Sonntag, 2. Februar 2014                                              



Nach Florida zu fliegen war ja nicht wirklich geplant und weil es eine Spontanreise war, hab ich nichts vorbereitet, außer mir ein paar Stündchen die Landkarte anzuschauen und zu gucken, wo man stempeln kann und was zum knipsen findet.

    


Die meisten Floridareisenden bleiben im Westen bzw. Süden. Da ist das Wasser schön und auch die Sehenswürdigkeiten findet man eher in Äquatornähe.




an einem Tag unter der Woche sollte man allerdings Mautstraßen nutzen. Dann ist es hier nämlich nicht so leer


Da es aber eine Reise war, bei der ich mir einen Überblick verschaffen wollte, „mußte“ ich einmal rundrum fahren. Und rundrum begann heute morgen halb 8, als ich entlang der US 1 und 41 und 826 und der 9 die grüne Welle erwischte und mich bis zum Arthur M. Marshall NWR tragen ließ.

 

Ich wollte heute alles mitnehmen, was so am Wegesrand lag und so ein kleiner Morgenspaziergang durch die Wildnis kam mir da gerade recht. Das NWR ist zweigeteilt. Der Norden ist für Besucher gesperrt und der Süden bietet vor allem für Angler oder Kanufahrer eine Menge Spaß. Da ich mein Schiffchen gerade nicht dabei hatte, begnügte ich mich mit dem Boardwalk am Visitor Center und streifte etwas durch die Büsche.





Es war jetzt nicht der Brüller, aber was solls. Wäre es da supertoll gewesen, wäre es sicher nicht nur ein NWR sondern ein Nationalpark.
Jetzt muß ich auf den Fotos mal gucken, wie eigentlich das Wetter war.
Ah ja. Heiter bis wolkig.

 


Das war schonmal besser, als es im Westen war, wo man ständig den Wolken ausweichen mußte.

Als ich den Bericht angefangen hatte, wollte ich diesmal nicht so viel schimpfen, wie sonst immer, aber am Jupiter Inlet Lighthouse einige Meilen weiter nördlich am Atlantik hab ich mich mal wieder richtig aufregen können.


Im Besucherzentrum wollen sie einem dann fürs gucken jede Menge Kohle (9$) abknöpfen und stempeln darf man auch nicht selber. Die motivierte Omi hinter dem Thresen war anscheinend so in Eile,

 
daß vom Stempelbildchen am Ende nur die Hälfte zu sehen war. Zielen und werfen.

 

Ich war wütend. Riß ihr das Buch aus der Hand, warf ihr meinen zerknirschtesten Blick zu und verließ den Ort der geldgierigen Menschen. Ein Foto des Turmes gibt’s daher nur aus der Entfernung.
Wieso ich nicht bezahlt hab?
Weil es noch kein Frühstück gab, ich keine Lust auf Treppensteigen und Konversation auf englisch hab. Ich will doch einfach nur mal drumrum laufen, knipsen, stempeln und wieder verschwinden. Was ist so schlimm daran?
Ich hätte sogar den ein oder anderen $$ in die Spendenbox geworfen !

 

Bis zum Motel in Melbourne fuhr ich jetzt nur noch direkt am Meer entlang. Immer schön zwischen Villen, Golfplätzen, Parks und Hotels hindurch.
Zwar gab es mittendrin noch den einen oder anderen State Park und Naturschutzgebiete, aber im Falle des Pelican Island NWR war das Interessanteste der Bodenbelag zum Aussichtsturm.





In jeder Bodenplatte waren der Name und das Gründungsdatum eines weiteren NWR eingelassen. Angefangen beim neuesten und der letzte Park war dann das Pelican Island NWR. Ich hab ca. 300m lang nur auf den Boden statt auf die Landschaft gesehen.
Aber außer Bäumen stand da nichts rum. Auch Tiere waren weder zu sehen noch zu hören.  

