Donnerstag, der 7. Februar


Irgendwie wußte ich heute nicht so recht, was ich mit dem Tag anstellen sollte. Das „Wichtigste“ hatte ich bereits gesehen und so blieb nur: Via Appia Antiqua. Immerhin hatte ich mir diese Straße schon vor meiner Abreise nach Rom vorgenommen.
Also lief ich nach meinem üppigen Frühstück los Richtung Kolosseum und bog dann Richtung Süden ab. Laut Plan begann die Straße direkt „unterhalb“ des Circus Maximus.
Die meiste Zeit lief ich entlang einer 6spurigen, auf der nach und nach die Touristen weniger wurden und ich mich fragte: tu ich das Richtige?

 

 
Ausgeschildert war die Straße, aber irgendwie sah sie auf Bildern anders aus. Vor allem ohne Autos. Naja, vielleicht paar Meter weiter.
Ich kramte meinen Stadtplan raus und mußte feststellen, daß da die Karte endete, wo ich mich gerade befand. Nix Via Appia.
Ok, erstmal smsen, daß ich nun doch nicht nach Süden…als neben mir ein Auto hält.
Der nette Herr fragt mich, ob ich englisch spreche, ob ich im weiterhelfen kann und zeigt mir eine schon recht mitgenommene Straßenkarte Roms.
Ich versuche ihm begreiflich zu machen, daß ich ebenfalls nur Tourist bin, zeigte ihm aber auf der Karte, wo er sich in etwa befand.
Ich weiß nicht weshalb, aber plötzlich erzählt er mir, wer er ist, daß er aus Paris kommt, daß er bei Versace arbeitet und fragt mich, wie ich heiße und wie groß ich bin und daß er ja auch mal in D war und so weiter.
Das Ende vom Lied: er dachte wohl, ich sei komplett verblödet, denn er bot mir an, eine Lederjacke zu schenken, die ja von Versace ist und mind. 900€ kostet, WENN ich ihm aus der Patsche helfe und ihm etwas Geld gebe, denn sein Tank sei leer.

 

 
Geistesgegenwärtig, wie man in Rom sein sollte, antwortete ich, daß, wenn man schon bei oder für Versace arbeitete, (isser nicht schon tot? ) doch nicht mittellos durch Rom fahren bzw. zumindest eine Kreditkarte dabeihaben sollte und ich kann mir gut vorstellen, daß Tankstellen diese Art Karten akzeptieren und daß ich nicht gewillt bin, ihm meine paar Kröten zu überlassen. (Da mein englisch alles andere als perfekt ist, habe ich natürlich für die Wörter mittellos und Kröten andere Vokabeln benutzt)
Er sah mich an, als hätte ich ihm grad die Nase eingeschlagen, zog seinen Kopf zurück ins Auto, gab Gas und verschwand so schnell, wie er aufgetaucht war.
Ich sah ihm hinterher, überlegte mir kurz, was das eben war und stellte fest:
Also soooooo schön war die Jacke auch nicht…
     

                  

 
Nachdem ich mich wieder etwas gesammelt hatte, setzte ich meinen Weg Richtung Süden fort, überquerte eine große Kreuzung und hatte plötzlich das Gefühl, richtig zu sein. Geradeaus ging eine recht einsame kleine Straße weg und ich dachte: Wow, du hast sie doch noch gefunden.
Und wie ich so gehe, entdecke ich jede Menge rumlungernde Leute mit diversen Flaschen in den Händen, die vermutlich Alkohol enthielten. Und da ich mich dem Gelage nicht anschließen wollte, drehte ich mich um 180° und lief die 2km zurück zum Kolosseum, an dem ich mir etwas Neues für den Tag einfallen lassen wollte.
Das Lösungswort hieß Palatin.

Am Konstantinbogen nahm ich den Weg zum Forum, um dort zum Palatin zu gelangen. Doch leider war alles geschlossen. Irgendeine Veranstaltung… Keine Ahnung, so gut ist mein englisch nun auch wieder nicht.
Aber was nun?


