Montag, 28. September



Als ich heute Morgen 7 Uhr aus dem Fenster schaute, rechnete ich mit Regen, dunklen Wolken, Sturm und Gewitter. Und was war? Ein bisschen Nebel und strahlend blauer Himmel.

Wollte der Wetterbericht uns verkackeiern? Also eine 100%ige Regenwahrscheinlichkeit sieht bei MIR anders aus. Das ist jetzt aber alles egal, wir hatten gestern Abend eine Routenveränderung beschlossen und beließen es jetzt dabei.
Nach der Morgenhygiene und einem Nutellafrühstück ließen wir uns von Margret die schnellste mautlose Route nach Albany zeigen und waren bereits 8 Uhr auf der I87 nach Süden.

Die ersten km bereuten wir es angesichts der Ausblicke die uns geboten wurden, doch schon etwas nicht in diesem Park zu bleiben, aber für heute waren noch Gewitter und Regen angesagt und das wollten wir nicht noch einmal durchmachen.
Irgendwo auf halber Strecke meldete sich meine Blase und Hühnchen meinte, da war ein Schild mit Rest Area und 18 Meilen. Wir fuhren also noch km um km und die Rest Area kam und kam nicht, aber ständig irgendwelche Food Exits und ich meinte, wir fahren den nächsten Food raus und ich geh zu Mc Donalds.

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Wir fuhren ab und mein letzter Satz lautete: wollen wir wetten, wenn wir wieder auf den Highway kommen, steht nach 100m ein Schild: Next Rest Area 1 mile?
Tja, und wie das Leben so spielt…es hat keinen km gedauert…

Nach 200km auf dem Highway erreichten wir zielsicher Albany und der erste Eindruck war: irgendwie möchte ich hier nicht wohnen. Das neueste an der Stadt waren die Autos, die überall parkten, aber ansonsten hatte das, was wir zu Gesicht bekommen haben irgendwie was von der Bronx. Viele Straßen, viele Brücken, alte Häuser und es wirkte alles etwas unsortiert.





Ohne unsere Margret hätten wir das Kapitol jedenfalls nie gefunden, denn es sah nicht aus wie die typischen Kapitole und der Weg dahin durch die Stadt war recht kompliziert.
Unsere größte Sorge bestand aber jetzt darin, einen Parkplatz zu finden, den in so einer großen Stadt kannste nicht mal eben ins Wohngebiet fahren und dein Auto 20 min hinstellen. Hier gabs nur Parkuhren und abrißreife Parkhäuser und in genau so eins mußten wir uns stellen, denn Bargeld hatten wir nie. Als wir das Haus verließen, sahen wir das Preisschild: 1 Hour 8$



Schade, daß ich das Gesicht vom Hühnchen nicht geknipst hatte, es sprach Bände. Aber so war es jetzt eben. Ändern konnten wir es nicht mehr.
Ich hatte mir heute morgen vorsorglich einen Rollkragenpullover angezogen, denn gestern war es ja noch eiskalt und ich hatte keine Lust, schon wieder zu frieren. Das sich aber das heutige Wetter nicht an den Wetterbericht hielt, konnte ich ja nicht wissen. Mir war irgendwie ganz schön heiß.


3 Versuche brauchten wir, um die richtige Tür ins Kapitol zu finden und dahinter erwartete uns das erste Mal eine Personenkontrolle samt Körperscanner.
Das Gebäude an sich war im ersten Moment unspektakulär. Also keine Statuen oder runde Kuppeln. Es dauerte auch ewig, bis wir eine Treppe nach oben fanden. Das Treppenhaus hingegen war historisch und recht verschnörkelt, was aber das einzigste interessante im Haus war. Irgendwo in der obersten Etage hinten links gab es noch einen Zugang in den Kongreßsaal, das wars dann aber auch.
Nach 45 min verließen wir das Kapitol und liefen zurück zum Auto.




Insgesamt waren wir etwas mehr als eine Stunde unterwegs, was sich in den Parkgebühren bemerkbar machte, denn am Ausgang hatten wir 10$ zu löhnen.

