Donnerstag, 30. Januar 2014                                       




Regen.
Und das ausgerechnet heute, wo einige Highlights auf dem Plan standen. Big Cypress National Preserve und die Everglades mit all seinen Visitorcentern und Stempeln. Letzteres wird heute vermutlich das einzige Vergnügen sein, WENN ES NICHT ENDLICH AUFHÖRT ZU REGNEN !!!!

 

Und weil es nicht aussah, als käme heute oder die nächsten Tage, Wochen und Monate nochmal die Sonne raus, investierte ich im nächsten Wal-Mart 14$ in einen Regenschirm.
Die, die meine Berichte aufmerksam lesen, werden die nächsten Zeilen freuen. Es kommt nämlich so gut wie nichts. Nur Bilder gucken.


Tamiami Trail. Das kleinste Postamt der USA



Dadurch, daß es abwechselnd regnete und wie aus Kübeln goss, mußte ich meine „ich laufe mal ein Stück“-Vorhaben komplett gecancelt werden. Kein Trail. Kein Bordwalk. Kein Nichts. Nur schnell anhalten, Regenschirm auf, ins Visitorcenter stürzen, stempeln, hässliche Postkarten nicht kaufen, zum Auto rennen, Regenschirm zuklappen, nass werden und weiter fahren.

     



So ging das, bis ich am Shark Valley ankam.
Es nässte hier zwar immer noch ein wenig, aber nicht mehr so sehr, daß ich das Beste am Tamiami Trail ausfallen lassen mußte. 



                                          


Es war Zeit für einen Spaziergang zu Alligatoren, Schildkröten und was weiß ich nicht noch alles für Vögel.
Man läuft die ganze Zeit auf einem asphaltierten Weg, der bei gutem Wetter auch von jeder Menge Radfahrern und von Shark Valley Trams genutzt wird. Gott sei Dank wollte heute keiner fahren. Die Anzahl Leute, die da in ihren Regencapes rumstanden, waren schon genug. 


Aber kommen wir jetzt zu etwas weniger Meckerei.
Es war nämlich ansonsten hübsch hier. Ein Weg. Ein Bach. Ein Wald. Und dazwischen allerlei Getier, welches sich nichtmal die Mühe machte, Angst vor dem bösen Menschen zu haben. Es stand oder lag nur faul rum und wartete seine Zeit ab. Oder fischte. Oder schlief. 




Das mag ich an Parks in den Staaten so. Die Tiere, die in ihnen leben, sind herrlich ausgeglichen und wissen anscheinend, daß ihnen nichts geschehen wird. Wäre ich allerdings Tier in Reichweite, würde mir dieses ewige klack klack und "gucke mal hier" und "schau mal da" tierisch  auf den Zeiger gehen. Oder die Ranger verteilen kurz vor morgendlicher Öffnung des Parks Valium.


Wir werden es nie erfahren.
Nach einer halben Stunde in etwa kam sogar die Sonne raus und ich überlegte, was man heute noch so anstellen konnte, denn mein Motel winkte schon in kurzer Entfernung und es war grad mal ein Uhr Mittag.
Ein Uhr Mittag? Zeit fürs Frühstück.

Da 30min später die Sonne immer noch die Oberhand hatte, dachte ich mir, daß ich vielleicht doch die Loop Road fahren könnte. Der Ranger meinte schließlich erst, daß es kein Problem wäre, die unbefestigte Piste zu fahren. Selbst wenn es regnet bleibt man nirgendwo stecken.
Ich nahm also all meinen Mut zusammen und fuhr ein Stück zurück und bog auf die Loop Road ab.


das fängt ja gut an...


Am Anfang ist sie noch asphaltiert aber nach ca. 5km wars das dann auch. Meine anfängliche Panik löste sich aber bald in Luft auf und ich konnte mich entspannt der Tier- und Pflanzenbeobachtung hingeben. Hier war es wirklich schnuckelig.





Hatte was von einem Drive-Thrue-Safaripark. Egal, wann man nach rechts oder links guckte, irgendwas hockte oder schlief immer am Straßenrand. Was ich besonders schön fand, waren die Mangroven, die da im Wasser standen. Hier sah es aus, wie ein Leben vor unserer Zeit. Mit ein bisschen Phantasie sah man Dinos hinter den Büschen und Flugsaurier auf den Telefonleitungen sitzen. Es war toll.
Die Loop Road ist etwas um die 30km lang und wenn ich 5 Autos begegnet bin, waren es schon viele. Von überlaufen kann nicht die Rede sein.
Ob ich die Loop Road empfehle?
Aber sicher doch !!


