Das Leben ist wundervoll. Es gibt Augenblicke, da möchte man sterben.
Aber dann geschieht etwas Neues und man glaubt, man sei im Himmel.

Edith Piaf


21. Mai 2017                                                                                    22°C


Da mich die Bahn darüber informiert hatte, mich heute NICHT nach Frankfurt zu bringen, bzw zu absolut besch… Zeiten, mußte ich mir etwas anderes überlegen.
Ich schnappte mir also den nächst besten Mann, den ich kriegen konnte und pünktlich 3 Stunden vor Abflug stand ich bei Delta am Check in. Ich weiß, jeder will wissen, wer der Mann war, es war jemand aus dem Bekanntenkreis meiner Kollegen, aber das geht niemanden was an!!! DA ich keine Freunde habe, mußte ich schon etwas tiefer graben…

Normalerweise fliege ich wegen der Meilen nur mit Star Alliance oder Oneworld, aber dieses Jahr mußte ich nehmen was ich kriege. Die Preise für Flüge waren ständig jenseits von gut und böse. Unglaublich. Ich zahle doch keine 1000€ +X für über den großen Teich. Bin ich bekloppt, oder was?
Am Ende gab es einen recht guten Schnapper bei Delta für 650€ mit Stop in Detroit.
Damit der Bericht nicht so fade wird, noch schnell 2 Herzstolperer:
Da ich relativ viel Zeit hatte, müde war und noch was trinken wollte, schleppte ich mich zu McDoof an der Aussichtsplattform und wollte was schnelles haben. Diese Bezahlterminals hatte ich noch nie ausprobiert, das schien allerdings die einzige Möglichkeit zu sein, an was Ess- bzw Trinkbares zu kommen.
Eine Minute später: Karte nicht akzeptiert.
Komisch.
Ok, hab ja noch eine andere.
Karte nicht akzeptiert.
Schock.
Was macht man 2 Stunden vor einem Überseeflug und beide Kreditkarten klappen nicht?

2 Minuten Herzkasper und dann sah ich, daß andere auch im Trouble steckten. Wäre halt nett gewesen, Schilder hinzuhängen, damit man nicht erst Zeit mit dem Mist verplempert und mühsam sein Frühstück aussucht.



Kurz vor dem ersten Boarding dann der zweite Hopser:

Bordkarte gescannt…rot. Error.
„Gehen sie bitte zu meiner Kollegin, da stimmt was nicht“
Wieder gescannt.
Error.
„Ah, ich sehe, sie wurden umgesetzt. Wenn sie sich schnell am Ticketschalter eine neue Bordkarte holen würden?“

Ich: “ääähm…“

Sie: „Oder genügt es ihnen, wenn ich ihnen die Sitznummer per Hand auf die Karte schreibe?“
Ich: „Ich denke, das werde ich schon hinkriegen“


                  ich hab nur die Schokolade verwertet. Der Rest landete in der Sitztasche vor mir..


                                      vegetarische Pasta. Schmeckte besser, als es aussah

Ich saß dann 3 Reihen weiter vorn, aber immer noch am Fenster. Passt schon.
Der erste Flug dauerte gefühlt 2 Filme und 3 Essen und schwupps war ich in Detroit, wo ich 4 Stunden über die Bühne kriegen mußte, die irgendwie länger dauerten, als die komplette Anreise.
Die Einreise war übrigens…kurz und leicht ruppig.
Es gab auf diesem Flug das erste Mal keine Zollformulare. Jeder mußte an die Automaten, was wunderbar klappte. Deutsch kann man einstellen. Das Foto auf dem Ausdruck ist zwar nachwievor beschissen, aber ich muß es mir ja nicht an die Wand hängen.
Der Officer am Desk sah mich nachher an als käme ich vom Mars, fragte, was ich hier mache und wie lange, knallte den Stempel in den Pass und wünschte mir mit einer Faust als Gesicht einen schönen Tag.
Ich muß wirklich zerknautscht ausgesehen haben.
Der 2. Flug dauerte 4 Stunden und ich war müde und hatte permanent Durst. Die Crew war dermaßen entspannt unterwegs, das war unglaublich. Für den Mt. Rainier saß ich außerdem auf der falschen Seite. So gab es nur Sonnenuntergang über den Bergen.
Kurz vor dem zu Bett gehen mußte natürlich noch ein Wägelchen her. Blöderweise standen bei Alamo nur Jeeps rum. Ausschließlich. Hässlich und in meinen Augen zu alt. Ich mag in Mietwagen mittlerweile den Schnickschnack an der Armatur. Jede Menge Displays und Schalter und so Zeug. Aber die Jeeps waren da noch hinterher.
Ich stiefelte also zum kleinen Customerhäuschen und hab nett angefragt…
5 Minuten später fuhr der Manager höchstpersönlich mit einem nigelnagelneuen Ford Edge vor. Gott, war das ein Schnuckelchen. Also nicht der Manager.
Obwohl…

 

Die Hütte war riesig.
Luftmatratze in Kofferraum und du hattest immer noch Platz für eine Einbauküche.
21 Uhr war ich dann im Red Roof in und am Desk fiel mir wieder ein, daß sie hier horrende Parkgebühren verlangen. 10$, um sein Schlitten irgendwo abzustellen. Wucher.


