8. Oktober                                                                      



Mein bisheriger Lieblingstag.
Heute ging es endlich ans Meer. Man, wie hab ich DARAUF gewartet. Wer einmal den Großteil seines Lebens im Rheintal verbracht hat, wird mich verstehen. Das ist wie aus dem Knast entlassen werden. Endlich Sonne sehen. Die endlose Weite. Wind um die Nase. Und der Geruch der großen weiten Welt.


Wenn man von Sacramento aus ans Meer möchte, kommt man eigentlich unweigerlich am Nappa Valley vorbei oder mittendurch. Hier sieht es auch irgendwie wie im Rheintal aus. Nur ohne Tal und ohne Rhein. Und mit viel mehr Weingütern. Während man zuhause unterscheidet, welche Rebsorte grad angebaut wird, fährt man hier von einer Privatkellerei zur nächsten und kann, wenn man die Zeit und den Verdauungstrakt mitbringt, den ganzen Tag von einer Weinprobe zur nächsten fahren. Oder laufen. Oder kriechen. 





Die bei Touristen bekannteste Kellerei ist das Castello di Amorosa. Für die Besitzer scheint dieses Anwesen die Erfüllung ihrer Träume zu sein, für Europäer ist es eher Kitsch auf Beinen. Eine nachgebaute mittelalterliche Burg, die von aus der Toskana eingeflogenen Zypressen umwachsen ist, paßt nun mal gar nicht ins Valley.

 

Den Japanern und Chinesen schien es allerdings zu gefallen. Auch haben sie in ihrem Leben sicher noch nie Weinpflanzen gesehen und stiefelten munter zwischen den Reben hin und her und ließen sich mit jedem einzelnen Blatt fotografieren.
Ich hingegen hatte Spaß mit Gänsen. Sie hatten was gegen mich oder meine Schuhe. Wer weiß das schon. 



Ich hätte mir das Castillo auch von innen anschauen können, aber 34$ sind dann doch etwas happig für etwas Nachgebautes, in dem man vielleicht noch 10cl Wein probieren darf.





Ich knipste meine 10 Bilder und war wieder auf der #128 Richtung Norden.
Die Höchstgeschwindigkeit war mit 45 Meilen angegeben und selbst da kam ich mir manchmal vor, als wäre ich ein Stauverursacher. Aber schneller fahren traute ich mich nicht. Hinter jedem Hügel konnte ein Officer in seinem Streifenwagen lauern.



Und wenn die dich ausgeguckt haben, stehen die aber sowas von schnell hinter dir und atmen schwer, so schnell kannst du gar nicht gucken. Lieber hielt ich mal kurz an und ließ die Einheimischen an mir vorüberziehen.