Halb 3.
Selbst für meine Verhältnisse war es zu früh, um im Motel einzuchecken. Ich fragte Margret, was man noch tun könnte und sie meinte: Geh Obst kaufen !


Ich ließ mich von ihr zu Robert is here fahren und bummelte gefühlte Ewigkeiten durch den Laden, welcher ja eher ein überdachter übergroßer Obst- und Gemüsestand war. Später holte ich noch meine Knipse und und schoß für Dörte jede Menge Fotorätsel. Da gab es Sachen, von denen ich noch nie etwas gehört, gelesen geschweige denn probiert hatte.
Erstaunlich, was so alles Käufer findet.





Halb 5 war ich dann im Motel und kaum hatte ich eingecheckt, öffnete der Himmel wieder seine Schleusen und ich konnte mich den restlichen Tag der Routenplanung für morgen und weiteren 5 Folgen Castle widmen.
Ist euch mal aufgefallen, daß in manchen Folgen die Aufklärung eines Mordes völlig nebensächlich ist und man nur darauf hofft, daß sich die beiden Hauptdarsteller endlich kriegen? Das ist immer dann der Fall, wenn wenn in einen Mord mehr als 6 Leute verwickelt sind und man nach spätestens 2 Minuten alle Namen der Verdächtigen vergessen hat oder nicht mehr zuordnen kann.

Was ich morgen mache?
Naja, es gibt 2 Möglichkeiten. Entweder ich fahre in den Everglades NP oder die Keys runter. Je nachdem, welches Wetter morgen früh durch die Scheiben scheint.


Motel: Fairway Inn Florida-City
           gebucht mit einem 20%-Rabattcode über ebookers für 45€/Nacht

  


Gefahrene Meilen: 232


Freitag, 31. Januar 2014                                               



Die Nacht war früh zeitig zuende. Ein LKW parkte vor der Lobby und lies die ganze Zeit den Motor laufen.
Amis sind ja bekanntlich dafür berühmt, Rücksicht auf den anderen zu nehmen und sich pausenlos zu entschuldigen. Nur leider zählt ein laufender Motor nicht dazu. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um einen PKW, ein Bus oder LKW handelt. Jeder soll wissen, daß das Fahrzeug mit einem Motor ausgestattet wurde und wenn es 3 Uhr morgens ist.
Während ich also im Bett lag und mit meiner linken Hirnhälfte überlegte, ob ich jemandem den Hals umdrehen sollte, sinnierte meine rechte Hälfte darüber nach, ob es heute die Florida Keys werden oder erstmal die Everglades.
Eins heute, eins morgen.
Für heute war noch Bewölkung vorhergesagt und da die Keys nur bei Sonne Spaß machen, waren heute die Glades an der Reihe.
Nach dem ausgelassenen Frühstück und noch viel zu früh am Tag fuhr ich die 15km bis zum Parkeingang, um nach den ersten Fotos festzustellen, daß der Akku noch für ca. 100 Fotos halten würde und ich keinen zweiten eingesteckt hatte. Der lag nämlich in meinem Handgepäck auf dem Zimmer.


Sowas liebe ich ja. Alles penibel vorbereiten und zig mal checken und dann passieren Sachen, an die man im Traum nicht denkt, weil sie eigentlich ausgeschlossen sind.
Schließlich stecke ich alles elektronische jeden Abend an irgendeine Leitung. Nur gestern nicht.


Da das Visitorcenter eh noch nicht geöffnet hatte, wie gesagt, ich war zu früh unterwegs, fuhr ich noch einmal zum Motel zurück und packte außer des Akkus noch ein Kabel, einen Adapter und die Ladestation mit ein. Der Ford hatte nämlich vor den Rücksitzen eine Steckdose für normale Stromstecker. Mein Plan war, den leere Akku während der Fahrt zu laden. Sicher ist sicher.


