Dienstag, 28. Januar 2014                                          



Handbücher, die sich mit dem Innenleben eines fremden Autos beschäftigen UND auf englisch geschrieben sind, sind genau das Richtige, was man am ersten Urlaubstag noch vor dem Aufstehen brauch.
Nichts geht über eine klar verständliche Anleitung, wie man einen Kofferraum des Escape öffnet und wieder schließt und wie die 20 Tasten am Lenkrad funktionieren und wofür sie gut sind.
Da ich ja keinen Zündschlüssel im eigentlichen Sinne hatte, öffnete ich den Kofferraum die nächsten 11 Tage immer so, wie es die Bilder zeigten: Fuß unter das Auto halten, einen Schritt zurücktreten und Sesam öffne dich.
Die Rückfahrkamera zeigte nur so lange die Straße, bis ich den Hebel auf D schaltete und die Meilen konnte ich durch 5 Knöpfe am Lenkrad auf 0 setzen. Ebenso die Anzeige für den Durchschnittsverbrauch und die benötigte Zeit. Wie ich Sirius am Radio nutzte, kannte ich auch mittlerweile, der Scheinwerfer wurde auf Automatik gestellt und der Tankdeckel war an der rechten Seite. Alles paletti.
Nur eine Sache hatte mein Auto zuhause dem hier voraus: mein Scheibenwischer ging von selber an, wenn es regnete. Den hier mußte ich selber bedienen. Wie anstrengend!

Ursprünglich wollte ich heute Morgen einen Abstecher zum Honeymoon Island SP machen und später auf meinem Weg nach Ft. Myers noch am Sunken Garden anhalten, aber ich mußte mental erstmal ankommen, bevor ich zur Tagesordnung überging. In meinem Kopf rumorte es noch und 1000 neue Dinge mußten verarbeitet werden und so beschloß ich zur Beruhigung erstmal einige Meilen zu fahren.

Wo war ich?
Wo will ich hin?
An was hab ich Interesse?
Hab ich hunger?
Wie ist das Wetter?
Wie fährt das Auto?
Hab ich an alles gedacht?

Und soll ich über die Sunshine Skyway Bridge fahren und die Sache mit der Maut ausprobieren oder fahre ich außen rum?
Ich hab lange vorher recherchiert, wie das mit dem Sunpass funktioniert. Gestern bei Alamo hab ich nicht mehr danach gefragt und heute dachte ich: scheiß drauf. Im Netz hieß es, daß der Sunpass aktiviert wird, sobald man eine Mautstelle passiert und das Kennzeichen fotografiert wird. Alles andere regelt Alamo und schickt nach der Reise „eine Rechnung“.

(Anm.: genauso ist es. 2 Wochen nach Reiseende wurde meine KK mit dem richtigen Betrag (Maut + Alamogebühr) belastet und alles war in Ordnung. Also einfach bei einer Mautstelle die Sunpass-Lane benutzen und einen schönen Urlaub haben)



Das Wetter war heute eher durchwachsen. Diesig. Nebelig. Das ich über eine riesige schöne fotogene Brücke fuhr, nahm ich daher nur am Rande zur Kenntnis. Ob man irgendwo anhalten und fotografieren konnte, weiß ich nicht. In meinem Kopf rauschte es immer noch. Florida ist anstrengender als Staaten im Westen. Überall Autos, Straßen, Orte, Menschen, Schilder, Ampeln, Werbung, Tankstellen, Restaurants und jede Menge Hotels.
Nirgendwo war man alleine.
Fährt man aus Las Vegas hinaus, ist man sofort in der Wüste und quasi verschollen. Und hier? Fährt man stundenlang durch Wohngebiete und ein 35 Meilenschild folgt auf das nächste.
Dass man am Golf von Mexico und nur 100m vom Strand entfernt ist, merkt man gar nicht. Alles ist zubetoniert.
Der Hauptgrund, weshalb die Deutschen in den USA Urlaub machen, ist das Interesse an amerikanischer Geschichte und deren Ureinwohner.
Das war jetzt eben der blödeste Satz, den ich bisher verfasst habe, aber wenigstens kann man da kostenlos parken, weil amerikanische Geschichte durch den Bund verwaltet wird.
Noch blöder.
Egal.