Als ich gestern Abend die Karten mit dem Huhn studiert hatte und wir beschlossen, Richtung Süden nach New Jersey zu fahren, sah ich daß alle Highways ab Albany Tollways waren. Ich hab also schon wohlwissentlich Margret so eingestellt, daß zwar Autobahnen erlaubt aber Mautstraßen verboten sind.
Und was macht Margret, nachdem wir die Tiefgarage verlassen hatten?
Schickt uns auf den Hwy 87 nach Süden, der eindeutig als Mautstraße ausgewiesen war.
Meine Laune änderte sich schlagartig und ich wurde richtig wütend, denn zum Umdrehen war es zu spät. Der Mautmensch drückte uns einen Zettel mit Zahlen und Preisen in die Hand und meinte: pay on exit.
Ich schaute mir die Liste an, verglich die Route mit meiner Karte und legte fest, daß wir die nächste Abfahrt wieder runterfahren und dort Margret im hohen Bogen aus dem Fenster schmeißen. Ich war sooo sauer.
Nachher hab ich dann begriffen, wie sie tickt. Bei jeder neuen Routenplanung stellt sie das Routenprofil auf Null, sprich: Werkseinstellung. Man muß sozusagen vor jedem Start sagen, wie man es gerne hätte: schnell, langsam, schön, kurz, im Auto, auf dem Motorrad, kostenlos, mit Bezahlung… es ist also wie im wahren Leben
Mittlerweile hat sie sich gefangen und wir sind auf der US209 Richtung Süden unterwegs. Grad hat es angefangen zu regnen, aber Hühnchen meinte, das ist guter Regen. Heftig aber kurz. (So sieht also IHR Leben aus) 




Kurz hinter Albany hatte ich mal wieder die Möglichkeit, dem Huhn die Welt zu erklären, denn wir überquerten den Hudson River.
Meine einfache Frage an Hühnchen lautete deshalb: "Na, Hühnchen, in welcher großen Stadt mündet der Hudson River ins Meer?"
Sie: "Weiß nich"
Ich: "Ach koooomm, Hudson River. Flugzeugabsturz.
Das Wunder vom Hudson!"
Sie: "Keine Ahnung. Flugzeugabsturz? Weiß nich. Boston?"
Damit beendete ich die Fragestunde. Es war mir nämlich ab dem Zeitpunkt nicht mehr möglich, irgend etwas zu dem Thema zu sagen. ICH fand die Frage jedenfalls einfach...

Bisher hatten wir es so gut wie möglich vermieden, im Bundesstaat NY zu tanken, denn dort kostete die Gallone immer zwischen 2,70 und 2,99$ und ich wußte, daß New Jersey an der Ostküste der Staat mit den günstigsten Benzinpreisen ist. Das bestätigte sich auch sofort, als wir die Grenze passierten. Hier sah es aus, wie hinter der deutschen Grenze zu Polen: eine Tankstelle an der anderen und Preise, da wünschte man sich quasi einen leeren Tank.
Heute wollten wir aber nur noch schnell unser Zelt aufbauen und unsere Ruhe haben, auch wenn den Tag über nicht viel passiert war, worüber es sich zu berichten lohnt.
Margret führte uns ohne Probleme in den Park und wir bogen links ab, so wie sie es uns gesagt hat. Mittlerweile ist ja die Saison zuende und es wunderte uns nicht, daß wir niemanden sahen und außerdem lud das Wetter ja nun wirklich nicht zum picknicken ein. Wir fuhren also und fuhren und irgendwann war der Park zuende. Was nun? Am Anfang stand doch ein Schild mit Office. Wo war es denn dann?
Wir drehten schließlich entnervt um und fuhren zurück zum Eingang und wunderten uns dort, daß wir nicht erst schon das Schild „rechts abbiegen“ gesehen hatten. Auch das Office war von der Straße aus zu sehen, aber wenn man schon mal auf Frauen hört… 

 

Hühnchen schnappte ihre Kreditkarte, ich meine Englischkenntnisse und wir stapften los. An der Tür angekommen, lasen wir folgendes Schild: Office open 9 a.m. – 4 p.m.Wir schauten auf die Uhr, die 16.30 Uhr zeigte.
Tja, und nun? Erstmal ärgern. Das können wir am besten. Als die miese Stimmung, die langsam aufkam etwas verzogen war, beschlossen wir, uns unsere Site selber auszusuchen, unser Zelt aufzubauen und morgen zu bezahlen.
Gesagt, getan und schwupps stand das Zelt. Unser Platz lag direkt an einem See, der von der Größe her eher ein Teich war, aber hier war es ruhig, fast menschenleer und mückenfrei.
Den Rest des Tages verbrachten wir mit dem Beobachten des Campingfeuers und dem Urlaubspläne schmieden.