Kurz vor dem dunkel werden und ca. 15 Minuten vor Melbourne, Melbourne Florida wohlgemerkt, bekam ich die Möglichkeit, mein Auto direkt am Wasser zu parken und Zeit, mir den Atlantik mal von der anderen Seite anzusehen. Wobei mir einfällt, daß ich den Atlantik von Europa aus bisher nur aus der Luft gesehen hab. 




Strände, vor allem, wenn sie nicht touristisch vermarktet werden, haben auf mich immer eine beruhigende Wirkung. Und wenn dort dann noch allerlei Getier langhoppelt oder stolziert oder rennt, dann kann ich dort stundenlang rumstehen und gucken.


Links saßen oder standen Einheimische, die ihre Angel ausgeworfen hatten, rechts teilten sich Pelikane und Reiher den Strand und auch sonst waren einige schräge Vögel zu sehen. Ein toller Platz. Ein tolles Wetter. Ein schöner Tagesausklang !






Motel: Super 8, Melbourne, FL

 

      

 

Gefahrene Meilen:  245


Montag, 3. Februar 2014                                            



Was macht man, wenn man von Melbourne bis nach St. Augustine fährt, man den Auftrag hat, sich unbedingt Cape Canaveral und die ganzen Raumschiffe anzusehen und dafür einen ganzen Tag Zeit hat?

RICHTIG ! Man ignoriert das alles und fährt stattdessen nur zum Cape Canaveral Meeresschutzgebiet und knipst Alligatoren und andere Meeresvögel.
Ich will jetzt nicht sagen, daß mich der ganze Kram


von wegen Weltall und Spacecenter nicht interessiert. Im Gegenteil. Es ist sicherlich faszinierend und man ist den ganzen Tag mit Staunen beschäftigt, aber 53$ waren mir dann heute doch etwas zu teuer. Egal, ob es das wert ist oder nicht.
Ein anderes Mal.

Die erste Hälfte des Tages hab ich also sämtliche US-Weltraumprogramme der vergangenen Jahre ignoriert und beguckte mir lieber das Strandprogramm ein paar Meter weiter nördlich. Und weil ich so ein ignoranter Mensch bin, hatte ich alles für mich alleine. Wenn ich in den nächsten Stunden 10 Autos gesehen habe, waren es schon viele. Es war idyllisch.



  
                                            Eldora Village, Merrit Island NWR







Die Sonne schien, es war windstill und außer ein paar Vogelpiepsern war nichts zu hören. Das Lauteste war vermutlich das Klacken des Verschlusses meiner Kamera.
Ich fand es herrlich. 


Hier, nur 5km Luftlinie von der Abschußrampe der Raumfähren, sah ich dann auch meine ersten Manatees.





Wenn man nicht wüßte, daß diese Tiere vom Aussterben bedroht sind und man sie seit Jahren verhätschelt, würde man sie sicher gar nicht bemerken. Aber überall, wo sie vorkommen, hat man mittlerweile Schilder aufgestellt und Aussichtsplattformen gebaut. So kam es mir jedenfalls vor.
Von weitem sehen diese Tiere aus wie kleine Seekühe oder Nilpferde, obwohl sie  botanisch zoologisch gesehen zu den Elefanten zählen. Der Tierkundler, der das entschieden hat, hatte sicher einen im Tee. Manatees haben nämlich weder wedelnde Ohren noch eine Nase, die länger als ihr Körper ist. Auch Füße lassen sich keine erkennen.
Aber wir Menschen sollen ja um 8 Ecken auch mit Schweinen verwandt sein. (Wenn ich recht darüber nachdenke…)
Apropo Schwein: Als ich das Seashore Richtung Norden verließ, liefen Wildschweine vor meinem Auto über die Straße. Nur 30 Sekunden früher…
Erinnert mich an eine Begebenheit aus meiner Mopedfahrerzeit. Da ging es nicht so glimpflich aus.



        


Als ich am Ponce Inlet Lighthouse mein Auto abstellte, fiel mir die stempelnde Omi von gestern wieder ein und ich wollte es heute besser machen.
Aber wie so oft im Leben, kommt es erstens anders und zweitens kostet es hier Geld, um einen Lighthousestempel zu bekommen.
Ich hab 2x nachgefragt, ob ich das mit der Donation richtig verstanden hatte.

