Das Empfangskomitee des Staates Mississippi bildeten eine sehr nette Dame im Willkommenszentrum, die mir außer tonnenweise Broschüren und Karten auch ein paar Pfirsiche mit auf den Weg gab und 2 ältere Ladys, die zeigten, wie man Quilts herstellt. Eine gesellige Runde und sie passten so gar nicht zu dem Bild, was ich von Mississippibewohnern hatte.

Im Netz stand: black and poor.

In Natchez wollte ich ursprünglich mein Nachtlager aufschlagen, da ich hier so viele Ziele markiert hatte, daß ich anfangs dachte, ich würde ewig zum Besichtigen brauchen. Im Nachhinein habe ich es allerdings auch wegen der extrem hohen Motelpreise wieder verworfen. Außerdem dauerte es keine 10 Minuten und schon hatte ich hier in der Stadt ein etwas beklemmendes Gefühl. Die Stadt, soviel es hier auch zu sehen gab, kam mir nicht geheuer vor. Alles wirkte irgendwie alt und verfallen. Außerdem waren die ersten beiden Punkte auf meiner Liste geschlossen oder völlig sinnwidrig. Beim Historical Village überlege ich heute noch, was ich da eigentlich wollte.

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Im City-Visitorcenter und im William Johnson House, in welchem 3 Nationalparkbehördenmitarbeiter mit Nichtstun beschäftigt waren und dessen Besichtigung man sich auch schenken kann, sammelte ich nur meine Stempel ein und arbeitete weiter meine Liste ab.
Punkt 7 oder 8: Rosalie Mansion.



Ein schickes Häuschen direkt am Fluß.
Parken kann man übrigens überall und zu jederzeit und kostenlos. Es ist immer irgendwas frei.



Nächster Halt: St. Marys Basilika. Eine schon vergleichsweise riesige Kirche und auch von innen sehr adrett. 5 Minuten Füße vertreten und Sünden beichten gehen immer. Wobei ich für letzteres nicht so lange brauchen würde.


        




Stanton Hall war dann die letzte Station in dieser Stadt, in der ich weit weniger Zeit brauchte, als ich veranschlagt hatte. Ich glaub, nach 60 Minuten war ich durch.




2014, als ich das erste Mal im geschichtsträchtigen Osten unterwegs war, fuhr ich auch den Blue Ridge Parkway und es hatte mir gefallen.
Hier in Mississippi heißt diese Straße: Natchez Trace Parkway. Natürlich ist es eine andere Strecke, aber der Sinn ist eigentlich der gleiche: runterkommen.
Man kann hier gar nicht anders, als entspannen.



Parkways sind Straßen, die wie Highways Zu- und Abfahrten haben, allerdings keinerlei Infrastruktur, wie Orte, Tankstellen, Restaurants oder ähnliches. Es gibt hier nur die Straße und dich. Du stellst den Tempomaten auf 50mph und läßt dich dahintreiben.



Was der eigentliche Sinn dieser Straßen ist, soll uns hier mal nicht interessieren. Sicher auch was geschichtliches, denn ab und an kann man anhalten und sich an Infotafeln oder kleineren Besucherzentren Informationen abholen.
So auch hier am Mount Locust Infocenter. Auch hier war ich der einzige Gast und der Ranger erwartete mich schon.




dieser kleine, im Wald versteckte Grabstein, ist alles, was an die Sklaven, die hier arbeiteten, erinnert. Traurig
ganz schön viele Kommas.



Wenig später stattete ich den Windors noch einen Besuch ab und schwups, war ich auch schon in Vicksburg.







Geplant war, daß ich, falls es nach 17 Uhr sein sollte, ich einfach eine Runde im Military Park drehen wollte. Stempel konnte ich mir auch noch morgen holen.
Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte, war, daß nicht nur die Besucherzentren schließen, sondern auch der Park verriegelt wird. Vermutlich, damit keiner Kanonen klaut.

   



Genächtigt habe ich heute im Days Inn. Und von meinem Zimmer aus hatte ich einen wunderbaren Blick auf den Mississippi, samt Brücke und Sonnenuntergang.


