Dann ein kurzer Kontrollblick und wieder klack klack klack.

Ja, ok, ich gebe zu, Nebel hat schon was. Es gibt einen schönen gleich mäßigen Hintergrund, aber deswegen morgens 6 Uhr aufstehen?






Wir schauten uns das eine Zeit an und gingen dann vor zum Office, wo man uns leider offerierte, daß die 8.30 Uhr-Fahrt heute wegen zu dichten Nebels ausfiel, aber wir gern Tickets für die 13 Uhr-Fahrt buchen könnten. 





Wir willigten ein und überlegten nun, wie wir die nächsten 5 Stunden überbrücken konnten. Da wir uns aber mehr oder weniger im Acadia NP befanden, sollte es kein Problem sein, eine Alternative zu finden. Wir fuhren also los und suchten den Haupteingang und das Visitor zum NP, den wir auch nach einem 30km-Umweg fanden. Von da aus geht eine Straße ab, die als Park Loop Road bekannt ist und auf die es nur 2 Zufahrten gibt.




Erstes Zwischenziel: die Cadillac Mountain.
Wie gesagt, es war nebelig. Auf dem Gipfel war zwar der schönste Sonnenschein und auch der Wind hielt sich in Grenzen, dafür sah man aber leider nicht den Fuß des Berges. Keine Stadt, kein Meer, keine Küste, keine Bäume, keine Straßen, kein Nichts. Man fühlte ich quasi wie im Himmel. Nur eben ohne Flügel
Nach 30 Fotos fuhren wir wieder bergab und klapperten nun Parkplatz für Parkplatz nach DEM Foto schlechthin ab.



 



Bekanntestes Ziel der Insel ist unter anderem das „Thunder Hole“ an der Ostküste. Dabei handelt es sich um eine ganz enge Granitspalte, in die die Wellen des Meeres hineindonnern und dadurch, daß dem Wasser plötzlich der Platz genommen wird, nimmt die Geschwindigkeit zu und auch die Lautstärke. Es donnert. Leider war es heute nur Hole, statt Thunder, denn das Meer legte einen Ruhetag ein.

 

 



So langsam ging es auf die 11 Uhr zu und wir fuhren wieder in die Stadt, in der wir uns erst einmal einen Cappuchino und ein Zimtteilchen gönnten, denn das Frühstück ist ja heute aus uns unbekannten Gründen ausgefallen.
Im Hafen hatte sich Gott sei Dank der Nebel verzogen und man konnte sogar die Nachbarinseln sehen, neben denen die Carribean Princess vor Anker lag und grad jede Menge Passagiere ausspuckte, und wie es aussah, wollten sie alle die 13 Uhr Tour mitmachen.


Irgendwann war es soweit und wir stellten uns in die Nähe des Piers 1 wo auch schon kurz darauf Folgende Durchsage gemacht wurde: bla bla bla 1 p.m. bla bla bla canncelt
Ich schaute Hühnchen an und meinte: „Hast du das mitbekommen?“
Sie: „Ne, was denn?“ (Wieso frag ich überhaupt, sie kann ja kein englisch). Ich meinte zu ihr, daß es sich anhörte, wie die Tour 13 Uhr ist gestrichen. Sie: „Neee, nicht schon wieder. Das können die nicht machen.  Das wäre jetzt schon das 3. Mal. Langsam reichts mir. Das darf doch nicht wahr sein…!“
Ich ging hoch zum Office, und fragte den Herren, ob ich es recht verstanden hatte und er bejahte, denn draußen auf dem Meer hing der Nebel wie dicke Suppe.
An der Anschlagtafel stand zwar, daß Geld nicht zurückerstattet wird, sondern eine Alternativfahrt angeboten wird, aber ich wollte doch lieber das Geld und die Stornierung war in 30 Sekunden erledigt.
Morgen sind wir ja auch noch hier und dann versuchen wir es eben ein viertes Mal. Was soll. Ham ja Zeit..
Den restlichen Nachmittag schlenderten wir noch etwas durch Bar Harbor, was sich komplett auf die Touristen eingestellt hatte, denn ein Souveniershop reihte sich an den anderen.

