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24. Mai                                                                     20°C

 

Meine Augen sind angeschwollen. Entweder, ich reagiere auf irgendwas allergisch oder es ist immer noch der Jetlag. Ich werde es beobachten. Sobald ich die Augen wieder auf bekomme.

Zum Auto fahren brauche ich keine Augen. Und auch keine Füße. Heutzutage fährt das Auto ja praktisch alleine. Margret anschnallen und los geht’s.

Bisher war ich in bekannter Gegend unterwegs. Ab heute Mittag wollte ich Neuland betreten und mal gucken, was es denn so im Osten Washingtons und Oregons gibt. Recherchiert hatte ich nicht. Naja, nicht wirklich. Also nur ein bisschen.
Da ich eh nur durch die Staaten stempele, ist es egal, wo ich bin und was es da zu sehen gibt. Ich verbinde zuhause in Maps einfach nur die Punkte und fahre sie nachher ab.
Vergeudete Urlaubszeit?
Naja, das kann man sehen wie man will. Ich hab Urlaub und fühle mich pudelwohl. Ich mache etwas, was ich in Dt. nicht mache. Ich denke Dinge, die ich zuhause nicht denke. Ich sehe Landschaft, die es in Dt. nicht gibt. Auch die Menschen, das Essen und die Luft sind anders.

Vergeudet?
I don’t think so.

Auch das ich mal wieder den Auftrag hatte, nach Chucks zu sehen, gehört mittlerweile zur Reise.
It’s fun. And what’s wrong with fun?

Du gehst zu Journeys, loggst dich ins WLAN, kommunizierst mit denen, die nicht genau wissen, welche Farbe die Schuhe haben sollen und am Ende bist du 150$ ärmer. Ja, so läuft es ab.
Fun.

Ziel war Kennewick in Washington. Alles dazwischen war optional.


Ich weiß immer noch nicht, in welcher Zeitform ich eigentlich schreiben soll. Egal. Hat sich noch nie einer beschwert, daß aus mir nie eine Schriftstellerin werden wird, wenn ich so weiter schreibe.


An den Wasserfällen der Columbia River Gorge hielt ich nur kurz. Sieht immer noch so aus, wie die Jahre davor. Nicht unsexy, aber nicht mehr ganz so sensationell, wie noch 2012.
Nicht, daß es jetzt schlecht ist, im Gegenteil. Wer hier ist, MUSS da halten. Aber ich könnte auch 5 Jahre alte Fotos nehmen und sie zeigen. Würde keiner merken.


Der Columbia River und die Landschaft drumherum sehen irgendwie aus wie das Rheintal. Nur breiter. Und vierspurig.



     Angehalten hab ich deswegen nur in Stonehenge, etwa auf der Hälfte der Strecke. Das es hier sowas gibt, hab ich durch Zufall gesehen, als ich durch google maps gescrollt bin.

Zum Original in England gibt es eigentlich nur 2 Unterschiede:


- Man kommt direkt an die Steine heran und kann sie anfassen und drunter hindurchgehen, was man in England nicht kann und

- es ist keine tausend Jahre alt.



     Außerdem hat man von da oben einen schönen Blick ins Rheintal Tal des Columbia Rivers. Wenn man noch Interesse an so Ausblicken hat.


Sobald man die Vulkane hinter sich gelassen hat, ändert sich die Landschaft schlagartig. Es ist kaum noch grün und auch Bäume sucht man vergeblich. Irgendwie sieht es hier aus, wie im Hinterland Montanas oder Wyomings. Und wer hier wohnt, hat sicher seine Gründe. ICH möchte hier nicht leben. Selbst Kennewick, eine große Stadt im Süden Washingtons fühlt sich da einsam an. Mag sein, daß die Stadt und die Orte drumherum tausende Einwohner haben, aber sobald man sie verläßt, steht man alleine da. Mitten im Nichts. Felder und Hügel und Gras und der Horizont ist irgendwo hinter der Erdkrümmung.


 

25. Mai                                                                15°C   

 

Gestern Abend sahen meine Augen wieder normal aus.
Heute Morgen schaue ich in den Spiegel, was ich normal zu vermeiden versuche und sie waren wieder angeschwollen. Weiß der Geier, was das soll. Aber nichts, was ein Lidstrich wieder ins rechte Licht rücken könnte..

Wieso regnet das heute?

Ich hab kein Regen bestellt.
Und kalt ist es auch.
Und überhaupt.
Soll ich erwähnen, daß mir das ganz und gar nicht gefällt?
Naja, viel zu sehen gibt es heute eh nicht. Ich fahre nach Süden und nehme mit, was kommt.
Apropos zu sehen gibt es nichts.
Das dachten sich auch die „Gründer“ der Whitman Mission NHS. Schon erstaunlich, was es alles schafft, als historisch wertvoll eingestuft zu werden. Und mit „zu sehen gibt es nichts“ meine ich es auch so. Da gibt es NICHTS. Ok, ein Besucherzentrum und ein paar Schautafeln auf einem Rundweg, auf dem man nichts weiter sieht, als gemähten Rasen mit Spurrillen, die die Grundmauern einiger Gebäude symbolisieren sollen. Das wars. Mehr nicht.


Und deswegen bin ich 50km Umweg gefahren.
Unglaublich.
Note 6. Setzen.
Übrigens war der Sacajawea State Park auch nicht sexyer. Es gab Stempel. Mehr auch nicht. Und ja, ich hab grad gegooglet, wie man Sacaje…dingens schreibt.

Das Interessanteste auf der heutigen Strecke war das Oregon Trail Museum irgendwo im Osten Oregons auf einem Hügel, auf dem es gezogen hat wie Hechtsuppe. 6° hat das Thermometer angezeigt und ich war in knielangen Hosen unterwegs.
Brilliant Sylvia…