Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet.
                         Je mehr jemand die Welt liebt, desto schöner wird er sie finden.
                                                         Christian Morgenstern


Sonntag, 1. Mai                                                                                    


Heute konnte man mit Recht vom Tag der Arbeit sprechen. An kaum einem anderen Tag, mal abgesehen von der Anreise 2010, war es so anstrengend wie heute.
Eigentlich fing es schon gestern an als ich las, daß United es nicht zuläßt, daß man sich die Bordkarte selber ausdruckt. Entweder man nutzt die App, dann bekommt man alles als Screen auf’s Handy oder man stellt sich am Schalter an.
Da ich alle wichtigen Unterlagen immer 2x haben möchte, also als Mail und als Ausdruck beispielsweise, war mir das mit der App nicht geheuer. Wer weiß, ob sie da noch extra Mails verschicken.
Also habe ich ohne Ausdruck eingecheckt und mich darauf verlassen, daß ich morgen nicht wegen zu blöd und antik abgewiesen werde.
Den Wecker brauchte ich nicht. Ein stechendes Pochen in der linken Kopfhälfte hat mich schon gg 6 Uhr aus dem Schlaf gerissen. Keine Ahnung, wer Kopfschmerzen erfunden hat, aber es ist SOWAS von überflüssig.
Eine Stunde später hing ich auch noch über der Schüssel.
Reisefieber?
Keine Ahnung. Mein Blutdruckmessgerät meinte 186:87 und 104 Puls. Hypertonie Grad 3.
Ich verzichtete auf Kaffee.
Die Anreise zum Flughafen war dann wie gehabt. Mit dem Auto zum Bus, mit dem Bus zum Zug und mit 2 Zügen zum Flieger.
Derjenige, der etwas erfindet, daß es auf Bahnhöfen nicht so schweinekalt ist und zieht, wäre mein Held. Außerdem wäre es nett, wenn wenigstens EINMAL alle Rolltreppen am Flughafen und Umgebung funktionieren würden. Mit 35kg Gepäck und Hypertonie Treppen steigen ist nicht  witzig. Aber wenigstens war mir dann warm.
Die Schlange am Unitedschalter war nicht lang. Nur andauernd. Ich stand gefühlt 1 Stunde da, um mein Köfferchen abzugeben und der Dame zu sagen, wo mein erster Aufenthalt auf amerikanischem Boden sein wird. Solch einen Ausdruck hatte ich nämlich nicht, da ich gestern schon alles online erledigt hatte.
Sie gab sich mit dem Hotelnamen und dem Ort zufrieden.
Die 777 war komplett ausgebucht.



eine Schalkemaschine hatten sie gerade nicht auf Lager..


ja, manchmal komme sogar ICH ins Grübeln


Lasagne und Eblisalat. War ok


das war sooooo gut.

Es war ein alter Flieger aus dem Jahr 99. Aber das Inseatentertainment funktionierte tadellos. Die meisten Filme waren Quatsch.
Und ich brauchte heute eine Menge, da wir 90 Minuten länger im Flieger zubrachten, als angeschrieben. Statt 18:00 Uhr landeteten wir erst 19:30 Uhr, weil der Pilot nach dem Reifenwechsel in Frankfurt die 2 Stunden nicht mehr komplett aufholen konnte.



Immigration dauerte dann NOCH länger.
Hier in Houston gibt es 2 Reihen Schalter. Die größte Zahl, die ich sehen konnte, war 69. Von diesen 69 Schaltern waren zum Ende hin 7 besetzt. Als ich in die Halle trat, waren es nur 3.
Mein Officer sah zwar bedrohlich aus, aber es war der einzige in meiner USA-Laufbahn, der verständlich und langsam gesprochen hat. Zwar wollte er auch wissen, was ich hier mache und wo ich hinwill und wie lange, aber ich konnte alles plausibel erklären.
Zum Schluß gab es noch einen Alligatorangucktipp von seiner Seite und ich war entlassen.
Meinen Koffer sammelte ich gg. 21:30 Uhr ein und den Mietwagen 30 Minuten später.
Bedienen durfte ich mich dann in der Reihe von National, da mir keins der 2 Wagen bei Alamo zusagte.


den linke hatte ich schon einmal und der rechte war... betagt



Ford hatten sie keine, daher entschied ich mich schweren Herzens für einen Jeep Cherokee mit ohne freigeschaltetem Sirius (Satellitenradio) und nicht wirklich ausschaltbarem Radio.
Farbe silber. Kennzeichen Texas. 2600 Meilen auf dem noch jungen Buckel. Spritverbrauch ca. 7,5 Liter. Den Knopf für den Tankdeckel fand ich erst mit Hilfe der Gebrauchsanweisung, die im Handschuhfach lag.



Margret sollte mich noch zu einem Supermarkt schicken, aber das vertagte ich wegen extremer Müdigkeit auf morgen.

Die erste Nacht schlief ich im Days Inn in Humble und hätte ich 8 Stunden durchgeschlafen, wäre es eines der besten Motels, in denen ich je war. Aber schon gegen 2 war ich das erste Mal wach. Dann nochmal gegen 3 und 4. 




Nach dem Koffer umpacken schaffte ich es noch bis kurz vor 8 im Bett zu bleiben.
(Der Grund, weswegen man trotz extremer Müdigkeit in der ersten Nacht nicht schlafen kann, ist die Wachsamkeit der linken Gehirnhälfte, die wegen der Fremde nicht abschalten kann und auf der Lauer nach Gefahren liegt.)



Montag, 2. Mai                                                                                     


Als ich gestern das Flughafengebäude verließ, empfing mich eine warme drückende Wand aus Schwüle. Heute Morgen war es da schon eher kühl und leicht nieselig und die Wolken hingen extrem tief. Ich war nur ca. 3 km von der Landebahn entfernt und konnte die vorüberfliegenden Stahlkolosse nur hören aber nicht sehen.


gestern vergeblich gesucht, heute morgen gefunden: den Knopf zum Öffnen des Tankdeckels,
den man vom Fahrersitz aus NICHT sieht


Wal-Mart und Safeway gibt es hier nicht. Hier gibt’s Kroger und ich bin da jetzt auch Member, was mir 4,50$ Rabatt auf meinen 29$ Einkauf bescherte. Einfach mal so.
Ich mußte nix ausfüllen oder beantragen. Ich war nur am Customerschalter und hab nach einer Membercard gefragt.
Das erste Essen des Tages gab es dann natürlich bei IHOP.
Colorado-Omelett und Pancakes, zu denen es heißen Ahornsirup gab.
Konnte ein Urlaub besser beginnen?




Landschaftlich war es hier wie in Pennsylvania in etwa. Oder North Carolina. Viel grün, leicht hügelig. Viele Autos und Autoverkäufer.
Wenn man mich vorher gefragt hätte, wie ich mir Texas vorstelle, so hätte ich immer geantwortet: trocken und öde.
Aber hier sah es aus wie in Hessen. Irgendwie.


Landschaft zwischen Texas und Louisiana