Mittwoch, 5. Februar 2014                                           



Der Westen war sehenswert und der Süden sowieso und die Ostküste hat mir auch gefallen. Georgia? Keine Frage. Das war ein Highlight.
Und heute?
Heute mußte ich von Ost nach Mitte West. Und was schlug mir google vor, was ich mir ansehen konnte?
Nichts.
Naja, wenig.
Ein bisschen.
Etwas.
Und das ausgerechnet heute.
Wegen des heutigen Tages war ich überhaupt erst nach Florida geflogen und es soll nichts geben, was ich anschauen konnte?
DAS
GEHT
GAR
NICHT !!!
Irgendwo zwischen St. Augustine und Gainsville wird’s doch was zum gucken geben, oder?

Während der knapp zweistündigen Fahrt hab ich jedes Schild gelesen, was da am Straßenrand so rumstand, immer auf der Suche nach etwas Spannenden. Touristischen.
Aber ich war hier anscheinend im Pendent zur Magdeburger Börde unterwegs. Man hat je etwas davon gesehen oder gehört und kein Mensch will auch dort hin.
Kurz nach 11 war ich bereits am Tagesziel angekommen und sagte mir: „das kann es nicht gewesen sein. Nicht heute!“
Da ich immer noch nicht das richtige Paar Schuhe für Dörte hatte, hielt ich erstmal am hiesigen Outlet und holte mir auch hier eine Abfuhr ein. Kein Schuh in der geforderten Farbe. Wie kann es auf der Welt auch nur mehr als einen Grünton geben?
Die Leute sollen mit dem zufrieden sein, was im Regal steht und basta.  

11:30 Uhr Mittags saß ich dann in meinem Auto auf einem riesigen Parkplatz vor einer noch riesigeren Mall und wußte nichts mit mir anzufangen. Eigentlich dürften Frauen meines Alters solche Sätze, in denen die Wörter Mall und Langeweile zusammen erscheinen, gar nicht schreiben. Aber ich habs nunmal nicht so mit Shopping. Das kommt gleich nach angeln und Tatort gucken. Ich hab davon gehört aber interessieren tut es mich nicht die Bohne.
Margret schlug mir dann 3 Dinge vor:
1. Den Dudley Farm Historic SP
2. Den Kanapaha Botanical Garden und
3. Den Butterfly Rainforest im Florida Museum of Natural History in der University of Florida in Gainsville. (ein ganz schön langer Titel für so kleine Tierchen)


Ich nahm mir diese 3 Sachen in der angegebenen Reihenfolge vor, weil ich dachte: das Beste kommt zum Schluß.
Der State Park war eine Ansammlung von genutzten und ungenutzten Gebäuden, wobei man nicht sagen konnte, welche jetzt historischer waren. Das Visitorcenter sah aus, wie kurz vor Ende und die Rangerin machte ebenfalls keine Anstalten sich zu bewegen. Ich hab sie nur einmal kurz mit einem Eis gesehen und als ich sie fragen wollte, wo man denn hier Eintritt bezahlt, war sie verschwunden.
Bei der Einfahrt stand, es kostet 5$ aber ich hab nirgendwo eine Möglichkeit gesehen, diese 5$ auch zu bezahlen.


Ich habs dann irgendwann aufgegeben, umherzuirren und besuchte die eigentlichen Gebäude des Parks.
Sie sahen aus, wie DDR Dorfschuppen 1985. Alles schonmal dagewesen. Allerdings frage ich mich, wer jetzt wen nachgebaut hat. Konnte ja beides aus dem letzten Jh stammen.


Kurz vor Ende des Rundganges fing es dann auch mal wieder an zu regnen. Ja, das hatte heute noch gefehlt.




Ausgerechnet heute. Und ausgerechnet jetzt, wo das nächste Ziel ein Botanischer Garten war.

Klar hätte ich ihn ausfallen lassen können, aber wie gesagt, ich bin stur. Ich packte also nicht nur meinen Fotoapparat ein sondern bewaffnete mich auch mit einem Regenschirm und zahlte wenig später 7$ an „Big Mama“  am Empfang.

Sie meinte noch zu mir, daß links raus der Blumengarten ist und rechts sieht man mehr Bäume und Kräutergärten.

Ich wollte Blumen.

Blumen sind was Tolles. Wenn sie gepflegt werden. Und ab und an gegossen. NICHT WAHR DÖRTE ???!!! 


Sicher haben sich die Pflanzen bei uns im Laden nach meiner Rückkehr wieder in Strohblumen verwandelt. Ich kenne den Haufen, der mit mir arbeitet. Alles Ignoranten.

Aber heute interessierte mich das nicht. Heute war ich in Florida, das Wetter war … wärmer als in Deutschland und um mich rum blühte es in allen Farben.

 



 
 

Irgendwann hörte es dann auch auf zu nieseln und ich konnte knipsen, was meine Kamera hergab.
Was mich später noch mehr beeindruckt hat, war die Vogelfutterstelle. Egal was sich da einfand, ich hatte noch nie zuvor eines dieser Flattermänner gesehen.