Nach einem Besuch im nahegelegenen Supermarkt fuhren wir zurück zum Campground, grillten lecker Rindersteaks und liefen gegen 18 Uhr zum bass Harbor Lighthouse. An der Abzweigung stand zwar 750Ft, aber es war in Wirklichkeit mindestens 1km. Egal, dann brauchen wir uns eben um die Gewichtszunahme keine Gedanken machen.

 

 

Auf dem kleinen Parkplatz standen zig Autos, obwohl nirgends ein Mensch zu sehen war. Erst, als wir an den Klippen ankamen, sahen wir den Trubel. Im Grunde setzte sich das morgendliche Schauspiel am Pier hier fort. 25 supereifrige Fotografen, bis an die Zähne „bewaffnet“, stapelten sich auf den Granitfelsen, die dort tonnenweise aufgestapelt lagen.




 

Vor lauter Menschen sah man zwar das Lighthouse nicht, aber vielleicht lag es auch am Nebel, der hier wahrscheinlich schon den ganzen Tag ohne Unterbrechung festhing.

Immer, wenn man meinte, eine günstige Position gefunden zu haben, hatte man auch gleichzeitig mindestens 1 Arm, 1 Kopf oder eine Kamera mit auf dem Bild.

Ich wußte ja vorher schon, daß dieser Leuchtturm ein bekanntes Fotomotiv ist, aber das das so ausartet…? Fast schon so wie am Mesa Arch in den Canyonlands.


Halb 7 war Gott sei Dank der Spuk vorbei und wir liefen den km zurück zum Zelt, wo es schon fast stockdunkel war,

als wir da ankamen, denn nachdem die Sonne hier untergegangen ist, geht es ganz fix mit dem Dunkel werden.





Bevor wir in die Schlafsäcke krochen, schrieben wir noch Bericht und Postkarten und fragten uns: werden wir morgen Wale sehen?



23. September 2009



Der heutige Tag könnte den Titel tragen: „Und am Ende kam alles anders“
Heute hatten wir es nicht eilig, aus dem Schlafsack zu kriechen, denn das wichtigste an diesem Tag fand erst 13 Uhr statt. Sofern es stattfand, denn noch wußten wir nicht, ob heute Nebel war oder nicht.
Normal hätte ich bis 9 Uhr durchgeschlafen, aber eine Krähe hatte es sich halb 7 genau über unseren Köpfen bequem gemacht und nervte mit ihrem Gekrächze die ganze Nachbarschaft.
So sind wir eben aufgestanden, haben festgestellt, das kein Nebel weit und breit zu sehen war. Auch die Temperatur lag bei angenehmen 15°und wir konnten schon morgens kurzärmelig rumspringen.
Zur Feier des Tages gab es sogar gekochte Eier, obwohl dieses Vorhaben 1x Nachtanken von Spiritus erforderte. Aber was tut man nicht alles, um es sich gemütlich zu machen.
Bis 13 Uhr waren es noch über 5 Stunden und wir schmiedeten Pläne, wie man diese Zeit überbrücken könnte. Wir entschieden uns, irgendwo am Meer einen Trail zu laufen und uns nachher noch etwas Bar Harbor anzuschauen. 


Der Trail namens „Ship Harbor“ war ca. 2 km lang und sehr einsam. Kein Wunder, war es doch erst 9 Uhr morgens. Eigentlich hatten wir ja einen an der Klatsche. KEIN vernünftiger Mensch geht früh 9 Uhr ans Meer spazieren. Aber was solls. Uns kennt ja hier keiner 

  

Momentan war Ebbe und es roch an manchen Stellen arg streng, aber das gehört dazu, wenn man am Meer Urlaub macht. Unterwegs „begegnete“ uns noch ein Segelschiff und gegen 10 Uhr saßen wir wieder im Auto. Mein Vorschlag war jetzt, ERST die Tickets zu holen und dann noch irgendwo nen Stückchen zu laufen.

