Außer Baumstämmen und ein endloser Horizont in allen Richtungen gab es hier aber nix. Nicht, daß es nicht toll war, aber es gab eben keine Tidepools.
Die bekam ich erst an Beach 4 zu sehen, an dem ich mich fast den ganzen Nachmittag aufhielt.
Dabei schloß ich gleich noch „Freundschaft“ mit einem lesbischen Pärchen und deren Hund. Wieso ich wußte, daß es ein Pärchen war?
Nunja…stereotyp.
Egal.


Die Sonne schien, Seesterne leuchteten ebenfalls in unterschiedlichen Farben und Formen, Anemonen gab es hunderttausende und ich konnte klettern und versuchen, dabei weder auszurutschen, noch nasszuwerden.
Letzteres hat nicht geklappt, denn ich ich mich versah, kam eine Welle und ich stand bis zu den Knien im Wasser und es kamen mir nacheinander 3 Gedanken:
1. Scheiße, nass
2. Das Wasser ist wärmer, als ich vermutet hatte
3. Ist das geil. 


Die nächsten 2 Stunden hielt ich dann das Handy in der einen und die nassen Socken in der anderen Hand.
Eine der beiden Ladys wollte unbedingt einen Seestern anfassen und winselte die ganze Zeit, sie traue sich nicht. Und als ich direkt einen Stern vor mir am Felsen kleben sah, dachte ich: why not


Sie sind hart, nicht glitschig oder schleimig und die weißen Nuppel fühlen sich an, als würde man Blindenschrift lesen. Und sind nicht giftig oder verteilen irgendwelche fremden Sekrete.
Zum Ende hin hielt ich nochmal am Ruby Beach, an dem es mir später ebenfalls egal war, ob meine Füße nass wurden. Ich war im Himmel.


Das Motel war wie die Jahre zuvor, das Forks Motel und bedurfte langsam einer Renovierung. Es war zwar alles vorhanden und sauber, aber arg ramponiert. Für 70$ sollte man schon etwas mehr erwarten können.

Morgen geht’s mal wieder in den Regenwald. Abwechslung muß schließlich sein.

Fazit des Tages:
Immer wieder gern !!!






4. Juni

 

Schon toll, wenn man morgens aus dem Fenster schaut und die Sonne blendet.
Das ist zwar nicht so toll, wenn man im Auto sitzt und versucht, die Straße zu erkennen, aber das wäre wieder schimpfen auf hohem Niveau. Wobei sich da die Automobilindustrie wirklich Gedanken machen sollte. Das ist stellenweise so gefährlich, wenn man sich auf die Anzeige im Navi verlassen muß, ob es da vorn rechts oder linksrum geht. Alles, was man sieht, ist Armatur. Keine Straße, keine Bäume, keine Randmarkierung, kein nix. Läuft da zufällig gerade jemand über die Straße, hat man null Chancen rechtzeitig zu bremsen, da man sich blind durch die Gegend beamt.
Irgendwann hatte ich es jedoch zum Hoh Rain Forest geschafft und der Tag konnte beginnen.

  

Hier gibt es 2,5 Trails, von denen ich den einen schon 2015 gelaufen war, der Komma 5 ist 17 Meilen lang und man benötigt ein Permit (Erlaubnis) und dann war da noch der andere mit 1,2 Meilen. Wie hieß der gleich nochmal?
Keine Ahnung, es war jedenfalls eine entspannte kleine Wanderung durch grün
und ein Stückchen River war auch noch mit dabei. Das Beste allerdings war, daß sich 90% der Touristen für den „Hall of Moses“-Trail entschieden und ich hier meine Ruhe hatte. Mal abgesehen von den kleinen Wegelagerern…

Und weil ich am Ende des Weges noch Zeit hatte, schob ich noch den Touristenpfad hinterher.


Als ich 2015 hier war, regnete es und ich wünschte, das täte es heute auch. Nicht wegen der ganzen Leute, aber in ein Regenwald gehört Regen. Dann sieht nicht alles so verdurstet aus. Nicht das es hässlich war, aber es fehlte irgendwas.
Auch die ominöse Telefonzelle, vor der sich alle fotografieren lassen oder Selfies schießen, hab ich wieder nicht gefunden.


Punkt 2 auf der Tagesordnung trug auch die 2 im Namen: Second Beach.
Ja, ich weiß, das hatten wir alles schonmal, aber ich war auch schon 3x in Rom und 5x in San Francisco. Also was soll’s.


Den restlichen Tag verbrachte ich dann hier mit knipsen, nasse Füße holen und hoffen, daß es das einzige blieb, was nass wurde. Seesterne und Anemonen gab es hier zwar auch, aber deutlich weniger, als an Beach 4. Heute habe ich nur versucht, Schleimbilder zu machen und später versucht, die Möwen ins rechte Licht zu rücken.