Leider blieb es beim bloßen Vorhaben, denn die Steckdose wollte nicht so, wie ich wollte und spuckte den Stecker jedesmal gleich wieder aus. Es war eine labberige und nervende Angelegenheit. Außerdem hat es meinen einzigen Adapter zerlegt und ohne diesen könnte ich alle weiteren Aufladungen von welchen Geräten auch immer, vergessen.
Da ich aber grad auf Sightseeingtour war, wollte bzw. mußte ich mich später um das Problem kümmern. Nur soviel: im ortsansässigen RadioShack gab es am Abend für 10$ Ersatz.




"Kassenhäuschen" am Parkeingang


Mein zweiter Stopp nach dem Visitorcenter war der Anhinga Trail am Royal Palm VC ein paar Meilen weiter westlich im Park und die „Geier warteten schon“.
Geier in Form von Vögeln, deren Lieblingsspeise Dichtungsmaterial von Mietwagen war und Geier in Form von 6 Schulklassen.
Ich überlege gerade, welche Plage schlimmer war.
Eindeutig letzteres.

 

Und dabei war ich der Meinung, es war eine gute Idee unter der Woche den Park zu besuchen, weil dann weniger Touristen unterwegs sind. Aber hätte ich geahnt, daß es noch schlimmer kommen kann, hätte ich bis Sonntag gewartet. Knipsende Japaner und Chinesen sind wenigstens leise.
Wenn man die Schulklassen soweit möglich ignoriert, ist es hier allerdings wundervoll. 





Vögel von denen ich noch nie was gehört oder gesehen hatte und alle 5 Meter lag

eine potentielle Krokolederhandtasche im Weg und ließ sich durch nichts stören.
Ab und an kam sogar die Sonne raus und ich fing das Dampfen an, weil es sofort schwülheiß wurde, aber lieber erstunken als erfroren, sagte meine Mama immer.

Als ich nach 2 Stunden zurück zum Auto lief, war ich der Meinung, daß jedes hier lebende Tier mindestens einmal von mir geknipst wurde. Ich schaue mir später die Bilder sowieso nicht mehr an, aber irgendwie macht es trotzdem


Spaß alles auf Film zu bannen, was einem über den Weg läuft.
               


eines meiner Lieblingsbilder



                               


 

Die nächsten Stunden waren allerdings nicht ganz so erfolgreich.

Mein Plan war es, bis zum südlichsten Zipfel des Parks zu fahren, da die Stempel einzusammeln und auf dem Rückweg überall zu halten, wo ich dachte, es könnte interessant werden.





Aber im Grunde hätte ich mir die Fahrrerei sparen können.
Alle Nature Trails waren nur Wege durchs Gebüsch, an den Seen war nichts los, das Flamingo Visitorcenter war eine in die Jahre gekommene Bruchbude, von deren Decke es tropfte und an der Küste gab es keinen Zugang ans Wasser. 







 

Als ich gegen 15 Uhr wieder an der Kreuzung ankam, von der es rechts zum Anhinga Trail ging, bog ich kurzer Hand wieder ab und sagte allen Tieren von heute vormittag ein zweies Mal Guten Tag. Diesmal aber ohne Schulklassen.
Es gefiel mir hier.
Es war ruhig.
Warm.





Und es waren weniger Menschen als heute morgen unterwegs, die einem ins Bild latschten.


ein Anhinga, der sein Gefieder trocknet. Ein Vogel, der taucht, um zu fischen. Daneben: Lady Parkranger


Wenn mich jemand fragt, ob die Everglades empfehlenswert sind, so würde ich sagen: kann man, muß man aber nicht. Einmal genügt


Gefahrene Meilen:  139

 




Samstag, 1. Februar 2014                                           



Endlich war es soweit.
Endlich durfte ich auch zu den Keys, wovon Millionen Touristen schwärmen und von denen man wunderschöne Fotos im Netz findet.
Als ich aufwachte, war es noch stockeduster und ich überlegte, ob ich warten oder losfahren sollte. Ich war unschlüssig, ob ich es bis Key West und wieder retour schaffte oder nur bis zur Hälfte oder …
6 Uhr saß ich hinterm Steuer und fuhr auf einer leeren Touristenstraße Richtung Süden. Mein Plan war es jetzt, soweit zu fahren, wie es mein Hintern zuließ, dann umzukehren und die Keys mit der Sonne im Rücken zu erkunden.


Als es nach einer Stunde endlich hell wurde, sah die Landschaft rechts und links von mir wirklich interessant aus. Wann fährt man schonmal zwischen einem riesigen Gewässer entlang? Rechts der Golf von Mexiko und links der Atlantik.
Kurze Zeit später: rechts eine alte Überseebrücke, die vor sich hin bröckelte und links Telefonmasten und Stromleitungen.