Am Schalter sagte mir der gute Mann, daß die Fahrt heute definitiv stattfindet und daß wir uns gegen 12.30 Uhr am Pier 1 mit Lichtbildausweis einzufinden haben.

Das mit dem 2. Trail ging aber dann doch irgendwie in die Hose, besser gesagt, fiel ins Wasser, weil…. aber dazu muß ich etwas ausholen:

Auf dem Plan vom NP habe ich gesehen, daß es einen Verbindungsweg zwischen Bar Harbor und der Insel Bar Island gibt, der aber nur bei Ebbe existiert und ich hatte die wahnwitzige Idee: da gehen wir lang



Ungefähr 20 Leute waren dort unterwegs und ein Auto. Nach ca. 100m fiel mein Blick auf die kleinen Wellen, die an das „Ufer“ schwappten und… momentmal…wieso fließt plötzlich das Wasser auf den Weg? Fuhr gerade ein Schiff vorbei? Nein, geht ja nicht, ist ja Ebbe.
Und dann machte es Klick. Nix Ebbe. F L U T !!!!
Nun aber nichts wie zurück, sonst können wir die „Wahlfahrt“ vergessen. Auch die anderen Strandgänger verließen den Weg, nicht aber ohne immer mal wieder anzuhalten und dem Spektakel zuzusehen.
Es war schon interessant, wie schnell das Wasser kam. Im nu war der Weg an einer Stelle komplett mit Wasser überspült und alle, die jetzt noch dahinter waren, zogen sich schonmal die Schuhe und Socken aus.
Wieder am rettenden Ufer bemerkte ich ein Päärchen, daß soeben die Insel in der Bucht, zu der wir wollten, verließ. Leider konnte man auf die Entfernung keine Gesichter erkennen, aber ich gehe mal davon aus, daß sie nicht besonders begeistert waren. Und das Wasser dachte nicht im Traum daran, mal kurz anzuhalten.
Als die beiden nach ca. 20 min endlich bei uns eintrafen, sah man, daß ihr das Wasser bis zum Hintern ging.

Ich denke, dieses Ereignis werden die beiden nicht so schnell vergessen.

Eine ganze Weile blieben wir noch am Ufer hocken und beobachteten Leute. Muß ja auch mal sein.

12 Uhr trennten wir uns aber von dem Schauspiel und liefen zum Pier 1, an dem schon die Atlantic Cat auf uns wartete. Dieses Schnellboot schaffte bis zu 26 Knoten (50kmh) und hatte 3 Decks. Wir setzten uns auf das 2. mit Blick auf das Meer. Schnell füllte sich die Schüssel mit Menschen aus aller Herren Länder, aber auch mit einer Schulklasse. Und sowas ist ja immer wieder interessant, obwohl wir sehr gern darauf verzichtet hätten, denn der Lärmpegel stieg beträchtlich.


13 Uhr stellte sich, wie bei Flügen, der Kapitän vor und gab uns einige Infos bezüglich des Wetters und was wir vermutlich zu sehen bekommen, dann gab es Sicherheitsanweisungen, was im Falle eines Falles zu tun sei. Als das ganze englische Geplapper endlich vorbei war, stellten wir uns auf eine ruhige und entspannte Fahrt ein, aber wie der Titel des Tages schon verrät: Am Ende kam alles ganz anders.


Kurz nachdem wir den sicheren Hafen verlassen hatten, vernahmen wir plötzlich eine schrille weibliche Stimme mit der Lautstärke eines herannahenden Düsenjets, bei der wir erstmal mächtig zusammengezuckt sind. Und diese Stimme sollte uns bis zum Hafen, den wir erst 17 Uhr wieder erreichten, nicht mehr verlassen.
Normal verstehe ich immer, was so auf englisch in meiner Nähe erzählt wird, aber diesmal huschte das Gebrabbel einfach so ohne Umwege durch mein Hirn durch und es ging mir einfach nur tierisch auf die Nerven. Was ich verstanden hatte, war der Zusammenhang zwischen den Zahlen auf der Uhr und der Blickrichtung. Wenn es also später hieß: Wal auf 9 Uhr, mußte man mittig links vom Boot schauen, hieß es 12 Uhr, war es in Fahrtrichtung usw.

