Dienstag, 4. Oktober                                                                     22°C 


Die erste Nacht ist immer schnell vorüber.
4x um genau zu sein.
Einmal gegen 1, dann halb 3, kurz vor 4 und 5:50 Uhr gab es dann Kaffee.
Wirklich munter war ich aber erst gegen 10, als ich das IHOP verließ.
Ich sammle ja hier nicht nur Stempel, sondern auch Universitäten. Yale und Stanford hatte ich schon und heute kam die John Hopkins in Baltimore hinzu und wiedermal bestätigte sich das, was ich über Unis wußte: das war nicht meine Welt. Also das Studieren.


Ich würde hier eingehen. Hier gibt es so viele Häuser und Hallen, ich würde mich vermutlich schon an Tag 1 irgendwo in eine Ecke setzen und nach Mama schreien.
Was mir noch auffiel, es gibt so gut wie keine Grüppchen. Jeder Student, der mir entgegen kam, war alleine.
Als ICH noch zur Schule ging, gab es 10 Klassen und man wechselte nach den Stunden immer gemeinsam die Räume. Alle machten das, was der andere tat.
Und hier?
Ist jeder auf sich gestellt.
Ein schrecklicher Gedanke.



Der Campus an sich war natürlich hübsch und ehrerbietend und sah teuer aus, aber ich bin dann doch froh, seit meinem 19. Lebensjahr mein eigenes Geld zu verdienen. (Die Lehre zähle ich mal nicht dazu. Da gab es damals nur 255DM)
45 Minuten Campus gucken und ich war 4$ ärmer. Studiengebühren werden hier vermutlich über die Parktickets bezahlt.


Für das Geld sollten sie lieber Baltimore sanieren. Schon bei meinem ersten Besuch der Stadt empfand ich es hier als … schrecklich. Und genauso war es heute auch. Wer hier ohne Navi unterwegs ist, ist entweder lebensmüde oder will seine Grenzen austesten.
Alles hier erinnerte mich ein wenig an die Filme der 80er, die in New York in der Bronx gedreht wurden. Nur in bunt.
Ist nicht meins. Und ich sah zu, daß ich aus der Stadt rauskam.

Vermutlich ist es in DC auch so, aber ich bin Tourist und Touristen sehen nur die Mall. Und wenn sie es nicht wieder verpassen, das Weiße Haus.
2014 hatte ich es so gar nicht auf dem Schirm.
Heute auch nicht.



Aber ich sah es aus der Entfernung. Das mußte genügen.
Ich drehte heute, mit passendem Schuhwerk, die übliche Runde vom Jefferson Memorial übers Washington Monument bis hin zu Lincoln. Das Auto stand südlich von Jefferson auf einem der 3 Parkplätze, welche vom Nationalparkservice verwaltet werden und die kostenlos sind. Daher dauerte es etwas, bis ich an der Mall ankam.



Und nein, ich war auch heute nicht oben in der Nadel. Der Lift war ausgefallen.
Und es war warm.
Für Anfang Oktober sind gefühlt 25° im Schatten dann doch schon heftig. Aber ich will mal nicht jammern. Regen und Herbststürme kommen früh genug.
Und eigentlich war es das schon für heute.
Einfach nur ein relaxter Tag in der Sonne und umgeben von 1 Mio Touristen, Militärhubschraubern, Krankenwagen und Feuerwehren mit angeschalteten Signalhörnern, startenden Fliegern vom Reagan Airport und Breakdancern vorm Lincoln Memorial.

 


Hatte DC gar nicht so lärmend in Erinnerung.
Für die nächsten 3 Nächte kam ich in einem Super 8 in der Nähe der Andrews Airforce Base unter.
Und nein, ich bin NICHT auf der Suche !!





Mittwoch, 5. Oktober                                                                        23°C


Schon wieder 5 Uhr wach.
Wobei es mich auch schlimmer treffen könnte.
Eine Kollegin von mir weilt seit heute in Australien (und da sage nochmal einer, im Handel verdient man nix) und sie ist meiner Zeit 14 Stunden voraus. Gefühlt geht sie zu Bett wenn ich hier morgens wach werde und muß schlafen gehen, wenn es hier 9-10 Uhr morgens ist und das finde ich ja mal wirklich extrem.
Da ist es mir anders herum schon lieber.