    

Hier merkte ich, daß ich nicht weit von den Tropen weg war, denn jeder Piepmatz war bunter als der andere, wobei der Kardinal natürlich am meisten glänzte.
Ich hab gefühlte Stunden damit zugebracht, den Vögeln beim fressen zuzusehen. Es war so friedlich.

 


Vor 20 Jahren hatte ich noch Spaß daran, von einer Poolparty zur nächsten zu ziehen und die Nächte durchzumachen und heute?
Latsche ich durch Gärten und beobachte Vögel.
Was sagt man dazu?
Am besten nichts. Wer weiß, was ich in weiteren 20 Jahren mache.
Der Blumengarten war jedenfalls toll.


Der andere Teil des botanischen Gartens hab ich mir im Schnelldurchlauf angesehen. Es war nicht so liebevoll gestaltet wie der andere und auch die Kolibris und Schmetterlinge, die hier fliegen sollten, waren nicht da.
Aber was solls. Mir hat es gefallen.





Das Schlimme an sehenswerten Sachen ist immer, daß man beim Betrachten die Zeit vergißt. Als ich mich zur Uni aufmachte, war es schon kurz vor 4. Das Schmetterlingshaus war nur bis 5 geöffnet und ausgerechnet DAS sollte heute das Highlight werden. Ob ich es schaffe, alle Flattermänner in einer knappen Stunde zu knipsen?
Als ich auf dem Parkplatz ankam, war die Besucherparkplatzschranke offen und niemand saß am Kassenhäuschen, was mir im ersten Moment einen Schrecken einjagte. Hoffentlich war das Museum noch auf!?


Die Dama am Desk beruhigt mich aber und meinte, daß ab 16 Uhr keine Parkplatzgebühren mehr erhoben werden und jeder gratis parken kann. Na das nenn ich jetzt mal Schwein gehabt.
Die Lady nahm mir mein Geld ab und drückte mir einen Schmetterlingstempel auf den Unterarm und für einen Moment kam ich mir vor, wie damals, als es noch Diskos gab und die Quittung ebenfalls gestempelt wurde. Keine Ahnung, wie es heute ist und ich hab auch grad keine Zeit, mich mit der Frage zu beschäftigen, denn der Laden hat hier nur noch 45min geöffnet.


Vor lauter Eile hab ich den Eingang zum Schmetterlingshaus gar nicht gesehen und bin erstmal daran vorbeigeflitzt und hab einen Museumsrundgang gemacht. Jetzt hatte ich nur noch 40 Minuten für die Schmetterlinge. Meine Güte, watt’n Stress.
Der Typ vor dem Schmetterlingshaus hätte ja ruhig mal was sagen können, als ich erst fragend vor ihm stand. Naja, egal, jetzt war ich jedenfalls hier und nach einer kurzen Einweisung und Belehrung konnte es endlich ins Gewächshaus mit Schmetters gehen.

     


Das Gute an der späten Uhrzeit war, daß nur noch wenige Knipser unterwegs waren. Das Schlechte: die Flattermänner flogen alle an Stellen, an denen es die Sonnenstrahlen noch hinschafften. Die meisten Pflanzen lagen schon im Schatten und anscheinend mögen es die Tierchen lieber sonnig.
Die nächsten 30 Minuten knipste ich alles, was nicht bei 3 davongeflogen oder weggekrabbelt war. Schmetterlinge, kleine Piepmätze und sogar Kois und Schildkröten gab es zu bewundern. Ein Eldorado.


Aber kann mir mal jemand erklären, wieso man ein und denselben Schmetter 100x knipsen muß? Ist das Zeitalter der Speicherkarten nun Segen oder Fluch?
Während der kurzen Zeit hatte ich die ganze Zeit einen Schatten an mir hängen, der immer wieder fragte, ob ich irgendwelche Fragen hätte, ich könnte jederzeit…





Später stellte sich dann heraus, daß es ein Student der hiesigen Uni war, weil kurz vor Toresschluss noch sein Dozent vorbeischaute und ihn zu bestimmten Tieren und Pflanzen ausfragte, bevor er ihn nach Hause schickte. Ich hab nicht viel von dem verstanden, was er von ihm wissen wollte, aber so lange, wie der Student immer für eine Antwort brauchte, glaube ich nicht, daß er bei meinen Fragen eine große Hilfe gewesen wäre.
Erstsemester?


Alles in Allem war es ein lohnender Besuch und ich würde jederzeit wieder hierher fahren. Ich mag Schmetterlinge.


Das Motel für heute war dagegen ein kleinerer Reinfall. Also weniger das Motel, als dessen Standort. Noch nie hat mich der Lärm des nahen Highways so gestört, wie heute.
Aber mal davon abgesehen, war es ein schöner Tag und ich würde meinen Geburtstag immer wieder so verbringen.

, Sylvi! 


Motel: Super 8, Gainsville. Sauber, aber laut

 


Gefahrene Meilen: 121



Donnerstag, 6. Februar 2014                                             


Mein Geburtstag war rum und der Blick in den Spiegel sagte: keine Veränderung in Sicht. Du siehst genauso alt aus wie immer !
Was ebenfalls rum war, war mein Kurzurlaub. Heute war der letzte Tag und ich mußte heute noch nach Clearwater und Koffer packen. Die Strecke dahin wollte ich allerdings dazu nutzen, noch überall anzuhalten, wo es schön oder wo etwas nettes ausgeschildert war.

