Dienstag, 17. Mai                                                                                     

 

Auch heute sprang das Auto erst nach dem 3. Versuch an und so langsam machte ich mir Sorgen. Am 20. konnte ich sowas nämlich echt nicht gebrauchen.
Kurz nach dem Überqueren der Staatsgrenze erreichte ich wiedermal einen Ort, über den ich mich diesmal besser informiert hatte, als beim letzten, der den Namen meiner Schwester trug. Diesmal konnte mir das Polizeiauto nicht ständig entwischen. Ansonsten war es hier eher ein trostloses Fleckchen Erde, an dem mehr kaputt und verlassen, als bewohnt war.
Ich frage mich wirklich, was es ist, daß Menschen hierher verschlägt oder zum Bleiben zwingt.  Überall Häuserreste, Sperrmüll, Autowracks und die Umgebung war zugewuchert mit Kudzu.
 

Dagegen war Natchitoches ein ganz anderes Kaliber. Schon kurz nach dem Willkommensschild war man hier wirklich willkommen und ein schönes Häuschen reihte sich an das nächste und es war wirklich niedlich hier. Und das Beste: man konnte kostenlos am Straßenrand parken und es war nicht so überrannt, wie New Orleans beispielsweise.



Die Region, in der ich war, nannte sich Cane River Creole National Historic Park. Der Unterschied zwischen Neuzeit und „Historic“ war hier aber nicht wirklich auszumachen. Es war einfach nur hübsch.


Als ich im Visitor Center nach Informationen suchte, meinte die Lady, es gäbe auch weiter nördlich ein Informationszentrum extra für den Park. Ich fragte, wie weit es in etwa wäre und ob ich dahin laufen könnte, da meinte sie, daß es in etwa eine Meile wäre und ich könnte die Strecke unmöglich zu Fuß zurücklegen.
Natchitoches hat ein öffentliches Wifi-Netz und ich überprüfte ihre Aussage und stellte fest: 1 Meile in ihren Augen sind nur läppische 700 Meter lt. Google. Ein Katzensprung und so lief ich los.
Die Lady hätte allerdings nicht die Länge der Strecke als Grund anführen sollen, nicht zu laufen, sondern eher die Tatsache, daß es in den USA keine Infrastruktur für Fußgänger gibt. So hüpfte ich von einer Straßenseite auf die andere und wieder zurück, immer auf der Suche nach einem Weg, auf dem ich vor Autos und deren Fahrer sicher war.
Ampeln für den Autoverkehr waren auch MEINE Ampeln…


Die Karte, die ich im Visitorcenter bekam, sagte mir, daß ich statt dem Hwy1 lieber den Hwy 119 nehmen sollte, da sich dort eine Plantage an die nächste reiht und 3 davon wollte ich besuchen.


Hier in Natchitoches gab es auch ein Fort, aber sie hatten die Öffnungszeiten den Besuchern angepasst. Es öffnet erst am Mittwoch…

Plantage Nummer 1 war die Oakland Plantation, allerdings wurde das komplette Grundstück samt  Herrenhaus gerade umgekrempelt und war mit Zäunen und Gerüsten verschandelt. Ich holte nur meinen Stempel und zog weiter. Keine Fotos.
Plantage 2 war die Melrose Plantation und man wollte mich nicht ohne zu zahlen auf das Grundstück lassen.



Plantation 3 schloß gerade seine Tore und ich durfte den Hintereingang des Besucherzentrums/Museums benutzen, um schnell noch vor dem vom Ranger vorverlegten Feierabend die Stempel einzusacken. Er gab mir noch 3 Minuten für ein paar Fotos, doch dann sollte ich…



Amerikaner und ihre Arbeitseinstellung. Aber das Thema hatte ich schon einmal.
Bisher hatte ich immer den Gedanken, daß Motels der Wyndhamkette eine bestimmte Rangordnung hatten. Schon alleine, wenn man deren Preise vergleicht. Je teurer, umso besser.
Aber das stimmt so nicht ganz.
Heute war ich in einem Ramada Inn und auch wenn es nach teuer und glamourös klingt, so war es das ganz sicher nicht.
Der Fernseher stammte aus dem Ende der 80er, ebenso der Schrank und auch die Toilettenspülung war Vorkriegsware.


