Zum Reisen gehört Geduld, Mut, Humor
                  und dass man sich durch kleine widrige Zufälle nicht niederschlagen lasse.

                                                     Adolph Freiherr von Knigge




Sonntag, 2. September

Es gibt fast nichts Schlimmeres, als diese unnötige Nervosität vor
jeder Reise. Jedesmal erwischt es mich und macht mich zu einem nervligen Wrack. Sowas von völlig überflüssig...
Dabei hatte ich mich schon abend 23 Uhr zum Schlafen hingelegt, weil ich halb 7 Uhr morgens von Hühnchen abgeholt werden sollte. Ich dachte mir, 7 Stunden Schlaf müssen reichen. Es war zumindest so geplant. Es waren am Ende etwa 10 Minuten, es fühlte sich jedenfalls so an. Den Rest der Zeit habe ich damit zugebracht, zu überlegen, was ich noch vergessen hatte einzupacken und wie ich die beiden Gepäckstücke, die meiner Meinung nach WEIT über 23 kg wogen, bequem durch die Gepäckannahme bringe. Nervenzerfetzend. Zwei Personen und 80 Kilo Gepäck (die Gott sei Dank ohne irgendwelche Reaktion angenommen wurden). Das schaffen nur wir. Natürlich waren wir auch viel zu zeitig am Flughafen, kein Schalter hatte offen.

 

Und die Anspannung wuchs und wuchs und wuchs. Unser „Fahrer“ hat uns noch in Sachen Kanada und Camping aufgeklärt und so gingen wir frohen Mutes zur Sicherheitskontrolle, durch die wir ohne piepsen durchkamen.
Unser erster Flug ging von Köln nach Amsterdam. Mit einer Uraltmaschine des Typs Fokker 50.

   



50 Sitzplätze und 2 Propeller. Der Hammer. Nach nur 50 Minuten waren wir in Amsterdam. Hier hatten wir 4 Stunden Aufenthalt und das erste, was wir aufgesucht haben, war die Raucherecke für’s Hühnchen… Tja, watt mutt, datt mutt.

So nen bisschen hunger hatten wir auch, schließlich gab es bei Fokker nur nen winzig kleines Tütchen Kekse. Aber was will man erwarten? (Hoffentlich waren die nicht aus dem gleichen Jahr, in dem die Maschine zusammengetackert wurde.
So haben wir uns ein Sandwich geteilt, jeder noch ein Getränk und das Beste: Hühnchen hat bezahlt: 10€.

 

Immer noch hatten wir 3 Stunden Zeit, die wir vertrödeln konnten. Wir haben uns einen kleinen Buggy geschnappt und sind die Gates auf und ab gelaufen, ganz am Ende konnte man sogar Fliegern aus aller Herren Länder beim Starten zusehen. Spannend...


Aber irgendwann gings auch schon weiter. Sicherheitskontrolle, Paßkontrolle und ab in die MD 11, die uns nach Vancouver brachte. 


Und da sitzen wir nun. Seit über 4 Stunden. Aber hier drin isses cool. Wir sitzen im vorderen Teil auf der letzten Reihe und hinter uns steht der Getränkewagen. Wir haben ausdrücklich die Erlaubnis, uns selbst zu bedienen. Sie sparen dann einen oder zwei oder drei Wege. Sagte sie. Also die Stewardess. Und so sitzen wir hier, haben Apfelsaft, Orangensaft…Baileys (Unser Sitznachbar ist Italiener und sagt, Baileys schreibt man so).

           

Was ihn angeht, haben wir einen guten Fang gemacht. Ein netter Schweizitaliener mit holländischem Akzent, der die Prüfung in Deutsch gemacht hat und nun auf Sprachkurs nach Vancouver fliegt. Alle Achtung. Er sitzt neben Hühnchen. Sie bringt ihm besseres Deutsch bei

                      


Leider gibt’s in dieser Maschine der KLM keine Bildschirme in den Sitzen des Vordermannes, sondern nur 6 große für alle 350 Passagiere und die 2 Filme, die gezeigt werden, sind auf englisch mit holländischen Untertiteln. Toll. 
Wobei...Ist es bei Mr.Bean nicht eh egal?