Allerdings gab es nur 2 Orte, an denen ich anhielt und Schuld war auch das Wetter. Es war kalt. Es regnete immer mal wieder. Und es war kalt. Richtig kalt. Das Thermometer schaffte es heute nicht über die 10°C. So richtig viel gibt der Mittelwesten Floridas allerdings nicht her. Oder man gräbt tiefer und recherchiert. Ich wollte nicht graben, ich wollte nur gucken.


Angehalten habe ich beim Manatee Spring SP in der Hoffnung, noch ein paar dieser seltenen Tierchen zu sehen, aber außer einer schreienden Schulklasse und einem rutschig nassen Boardwalk durch Mangroven, konnte ich nichts ausmachen. Wasser von unten und von oben. Und außerdem war es kalt.


Als ich zurück am Auto war, schaltete ich das erste Mal für diesen Urlaub die Heizung an. Ich hatte blaue Hände.


Kurz vor Clearwater kann man auf eine kleine, mit einem Parkplatz zugepflasterte Insel fahren. Bevor es allerdings soweit war, mußte ich mal wieder Margrets Launen ertragen. Anstatt mich einfach von A nach B zu bringen, geleitete sie mich von A über C und D mit Abstecher zu E und F nach B, wobei sie noch überlegte, auch G und H mit in die Route aufzunehmen.


Ob sie sich hier in der Gegend ein Häuschen kaufen möchte und die Lage checkte? Ich weiß es nicht. Auf alle Fälle kenne ich jetzt jedes Sträßchen in Tarpon Spring, wo sich besagte Insel befindet.
Auch hier war ich quasi unter mich/unter mir/bei mich selber...alleine. Bei dem Wetter war es auch kein Wunder, daß es keine Strandgäste gab. Hier waren nur 1 Mio Vögel unterwegs und Sylvi mit ihrer Knipse und dem Regenschirm.


Keine Ahnung, ob ich es schon mal erwähnt hatte, aber am Strand spazieren zu gehen oder einfach nur auf das Meer hinauszustarren, beruhigt mich. Es hat was grundehrliches. Himmel. Wind. Wasser. Welle. Weite. Schön.




ich nenne ihn liebevoll "Germanbird"


Ich lief einmal um das Inselchen rum und scheuchte dabei die seltsamsten Tiere auf. Wären wir hier in den Everglades, würden sie sicher ruhig sitzen bleiben, aber leider…
Kaum näherte ich mich den Viehchern, flogen oder hoppelten sie weg. Ein Katz und Mausspiel. Aber lustig.


Kurz nach 3 fuhr ich dann ins Motel und eigentlich wollte ich heute nur noch Koffer packen, meine Kühlbox leer futtern und Castle dabei beobachten, wie er mal wieder verzweifelt versucht, sich an Beckett ranzuschmeißen. Aber erstens kommt es anders, und zweitens mache ich die Geschichte hier kurz:
Bei der Durchsichtung meiner noch gebrauchten Reiseunterlagen vermisste ich plötzlich das Bahnticket von übermorgen und ohne dieses Tickets würde ich nicht nach hause kommen. Logisch.


Ich stellte alles auf den Kopf und drehte jede Tasche und jeden Koffer um, aber das besagte Papier blieb verschwunden.
Irgendwann, als ich schon wütend zu werden drohte, kam mir die Idee, das Ticket einfach noch einmal ausdrucken zu lassen und wo kann man sowas besser tun, als an der Motelrezeption. Ich zog das pdf aus der Bestätigungsmail auf einen USB-Sticke (den man immer dabeihaben sollte) und schlenderte zur Lobby.
Leider konnte mir die indisch angehauchte Dame nicht helfen, da lt. Ihrer Aussage ihr Büroequipment weder einen usb-Anschluß, noch einen Drucker anbot. Konnte ich zwar nicht verstehen, aber was solls.
Ich setzte mich ins Auto und fuhr ein paar Meilen weiter zum Ramada Inn und erklärte da mein Problem. Der nette Herr verwies mich auf den öffentlichen PC, an dem auch ein Drucker angeschlossen war und ich sollte da mein Glück versuchen.
Bis zum Klick für „drucken“ lief auch alles wie geschmiert, nur druckte da kein Drucker. Er war an, er war angeschlossen, der PC kannte auch den Drucker, aber arbeiten tat nur einer von beiden.
Den dritten Versuch startete ich dann im nebengelegenen Travelodge. USB-Stick ran, Datei öffnen, drucken klicken, ausdrucken, fertig. Ok, lieber noch eine Kopie. Wer weiß, wie schlampig ich die letzten 24h noch sein werde.
Zurück im Motel drehte ich den Koffer um, weil es sich von links besser packen läßt, als ich eine Tasche entdeckte, die ich vorhin übersehen haben muß. Ich erwähne jetzt nicht, was ich darin fand, als ich sie öffnete…