Ich kann mich gar nicht daran erinnern, wie oft ich auf meinen Reisen schon defekte oder tropfende Toiletten repariert hatte. Ich sollte mich wirklich auf diesem Metier weiterbilden und hier sesshaft werden. Eine Goldgrube wäre das.
Das Zimmer wurde übrigens, wie auch alle anderen, auf 15°C heruntergekühlt. Egal, ob da jemand wohnte oder nicht.
Würde ich ein Elektrizitätswerk eröffnen, wäre mein Gewinn sogar noch ein bisschen höher. Strom scheint hier kostenlos aus der Wand zu kommen.
Es hat dann eine halbe Ewigkeit gedauert, bis ich die Hütte warm hatte.

 

Mittwoch, 18. Mai                                                                              

 

Das Highlight des Tages sollte heute eine Swamp Tour werden.
Viele schwärmten schon davon und da dachte ich, ich sollte die 20$ dafür investieren. Der Anbieter mit der besten Bewertung war Champagne’s Cajun Swamp Tour Dingens am Lake Martin.
Zuvor wollte ich allerdings noch zur Kent Plantation, da sie lt. Internet auch Self Guidet Touren für 8$ (für AAA-Member) anboten. So dachte ich zumindest, bis mich die Lady eines Besseren belehrte und meinte, sie könne mich ohne Guide nicht auf das Areal lassen, aber ich könnte mich einer Gruppe Franzosen anschließen, die gerade dabei waren, sich alles anzusehen.
Ich dankte recht herzlich und verließ mit jeder Menge Frust im Bauch das Anwesen, welches wirklich recht nett aussah.
Aber ich mag keine Touren. Mich interessieren weder die Geschichte, noch die Leute. Ich will nicht Stundenlang angestaubtes Interieur anschauen und in dumme Gesichter sehen, die an den Wänden hängen. Ich will selber gucken und knipsen, wann und wo es mir gefällt.
Meinen Frust bekämpfte ich wenig später mit einem Omelett im Ihop in Lafayette. Klar, daß ich es später wieder bereute, aber ich sehe nicht ein, wieso ich für 10$ ein Ei mit Speck und Hashbrowns bestellen soll, wenn es für das gleiche Geld auch ein Omelett mit Pancakes gibt.



Als ich am See ankam, tat es auch zeitgleich Familie Flodder mit mir, die eine Reservierung für eine Tour hatte und mir schwante Übles.


3 Frauen, 1 Mann und mindestens 5 Kinder im Alter von 5 Monaten und 10 Jahren und alle redeten und schrien pausenlos ohne Punkt und Komma.
Ich hatte eine Tour von 60 Minuten gebucht und dachte, daß ich es schon überleben werde.



Nach 1 Stunde und der Hälfte der Strecke dachte ich es allerdings nicht mehr.
Erstens hätte ich erst den Kaffee nicht trinken dürfen und sie hatten keine öffentliche Toilette und zweitens ging mir das Dauergeplapper sowas von tierisch auf die Nerven, daß ich drauf und dran war, die Familie zurückschwimmen zu lassen.

 

Das ging natürlich nicht, da ich einsah, daß die Alligatoren viel zu klein für diese Familie waren. Die armen Tiere wären sicher an den Massen an Fleisch, was alle mitbrachten, zu Grunde gegangen.

 

Wenn man allersings die Geräuschkulisse ausblenden konnte, waren es (am Ende) 2 schöne Stunden, die wir leise vor uns hinschipperten. Viele Tiere waren nicht zu sehen, aber trotzdem war es hier so, wie ich mir die Gegend in Louisiana immer vorgestellt hatte. Sümpfe, Wasser, Zypressen, Alligatoren, Schildkröten und kaum Menschen.

 

Als wir den See umrundet hatten, gab es für mich nur noch ein Ziel:
Mc Donalds.
Allerdings nicht, um schon wieder zu essen…

Die Stille war herrlich. 

Östlich von Lafayette gab es auch ein Atchafalaya NWR, welches ich schon zu Beginn der Tour auf dem Plan hatte und auf das ich mich jetzt freute. Sumpfgebiete ohne Dauerplapperer. Das stellte ich mir vor und ich bekam: nichts.
Die Damen am Atchafalaya Welcome Center konnten mir keine Auskunft zu dem Refuge geben. Weder wo, noch was man da sehen konnte. Und auch Margret war überfordert. Es gab nämlich keine Möglichkeit, in das Refuge zu kommen, stattdessen fuhr ich 20 km daran vorbei. Es war ein aussichtsloses Unterfangen. Dabei waren Wege tatsächlich eingezeichnet. Auch eine Ranger Station. Aber gefunden habe ich keins von beiden.
Ich brach daher ab und fuhr gegen halb 5 zum vorletzten Motel der Reise.
Allerdings brauchte ich 3 Anläufe, um das endgültige Zimmer zu beziehen. Das erste war noch nicht fertig geputzt, im zweiten lief der Wasserhahn pausenlos und das dritte war zwar auch noch nicht wirklich fertig, aber die Dame am Empfang konnte mein Gesicht schon nicht mehr sehen.
Von den Zimmern her war es eines der besten Motels der Reise. Der Fernseher war neu, es gab eine richtige Decke auf dem Bett, nix tropfte und es gab genügend Licht im Zimmer.
So soll es sein.