Dienstag, 29. September


Mal wieder wurden wir vor dem Sonnenaufgang wach und bemerkten, daß unser Zelt innen und außen komplett klitschnass war. Sogar das Innenzelt hing voller Tropfen, obwohl es die ganze Nacht nicht geregnet hatte.
Nass wie es war, bauten wir es ab und packten es schnell in einen blauen Müllsack. Wir vergewisserten uns, daß wir nicht mal wieder etwas liegen gelassen hatten und verließen den Park. Da das Office aber erst 9 Uhr öffnete, es aber erst halb 8 war, mußten wir leider auf das Bezahlen verzichten. Solange wollten wir nicht warten und eine andere Möglichkeit der Geldhinterlegung gab es nicht.

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Heute fing nun definitiv der letzte Teil des Urlaubs an, denn es ging ins Land der Amish’s nach Pennsylvania. Da wir durch die Streckenänderung 1 Tagen übrig hatten, beschlossen wir, auf dem nächsten Zeltplatz 2 Nächte zu bleiben, denn wer weiß, ob wir dieses Völkchen gleich finden werden. Lancaster County ist ein großer Landkreis und wer weiß, wo sie stecken.
Bevor es aber auf die rund 200km lange Strecke ging, mußten wir natürlich erstmal von dem billigen Sprit Gebrauch machen und haben unseren Tank mit 87-Oktan-Flüssigkeit für 2,39$ die Gallone vollgehauen. Dazu noch einen pappig süßen Cappuchino to go für 99ct, der einem die Fußnägel hochrollte und es konnte losgehen.
Ca. 30km später kam natürlich das, was IMMER passiert: wir fuhren an einer Tankstelle vorbei, bei der die Gallone nur 2,25$ kostete und mal wieder gab es einen Grund, sich zu ärgern. Der, der auf seiner Homepage schrieb: „die billigeste Tankstelle ist die, an die man kommt, nachdem man getankt hat“ hatte mal wieder Recht und jedesmal hasse ich ihn mehr für diesen Satz.
Da wir hungrig gestartet waren, gönnten wir uns mal wieder ein richtig schönes kalorienreiches Frühstück irgendwo hinter der Grenze und meinten, danach nie wieder im Leben etwas Eßbares zu brauchen. Trotzdem verstehe ich es nicht, wie man sowas täglich haben kann. Wenn ich mir vorstelle, ich müßte jeden morgen Käseomeltett essen…




Landschaftlich gab es nicht viel Neues. Ich würde es als mitteldeutsches Bergland mit Farmen und Maisfeldern bezeichnen. Und mittendrin immer wieder nett anzuschauende Ortschaften und überall gemähter Rasen. Menschen sah man hingegen so gut wie nie. Man konnte durch kleine Dörfer fahren oder große Städte, Fußgänger waren so selten, wie Schnee im Rheintal. Wenn man es nicht besser wüßte, könnte man die Ortschaften durchaus als Geisterstädte betiteln.
Wir spulten die km größtenteils auf dem Highway ab und erreichten gegen 14 Uhr den French Creek State Park, wo wir uns zur Abwechslung mal einen Stellplatz mit Stromanschluß für 26$ die Nacht gönnten. Im Nachhinein eine sinnlose Ausgabe, denn komischerweise laden immer nur die Akkus meines Fotoapparates durch diese Anschlüsse, nicht aber die Akkus der Videokamera. Die kann ich nur im Auto laden. Verstehe einer die Technik.


Bevor wir das Zelt richtig aufbauten, hingen wir erstmal unser Innenzelt zum Trocknen auf, denn man konnte es auswringen.

      

     


Normalerweise wollten wir heute noch etwas Richtung Amish County fahren, entschieden uns aber wegen der Uhrzeit dagegen und beschlossen daher, die ebenfalls in diesem Park gelegene Hopewell Furnace NHS aufzusuchen.



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Nicht, weil es uns brennend interessierte, sondern weil es seit langem mal wieder einen Stempel in Hühnchens Paß gab. NHS bedeutet National Historic Site und hier handelte es sich um einen Ort, an dem im 18. Jh Eisen produziert wurde. Auf dem Parkplatz standen nur wenige Autos, was uns nicht wunderte, denn wirklich gesehen haben muß man das alles nicht.

Wir stiegen aus, gingen geraden Weges zum Visitorcenter, zogen an der Tür und…. ZU.
Zu?
Wieso zu?


Es ist halb 4 und an der Tür steht: 9am-5pm. Auch war sonst kein Hinweisschild zu sehen. Und was soll ich sagen? Mal wieder ein Grund, sich zu ärgern. Nicht, daß die Menschen hier im Osten die Ruhe weghaben, fahren, als gäbe es kein Ziel, nein, sie arbeiten auch so. Mach ichs heute nicht, mach ichs morgen.
Wir schauten uns die Häuschen und das Freilichtmuseum trotzdem an, verließen aber nach 30 min diesen Ort, nur um es morgen früh 9 Uhr noch einmal zu probieren. OHNE Stempel fahren wir hier NICHT weg !!