Was ich morgen mache?
Keine Ahnung.
Aber am Abend bin ich am Meer!!!

Dachte ich.

 

22. Mai                                                                            20°C   

 

Am ersten Tag der Reise fahre ich einfach nur durch die Gegend. Das hab ich mir seit ein paar Jahren angewöhnt, um etwas runterzukommen, abzuschalten und mich vor allem mit dem Auto vertraut zu machen. Dabei spielt es keine Rolle, wo in der Welt ich mich befinde.
Ich wollte heute einmal um die Olympic Peninsula fahren und mein sicher schon Nachmittag 4 Uhr müdes Haupt in Ocean Shores betten. Ich wollte ans Meer.


Der Olympic NP ist einer der abwechslungsreichsten und schönsten Parks, den man in den USA besuchen kann.
Es gibt schneebedeckte Berge, Regenwälder und eine Küste, an der man nicht ohne anzuhalten vorbeikommt.
Aber ich wollte heute nur fahren. Und essen. Und meine Kühlbox auffüllen. Und aus dem Fenster gucken. Und da anhalten, wo man sich kurz die Füße vertreten konnte. Also nix großartig wandern oder Fotos machen.
Apropos.
Ich hatte meine DSLR mit. Natürlich.
Aber wirklich benutzt hatte ich sie das letzte Mal im Mai 2016..
Vor ein paar Jahren hätte ich jeden Handyknipser am liebsten von den Klippen geschmissen, wäre er weit gereist und ihm wären die Fotos egal, die da entstehen. Aber mittlerweile machen Handys so gute Bilder… Und ich sehe sie mir nachher eh so gut wie nicht mehr an.



Ein paar Fotos werden für die HP und für mein Instagram (sylvia_schulze) ausgesucht, der Rest verstaubt auf der Festplatte. Schon traurig.
Fotos sind zwar heutzutage schöner als noch vor 30-100 Jahren, aber eben Massenware. Aus meiner Kindheit gibt es vielleicht hochgerechnet 300 Fotos. Von der Geburt der Zeit zwischen meinem 7. Lebenstag und 1989. Danach wurde es dank der Wende und später der Chips in den Kameras etwas mehr.
Nein, eigentlich auch nicht. Ich hasse Fotos mit meinem Gesicht drauf. Man muß schon sehr von sich überzeugt sein, um Selfies zu mögen und zu posten/zeigen. Ich sehe auf Fotos immer aus, als hätte ein LKW nicht mehr rechtzeitig bremsen können.
Mich gibt’s daher meistens nur live und in Farbe.



Seattle stand auch dieses Jahr nicht auf meiner Liste. Ich mag keine Städte.
Klar ist die Stadt eine Reise wert, aber diese eine Reise hatte ich schon 2012 hinter mich gebracht. Wäre nicht dieses ständige Problem mit dem Abstellen des Autos, würde ich sicher öfter Städte besuchen, aber so ist mir das alles zu aufwändig. Das gleiche übrigens auch mit Portland morgen. Wie gern würde ich noch einmal um die Foodtrucks schlendern und gucken und überlegen, ob ich was esse. Aber wo parken???

So, ich wollte noch schreiben, was ich heute so alles nicht gesehen hab.
Ich war nicht in den Bergen, nicht im Regenwald und mein Stop am Ruby Beach dauerte ca. 30 Minuten.
Da war heute ganz Forks und Port Angeles unterwegs. Nicht, daß es so wie in New York zur Rushhour war, aber freie Plätzchen mußte man schon suchen.
Trotzdem ist dieser Küstenabschnitt einer der schönsten, die ich je gesehen habe und hier nicht anzuhalten, wäre eine Sünde. Nicht, daß ich je sündigen würde…


Den Loop um den Lake Quinault wollte ich eigentlich nicht fahren, aber heute schien das erste Mal die Sonne und ich hatte noch etwas Zeit. Doch ich war verwirrt. Die ganze Zeit war ich der Meinung, in Uhrzeigerrichtung zu fahren, bis plötzlich die Brücke auf der Hälfte der Strecke links vor mir auftauchte, statt rechts. Ich hätte schwören können, ich kam von Norden…



18 Uhr war ich im Motel in Ocean Shores und hätte im Stehen einschlafen können.
Nach dem Abendessen auf dem Zimmer und der Dusche war ich 21 Uhr im Bett und hab durchgeschlafen.
Bis 1 Uhr.
Klasse.

Das Meer sah ich nicht mehr.



Motel: Days Inn, Ocean Shores