Was stand heute auf dem Plan?
DC and beyond.
Starten wollte ich mit dem Arlington Friedhof, dann 40 Stempel am Washington Parkway einsammeln, dann weiter nach Georgetown und Uni Nr. 4 abhaken, der Rock Creek Park fehlt auch noch in meiner Liste und wenn es Zeit ist, möchte ich das ein oder andere Museum an der Mall besuchen.
Ein vollgepackter Tag und trotzdem nix fotogenes dabei.
Ist halt MEINE Reise und knipsen werde ich im nächsten Urlaub wieder. Geplant ist die nördliche Westküste aber genau weiß ich es erst, wenn ich den Flug gebucht hab.
Ziel Nummer 1 mußte ich später etwas nach hinten schieben, da ich es nicht geschafft hatte, in den Kreisverkehr an der Arlington Memorial Bridge zu gelangen. Man fährt auf 2 Spuren in den Kreisverkehr aber fährt man rechts, muß man auf die Brücke und es war so viel Verkehr, daß mich keiner hat links „abbiegen“ lassen.
Und DESWEGEN fahre ich nur mit Navi.

Die Route wird dann einfach neu berechnet und gut ist.
Trotzdem hab ich Georgetown vorverlegt und mal 4$ fürs Parken gelöhnt, um mir die Uni anzusehen.
Ein hässliches Teil.



Sieht aus wie eine für ein Egoshooterspiel entwickelte menschenleere Stadt der Zukunft. Industriegelände ohne Industrie.
Egal, wie gut dieses College ist, hier wäre ich nicht gerne unterwegs.
Ich hatte das Parkticket für eine Stunde im Voraus zahlen müssen und hatte jetzt genau 40 Minuten Zeit, mir Georgetown anzusehen und paar Stempel einzusacken.
Georgetown ist wirklich hübsch. Pittoresk. Schnuckelig. Und sicher als Wohngegend überteuert. Hätte ich mehr Zeit…


Stempel gab es dann doch keine, da auf dem Zettel am Old Stone House „open at 11“ stand und ich war halb 10 hier. Ärgerlich, aber nun gut.
20 Minuten bis zum Ablaufen des Parktickets.
Das wird eng.
Hoffentlich muß ich am Ausgang nicht nochmal 4$ zahlen, weil ich mich verspätet hab.
10 Minuten nach Ablauf fuhr ich durch eine sich von selber öffnende Schranke ohne Kontrolle und ärgerte mich in der gleichen Sekunde schwarz. Hätte ich DAS gewußt…
Als ich diese Tour plante, freute ich mich auf DC und buchte gleich 3 Nächte. Heute Morgen nach dem ersten Kaffee dachte ich allerdings anders und änderte den Plan für morgen.
Ich wollte raus auf’s Land. Bisschen rumfahren.
Denn das war genau das, was ich hier NICHT konnte. Ständig stand man in irgendeinem Stau oder vor gesperrten Straßen und war meistens gestresst.
Die Museen und das Weiße Haus verschob ich daher auf unbestimmte Zeit und freute mich auf morgen, wenn ich einmal den Potomac umkreiste.
Irgendwann gegen 2 und nach einem IHOP- und Rock Creek Park Zwischenstopp erreichte ich endlich den Arlington Friedhof und weil ich hier schon einmal war, und ich das meiste schon kannte, blieb ich auch nicht lange.
2 Stunden oder so.



In diesen 2 Stunden begann ich sämtliche Fuß- und Bein- und Gelenkknochen zu spüren und war froh, endlich wieder im Auto zu sitzen.
Hach, ich freute mich auf morgen.
Nur rumfahren und gucken und stempeln und … ma guggn.
Gegen 5 war ich wieder im Motel und ließ mich erstmal auf’s Bett fallen.
Bis auf ein schnelles Abendessen bekam mich da heute auch keiner mehr raus.