 

Im Supermarkt des Ortes kauften wir noch Brot, was Gesundes und was Ungesundes und kümmerten uns dann mal wieder ausgiebig um unser leibliches Wohl. So ein Omelett verdaut sich anscheinend doch schneller, als ich heute morgen noch vermutet hatte. Und wie auf jedem Campground üblich, hat der Herr vor jedes Essen das Holzhacken gestellt und so schwang ich erst einmal eine Runde die Axt, während es sich Hühnchen unter der Dusche gemütlich machte. Irgendwie umgerecht, oder?

Für mich gab es an diesem Abend Rindersteak mit Salat und fürs Hühnchen schon wieder Rührei mit Salat und Weißbrot. Dazu gab es einen 2009er indisch Südhang Schwarztee mit herrlich rundem Abgang für sie

und für mich einen Karamelkräutertee, denn mein Wein war seit 2 Tagen alle.
Als es dunkel war, begaben wir uns mal wieder auf Netzsuche, schrieben Emails, schauten nach dem Wetter für morgen, sicherten Fotos und gegen 22 Uhr verkrochen wir uns in unsere Schlafsäcke.



Mittwoch, 30. September



Als ich heute morgen gegen 8 Uhr wach wurde, hörte ich ein leises Klopfen. Und wie das früh immer so ist: erstmal muß man sich sammeln, orientieren und rausfinden, wo man ist, erst dann kann man sich dem klopfenden Problem widmen.
Nicht viel später wußte ich was es war.
30 Sekunden darauf war ich in der Hose und den Schuhen und rette alles, was nicht nass werden sollte. Hühnchen blieb liegen, denn so schnell ist sie morgens noch nicht
Unseren Morgenkaffee kochten wir nachher über dem Lagerfeuer, denn wir hatten ja nur noch eine Campingnacht und irgendwie mußten die restlichen Zentner Holz ja verbrannt werden.
Für den heutigen Tag waren 2 Dinge geplant: das Kapitol in Harrisburg und Amish’s aufscheuchen. 

Bis nach Harrisburg waren es ca. 150km und wir wollten die paar km eigentlich auf der linken Backe in 1h abspulen, aber wiedermal legte man uns Steine in Form von Baustellen den Weg. In Deutschland ist es ja so, da wird auf der Autobahn eine Spur gesperrt, dort wird gebaut und gebuddelt und wenn die Baustelle vorbei ist, darf man die Spur wieder benutzen.
In Pennsylvania ist es da ein klitzeklein wenig anders.
Man sperrt eine Spur, läßt die Autos 10km im Ungewissen, wofür das denn jetzt wohl gut sei, stellt dann auf die gesperrte Stelle einen LKW und nen Trupp quatschender Männer, läßt nach dieser Meute die Strecke weitere 10km einspurig und löst am Ende die Baustelle wieder auf.
20km einspurig für eine Hand voll Männer, die wahrscheinlich gerade picknicken.
Gegen Mittag hatten wir es nach Harrisburg geschafft und Margret meinte, uns die erste Abfahrt runterschicken zu müssen, weil es angeblich der optimalste Weg ist. Es ist jetzt schwer für mich zu beschreiben, wo wir landeten.
Ich würds versuchen mit: möchtest du deinem Leben ein Ende setzen, steig aus.
Eine Mischung aus Ghetto und Latinoslums. Überall Müll am Straßenrand, unheimliche Gestalten und abbruchreife Buden. Und dann meint Margret auch noch in einer Sackgasse: am Ende der Straße links abbiegen.
Noch nie fühlten wir uns so umzingelt, wie zu diesem Zeitpunkt.
Bisher ging ich davon aus, daß es in der Nähe von Regierungsgebäuden sicher ist und das da nur Menschen wohnen, die das nötige Kleingeld haben, aber in den USA ist eben alles ein wenig anders.
2 Querstraßen weiter suchten wir uns einen Parkplatz und standen vor dem bisher größten Capitol dieser Reise. Ein riesiger Granitbau mit grünem Dach und ROSA Springbrunnen davor.
Ja, richtig. ROSA.


Ich weiß nicht, was sich die Leute dabei gedacht haben, sicher, daß gelb wohl noch unangebrachter gewesen wäre. Es war jedenfalls ein gewöhnungsbedürftiger Anblick.
Wie üblich war der erste Gang im Gebäuder der zur Toilette und danach widmeten wir uns dem Dom, äähm Theater, äähm….Capitol.



