Mittwoch, 5. September



Ich war schon wieder vor 6 Uhr wach, was eigentlich gar nicht so übel war, doch da wir gestern die Uhren um eine Stunde vorstellen mußten, war es jetzt natürlich noch stockeduster. Egal, wir hatten heute ca. 800km vor uns, denn es ging in den Yellowstone. Wie gehabt: Kaffee kochen, Zähne putzen und Zelt abbauen. 7.00 Uhr saßen wir im Auto und hofften, daß die Zeit schnell vorbeigeht.


4 Stunden später hatten wir auch nen Supermarkt ausfindig gemacht und dem Frühstück stand nichts mehr im Wege. Es sind jetzt noch ca. 300km

Was in den nächsten ca. 4 Stunden passierte, sollte eigentlich lt. Reiseplanung nicht passieren. Wolken zogen auf. Aber nicht jene, die harmlos den blauen Himmel zieren, sondern die, aus denen es regnet. Ok, Regen wäre vielleicht noch zu verkraften, aber das was uns da erwartete, war kein Regen. Irgendjemand da oben ußte uns wirklich hassen. Sehr hassen. Er öffnete alle Schleusen, die er finden konnte. Es kübelte. Und das ausgerechnet jetzt. Wie sollen wir bei dem Mistwetter unser Zelt aufbauen? Das schaffen wir nie. Das wird klitsch nass. Und nicht nur das Zelt. Ok, ich hatte nen Regenschirm mit aber hat schon mal einer versucht, nen Zelt einhändig aufzubauen?
Ok, erstmal zum Eingang.



Brav unsere NP-Karte vorzeigen, Yellowstonemap abnehmen und weiter geht’s. Es waren noch ca. 80 km bis zu unserem Campground, den sich Hühnchen ausgesucht hatte. Sie wollte wieder ans Wasser. Unser Ziel hieß also: Grand Village CG.
Das Problem an der Strecke war, daß wir an den ganzen Geysiren und Pools vorbeikamen und Hühnchen am liebsten überall angehalten hätte. Es war schwer, sie auf morgen zu vertrösten, aber es war schon relativ spät und im Park darf man die meiste Zeit nur 45Meilen/72Kmh fahren und was das Schlimmste ist: jeder hält sich dran (was mich 2 Tage später fast zur Raserei getrieben hat. Aber dazu dann paar Zeilen weiter unten mehr)
20 Dampfende Quellen, 10 Pools und 3 Bisons später waren wir endlich am Campground. Nach 800km war auch Hühnchen mehr oder weniger fertig und wollte nur noch schlafen, was natürlich nicht ging, daß wir ja noch unsere Behausung aufstellen mußten. Was positiv war, es hatte aufgehört zu kübeln. Negativ war, daß es weiter regnete. Aber irgendwie bekamen wir das schon hin.

Auf dem CG war es etwas anders, als wir es bisher „gewohnt“ waren. Man mußte sich zuerst anmelden und bezahlen und bekam dann entsprechend der Größe des Zeltes oder Campmobils einen Platz zugewiesen. Wir bekamen B62. Ein schöner Platz aber ganz am Rand des B-Loops und Hühnchen hatte natürlich die Befürchtung, daß wir als erstes von den Bären angegriffen werden würden. Und der Verdacht war gar nicht so unbegründet…
Ich weiß nicht wie, aber mit vereinten Kräften, einem Regenschirm und perfektem Zusammenspiel jahrelanger Zeltaufbauerfahrung (*hust*) haben wir es dann nach 30 min geschafft, unser Zelt aufzubauen.
Nächste Amtshandlung: Essen fassen. Wir beide hatten Kohldampf und hatten schon vorher überlegt, was wir alles in die Pfanne hauen können, was uns satt macht. Würstchen, Tomate und 6 Eier. Zusammengerührt in einem Topf war es momentan das Leckerste, was man sich vorstellen konnte.
Nachdem ich alles mühevoll mit kaltem Wasser gespült und vom Ruß befreit hatte, war noch genügend Zeit, um uns die West Thumb Basin Geysire und Pools
anzuschaun.



