27. Mai                                                                    18°C

 

Ich hab schlecht geschlafen. Jedesmal, wenn ich mich auf die andere Seite gedreht hab, wurde ich wach. Weiß der Geier, was das war.

Wenigstens schien die Sonne. Das war ja wohl das Mindeste, was ich erwarten konnte.
Wenn ich es recht betrachte, war das schon das Highlight des Tages. Jedenfalls wenn man sich die Fotoausbeute anschaut. 2 Fotos hab ich heute geschossen, und das nicht, weil es nichts zu sehen gab, sondern weil ich die Strecke heute schon das dritte Mal fahre.
Medford, Grants Pass, Grenze zu Kalifornien, Crescent City und Eureka. Ein schönes Fleckchen Erde. Aber ich habe einfach nicht daran gedacht, anzuhalten und Fotos zu machen.


                                      10km vor der Küste und jedesmal das gleiche: erst blauer Himmel
                                           und plötzlich schwappt die Suppe über die Baumwipfel...

Auf den beiden Bildern, die es bis ins Motelzimmer geschafft haben, ist einmal das Frühstück zu sehen und ein Strand, an dem ich anhielt um mir zu sagen: Geschafft. Endlich am Meer. Am richtigen Meer. Nicht so das windige Zeug oben in Ocean Shores.
In Eureka werde ich 2 Nächte bleiben.
2012 war ich mit Frau P. in Founders Grove im Humboldt Redwoods SP und es war fantastisch. Und das wollte ich mir noch einmal antun.
Es ist Memorial Day Weekend. Bin gespannt, ob sich dort auch die Einheimischen die Klinke in die Hand geben.

 



27. Mai                                                                22°C  

 

Ich hatte schonmal besser geschlafen. Ständig wurde ich wach. Dabei war es hier totenstill. Kein Auto. Kein Zimmernachbar. Kein Wasserrauschen.

Als ich dann gegen 7 Uhr aus dem Fenster sah: tiefhängende Wolken. Normalerweise gefällt mir sowas gar nicht, aber für im Wald zu knipsen ist es ideal, da man so weniger starke Kontraste hat. Was ich zu dem Zeitpunkt jedoch nicht bedachte hatte: das war Küstennebel und der ist hinter dem nächstbesten Hügel nicht mehr zu sehen.
Aber erstmal Frühstück. 
Auf dem Weg zum nächstbesten Supermarkt kam ich an einem dennys vorbei und ich dachte: why not?

Ich will jetzt hier nicht bis ins tausendste gehen, aber Tip gab es am Ende keins.
Erst ließen sie mich mit dem Kaffee schmoren, dann gab es kein Besteck, die Bestellung konnte ich dann erst 15 min später aufgeben und die Rechnung kam erst, als ich schon langsam vor Langeweile unter den Tisch sank.
Da wuselten mindestens 10 Leute durch den Laden und niemand bemerkte wirklich, daß ich da war und Hunger hatte. Sauhaufen !!!



Den restlichen Tag verbrachte ich komplett auf der Avenue oft he Giants, einer Touristenstraße durch den Humboldt Redwood SP und versuchte an allen möglichen und unmöglichen Stellen Fotos von Bäumen und Vergleichsobjekten mit ohne zu viel Licht und Schatten zu machen. Man, was tat mir abend das Kreuz vom vor die ganzen Autos springen weh. Große Bäume knipsen ist eine Sache, sie groß wirklen zu lassen, eine andere.



Ich glaube, am Ende hatte ich 50 meist schwammige und dunkelfleckige Fotos gemacht, aber so wirklich war kein Gutes dabei, welches zeigt, wie riesig hier alles war.
Hatte ich schon erwähnt, daß kalifornische State Parks überall in der Nähe der Besucherzentren kostenloses WLAN anbieten?
Ich war auf einem kleinen Spaziergang, um fette Bäume zu finden und meine Schwester war live mit dabei. Funny.


Halb 7 am Abend war ich mit Tiefkühlkost zurück im Motel und hab mir Gedanken um morgen gemacht. 80 Meilen sind nun nicht wirklich tagesfüllend…

Fazit zu heute: immer wieder gern.

 

 

28. Mai                                                                  22°C

 


Und weil es nur 80 Meilen waren, dachte ich mir, ich halte überall an, wo es geht und strecke die Tour mit frühstücken gehen und tanken und nach Postkarten schauen und Redwoods bis zum umfallen.
Laut der nps-Infoseite konnte man derzeit leider nicht zum Fern Canyon. Da wäre wohl was mit der Piste. Das hätte auf alle Fälle viel Zeit in Anspruch genommen und was spricht schon gegen nasse und kalte Füße?