Ich befinde mich jetzt auf dem Gelände des De Soto National Memorial. Memorial deswegen, weil es so unbedeutend und winzig ist, daß es zum "Monument" nicht gereicht hat. Hier muß man sich mit aufgestellten Pappfiguren helfen und den Trail durch die Geschichte an den Strand verlegen, damit man Besucher angelt.





Wer hier Halt macht, ist entweder den ersten Tag in Florida, interessiert sich tatsächlich für Geschichte oder sammelt Stempel. Letzterer war MEIN Grund, hier zu halten. Und der kostenlose Parkplatz.
(Ich erwähne das mit den Parkplätzen deswegen, weil ich weiß, daß es auch anders geht. Nämlich dann, wenn man auf State Parks ausweichen muß (die man alle separat bezahlen muß UND Parkplätze schonmal Parkuhren haben können), weil mal wieder Shutdown ist, so wie letzten Herbst)

 

wußte gar nicht, daß man in der damaligen Zeit schon Handys hatte                                                     ------->     




Im Visitorcenter arbeiteten 2 Leute. Opa war weit über 75 und Oma auch nicht viel jünger. Opa legte mir einen Trail ans Herz und als ich ihn fragte, ob es das Infomaterial auch auf deutsch gibt, hätte ich mich kurz darauf am liebsten in den A.. gebissen. Opa mußte dafür nämlich auf die Knie gehen, weil besagte Mappe mit den Papieren auf Spanisch, Französisch und Deutsch in der untersten Schublade verstaut war. Ein Beweis, daß außereuropäische Besucher dünn gesät waren.
Opa tat mir leid, wie er da so auf den Knien und dann wieder hoch… Aber leider konnte ich meine Bitte da nicht mehr zurücknehmen.



Wer also nach mir dieses Memorial besucht, macht bitte nicht den gleichen Fehler wie ich. Nur lächeln und ja sagen, stempeln und wieder verschwinden. Klemmt euch den Trail.





Da gibt’s nichts zu sehen und in dem winzigen Freilichtmuseum mit Feuerstelle und nachgebauter Küche twitterte anscheinend der verkleidete Komparse mit seinem Handy die ganze Zeit die Neuigkeiten aus den letzten Jahrhunderten.








Die erste Hälfte des zweiten Tages war rum, meine Nerven hatten sich etwas beruhigt und das einzige, was mir bisher auf dieser Reise gefallen bzw. was mich beeindruckt hat, war das Spanish Moos an den Bäumen. DAS gefiel mir. Das hatte etwas Altes. Dunkles. Geheimnisvolles. Und die Fotos werden dadurch besonders. Jetzt noch einen dunklen Friedhof und Geister…


 

Tripadvisor hat gesagt, der Myakka River State Park wäre eine Reise wert und man sieht dort alles, was typisch für Florida ist. Von A wie Alligator bis Z wie Zypressen. Was hingegen weniger spannend war, war die Anfahrt zum Park. Zuhause dachte ich noch, wenn ich auf der 789 fahre, komme ich besser in das Floridafeeling hinein, von wegen weil ich während der Fahrt rechts UND links Wasser habe und warm war es schließlich auch. Aber wie schon Meilen vorher, mußte man sich das Wasser denken. Florida schien in Küstennähe komplett zugebaut zu sein. Jeder cm² wird genutzt. Entweder als Parkplatz, Hotel oder Einfamilienhäuserbauplatz.
Das nächste Mal nehme ich den Highway.

Bevor ich diesen Bericht anfing, hab ich mir eigentlich vorgenommen, nicht zu schimpfen, da es eine besondere Reise werden sollte.




Alles ganz harmlos und friedlich und Sonne auf dem Bauch.
Aber egal, was ich mache, meine Tastatur schreibt nur böse Sachen.

Wenn man alleine unterwegs ist, kostet jeder State Park max. 4$. Ab 2 Personen 6-8$ pro Fahrzeug. Wäre schön, wenn auch in Florida gelten würde, daß man Eintritt nur pro Tag (wie in Kalifornien) und nicht pro Park bezahlt, aber man kann schließlich nicht alles haben. Will man 5 State Parks am Tag besuchen, zahlt man jeden extra.