Gott sei Dank hatte es endlich aufgehört zu regnen. Ok, die Wolken da oben sahen nicht besonders geleert aus, aber egal. Ab jetzt hatten wir einen straffen Zeitplan zu erfüllen.


Thema Zeitplan: Genau DAS ist es, was den Urlaub sehr anstrengend gemacht hat. Es gab selten mal eine Minute, in der man einfach mal ausruhen konnte. Immer gab es irgendetwas zu sehen oder man war mit dem Auto unterwegs. Tausende Eindrücke mußten wir Tag für Tag verarbeiten und genau das merkt man auch an dem Bericht. Eine blanke Abfolge der Geschehnisse ohne Pausen. Der nächste Urlaub wird anders. Keine 6000km und nur maximal 4 NP's. Wenn überhaupt.



Mal schaun, ob ich den Bericht so verändern kann, daß er sich nicht liest, wie ein Kochrezept eines 6-Gänge-Menüs.

Ok, dann mal weiter im Text. Ob ich's mal mit Humor versuche?

Ich war vor 3 Jahren schon hier gewesen, wußte also, was mich im Yellowstone alles erwartet. Hühnchen sah alles das erste Mal und ich war auf ihre Reaktionen gespannt, die nicht lange auf sich warten ließen: „Sylvi, hier stinkts!“.

Naja, wenn das alles war, was ihr auffiel…

  

Viel Zeit hatten wir nicht, weil es bald wieder anfing zu tröpfeln, aber für den Anfang war der Kurztrip schonmal nicht schlecht.
 


Letzte Tat des Tages: Fotos überspielen. Und es waren nicht wenige.





Donnerstag, 6. September


Ich habe uns gestattet, mal wieder auszuschlafen. Eine halbe Stunde mehr sollte aber genügen, da wir heute viel vorhatten. An dem Morgen mußte ich an meine letzte Nacht im Y denken. Damals hatte ich nen dünnen Sommerschlafsack und es war die kälteste Nacht, die ich je verbracht hatte. Diesmal war es zum Glück anders. Es war trocken, es war warm und gemütlich war es auch. So konnte es weiter gehen. Es hatte nachts zwar noch ab und an geregnet, aber heute Morgen war es trocken. Bis auf vereinzelte Tropfen, die von den Bäumen fielen.
Unsere Aufgabe des Tages: Pools und Geysire zwischen Old Faithful und Madison Jct.
Bevor wir uns etwas anschaun, gehen wir immer erst ins Visitor Center. Und was soll ich sagen? Zur rechten Zeit, am rechten Ort. Noch 10 Minuten, bis der „Alte Getreue“ sprudeln soll. Das wollten wir noch abwarten.



     

Er war pünktlich. Nur etwas faul. Denn er erreichte nicht die Höhe, die man von ihm gewohnt war. Da der Himmel noch stark bewölkt war, wurden die Fotos auch nicht besonders. Da jeder den Geysir schon einmal gesehen hat, laß ich auch hier das Bild weg.
Nach einem kurzen Abstecher nach West Yellowstone, weil dort der einzigste Ort weit und breit war, an dem dt. Handys Netz hatten, und ich jemandem zum Geburtstag gratulieren mußte , fuhren wir dann Haltepunkt um Haltepunkt zurück zum Campground, an dem wir allerdings erst abend gegen 23 Uhr ankamen.
Es wäre zu langatmig, alle Stationen aufzuzählen, an denen wir gehalten, gewandert und geknipst haben, aber es war gigantisch.

    
    

Gegen Mittag kam sogar die Sonne raus und der Auslösefinger stand ab dem Zeitpunkt keine Minute mehr still. Ich glaub sogar, daß wir alle Pools mitgenommen hatten, die auf dem Weg lagen. Wir mußten überall anhalten. Alles, was ich tat, war zwischen Fotoapparat und Videokamera hin und herwechseln. Es war schon toll hier.