Jetzt fahre ich einfach etwas langsamer und am Ende in Crescent City noch einmal die holprige Howland Hill Road und dann ist es hoffentlich schon 18 Uhr.
Eigentlich müßte ich froh sein, mal keinen stressigen Tag zu haben. Zeit um Urlaub zu machen. Handtuch an den Pool und los. Aber das ist nicht meins. Wenn ich unterwegs bin, dann will ich Listen abhaken. Ständig was Neues. Fotos machen, die noch nicht alle 6Mrd Menschen haben und die ich am Abend wieder lösche. Ja, so soll mein Tag aussehen.
Normalerweise denkt man über Küstenbewohner meistens: Meer und den ganzen Tag Strand und Sonne. Aber Sonne sehen die Leute hier nur alle Jubeljahre mal. Ich würde verrückt werden, wenn ich jeden Morgen beim Blick aus dem Fenster diese Suppe am Himmel ertragen müßte.
Für die Redwoods war das natürlich ideal. Sie brauchen das Wasser in der Luft. Und auch für Fotos ist dieses Wetter besser, als das, was ich gestern noch hatte.
Als ich an den Abzweig zum Fern Canyon kam, dachte ich mir: wieso nicht mal gucken, ob irgendwo ein Schild steht, wie weit man fahren kann und ob nicht vielleicht doch…
Und dann kam ich an die Infotafel auf der stand:
Fern Canyon 10 Miles – Road open
Wow. Damit hätte ich nun nicht gerechnet.
Also das sie das Ding da „Road“ nennen.


Und kaum hatte ich das zu Ende gedacht, kam ich zur Erkenntnis: mein Tag war gerettet.
Alleine für die 20 Meilen brauchte ich mindestens 1 Stunde. Aber wie ich die Piste in Erinnerung hatte, sollte ich sicher 1,5 Stunden für hin und zurück einplanen. Plus noch einmal 1 Stunde mit nassen Füßen und schon war es früher nachmittag.
Brilliant.


„Eintritt“ kostet 8$, außer man hat den NP-Pass dabei. Dann kostets nüscht.
Und für das Wort „Road“ sollte man den Leuten den Anwalt auf den Hals hetzen. Ich spürte schon nach 1km jeden einzelnen Knorpel meiner Wirbelsäule und meine Bandscheiben sangen bei jeder Bodenwelle „We will rock you“.

Aber was soll’s. Der Canyon war es allemal wert.
Da heute die Sonne keine Rolle spielte, war das Fotos machen auch deutlich einfacher, als noch 2015. Auch die Farben waren intensiver. Oder lag es am Iphone?
Ob ich den letzten Satz je bereue?
Was noch anders war: Memorial Day Weekend und jede Menge Touristen. Aber es war alles friedlich und harmonisch. Auch hatte man hier jetzt mehr Stege verlegt und nasse Füße bekam man nur, wenn man tappich war und nicht aufpasste, wo man hintrat.


Schön war’s hier.

Kommt mit auf die Liste der Dinge, nach Mt. St. Helens und der Columbia River Gorge, die man sich bei jedem Besuch ansehen kann.
Im Vergleich zur Avenue oft he Giants war es auf dem Newton B. Drury Scenic Byway nicht so schön. Die Bäume waren zwar dicker und imposanter, aber nicht so häufig. Ich sah nur eine Stelle, an der es sich lohnte, anzuhalten.
Dagegen war dann später die Howland Hill Road, wieder dieses böse und unpassende Wort, eine glatte 10.


Diese Piste ist wie die zum Fern Canyon, für Mietwagen eigentlich nicht zugelassen, da man dort seinen Versicherungsschutz verliert. Aber kaum einer hält sich daran. Es ist aber auch zu schön hier und ich vertrödelte auf dieser Strecke noch einmal mindestens 1 Stunde.
Und den ganzen Tag habe ich nicht einmal an die Arbeit denken müssen.


Perfekt.

Im Supermarkt ließ ich für Nudelsalat und 20 Flaschen Wasser 12 meiner wertvollen Dollar und ab 19 Uhr machte ich es mir mit Abendessen und Bilder löschen in meinem Super 8 bequem.

Ein erfolgreicher Tag auf 80 Meilen.