Vor 20min standen wir noch vor Häuserruinen und nun inmitten einer architektonischen Pracht, daß es schon unheimlich war. Marmor, Stuck, Gold, Gemälde, Kronleuchter…alles war vorhanden und eigentlich fehlte nur noch ein Diener, der uns Programmheftchen für den folgenden Abend in die Hand drückt.
Immer wieder mußte ich mir ins Gedächtnis rufen, daß wir uns in einem Regierungsgebäude befanden.


Sogar der Sitzungssaal sollte wohl eher mal eine Oper werden. Wir befanden uns oben auf den Balkonen und staunten nicht schlecht, in welcher Atmosphäre hier so gearbeitet wird.
Unser Parkticket ließ uns leider nicht mehr Zeit zum gucken und staunen, daher verließen wir nach 30 min wieder diesen Ort der Geldverschwendung und wollten uns jetzt dem interessanteren Teil des Tages widmen.





Leider wußte ich immer noch nicht genau, wo man denn die Amish’s konkret findet und so fuhren wir erstmal wieder Richtung Osten ins Lancaster County.
In der Stadt selber gönnten wir uns bei Pizza Hut einmal Spaghetti und Lasagne und erfuhren vom Kellner, wo genau man die Amish’s findet.
Des Rätsels Lösung: Intercourse.

 

Es gibt schon seltsame Ortsnamen in den Staaten, aber was sich der Mensch bei diesem Titel gedacht hat, ist mir schleierhaft. Ich werde keine Übersetzung anfügen, denn ich hab ja eine jungendfreie Seite und das soll sie auch bleiben. 

Wir begaben uns also in diesen Sündenpfuhl und kamen im rechten Augenblick in der Stadt an, denn es war gerade sowas wie Rushhour. Eine Kutsche nach der anderen und Frauen mit Häubchen auf Rollern zum selber anschieben und Kinder mit Strohhüten und Brottaschen unter dem Arm. Es war, als fuhren wir in eine andere Zeit.

Männer mit diesen komischen Bärten, auf den Straßen lagen überall Pferdeäpfel rum

 
und an den Wohnhäusern hingen Leinen voller Wäsche, die nicht aus diesem Jahrhundert zu sein schien.
Drei mal fuhren wir die US 340 hin und her, um ja nichts zu verpassen und vielleicht doch einmal ein Foto machen zu können, daß die Menschen nicht nur von hinten zeigte.




Sollte ich irgendwann mal wieder in Pennsyvania sein, ich würde wieder hierher kommen.





Während wir in Intercourse eine kurze Rast einlegten, schnappte ich mir mein Notebook und hatte vor, mich mal schnell nach einem Hotel für morgen umzuschauen. Bisher hatte ich die Motels immer vorgebucht, aber der Urlaub 2007 hat mich eines gelehrt: am Ende kommt es meistens anders, als geplant. Und so wollte ich mich erst um unser letztes Bett kümmern, wenn ich wußte, wo wir ungefähr sein werden.




Das Ziel für den morgigen Tag lag irgendwo zwischen Trenton, NJ und New York City und so fragte ich mal schnell bei Priceline an, ob sie was für mich tun können.
Neben mir saß nach ihrer Zigarettenpause wieder das Huhn und folgte interessiert meinen Handlungen.
Ich gab ein „Trenton“ und Priceline spuckte mir 5 Regionen aus. Ich fragte Hühnchen, wo ungefähr sie gerne nächtigen würde und versuchte dann nördlich der Stadt an der US1 ein Zimmer zu bekommen. Wir sagten 2,5* und gaben 60$ ein und waren gespannt, was passieren würde. Das letzte Mal waren 60$ zu wenig gewesen und so machte ich mir keine großen Hoffnungen.
10 Sekunden später las ich:




Your price was accept.
Wow.
Und das beim ersten Versuch. 
Ok, wo steckt die Buchungsmaschine uns denn hin?
Coool. In ein Hyatt. 3*. Na wenn das nicht nen Volltreffer war?
Während der ganzen, sich endlos in die Länge ziehenden Rückfahrt, sah ich mich schon im weißen flauschigen Bademantel auf dem Hotelbett liegen und vor mich hindösen. Endlich hatte ich mal wieder etwas, worauf ich mich freuen konnte.

Den restlichen Abend ließen wir ruhig ausklingen, denn es war die letzte Nacht auf einem Campground für lange Zeit. Wir verfeuerten die letzten Scheite Holz und verkrochen uns gegen 22 Uhr in unsere Schlafsäcke.



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