Fazit des Tages: wer zuviel erwartet, wird nur enttäuscht.

 

 

Sonnabend+ Sonntag, 7.+8. Mai                                                           

 

Ich hasse diese dünnen Bettlaken, die sie hier als Decke anbieten. Tagsüber sind es an die 30° und nachts friert man sich den Hintern ab.

Wenn man Margret fragen würde, was heute anliegt, würde sie sagen, daß der Tag vollgepackt ist. Wenn man MICH fragt, so entscheide ich, daß ich den heutigen und morgigen Tag zusammenfasse, da absolut nichts passiert war, daß einer Erwähnung würdig war.

Also jedenfalls nicht für die, die nachher hier das Pamphlet lesen.
Ich starte den Samstag in Vicksburg und das Ende der 2 Tage wird in Corinth, an der nördlichen Grenze Mississippi’s, sein. Dazwischen gibt es zwar jede Menge Stempel, aber ansonsten nix, weswegen man unbedingt in diesen Bundesstaat reisen müßte.
Hier sieht es überall gleich aus. Ein bisschen Lausitz, gemischt mit hessischem Bergland.


Gestartet war ich am Vicksburg National Military Park, der wie alles Schlachtfelder in der heutigen Zeit viel zu aufgeräumt war. Entlang des Drives standen hunderte von Gedenksteinen, Tafeln und Statuen da und es war an sich hübsch anzusehen. Aber man braucht schon sehr viel Phantasie, um sich das hier als Ort wildesten Gemetzels vorzustellen.

        
    

                                                                                               Murals in Vicksburg




In der Mitte des Tages gab es entlang des Blues Highways 61 einige Museen, in denen ich nicht war oder wofür ich mich nicht interessierte, so auch für die Geburtsstätte von Kermit, dem Frosch. Ich weiß jetzt, wer das ist und daß er aus Mississippi stammt, aber ansonsten…
Ich war auf dem Blues Highway unterwegs und wenn man so stundenlang dahinfährt, kann man wirklich den Blues kriegen.

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Vermutlich ging es den Erfindern der Musikrichtung genauso. Es war so unerträglich öde und einsam und menschenleer, daß einem nur schwerfällige Akkorde einfielen. Nach Rock‘n Roll wird einem hier nicht.




Damit der Tag nicht nur aus tröger Fahrerei bestand, habe ich mir zu später Stunde doch noch eine Ausstellung angesehen. Ausstellung klingt nach alten Meistern und langweiliger Kunst, aber ich war im Grammy Museum.



Warum sie es ausgerechnet hierhin gestellt haben, muß ich googlen, aber der Rest war schon interessant. Ein riesiges zweistöckiges Gebäude, welches sicher Millionen gekostet hat und drin alles über die Grammytrophäe auf lediglich 500m².

 

  



Wer hier vorbeikommt, kann sich die Starlobhudeleien ruhig anschauen, aber ein Muss ist es nicht.
Als ich später auf meinem Motelbett saß, habe ich mir die Vorhaben für den Sonntag angeschaut und mal wieder festgestellt, daß Sonntag ein beschissener Tag für Unternehmungen ist. Alles, was ich mir ansehen würde, war geschlossen oder öffnete erst gg 13 Uhr und weil das zu wenig ist, habe ich kurzer Hand meine Route etwas verlagert und verlängert.



Außer einem Schlachtfeld, ein kurzes Stück Natchez Trace Parkway und dem Geburtsort von Elvis wird es trotzdem nichts geben, aber ich bin wieder einige Meilen näher an St. Louis, welches eines der Hauptziele meiner Reise ist.