    

   

     

Als ich das letzte Mal hier war, wollte ich unbedingt den Morning Glory Pool sehen. Daß wir ihn nicht gefunden hatten, verschweige ich besser. Diesmal hab ich mich vorher schlau gemacht, wo er sich versteckt hält, denn noch einmal sollte mir das nicht passieren.

 

    

    

Das Schlimme am Yellowstone ist, daß man auf dem Weg zu einer Sehenswürdigkeit ständig anhalten oder stehen bleiben muß, weil nach jedem Meter wieder etwas anderes Aufregendes zu sehen ist und wenn es nur ein Chipmunk oder ein Muledeer ist.

  

    

   

   

    

    

    


Ich weiß nicht mehr genau, wo es war, aber an einer Stelle konnte man sogar von den Stegen runter Richtung Wald laufen. Der Weg führte ca. 1 Meile Richtung Süden zu einem Wasserfall.

Und es war jetzt schon das 2. mal in diesem Urlaub, daß wir nichts zu trinken dabei hatten. Nichts zu trinken und dér Chip meiner Kamera war voll.

Klasse. Gut gemacht, Sylvi.

Da kommt man EINMAL in seinem Leben hierher, ok, 2x und dann passiert sowas. Mir. Tze...

    

    

Trotzdem ist es schon ein Wunder was sich die Natur hier hat einfallen lassen.
Jeder Pool, jeder Geysir ist anders und immer wieder könnte man dutzende Fotos machen. Endlich war es soweit: der Morning Glory Pool. Ok, auf den Fotos war er bunter, aber es liegt zu einem an den Menschen, die ihn als Abfallbehälter benutzen zum anderen an der Bildbearbeitung. Selten kommt ein Foto so aus der Kamera, wie man es will.

    

    

Das Licht der untergehenden Sonne war herrlich, es tauchte die ganze Landschaft in ein goldenes Licht. Dazu die weißen Dampfsäulen der Geysire…blos gut, mein zweiter Chip war voll. 

 

         
Um den Tag so ausklingen zu lassen, wie er es verdient hatte, haben wir beschlossen, Steak essen zu gehen. Hühnchen mußte zahlen, da sie eine Wette verloren hatte. 50$ für 2 Salate, 2 große Rindersteaks und 2 Getränke schienen mir als Strafe angemessen.

   

    

Noch ein paar Zeilen zur amerikanischen Essen(s)kultur, denn sie sollte hier auf keinem Fall unerwähnt bleiben, da sie sich fast komplett von deutscher, oder europäischer überhaupt, unterscheidet.

    

   

    

Das Erste ist: wenn man ein Restaurant betritt, darf man sich nicht einfach setzen. Man wird platziert, sofern ein Tisch frei ist. Sollte das nicht der Fall sein, wird man gebeten zu gehen, zu warten oder es sich an der Bar gemütlich zu machen. Dabei wird der Name notiert und man wird geholt, wenn man an der Reihe ist.

    

Das Zweite: Wenn der Deutsche vorhat, in ein Restaurant zu gehen,so ist das für ihn ein Akt, der mit viel Aufwand und Pomp begangen wird. Also schick anziehen, Auto waschen, zur Bank fahren...

 

    

Hier ist alles etwas anders. Nicht, daß die Lokalitäten nicht schön wären. Keineswegs. Das sind sie. Fast alle sind liebevoll gestaltet und laden dazu ein, hier einen schönen Abend zu verbringen. Und da kommen wir zu Punkt Drei:

Man setzt sich, bekommt die Karte, wählt aus, bekommt das Essen und sobald der letzte Bissen den Magengrund erreicht hat, wird die Rechnung präsentiert. Also nix mit noch gemütlich sitzen, ein Gläschen Wein oder zwei...

    

Wenn du noch was trinken und dich unterhalten möchtest, geh an die bar, denn der Tisch wird gebraucht.