Neben uns saß ein deutsches (?) Ehepaar, mit dem ich mich im Laufe der Fahrt immer wieder unterhalten hab und die für uns ab und an übersetzten.
Das Boot hatte seine Höchstgeschwindigkeit erreicht und es zog ganz schön, war aber trotzdem auszuhalten.
Plötzlich und ohne Vorwarnung schoß eine Chesna am Boot vorbei und wir bekamen sooo Augen. Alle zückten ihre Kameras und Videoausrüstung und hofften, daß die Maschine noch einmal zurückkam, was sie tatsächlich auch tat.
Genial. Aber ich denke, daß das alles zum Programm gehörte.

 

Kurze Zeit später bekam Hühnchen hunger und hat sich am Bordkiosk eine Brezel geholt, von der sie dachte, daß es aus Laugenteig besteht. Wir setzten uns nach innen und verspeisten das zugegebener Maßen ekelige Teil. Dort meinze dann auch das Huhn zu mir, daß es ihr irgendwie schummrig war und das es vermutlich daran lag, daß das Kiosk im Unterdeck war und das es dort mehr schaukelte, als oben.

Nach ca. 10-15 Seemeilen kamen wir an ein klitzekleines verlassenes Eiland, auf dem ein Leuchtturm und ein Wohnhaus samt Nebengebäude standen. Eigentlich war es nur ein halber Schuppen, den die komplette untere Hälfte fehlte.

Wie wir später erfahren haben, gab es hier vor 4 Wochen einen Orkan namens Bill, der für dieses Desaster gesorgt hatte.



Weitere 5 Seemeilen später hatten wir endlich die Walgründe erreicht und die schrille Stimme forderte jeden Gast auf, sich mit ihr nach Walen umzuschauen.
Ich begab mich aufs Oberdeck, um bei der Suche mitzuhelfen, aber irgendwie sah man nur Wasser ohne Wale und Menschen mit Kotztüten.

Als sich nach 15 min nichts zeigte, suchte ich meinen angestammten Platz auf dem 2. Deck auf und sah ein völlig bleiches Hühnchen, daß da wie ein Häufchen Elend dasaß. Ich setzte mich zu ihr und sie meinte nur: bitte nicht anfassen. Mir ist ja so schlecht.
Das war zwar nicht das, was ich mir vorgestellt hatte und ich hoffte inständig, daß es nur eine kurze Phase war, aber gut, da mußten wir jetzt durch.
Lange Rede, kurzer Unsinn: ca. 2 Stunden schaukelte das Schiff noch durch diese Gegend, aber wir bekamen irgendwie nichts zu sehen. Einmal hörte man nur: Whale on 12’ aber bevor jeder aufgesprungen war, war das Tier schon wieder abgetaucht. Es folgten noch 5-10 Blas, aber ansonsten sah man nur Wellen und den Horizont.

 

Zwischendurch besorgte ich Hühnchen noch 3 Brechtüten und wanderte von Deck zu Deck und irgendwie wurden es von Minute zu Minute mehr Seekranke, die in allen Ecken und auf allen Stühlen rumlagen.

So traurig wie es auch ist, aber am Ende werden diese Leute die Fahrt mehr in Erinnerung behalten, als der Rest.

Kurz vor 5 nachmittags traten wir die Rückfahrt an und als ich zufällig dem Hühnchen wieder über den Weg lief, sagte sie nur 2 Worte: Fünf mal.

Ihr Gesichtsausdruck war eine Mischung aus völliger Übernächtigung und schlechtem Essen und sie wünschte sich nichts mehr, als endlich festen Boden unter den Füßen.


Kurz nach 5 erreichten wir den Hafen und liefen, ohne uns noch einmal umzudrehen, direkt zum Auto.