                                                         Days Inn, Tunica


Sonntag war Muttertag und ganz Mississippi schien heute auswärts zu essen.
Erst mußte ich 45 Minuten auf einen freien Tisch warten, dann auf das Bedienpersonal, das Essen, den Salat, den sie vergessen hatten, das Besteck und zu guter Letzt war der Tischabräumer eher von der nicht so schlauen Sorte. Er stapelte meine kaum leer gegessenen Teller und das noch halbvolle Glas vor meinen Augen und noch am Platz wild übereinander, das Glas als letztes hinterher und ich war froh, daß ihm das alles nicht entglitten und mir über den Schoss gerutscht war.
Auch die „Kellnerin“, welches eigentlich keine war, war nicht die Hellste.
Mein „Menü“ bestand aus einem Philly Sandwich und einem Glas Apfelsaft.
Das Essen kostete lt. Karte 9,75$ und der Saft 2,35$. Macht 12,10$. Berechnet hat sie nur das Essen und das auch nur mit 9,48$ und auf meinen 20$ Schein gab sie mir 11$ zurück. 1$ Tip hab ich dagelassen, macht 10$ für ein recht anspruchsloses Essen.
Ein komischer Verein war das.

das Bild passt nicht zum Text, aber dieses leider geschlossene Besucherzentrum
stand auch im nördlichen Mississippi rum

Amerikaner stehen, wie ich, auf Besucherzentren. Je größer und pompöser, desto besser.
Das Geburtshaus von Elvis bestand aus gerade einmal 2 kleinen Zimmern auf einer Fäche von vll. 10x4 Metern, doch das angrenzende Zentrum hatte die Größe einer Eissporthalle, die kaum richtig gefüllt war. Der meiste Platz ging für den Giftshop drauf und dann hingen noch paar Fotos an der Wand.
Nichts sensationelles, aber ein Elvisfan wäre sicher vor lauter Entzückung

am Schreien gewesen.


                                                   Eintrittskarte




Ich hab es nicht so mit Musik. Das geht mal ne Stunde aber meistens nervt es mich nur, wenn irgendwo was dudelt oder kreischt oder jault. Lal@ möge mir meine Einstellung dazu verzeihen.

 

Die letzten Stempel des Tages gab es dann in einem Interpretive Center in Corinth, was den Bürgerkrieg zum Thema hatte. Und da heute Muttertag war und man alles Mögliche an dem Tag macht, nur nicht sich mit dem Krieg zu beschäftigen, hatte auch der Mann hinter dem Desk heute den langweiligsten Job der Welt.
Hier war es noch einsamer, als auf dem Hwy 61.

 


Es ist selten, daß ich auf einer Reise etwas umschmeiße, aber hier war es notwendig. Normalerweise wollte ich morgen von Corinth nach Jackson Tennessee fahren, aber das war mir plötzlich zu kurz und langweilig und außerdem nagte es an mir, daß ich nicht nach Alabama kam und es einen weiteren weißen Fleck zwischen all den rot markierten Staaten geben sollte. Ich beschloß daher: ich fahren Nashville über Florence, Alabama.
Nashville ist zwar auch eine Musikhochburg, aber ich werde schon etwas Passendes zum Anschauen für mich finden.
Das Capitol zum Beispiel…


                                          Econo Lodge, Corinth. Gebucht via Priceline




Montag, 9. Mai                                                                                        

 


                      der Tennesseeschlenker zwischen Mississippi und Alabama war nur kurz,
                                                             daher kommt es noch auf die Mississippi-Seite

Eines der längsten Fahrtage dieser Reise, was jetzt nicht negativ zu verstehen ist. Fahren macht in den Staaten Spaß. Man muß ja nix tun, außer den Lenker festhalten, ab und an bremsen und ansonsten schaut man nur in der Gegend rum.
Östlich des Mississippis gleicht die Landschaft eher der Europas und deswegen ist auch nicht das Grün der Bäume Ziel der Reise, sondern meistens Geschichte. Amerikanische Geschichte.



Und weil ich weder weiß, wann und warum in den mittleren Jahren des 19. Jahrhunderts sich Millionen Menschen die Köpfe eingeschlagen hatten, fuhr ich durch den Shiloh National Battlefieldpark, anstatt zu laufen und mir alle Infotafeln durchzulesen.





Er war wie die meisten, ziemlich rieseig und ziemlich aufgräumt. Es gab hier gefühlt tausende Kanonen, ein Friedhof mit noch mehr Grabsteinen und ein Besucherzentrum, das langweilig war.
Aber die morgendliche Runde durch den Park war angenehm.









Eldorado