Kommen wir zum wichtigsten Punkt. Egal, wie nobel ein Restaurant bei denen ist, es ist den Angestellten egal, wie ein gast erscheint. Selbst ein Gast im T-Shirt und Jogginghose, der noch 3 schreiende Kinder im Schlepptauhat, bekommt sein Essen. Und wenn derjenige dann auch noch ein mit Liebe zubereitetes und perfekt durchgebratenes Sirloinsteak serviert bekommt und dabei den neuesten Roman eines Nonameschriftstellers liest, dann...esse ich doch lieber wieder in Deutschland, denn wir haben noch ein klein wenig Ehre im Leib und zollen einer guten Arbeit auch die entsprechende Anerkennung.

Ein letztes wollte ich noch fragen: weshalb geht ein Amerikaner in ein 4*-Restaurant und bestellt sich dort einen Burger?

    

  
 
Der Abend war klar und der Nachthimmel hat geleuchtet. Aber nicht etwa wegen Wetterleuchtens oder einer Ansammlung von Straßenlaternen, sondern wegen Trilliarden von Sternen. Selten hat man einen so intensiven Blick auf die Milchstraße. Es war gigantisch. Hühnchen hat sich kaum eingekriegt.
Nach einer kurzen Astronomiestunde fielen wir völlig geschafft gegen 23 Uhr in unsere (eiskalten) Schlafsäcke.

 


Freitag, 7.September


  Wir haben geschlafen wie Babys. Das lag wahrscheinlich noch an den gestrigen Ereignissen und an den mindestens 15km, die wir zu Fuß zurückgelegt hatten. Das scheint auf den ersten Blick nicht viel, aber die Amis haben die Angewohnheit, (fast) alle Wanderwege und Trails zu Aussichtspunkten zu asphaltieren, damit auch Rollstuhlfahrer die Möglichkeit haben, sich alles anzusehn. Irgendwann werden sie sicher diese Wege ausbauen, sodas man überhaupt nicht mehr aus seinem Auto kriechen muß, um sich etwas anzusehn. Amis sind nämlich berühmt dafür, sich nur aus dem Auto zu quälen, wenn es auf Toilette oder ins Bett geht. Alles andere kann angefahren werden.
Wo war ich stehen geblieben? Ach ja… asphaltierte Wege. Und wer das nicht gewohnt ist, ist nach spätestens 5km Pflasterlahm.
Heute hieß es aber erstmal 100km Autofahrt. Wie schon bei unserer letzten Reise, hatte ich auch diesmal 2 Überraschungen für Hühnchen eingebaut und jetzt war die erste dran. Es ging zum Teton NP und nach Jackson.
 
 


(Weshalb Hühnchen nichts vom Teton wußte, obwohl er an ihrem Wunschpark Yellowstone liegt, erzähle ich euch ein anderes Mal)
Der Himmel zeigte sich heute Morgen von seiner besten Seite und so stand dem Ausflug nichts im Wege.

     

Vor 3 Jahren war ich ebenfalls schon einmal dagewesen, doch hatten wir alles andere, als schönes Wetter. Wir waren Mitte Mai da und es hat geschneit und war a..kalt. Dazu kamen tiefhängende Wolken, sodas ich die eigentliche Attraktion des Parks nicht sehen konnte. Es war frustrierend. Doch diesmal sollte es anders werden.
Auf dem Weg zum Teton fuhren wir die meiste Zeit durch eine dicke Suppe aus Morgennebel. Ich hatte schon Zweifel, ob er sich bis zum Ziel auflösen würde. Er tat es. Leider war die Sicht auf die Berge trotzdem etwas…diesig. Egal, ich hatte jetzt meine Berge und das die Fotos nicht so werden, wie in den Hochglanzurlaubsbroschüren, war mir von vornherein klar.

  

    

  

Bis auf 2, 3 Knipser ließen wir den Park erstmal Park sein und fuhren bis Jackson durch.
Kurz vor der Stadt meldeten sich auch unsere Handys wieder und so manche Nachricht trudelte ein. Schon seltsam, wie sehr man sowas vermissen kann…
Jackson ist also sowas von typisch touristisch, daß es schon wieder gut ist. Trotzdem fast kitschig. Egal, sowas muß man sich als eingefleischter Mitteleuropäer anschaun.