ERST Geld, DANN Stempel.
Mit runtergeklappter Kinnlade verließ ich auch diesen ungastlichen Ort. 


Ich konnte es echt nicht glauben, wofür man hier alles die Hand ausstreckt. Im Grunde ging es mir nicht um den Dollar oder zwei, sondern ums Prinzip. Ich bin immer bereit, Unterstützung zu leisten wo es angebracht ist und wenn irgendwo eine Spendenbox steht, bin ich die letzte, die da ohne was reinzutun, vorbeigeht. Aber das hier war schon frech.
Ich wollte keine Mitgliedschaft, sondern nur einen Stempel in mein Buch !

Zwischen hier und St. Augustine gab es noch ein National Monument namens Fort Matanzas. Da meine gestrige Abendrecherche zeigte, daß es sich bei diesem Fort um „Spielzeug“ handelt, hab ich nur kurz am VC gehalten, gestempelt, ein Foto geschossen und die Sache war erledigt.
Natürlich ist dieses Fort kein Spielzeug, aber wenn man google


bemüht und Bilder sucht, muß man doch ein wenig schmunzeln, was in den USA so alles zu einem Monument erklärt wird.


Das Castillo de San Marcos in St. Augustine war da schon bemerkenswerter.
Und nicht nur das. Die ganze Stadt war auf den ersten Blick reizvoll. Lag sicher auch an der Stimmung der untergehenden Sonne. Es wirkte alles etwas touristischer. Sauber. Niedlich. Altertümlich. Nett.


Eintritt zur Festung ist für NPS-Karteninhaber kostenlos. Und was nichts kostet, liegt ganz auf Sylvis Linie.
Ich weiß nicht, wie ich es am besten beschreibe, aber mir ist die letzten Reisen schon aufgefallen, daß Amerikaner am liebsten arbeiten, essen, Auto fahren und … Rasen mähen.








      
            



Vor allem östlich des Mississippi und in kalifornischen Wohngegenden sind selbst in den entlegensten und kleinsten Käffern alle Rasen fein säuberlich gestutzt und jedes Grashälmchen sieht aus, wie das nebenstehende. Auch hier am Castillo.

Egal, wo man hinsah, alles war pikobello sauber und kurz rasiert und passte in meinen Augen so gar nicht zu einer Festung, wo es sicher wild zuging. Das Ganze hat dann den Anschein von unecht. Nachgebaut. Am Reißbrett geplant und durch ein Ingenieurbüro abgesegnet.






Die Aussicht von da oben war dagegen hübsch. Blauer Himmel. Schäfchenwolken. Ruhiger Matanzas River, ein Segelschiff aus grauer Vorzeit im Hintergrund und polierte Kanonen im Vordergrund, vor denen sich Familien positionierten und minutenlang die Szenerie blockierten..


Nach einer Stunde zog ich es dann vor, das Motel und etwas zu essen zu suchen.
Mein Bett stand heute in einem Super 8 am Strand und zu essen gab es lecker Pizza von gegenüber.
Noch schnell ein Wort zum Motel:
Das Super 8 sollte nicht das einzige Motel auf meiner Reise bleiben, welches als Vorsichtsmaßnahme nicht zu öffnende Fenster eingebaut hatte. Leider ist ein Nachteil dieser Fenster, daß es in dem Raum mit der Zeit muffig riecht. Wenn man es also vorher weiß, sollte man das Zimmer am frühen Abend beziehen, die Klimaanlage auf volle Pulle stellen und dann noch mal ein Ründchen in der Umgebung drehen, damit „die Luft rein ist“, wenn man zurückkommt. Ansonsten ist es kaum auszuhalten. Würde mich nicht wundern, wenn nach ein paar Jahren Schimmel der Hauptmieter dieser Hotels ist.








Gefahrene Meilen: 225