20 Meilen weiter: rechts Tankstellen und Souvenirläden und links Motels und Wohnhäuser.
Nicht viel später: Restaurants, Wohnhäuser, Tankstellen, Werkstätten und jede Menge Industriegebiete.
30 Minuten später hatte ich Hunger und fror mir in einem IHOP nicht nur den Hintern, sondern auch mein Essen ab.  Bevor es serviert wurde, hatte sich meine Körpertemperatur schon halbiert und ich mußte mir aus dem Auto eine Jacke holen, um bis nach dem Essen am Leben zu bleiben.
Lt. Temperaturanzeige im Auto waren es 22°C Außentemperatur. Eigentlich perfekt.
Im IHOP waren es gefühlte 10° und die Klimaanlage pustete aus allen Öffnungen, die sich unter dem Holzdach befanden. Meine Beschwerde prallte übrigens an der 250kg-Bedienung ab, wie Ball von Pfosten.
Wenn mir jemand den Sinn des Ganzen erklären könnte, meine Emailadresse befindet sich im Impressum.
Der weitere Weg bis zum südlichsten Zipfel der Keys sah dann weiterhin so aus, wie der Weg vor dem Frühstück.



Häuser. Tankstellen. Firmen. Motels. Häuser. Fastfoodfresstempel. Geldinstitute samt Automaten. Werkstätten. Motels. Arztpraxen. Wohnhäuser. Dazwischen immer mal wieder Wasser, zu dem man allerdings keinen Zugang hatte, da es nirgends möglich war, sein Auto abzustellen.


Ca. 30km vor Key West war es mir dann zuviel und ich hab gewendet. Angehalten hab ich dann nur vor der Seven Mile Bridge für ein Foto, am Bahia Honda SP für 3 Fotos und nasse Füße und am John Pennekamp SP für 5 Fotos und ein beinah geplatztes Trommelfell, wegen plötzlich quietschenden Kindes 1 Meter hinter mir.


 
 



Ja, ich gebs zu, das Wasser an den Füßen im Bahia Honda SP war schon schön. Es tat gut und die ääätsch-ich-war-hier-Filmchen, die ich dann weiterleitete, waren es wert. Aber meine Erwartungen vom John Pennekamp Park wurden komplett enttäuscht.




Der Park trägt den Zusatz „Coral Reef“ und im Visitor Center gab es auch Aquarien, aber der Rest? Der Rest waren halbnackte sich sonnende Familien am Strand und gefühlt 3 Mio Kinder, die die Worte Ruhe und Frieden noch nie gehört hatten.
14 Uhr verließ ich die Keys und begab mich auf den Weg zum Biscayne NP, der zu 90% unter Wasser liegt.

 


Ich fuhr nach Norden. Der Stau Richtung Süden.



Nein, er ist nicht marode und wurde weggespült. Bei diesem Park handelt es sich zum größten Teil um Korallenriffe und die sind bekanntlich nicht an Land.

Außer dem Stempel im VC gab es deswegen auch nichts für mich zu holen.
Die Rangerin, die ich unterwegs traf und die sehr gut deutsch sprach,

 
wollte mich für das Junior Ranger Programm begeistern. Da war sie ja an der richtigen Adresse.
Schon wenn ich Junior höre, möchte ich am liebsten…
 

Ne neee. Nicht mit mir. 

Ich hab sie dann noch gefragt, ob es hier irgendwo außerhalb des Wassers was zum Gucken gibt. Vornehmlich Tiere. Manatees wären toll. Oder Alligatoren oder Krokodile. Ich nehm auch Vögel.

Sie schickte mich raus aus dem Park und ich sollte am Kreisverkehr rechts fahren, da mein Auto parken und dann einfach dem Weg folgen.


       

Bis zum Teil 2 hab ich es geschafft.
Leider hatte sie nicht erwähnt, daß am Kreisverkehr rechts ein geschlossener Zaun steht und das ich nicht im Traum dran denke, etwas Verbotenes zu tun.

Den Rest des Tages verfolgte ich Castle mit seiner Nochnichtfreundin und gab mir mehr Mühe bei der Planung der nächsten Tage.


Gefahrene Meilen: 283