Im Myakka River SP kann man Auto und mit Airboat‘s fahren, Alligatoren beim Nichtstun zuschauen und Vögel beobachten. Dann gibt es noch diverse Trails, Besucherzentren und Boardwalks zum Flanieren.





Ich mußte mich leider auf erstens und drittens beschränken. Vögel hatten an dem Tag vermutlich besseres zu tun, als sich zu zeigen.
Das Spannendste war noch die Sache mit dem Alligator. Mein erster freilaufender. Wobei „laufender“ mal wieder sowas von übertrieben war. Das einzige, was lief, waren die Parkbesucher über die Brücke. Er lag nur dumm da und beobachtete den Angler auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses.
Nervenzerfetzend.





Ich weiß, daß es für den ersten richtigen Urlaubstag eher mau war, aber mehr habe ich für heute nicht zu bieten.
Mein Bett stand für die kommenden 2 Nächte im Howard Johnson Inn in Ft. Myers. Ein Motel, daß bei Tripadvisor wahnsinnig schlecht wegkommt. Kann ich gar nicht verstehen. Es hatte alles, was ein Motel braucht. Ein Bett in einem sauberen Zimmer und ruhig war es auch.

Weil heute relativ wenig auf meinem Plan stand, nahm ich mir vor, daß es die nächsten Tage besser werden sollte. Mehr Äktschn sozusagen. Ich knipste den Fernseher ein, schaute den Wetterbericht für morgen, nahm mein Notebook und google maps zur Hand, machte es mir auf dem Queensizebett bequem, wechselte auf tnt und 5 Folgen „Castle“ und begann mit der Planung für morgen.


Gefahrene Meilen: 189


Mittwoch, 29. Januar 2014                                    



Als ich aus dem Fenster sah, dachte ich, ich hab noch Sand in den Augen, dabei war es einfach nur Nebel.
Nur leider nutzt der mir nichts. Ich hatte einen Tag mit Sonne und Wellen und Delphinen am Strand geplant. Die Seele baumeln lassen sozusagen. Aber wenn alles grau in grau ist, macht es keinen Spaß.
Der Wetterbericht meinte, daß soll nur morgens so sein und am späten Vormittag soll es schöner werden. Zum Abend hin war Regen gemeldet. Im Internet steht, der Januar und der Februar wären die regenärmsten Monate im Jahr und jetzt das. Kaum betrete ich das gelobte Land, fängts an zu pi…regnen.
Ich kann ja erstmal losfahren und vielleicht sieht es hier im Motelhof schlimmer aus, als es in Wirklichkeit war.

 

 

20 Meilen weiter Richtung Westen machte sich dann allerdings Ernüchterung breit. In Deutschland würde man Schmuddelwetter dazu sagen.


Bedeckter Himmel und diese fiesen Minitröpfchen, die im Nebel nunmal drin sind.
Ich hielt trotzdem am Lovers Key State Park und zahlte per Briefumschlag meine 2$ Eintritt. Die Hauptzufahrt war noch geschlossen, weil Sylvi mal wieder vor dem Aufstehen unterwegs war. Aber wer konnte denn ahnen, daß hier Strände geschlossen werden. Ich dachte, sowas machen die nur bei Shutdowns.

 

Am Nordende des Parks gab es einen Trail, der bis zum Besucherzentrum führte und den wollte ich gehen. Ein Morgenspaziergang sozusagen.
Es war mein erster „Nature Trail“ während dieser Reise und in meinen Augen sind Nature Trails Wege, auf denen man viel Natur sieht.


Leider beschränkte sich die Natur auf einen zugewucherten Palmen-und Mangrovenwaldweg, der kaum Raum für Naturbeobachtungen lies. Nach 1 Meile kehrte ich wieder um und war schon morgens halb 9 mies drauf.
Schade um die 2$.
Was jetzt? Der Park öffnet 9 Uhr.
Ok, erstmal was essen. Kofferraumfrühstück.

Am Eingang zahlte ich dann nochmal 4$ und bekam meinen zweiten Stempel auf dieser Reise. Auf dem Parkplatz war mein Auto eines der einzigen und auch sonst war hier tote Hose, dabei soll dieser SP sehr beliebt sein.