Wir fliegen grad über Grönland. Gigantisch. Berge, Berge, Gletscher und verdammt viel Eis und Schnee. (wobei das ja das gleiche ist ) Aber da mal Urlaub machen? So wie ich gehört hab, soll das Eis ja in ein paar Jahren verschwunden sein. Ich hab also noch etwas Zeit, mir das zu überlegen.



Das erste Essen war wirklich gut. Von Bertolli. Ich hatte Lachs, Schrimps und Seelachs mit Reis und Hühnchen verspeiste Nudeln mit Spinat.





Dazu 3 Brötchen. (für mich eins und fürs Hühnchen zwei. Ich sach ja, sie frißt, und ich werd fett ) Für beide gab es am Ende noch einen Himbeermascarponekuchen. Leeeeecker. Wirklich.
Bis jetz bin ich also von KLM überzeugt. Sogar der Sitzabstand ist ausreichend. Im Gegensatz zu manch anderer Airline, die versucht aus einem eine Sardine zu machen.
Gleich überfliegen wir die ersten Ausläufer Kanadas. Oh ja…die Berge sind schon zu sehen. Bald sind wir da.



Ich hatte mir zuhause ausgerechnet, auf welcher Seite im Flieger ich sitzen muß, um möglichst viel zu sehen. Als ich jedoch begriffen hatte, daß ich bis zur Landung außer weiß und Wolken nichts mehr sehen werde, war ich schon so ein wenig deprimiert.

Naja, war nun nicht zu ändern. Im Grunde war ich erstmal froh, nach über 9 Stunden Flug festen Boden unter den Füßen zu haben. Daß ich so ein klitzeklein wenig müde war, muß ich sicher nicht erwähnen. Es war hier 16.15Uhr, was 1:15 Uhr deutscher Zeit entsprach und wenn man davon ausgeht, daß ich die letzte Nacht nur 2 Stunden Schlaf abbgekommen hab, dann werdet ihr mich sicher verstehen.

Aber erstmal Paßkontrolle mit den üblichen Fragen: wann, wo, wieso und wenn ja, warum nicht…

Es ist aber weniger zeitaufwändig, als bei einer USA-Einreise, denn das Fingerprinting und das Foto fallen weg. Auch eine Adresse, wo man denn die erste Nacht verbringt, wollen sie nicht.
Danach gings ans Eingemachte. Baggageclaim Nr. 23.
Der Andrang war bereits riesig und Gott sei Dank gabs die Kofferbeförderungswagen umsonst, denn 80kg per Hand durch die Zollkontrolle…würde garantiert nur für Aufsehen sorgen. Von der Anstrengung mal abgesehn.

Das erste, was erschien, war der riesige Seesack mit der Campingausrüstung und das war schonmal die halbe Miete. Der Rest lies zwar auf sich warten, trudelte aber am Ende doch noch ein.
Wir haben uns schnell noch von unserem Mitflieger Christian aus Italien verabschiedet und machten uns auf die Suche nach Alamo. Der Herr des Zoll schnappte sich auf dem Weg nach draußen schnell noch die weißen Zettel und schwups, war auch die Hürde gemeistert.

Normal, aber was ist schon normal, befindet sich die Mietwagenstation im Flughafengebäude oder man wird per Shuttle hingebracht. Aber Vancouver kocht sein eigenes Süppchen. Man schiebt sein 80kg Gepäck auf einem Rollwagen quer durch alle Terminals, Parkhäuser und Baustellen. Zwischendurch fällt einem alles runter, weil die Karre eiert und man Angst haben muß, von irgendwelchen Wegelagerern überfallen zu werden. Aber letztendlich haben wir es geschafft. Alamo gefunden, Schalter besetzt, nur einer vor uns und das Beste, wir wurden „erwartet“.
Um es abzukürzen, wir fahren einen schwarzen Ford Fusion. Wenn die ne Choiceline gehabt hätten, hätte ich mir genau DEN ausgesucht.
 