Donnerstag, 19. Mai                                                                             

 

Mein letzter Tag und die Ziele, die ich ansteuerte, waren eher Lückenbüßer, da ich heute eigentlich nur noch meine Koffer packen wollte.
Und eigentlich habe ich ab dem frühen Nachmittag auch nichts anderes gemacht, als versucht, soviel wie möglich in den Koffer zu quetschen, ohne daß es die 23kg-Marke sprengt. Auf dem Hinflug hatte ich viele Sachen im Handgepäck und das Köfferchen wog sicher auch an die 12-14kg, doch mein Rückflug wird mit Lufthansa durchgeführt und sie erlauben nur 8kg Handgepäck.
Aber noch ist es 9 Uhr am Morgen und ich war 160km auf dem Highway unterwegs und hab den Urlaub Revue passieren lassen und noch schnell „Notizen“ per Mikrofon-App festgehalten. Autofahren ist hier drüben immer wie meditieren, da man sonst ja nix zu tun hat. Man beobachtet andere Autofahrer, wie sie mit 1mph mehr zum Überholen ansetzen oder Truckfahrer, die mit ihren 60-Tonnern drängeln oder Omas, die 40mph fahren und nebenher noch telefonieren.

 

Und ständig kreisen die Gedanken um die vergangenen Tage und was man alles gesehen, getan und verpasst hat und was wäre wenn und was nicht und was man evtl. das nächste Mal besser machen könnte und was nicht und schon war ich am Shangri La Garden und 12$ los, da es hier mal wieder Schmetterlinge zu sehen gab, von denen auf der Homepage gar nichts gestanden hatte.



Der Garten kostet 6$ und die Schmetter nochmal 6$, wobei man auch die 6$ für die Schmetter hätte sparen können. Erstens will eh keiner dein Ticket sehen und zweitens waren es nur 3 verschiedene Arten. Wenigstens war ich dieses Mal alleine. Und zwar auf dem ganzen Gelände.


 

Keine Reisegruppe und keine Schulklasse weit und breit, dabei war es hier recht ansehnlich. Nur Kolibris suchte ich auch hier vergeblich. Einen habe ich während der ganzen 3 Wochen gesehen und dabei dachte ich immer, sie mögen es warm.



Der 2. Garten, den Namen muß ich googlen, war gratis und so sah es da auch aus. Naja, nicht ganz. Es war schon alles hübsch angelegt, aber ich kam, wenn man sich die Blumen so ansah, mindestens 4 Wochen zu spät. Sogar die Rosen waren schon alle verblüht.



Frühstück Schrägstrich Lunch gab es heute im Golden Corral für 8,99$ und hätte ich gewußt, daß es hier günstiger ist, als in meinen IHOP’s, wäre ich während der Tour öfter hier gewesen.


Ich war schon mehrmals in Golden Corral Buffetrestaurants, aber das hier war das üppigste, wenn es auch keine Steaks gab, worauf  ich eigentlich gehofft hatte.
4 Teller von jedem bisschen was für 9$, da kann man wirklich nichts sagen, nur sollte man die Finger von den Nachspeisen lassen. Keine Ahnung, wie Amerikaner das pappesüße Zeug runterkriegen, aber ich hätte denen beinah auf den Tisch ge…
Mir kleben jetzt noch die Zähne an der Zunge fest.

   

Bis ich einchecken konnte, lief ich noch für die letzten Mitbringsel durch den Wal-Mart. Ja, ich weiß, das ist nicht sexy, aber kleine bunte Shirts für meinen 18 Monate alten Neffen müssen eh nicht lange halten. Kinder wachsen ja sooo schnell…

Als ich dann später mein Auto ausgeräumt entmüllt hatte, fing es gerade an zu regnen und als ich fertig war, sah ich auch so aus.
Ich frage mich, wieso sich in der kurzen Zeit immer so viel Müll ansammelt. Jede Recyclingfirma würde sich an mir eine goldene Nase verdienen.
4 Stunden später war alles aussortiert und verpackt und zugeschnürt und würde hoffentlich den Flug heil überstehen.
Den restlichen Abend verbrachte ich unter der Dusche und im Bett mit weiteren 5 Folgen Big Bang Theory.