    

    
                                        

Ob man am Flughafenzoll Probleme bekommt, wenn man sich hier einen 1m x 1,50m großen Elchkopf kauft und nach Deutschland einführen will? Paßt er ins Handgepäck? Und noch eine Frage: WER kauft sich sowas?
 
Nach einer guten Stunde hatten wir den Stadtbummel beendet und sind Richtung Teton umgekehrt. Die Million Dollar Bar hatte ich vorsorglich nicht erwähnt, da wir sonst im Zeitplan hinterhergehinkt wären. Außerdem war ich da schonmal...

Erster Punkt im Park war eine klitzekleine Nebenstraße, namens Mormon Row, im Südosten des Teton. Was gab es da zu sehen? 2 Scheunen.
Wer jetzt denkt: weshalb macht man einen Umweg um sich sowas anzusehen, der hat sich für den Teton noch nie sonderlich interessiert. 

Diese Scheunen gehören zur Story:

einer knipst es und alle machens nach. Wir auch:

      
 
    
  
Es war unglaublich warm geworden.
So richtig Lust zum Wandern hat man da nicht, aber watt mutt, datt mutt. Unser nächstes und letztes Ziel im Park war der Jenny Lake. Das klang knuffig. Klein. Versteckt. Idyllisch.
Es klang aber nur so.
Es war schwer, üerhaupt nen Parkplatz zu finden. Da soll noch mal jemand das Wort „Nachsaison“ in den Mund nehmen… Anscheinend hatten alle Ausgang. Nach dem obligatorischen Gang ins Visitor Center haben wir einen kleinen Trail in Angriff genommen. Er war wirklich klein, denn nach nur 200m sind wir umgekehrt. Wir hatten den See gesehn, Fotos gemacht und die falschen Sachen an. Es war nämlich unglaublich heiß.

   

     

Kurzerhand haben wir beschlossen, zurück zum Yellowstone zu fahren, um uns ein weiteres Highlight „reinzuziehn“. (Mittlerweile konnte man es gar nicht mehr anders nennen, denn ein Punkt jagte den nächsten.

    

   

Um wirklich in Ruhe alles zu sehen, reichen 3 Nächte lange nicht aus. Denn die Entfernungen sind nicht zu unterschätzen. Man sollte also niemals sagen: Es sind nur 40 Meilen, laß uns mal eben… DAS zieht nicht. Amis halten sich nämlich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen und das bedeutet: steht da irgendwo 25 Meilen, dann fahren sie die auch.)
So, weiter im Text. Rückweg zum Y. 

     

     

Von unserem CG zum Wasserfall, der auf keiner Yellowstoneansichtskarte fehlen darf, sind es knapp 40 km. Ein Klacks und in 2 Stunden, jetzt war es halb 4, ist die Geschichte abgehakt und wir können noch einen ruhigen Campfireabend zelebrieren.
DENKSTE PUPPE.
Es gibt nichts schlimmeres, als Touristen im Yellowstone. Touristen, die Zeit haben. Touristen, die fahren, als hätten sie in ihrem ganzen Leben noch nie einen Baum, einen See, geschweige denn den gelben Strich auf der Straße gesehen. Und das kann verdammt deprimierend sein, wenn man es ein wenig eilig hat. WIR hatten keinen Urlaub, wir hatten Stress. Wir hatten einen Plan, wir hatten Termine, die eingehalten werden mußten. Und diese I.. fahren wie Anfänger und bremsen an jeder kleinen Kurve.
Irgendwann kamen wir an. Es war bereits 17 Uhr und vor uns war die Abzweigung zu den Lower Falls.
Parkplatz suchen, Kameras schnappen und den Menschenmassen folgen. Nichts anderes tun Touristen und diesmal taten wir es ihnen gleich. Es war voll.