   

   


   
und noch so sauber
  

 

Als alles verstaut war, drehten wir noch, auf Geheis des Deskmans, ein paar Runden zur Eingewöhnung und verließen dann den Airport auf geradem Weg.
Unser Ziel war das Best Western in Surrey, einem ca. 25km östlich gelegenen Stadtteil von Vancouver.
Es nieselte und mein Gedanke war: der Urlaub kann ja heiter werden. Wenn ICH schonmal campen möchte.
Dank meiner phantastischen Wegbeschreibung, haben wir das Motel natürlich auf Anhieb gefunden. Eine gute Wahl, denn von außen machte es einen sehr guten Eindruck.
Wir hatten das Zimmer schon im Mai gebucht und trotzdem drehte man uns ein Raucherzimmer mit der Begründung an, daß alles ausgebucht ist. Waren die anderen eher, als wir? Aber sonst war alles bestens. Die Betten breit und das Internet für erste Meldungen lief auch ohne Probleme.
Erste Aufgabe war aber: einen Supermarkt finden, der Sonntag geöffnet hatte. Auch das sollte kein Problem sein.
Unser morgiges Ziel war ein CG in den USA, was bedeutet, daß wir nur das Nötigste kaufen durften, von wegen Grenzkontrolle und Lebensmittel und die Ticks der Amis…
Wir beschränkten uns also nur auf Wasser bisschen Brot und was für drauf. Den Rest wollten wir am nächsten Tag holen. Das „Bisschen“ im Supermarkt hat uns 58$ gekostet. Weiß der Geier, was sich Hühnchen da wieder alles einpacken lies.
Heute gab es dann nur noch einen Weg für mich: Bett
Schlafen. Schlafen. Schlafen.
Ich hatte mir vorgenommen, von abend halb 9, was es mittlerweile war, bis morgen früh 6 Uhr durchzuschlafen. Für den Anfang sollte es reichen. Das die Nacht quasi 1.00 Uhr zuende war, wußte ich in dem Moment noch nicht, denn auch hier gibt’s Jugendliche, die nachts nichts Besseres vorhaben, als alle anderen Menschen vom Schlaf abzuhalten und ihr Autoradio bis zum Anschlag aufdrehen. Hühnchen, die einen komaähnlichen Schlaf hat, hat von dem ganzen Trubel natürlich nichts mitbekommen. Manchmal ist die Welt schon ungerecht. 


Montag, 3. September


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6 Uhr „klingelte der Wecker“. Wenns nicht ausgerechnet mein Handy gewesen wäre, hätte ich „ihn“ am liebsten gegen die nächste Wand gehaun. Aber was solls, es war nun nicht mehr zu ändern. Wir hatten viel vor und mußten aus den Federn.
Heutiges Ziel war der Cascade Nationalpark im Bundesstaat Washington, direkt an der Grenze zu British Columbia. Um allerdings dahin zu gelangen, mußten wir erst einmal in die USA „einreisen“. Und wer schonmal in USA war, weiß, worauf man sich da einläßt. Stellen kanadische Beamte nur einzelne Fragen, wollen es die USA-Sheriffs schon ganz genau wissen, wo man hin will, wo man herkommt, wie lange man bleibt, wo man übernachtet etc. Daß sie nicht nach der Blutgruppe fragen, ist aber auch alles. Aber auch das wird kommen