Auf dem Weg zum Strand sah ich dann das erste Mal Tiere, die man in Europa sicher nur im Zoo sieht. Wasserstelzlanghalsvögel und andere Gesellen. Hübsch. Wirklich hübsch. Und vor allem: sie machten keine Anstalten abzuhauen, sobald man sich denen näherte. Sie taten, als wäre man überhaupt nicht da. 





Am Strand wäre ich fast über diesen Gesellen gestolpert, als ich durch meine Kamera guckte und einen Delphin knipste.

DAS Highlight des Tages.
Ein Delphin.
In freier Wildbahn.
Vor meinen Augen.
Wahnsinn !!!
Ich sag es nur ungern, aber ich war schwer beeindruckt. Gerührt. Wirklich.


Scheiß auf das Wetter, ich hab einen Delphin gesehen.

Mit einem Grinsen im Gesicht lief ich zurück zum Auto und fuhr Richtung Süden zum Dog Beach, auf dem meist Einheimische ihre Hunde ein wenig Auslauf und Spaß gönnten.



Es war schön hier. Ich bin zwar kein Hundefreund bzw. ich bin eher die mit dem grünen Daumen, aber es war schon lustig, was hier abging. Alle wollten nur Spielen. Ganz friedlich.



Da der Nebel immer noch nicht wußte, ob er bleiben oder verschwinden sollte, fuhr ich weg von der Küste und wollte einen auf geschichtsinteressiert machen. Mein Vater würde sagen: „alte Betten gucken“.

 

Diese Möglichkeit bot sich mir in der Koreshan State Historic Site. Ich weiß bis heute nicht, wer diese Koreshans war oder waren und was sie da wollten, aber es war ganz ansehnlich, was sie sich da mitten zwischen die Bäume gebaut hatten. Es schien eine Art Plantage zu sein. Mit Herrenhaus, das roch wie alte Häuser nunmal riechen und … ein gemachtes Bett stand auch darin.






Auf dem Gelände waren duzende heimische und unheimische Pflanzen zu sehen und zu bestaunen. Von verschiedenen Palmenarten über Azaleensträucher, die mannshoch waren und Zypressen und Mangroven und eine Schildkröte versteckte sich auch vor mir.





Eine Zeit lang kam ich mir vor wie im Film „Zeit des Erwachens“. Ich schlenderte durch einen Garten und es kam mir vor, als wäre die Zeit stehen geblieben.
Leider endete damit mein Ausflugsprogramm für heute. Auf der Fahrt Richtung Ft. Myers, wo ich eigentlich zu Edison oder den Schmetterlingen wollte, fing es an zu regnen. Später schüttete es aus allen Kübeln und die Lust verging mir, etwas anzusehen.



Ich hatte noch Aufträge, zwei Damen in meiner Firma etwas mitzubringen und dachte, an so einem Tag wäre genau der richtige Zeitpunkt.
Wer allerdings meine Methode einzukaufen kennt, weiß, daß ich nach 30 Minuten wieder am Auto war.



Am späten nachmittag bekam ich wieder hunger und dachte, es ist zeit, etwas Neues auszuprobieren. Ich fuhr zu Golden Corral und die Klientel war genau DIE, die ich mir für so eine Art Laden vorgestellt hatte. 80% der Gäste benötigten 2 Stühle, damit deren rechte oder linke Hälfte während des Essens nicht vom Stuhl rutschte.



Golden Corral ist ein Buffetrestaurant. Man zahlt so um die 15$ und kann dann essen bis man platzt.

Das Essen und das Angebot waren im Allgemeinen recht ordentlich und die 15$ wert. Ich kann also nichts Negatives sagen. Außer dass es Großkantinencharakter hat und zu trinken gibt’s nur Zuckerwasser in verschiedenen Farben.

 
Während weiterer 5 Folgen Castle und Beckett, deren Haarlänge während der nächsten Stunden von lang auf kurz und wieder lang variierte, plante ich den morgigen Tag und hoffte inständig, daß das Wetter endlich besser werden würde.


Gefahrene Meilen: 87