Da wir kein Brot mehr hatten, mußten wir schnell noch zum Supermarkt. Irgendwo in Bar Harbor gab es einen Laden, in dem wir gestern schon waren und bevor wir lange suchten, gab ich Margret den Auftrag: bitte hinführen.
Sie meinte nur: „Bitte nach 200m links abbiegen, dann sofort haben sie ihr Ziel erreicht!“
Hühnchen und ich schauten uns an und mußten erstmal lachen. Aber so ist das im Leben, man macht immer alles viel zu kompliziert.
Sie blieb im Auto und ich holte schnell Brot und ein paar Kekse, denn sie hatte seit Stunden nichts mehr im Magen. Als ich zurück ans Auto kam, meinte sie nur: Alles, nur nichts Süßes.
Na Klasse, umsonst 2,20$ ausgegeben. Ok, eß ich es eben alleine
Ursprünglich wollten wir ja nach den Walen noch einmal zu den Klippen gehen, an denen wir heute Morgen entlangliefen, als Ebbe war und den Unterschied im Bild festhalten und abend noch einmal zum Leuchtturm, aber wie gesagt:
Am Ende kam alles ganz anders.


Ich schaffte Hühnchen zum Zelt, in das sie sich ohne Umwege verkroch und ich parkte das Auto neben dem Restroom, holte Emails ab und, da der Tag auf dem Meer auf meiner Haut und den Haaren seine Spuren hinterlassen hatte sprang ich schnell noch unter die Dusche.
Halb 8 weckte ich Hühnchen, und sie versuchte etwas zu essen, bekam aber nicht viel runter. Ich schrieb noch etwas am Tagesbericht und kurz vor 10 krochen wir dann in unsere Schlafsäcke.
Fazit des Tages: Nie wieder Whale watching und die für die weitere Zukunft geplante Raftingtour und die Alaskakreuzfahrt sind gestrichen.





24. September 2009



Vier Tage waren wir jetzt in Maine und haben es nicht einmal geschafft, Lobster zu essen. Irgendwann diesen Urlaub müssen wir es aber noch hinbekommen, denn man kann nicht nach Neuengland fahren und nichts aus dem Meer probieren. Das ist wie in den Westen fliegen und keine roten Steine knipsen.

Die heutige Etappe ist die längste dieser Tour und führt uns nach North Conway nach New Hampshire, wo wir unser Zelt wieder für 2 Tage aufstellen wollen. Dieser Ort liegt in den White Mountains und es gibt 2 Dinge, auf die ich dort hoffe: bunte Bäume und nächtliche Temperaturen über 10°.
Als ich den Urlaub geplant hatte, stolperte ich auch über Bangor und das die bekannteste Person der Stadt Stephen King ist. Heute morgen fragte ich Hühnchen, ob sie Lust hätte, einen Abstecher dahin zu machen, denn man findet bestimmt etwas, daß mit Stephen King zu tun hat. Sie meinte nur: "Stephen King? Der Regisseur?"
Ich ließ Bangor Bangor sein und beschloß, nur das Capitol in Augusta mit ihr anzusehen, daß wir in ca. 20 min erreichen, denn wir sind mittlerweile auf der US 1 unterwegs.




Als wir in Hartford im Capitol waren, kamen wir auch an einem riesigen Sitzungssaal vorbei, der aber für Besucher nicht zugänglich war. Anders in Augusta, denn dort konnte man sich sogar auf den Stuhl des Senators setzen (und mal so tun, als hätte man Ahnung). 

 

Je weiter wir Richtung Norden fuhren, umso bunter wurden die Bäume. Dazu der blaue Himmel…das alles war wirklich schön anzusehen. Aber wie so oft kam auch diesmal die Sonne von vorn.

Margret führte uns zielstrebig zum Capitol und wir parkten irgendwo verbotenerweise bei einer Drive-Thru-Bank.