Nach dem üblichen Stau waren wir endlich an der Reihe und unser Auto wurde rangewunken.
Mein Blutdruck schoss in die Höhe, mein Puls raste…aber es nütze nichts. Ich mußte da jetzt durch.
Officer: nuschelnuschelnuschelcomefromnuschelnuschel
ich: we came from Vancouver an go to Seattle.
Officer: nuschelnuschelnuschellongyoustaynuschelnuschel
ich: we make a roundtrip and go back to canada in 10 days.
officer: nuschelnuschelnuschelgotodaynuschelnuschel
ich: today we go to seattle
officer: nuschelnuschelnuschelnuschelthannuschelnuschel
ich: today seattle, next day cascade NP and than yellowstone
officer: nuschelnuschelofficenuschelnuschelnuschelcarnuschel
ich: ok, thank you.
*schwitz*
Er drückte mir noch nen gelben Zettel in die Hand, auf dem I94 angekreuzt war und schon winkte uns ein 2. Officer zu einem kleinen Parkplatz.
Er fuchtelte in der Gegend rum, was soviel bedeuten sollte, wie: Auto hier abstellen, aussteigen, ins Büro gehen und Klappe halten. Im Büro angekommen, wurden wir auch schon zum desk gerufen. Auf den ersten Blick hatten wir nen recht gelassenen Officer erwischt. Er grinste.
Hoffentlich verging es ihm nicht gleich 
Gleiches Prozedere. Wohin, warum, wie lange, Passport please.
Wir haben noch den I94-Schein ausgefüllt, in dem auch gefragt wurde, wo man denn die 1. Nacht verbringt. Und Schulze war darauf vorbereitet, denn Campgrounds sind als Antwort nicht zugelassen. Ich hatte bereits zuhause nach einem Motel in Seattle gesucht und mir die Adresse notiert, die ich nun angab. Ich hasse lügen.
Der Rest ging fix. Fingerprint, Foto und schwups hatten wir den ersehnten Stempel.
Jetzt konnte uns nichts mehr halten. Ab zum Cascade NP und nen schönen Campground suchen. Das erste Mal unser Zelt aufbauen, das erste Mal Campfire, das erste Mal Barbecue.


 Noch waren es aber knapp 200km und wir hatten bisher weder Holz, noch Spiritus, noch was Anständiges zu kauen. Kurz vor dem Ziel fanden wir auch einen kleinen geeigneten Laden, der alles hatte, was man brauchte.
Er verkaufte sogar Heu und Stroh. Rauszufinden, was denn Spiritus auf englisch heißt, war das größte Problem. Aber mit Händen und Füßen und dem Geruchstest, haben wir auch die passende Flüssigkeit gefunden.

Noch was Gesundes und was zum grillen und es ging auf die letzte Etappe Richtung Campground.
Seit unserem letzten Urlaub in dem Land, sind wir vernarrt in diese Visitorcenter. Sie haben ein ganz eigenes Flair, man bekommt alle Infos, die man braucht, Kartenmaterial und erhält einen Eindruck, was einem an Natur erwarten wird.

Wir fahren, falsch: HÜHNCHEN fährt also in den Park und ich sehe schon von weitem das Schild:
Cascade Mountain Nationalpark
Visitorcenter.


Nur leider fährt Hühnchen mit Scheuklappen. Sie sieht nur die Straße. Sonst nichts.
Sie fuhr vorbei.
Ich sagte: Magst du keine VC mehr?
Sie: doch
Ich: und wieso fährst du dann dran vorbei?
Sie: ach, war da eins?

Sei drehte um. Nahm die Abzweigung Richtung VC und parkte ihr Auto auf dem Truckparkplatz, der am weitesten (!) vom VC weg war.
Auf die Frage, wieso, sagte sie:
Ich weiß nicht.


Schon blöd, wenn man nur die Straße sieht, wenn man fährt und sich nicht traut, mal nach rechts oder links zu schaun. Während ich also die Fahrt genieße und mir die Landschaft „reinpfeif“, bekommt sie rein gar nichts mit. Ich glaub, sie würde selbst nen Bären am Straßenrand übersehen. Es bedarf also schon eines Bisons auf der Fahrbahn, um sie zum halten zu bewegen. Aber sie wollte ja unbedingt fahren. Das hat sie nun davon.
Einen Vorteil hat das ganze natürlich: Im Yellowstone müssen wir nicht alle paar Meter anhalten.
Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, VC.
Darf man 4 Postkarten mit der Kreditkarte bezahlen?
Egal, sie waren schön also mußten sie dort durch.