Recht wenige Worte für fast 3 Stunden, die ich hier war. Aber mehr gibt es da auch nicht zu schreiben. Ich lief am Strand lang, hüpfte wie ein Schulkind durch die Wellen, knipste alles, was nicht direkt weggeschwemmt wurde und war selig.

Das war es eigentlich schon für heute. Kaum was neues gesehen, aber perfekt Urlaub gemacht.
Wirklich Neues gibt es dann ab Mittwoch, wenn ich Fähre fahre und Orcas jage.


 

5. Juni                                                                     25°C 

 

Mist, schon wieder Sonne. So ein Ärger aber auch.

So, wie jetzt weiter? Was schreibt man witziges, wenn man einfach nur seinem Urlaubsalltag nachgeht?
Also aufstehen, keinen Kaffee kochen, weil ich keine Kaffeepäckchen mehr an der Kaffeemaschine liegen hab, weiter ins Bad stapfen, Zähne putzen, anziehen, Haare ignorieren, verwüstetes Zimmer in den Kofferraum werfen, auschecken und an der nächsten Tankstelle versuchen zu tanken, obwohl mal wieder der Zip-Code nicht angenommen wird.
Und schon ist es 10 Uhr.

Ich glaub, an den Sol Duc Fällen war ich schonmal, aber wenn ich den heutigen Tag nur auf Hurricane Ridge beschränke, bin ich schon Mittag im Motel und das wäre verschenkte Zeit also gibt’s einen kleinen Spaziergang auf leeren Magen. Ich hab in letzter Zeit eh wenig Hunger und esse meist nur ein Blätterteigteilchen aus dem 10er Pack, welches im Kofferraum liegt und abend dann Brot mit was drauf. Frühstücken fahre ich nur, wenn ein Ihop oder dennys in der Nähe ist und ich wirklich Kohldampf schiebe.
Neulich war ich abend Pizza essen und hab 10$ für alles bezahlt. Wenn ich mir bei IHOP ein Omelett bestelle und Kaffee dazu trinke, komme ich kaum unter 16$ davon. Verdrehte Welt.





Die kleine Wanderung zum Sol Duc Fall war übrigens das Beste des ganzen Tages. Es gab keine großen Steigungen oder Gefälle, es waren nur wenige Leute unterwegs, die Landschaft, sprich, der Wald sah aus wie aus dem Märchenbuch und die Schleimbilder des kleinen Creek wurden schon nach dem ersten Anlauf perfekt.



Der eigentliche Wasserfall war dagegen so naja. 3, 4 Fotos und ich war wieder auf dem Rückweg. Schlender, schlender.
Auch diesmal waren alle Rangerstations noch geschlossen und es gab keine Stempel. Man arbeitet hier nur im Sommer. Und Sommer ist im Juli und August. Das ist immer so deprimierend. Da fliegt man Mio Meilen und steht dann vor verschlossener Tür.


2015 hat man während der Fahrt hoch zur Hurricane Ridge außer Straße und Neble und Wolken nix gesehen. Diesmal sah man bis Kanada, zum Mt. Baker und wieder zurück.
Wie füge ich jetzt den Text mit den Rehkitzen hier ein, ohne das es aufgelistet klingt?
Naja, die beiden standen plötzlich hinter der nächsten Kurve auf der Straße und zitterten wie Espenlaub. War sicher deren erster Ausflug.


Oben am Visitorcenter angekommen, lag auch hier noch der Schnee mannshoch und ich dachte, man könnte schon ein bisschen wandern. Dem war aber nicht so. Ich sackte daher nur den Stempel ein, lief ein paar Meter zum Aussichtspunkt, knipste wild um mich her und fuhr wieder Richtung Tal. Ich meine, die Sicht war schon nicht unnett, aber unpraktisch gelegen für Fotos.


Das Motel des heutigen Tages gehörte keiner Kette an, doch ich bekam ein Upgrade, sagte der Japaner an der Rezeption. Wenn man sich die Hütte von außen so ansah, war das ja wohl das Mindeste. Alles war irgendwie schmuddelig und jedes Fenster war mit Papier zugeklebt.
Das Zimmer an sich war dagegen wirklich hübsch. Eine richtige Decke auf dem Bett, rote Gardinen, Mikro und Kühlschrank, nur die Kaffeemaschine fehlte. Stattdessen gab es einen Wasserkocher und Instantkaffee.
Bin gespannt, wie sich’s hier schläft und ob ich eine sichere Unterkunft erwischt hab.
Den restlichen Abend recherchierte ich dann, wie man hier oben Fähre fährt und wann und wie lange. Das wird ab Morgen ein Abenteuer…

Fazit des Tages: Sol Duc Falls Note 1, Hurricane Ridge…jou, kann man. Einmal genügt aber.