Es war so voll, daß es uns nicht gewundert hätte, wenn am Ende des Weges ein Automat zum Nummern ziehen gestanden hätte. Egal, da mußten wir jetzt durch. Leider war es nicht der Wasserfall, den ich erwartet hatte, nämlich den im Yellowstone Canyon. Wir schauten direkt von oben auf das nach unten stürzende Wasser.
Also schnell ein paar Fotos machen und zum eigentlichen Wasserfall fahren.
Um es kurz zu machen: wir haben ihn nicht gefunden. Man mag es nicht glauben, aber es ist wahr. Ich hab weder den Weg zum Canyon noch den Weg gefunden, der uns zur berühmten Wasserfallaussicht bringen sollte. Wenn es einen Lowerfall gibt, muß es auch einen Upperfall geben. Oder zumindest ein Schild auf dem steht: Wasserfall rechts oder links rum. Dergleichen fand sich aber nicht. Es gab auf den nächsten Kilometern Richtung Norden noch ein Schild mit Artistpoint. Doch leider war er gesperrt. Auch einen Canyon suchten wir vergebens.
Ein Hinweisschild stand an der nächsten Kreuzung: Canyon.
Ich dachte mir: DAS muß es sein, denn der Fall war direkt im Yellowstone Canyon. Ich war schließlich vor 3 Jahren schonmal hier. Millionen von Touristen verirren sich jährlich dort hin. Wieso sollte dann ausgerechnet ICH dran vorbeifahren und ihn nicht sehen? 

  

Aber es war nichts zu machen. Er blieb bis zum jetzigen Augenblick verschwunden.
Unterwegs kamen wir noch an Mud Volcans vorbei, an hohen Bergen, tiefen Tälern, jeder Menge Bisons und an einem Wasserfall, der nicht „unserer“ war. 

    
  
Es war 18 Uhr.
Wir durften jetzt die ganze Strecke wieder zurück fahren. Die ganzen 100km. Vorbei an hohen Bergen, tiefen Tälern, Bisons und an „25-Milen-Geschwindigkeitsbegrenzungsschildern“, an die sich, bis auf einer, alle gehalten haben. Auf die Spitze getrieben hat es ein Uralt-mit-Hut-fahrender-Pick-Up-Fahrer, der sich mit Müh und Not von einer Aussichtshaltebucht zurück auf die Straße geschraubt hat und währenddessen seiner, ebenfalls betagten Mitfahrerin, wild gestikulierend die Gegend erklärt hat. Das tat er die nächsten Meilen bei einer Geschwindigkeit, die krabbelnden Babys gleichkommt. Ich hätte vor Wut fast ins Lenkrad gebissen. 

     

Als ich mir erlaubt hatte, zu hupen, dachte ich…ok, ich dachte es nur. Wahrscheinlich hatte er sein Hörgerät zuhause vergessen.
Vor einer unübersichtlichen Kurve hab ich Gas gegeben.
Sollte jemand von euch die nächsten Tage in der Gegend sein, grüßt ihn von mir, denn er ist bestimmt noch unterwegs und erklärt seiner Frau, was grad für eine Raupe über die Straße gekrabbelt ist.

Die stinkigen Schlammlöcher, die auf halber Strecke zu besichtigen waren, haben wir schnell noch mitgenommen, sind dann aber ohne noch einmal zu halten zum CG zurückgefahren.

     

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit waren wir wieder am Campground. Das wars dann wohl mit gemütlich und Lagerfeuer. Hühnchen hat schnell was Warmes zusammengebruzzelt, während ich versucht hab, unser Campfire in Gang zu setzen.
Wäre unser Zeltnachbar nicht gewesen, würde ich wahrscheinlich jetzt noch pusten.

Er sagte nur was wie „it’s to green“. Und dabei hab ich es in einem Outdoorcampingladen gekauft. Ich sach ja…wenn man nicht alles selber macht..!

Irgendwann brannte es jedenfalls und wir haben uns noch nen Absacker gegönnt und zig Fotos überspielt. Gegen 22 Uhr krochen wir in unsere, schon wieder eiskalten, Schlafsäcke.


  

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