Übernachten wollten wir auf dem Colonial Creek CG, der am Diablo Lake angelegt war. Zwischendurch gabs herrliche Einblicke in die Natur und in den Park. Es war phantastisch. Riesig hohe Berge, auf denen noch ein Rest Schnee vom letzten Winter lag, tiefe Schluchten, Flußläufe direkt neben der Straße und: herrliches Wetter.
Und was soll ich sagen? Der CG war ein absoluter Glücksgriff. 12$ pro Nacht und bei der Fahrt auf der Suche nach dem besten Platz, bekam H. kaum den Mund zu. Sie sagte nur: Sylvi, das ist ja herrlich. Mit sowas hab ich gar nicht gerechnet. Haufen Platz. Ich dachte, es ist so wie in Dt, wo ein Zelt am anderen steht.
Ich: ich habs dir aber vorher schon erzählt…
Es war natürlich logisch, daß die Suche nach dem perfekten Platz einige Zeit in Anspruch nahm, denn wir wollten schließlich DEN Platz. Außerdem war unser Zelt etwas größer, als die meisten Stellflächen und am Wasser wollten wir auch sein.
Nach 20 min hatten wir einen Platz gefunden und fingen nun an, das Zelt aufzubauen und uns quasi häuslich einzurichten.


Hühnchen schmierte Brote, während ich mich mit der Axt und dem Feuerholz abmühte. Ein schier hoffnungsloses Unterfangen.



Egal, in 3 Wochen werde ich es sicher bis zur Perfektion bringen.
Nachdem das alles erledigt war, setzten wir uns ins Auto und fuhren noch nen Ründchen bis zu einem Aussichtspunkt und weiter bis zum Diablo Creek Dam Trail.


Die Kameras glühten. Der Ausblick war einmalig: Berge im Hintergrund, Wälder in der Mitte und im Vordergrund ein See, dessen türkisblaugrüne Farbe uns in blanke Verzückung versetzte und den Auslösefinger nicht zum Stillstand kommen lies. Jaaa, es gibt schon schöne Plätzchen auf der Welt.


 

Den Trail zum Dam haben wir auf halber Strecke abgebrochen, weil wir nichts zu trinken mithatten.











Schnell eins, zwei Fotos und zurück zum Auto. Dann machen wir uns lieber noch nen gemütlichen Abend im Mondschein und beim Lagerfeuer.


 


Es war fast perfekt. Die Steaks schmeckten, der Wein auch und das Leben könnte so schön sein, wenn es nicht langsam kalt geworden wäre und uns die Müdigkeit eingeholt hätte.


 

 
Also schnell aufessen, austrinken, die Fotos überspielen und ab zu unserer ersten Nacht in Schlafsäcken.
Und um es kurz zu machen: die Schlafsäcke hielten uns warm. Sehr sogar. Es müßte schon -20° sein, damit man anfängt zu klappern. Apropo klappern: Gegen 2 Uhr morgens wurde ich von einem leisen Pochen wach. Ganz fein. Wie Nieselregen. Regen. REGEN ????
Mist…wir hatten noch Zeug auf dem Tisch stehen, die Stühle draußen und zu allem Übel: Hühnchen und Koma… Ihr versteht? Mir blieb also nichts anderes übrig, als mich schnell anzuziehen, aus dem Zelt zu springen um alles irgendwie ins Trockene zu bringen. Nach 15 min war alles erledigt und es fing auch richtig an zu regnen. Die Feuerprobe fürs Zelt sozusagen.
Es hielt uns trocken. Leider konnte ich nicht mehr einschlafen. Was sich am nächsten Tag zeigte. Da bin ich unausstehlich.
Ach ja, Hühnchen hat von der ganzen Rumräumaktion nichts mitbekommen.
 



Dienstag, 4. September  

 

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6.00 Uhr meldete sich das Handy. Es hatte aufgehört zu regnen, nur von den Bäumen tropfte es noch etwas.