Andere geben sich damit zufrieden, das Capitol aus allen Blickrichtungen abzulichten, aber wir beide setzen immer noch eins drauf: wir kennen (fast) alle Capitoltoiletten der USA.
Die Wände jedes der Stockwerke waren mit Gemälden früherer Gouverneure und Senatoren vollgehängt und auch sonst wirkte alles eher altbacken und man sah außer ein paar Sekretärinnen keine Menschenseele.

Wir umrundeten später das Gebäude noch einmal, um von der Vorderfront ein paar Fotos zu machen und fuhren dann weiter Richtung New Hampshire und den White Mountains.

Endlich konnte man vom Indian Summer sprechen, denn hier knallten einem wirklich schon alle Herbstfarben entgegen und wir wollten, STOP! ICH wollte am liebsten alle paar km anhalten und Fotos machen. Aber wenn Hühnchen einmal fährt, fährt sie.



So langsam knurrte uns der Magen und wir begaben uns auf die Suche nach etwas Eßbaren und wurden in Bethel, kurz vor der Grenze zu NH fündig. In einem urigen Diner bestellten wir je eine Pizza und ich dazu noch ein Lobsterstew.

Wie schmeckt Lobster? Nunja…eigenartig. Süßlich. Etwas zäh. Fischig. Komisch. Nicht unlecker, aber für die nächsten Jahre reicht es.
Nach gefühlten 2 Stunden kam dann auch unsere Pizza und gleich darauf brachen wir zu unserer letzten Etappe auf.



Tagesziel war der Cove Campground am Conway Lake, aber bis wir ihn erreichten, haute uns jemand noch viele Steine vor die Füße. Auch Margret wußte nicht immer, was sie mit uns anstellen sollte und statt uns auf der großen Straße zu lassen, jagte sie uns irgendwo in die Walachei.



Gegen 17 Uhr trafen wir in North Conway ein und wir, falsch: ICH tat etwas, was ich normalerweise NIE tu: wir gingen shoppen.
Ich hasse shoppen. Aber hier in NH wird keine Mwst. erhoben, und man kann, auch dank des wunderbaren Dollarkurses (1,47), herrliche Schnäppchen machen.
Lange Rede, kurzer Unsinn, ich habe mir 2 Jeans für umgerechnet 26€ gegönnt und gleichzeitig beschlossen: das war das letzte Mal in diesem Jahrhundert !!!
So langsam ging die Sonne unter und es wurde Zeit, zum Campingplatz zu fahren. Ich gab Margret die Route anhand der Karte ein und wir düsten Richtung See.
Dann kam Stein Nr. 2: Sie ließ uns rechts auf einen Waldweg abbiegen und meinte: in 8 km haben sie ihr Ziel erreicht.


Schon nach wenigen hundert Metern kam mir die ganze Sache suspekt vor, denn es gab weder ein Hinweisschild, noch war die „Straße“ in irgendeiner Weise befahren.
Die Krönung des ganzen kam nach ca. 2km, als wir rechts abbiegen sollten und wir plötzlich vor Grasland standen. Hätte uns nicht gewundert, wenn wir uns zwischen zwei Bäumen festgefahren hätten. Ich glaub, dann hätte Margret noch von uns verlangt: bitte wenden. Wenden sie JETZT.
Irgendwie waren wir falsch. Hier kam seit Jahren kein Fahrzeug mehr lang, geschweige denn ein Campinhänger.
Wir drehten also um, fuhren zurück zur Straße und fragten an einer Tankstelle nach dem Weg. Des Rätsels Lösung war, daß wir die Karte falsch gelesen und einen Weg zu zeitig eingegeben hatten.
Halb 7 waren wir dann endlich angekommen, suchten uns ein nettes Plätzchen für 63$ die 2 Tage und bauten im Scheinwerferlicht unser Zelt auf. Diesmal hatte unsere Campsite sogar Stromanschluß. Nur mit dem Internet hakt es etwas, denn wir sind online, aber irgendwie finden wir keinen Server. Wir testen es morgen mal in Ruhe.
Letzte Amtshandlung des Tages: Bericht schreiben.




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