Erste Amtshandlung des Tages: Kaffeeeeeee.
Kocher anschmeißen, Wasser drauf und warten.
Es klappte alles wunderbar, bis auf… kurz bevor der Behälter mit dem Spiritus alle ist, gibt der Kocher Gas. Die Flammen kochen quasi über. Sie werden höher und höher und sind kaum unter Kontrolle zu halten. Das Problem dabei war, daß ich den Kocher im Vorzelt aufgestellt hatte und nun leicht ins Schwitzen kam. Welch Dramatik, die ganze Chose aus dem Zelt in Sicherheit zu tragen und zu warten, was passiert.
Gott sei Dank ging das Feuer gleich daraufhin von alleine aus und der Kaffee war „gerettet“, der übrigens köstlich schmeckte.
Da es geregnet hatte, war das Zelt abbauen eine kleine Schlammschlacht, jedenfalls sahen wir danach aus, als hätten wir uns darin gesuhlt. Aber auch das gehört zum campen.
Irgendwie haben wir alles ins Auto bekommen und sind Richtung Coeur d’Alene, unserem heutigen Etappenziel, aufgebrochen.






Übung macht den Superfotogaf... 


Dadurch, daß es geregnet hatte, zeigte sich das Tal des Diablo Creek in wunderbarem Licht. Die Sonne stieg langsam hinauf und es zogen Nebelschwaden aus den Wäldern. Ein phantastischer Anblick.


 



Fazit: dieser Park verdient ne 2. Chance.
Auf der Fahrt nach Coeur d’Alene kamen wir durch Winthrop. Der Name sagte mir gar nichts. Mußte er auch nicht. Aber es ist ein richtiges, altes, uriges und beschauliches Westernstädtchen. Wenn die Ampelkreuzung nicht wäre, dann könnte schon so ein bisschen Westerngefühl aufkommen.


"Margret 0.5"





Nach 10 Fotos haben wir uns dann aber wieder ins Auto geschwungen und sind die restlichen 300km quasi durchgerutscht.
Heutiger Campground: Beauty Creek, südöstlich der Stadt und noch fast am See. Hierbei handelt es sich um einen National Forest CG, der außer Stellplätzen mit Feuerstelle und Plumpsklos nichts zu bieten hatte, außer, daß er in landschaftlich reizvoller Lage angelegt war.


Gleiche Abfolge wie gestern: Platz suchen, registrieren, Zelt aufbauen und Essen kochen.

Was braucht man zum kochen? Richtig…Wasser.
Direkt neben unserem Stellplatz war eine Wasserstelle.
Wasserstelle ist eigentlich schon zuviel gesagt, denn Wasser hatte sie seit Monaten nicht mehr gesehen. Also machte ich mich auf die Suche, nach einer Alternative.
Am Caravan der Campgroundbetreiber stand ein Truck. Auf dem Truck befand sich ein Bottich mit ca. 300L Wasser. Und da niemand in der Nähe war…

Ich bin noch mehrmals am Abend die Strecke gelaufen, um Wasser zu holen. Irgendwann kam ich mir vor, wie eine dieser Wasserträgerfrauen in Mittelafrika.
Später am Abend kam dann der Besitzer mit nem Golgfbuggy angefahren und brabbelte was von Wasser und versucht zu nehmen.

Ich sagte nur etwa sinngemäß: ich weiß von nichts und die Wasserstelle ist defekt und wir haben kein Wasser je gesehn.

Er sagte, daß man Wasser vom Truck holen muß und fragte, ob er ihn herfahren soll, damit wir uns bedienen können. Da wir aber bereits „bedient“ waren, hab ich nur grinsende abgewunken, um heil aus der Sache rauszukommen. Das 2. Mal in 2 Tagen, daß ich lüge. Ich komm in die Hölle, das weiß ich.

Abend waren wir noch einmal kurz in der Stadt tanken und bei einem Preis von 2,77$/Gal kann man nicht meckern. (Umgerechnet ca. 60ct/L)

Die Nacht war ruhig und der Himmel zeigte Milliarden Sterne.

(Ich stelle grad fest: ich hab von diesem CG keine Fotos. Tja, wo ist die Kamera, wenn man sie mal braucht...)


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