 

Am Dienstag war ich auf meinem Weg durch die Stadt auch auf dem Campo die Fiori gelandet und da es bereits Nachmittag war, konnte man leider nichts mehr vom berühmten Markt entdecken, außer ein paar Resten und jeder Menge Müll. Die Uhr zeigte heute grad mal 11 Uhr und so beschloss ich, mich in den nächsten Bus zu schwingen und in die „Innenstadt“ zu fahren.
Diesmal war auf dem Platz noch das Treiben groß und für die nächste Stunde war ich voll auf damit beschäftigt, Fotos von allerlei Obst und Gemüse zu schießen.

 


Irgendwo hatte ich zwar gelesen, daß auf diesem Markt mehr angeboten wird, als nur Blumen und frische Zwiebeln, aber bunt wars, hektisch wars und italienisch wars auch. Dann muß ich eben das Goldkettchensouvenir an einer anderen Stelle suchen…


  
Mein Weg führte mich weiter über die Piazza Navona, durch viele Seitenstraßen bis zur Engelsburg. Von dort zurück in die Stadt.

                                  

   
   

Da sich langsam meine Blase meldete, hoffte ich inständig, daß das Forum nun wieder für die Öffentlichkeit zugänglich war und ich mich in die Reihe der Frauen stellen konnte, die den gleichen Gedanken hatten.


Und siehe da: Menschen im Forum. Jippiee… Pippipause.
Nachdem das Thema vom Tisch war, hieß es:
Auf zum Palatin.
Palatin heißt der größere Teil vom Forum Romanum bzw. das Forum Romanum ist ein kleinerer Teil des Palatins, nur hat man dort kostenlosen Zutritt. Für den Palatin muß man löhnen. 11€ genau kostet der Eintritt und schließt das Kolosseum mit ein.
Um es kurz zu machen: es ist keine 11€ wert. Man muß schon HartcoreRomFan sein, um daran Gefallen zu finden. Der Unterschied zum Forum von „der Ausstattung“ her ist nicht sonderlich groß. Überall liegen Reste der Antike rum. Nur hat das forum den Vorteil, daß es eine viel bessere Kulisse hat. Egal, was man knipst, das Bild gelingt. Dabei spielen die rumliegenden Steine die kleinere Rolle. Der Hintergrund ist entscheident.   

 

Im Palatin hat man davon jedenfalls nichts. Wenn mal etwas Nettes zu sehen ist, liegt bestimmt nen Bauzaun davor oder es ist mit einem Absperrband umwickelt.
Das einzige, was zu erwähnen wäre, ist der Aussichtspunkt.


 
Aber dafür 11€ zahlen?? Ne, das ist es nicht wert.
Man hat noch die Möglichkeit auf einen Museumsbesuch, aber ich finde, draußen liegen schon genug Trümmer rum.

 

  
Ich beschloss das Gelände auf dem kürzesten Wege zu verlassen und mich wieder wichtigen Themen zu widmen.
Nur wußte ich nicht so recht, welche das waren.
Wichtig war zu wissen, dass in meinem Portemonnaie Ebbe war. Das ganze Geld hatte ich im Tresor in meinem Zimmer, weil ich dachte, daß ich ja eh nichts ausgeb. Weit sollte ich also heute nicht mehr gehen.
Irgendwie taten mir die Füße weh, aber es war erst 3 Uhr nachmittag.

Apropo Füße weh: Man sollte doch darauf achten, passendes Schuhwerk zu tragen. Je nachdem, was man darunter versteht...

 

Es war noch viel zu früh für das Hotel. Also bestieg ich die U-Bahn Richtung Termini, dann die 105…aber ich glaub, das hatte ich paar Zeilen weiter oben schon einmal geschrieben.
Den restlichen Nachmittag schlenderte ich noch etwas durch die nördliche Stadt, hatte aber irgendwie keine rechte Lust mehr zu knipsen. Meine Füße brannten und ich versuchte auf direktem Wege zurück zur Hauptstraße zu finden, um ins Hotel zu fahren. Doch leider gestaltete sich dieser direkte Weg als recht kompliziert, denn ich steckte in den engsten Gassen der Stadt fest und wußte mom nicht, wo Norden oder Süden ist, obwohl die Sonne schon am Untergehen war.


 
Plötzlich stand ich auf der Piazza Navona und von da an wußte ich wieder, wo ich war und wie ich von hier wegkomme.


 
Die nächste 64 und die darauffolgende 105 gehörten mir und 30 min später war ich endlich im Hotel. Nachdem ich meine Lebensmittelvorräte aufgebraucht hatte, packte ich meine 7 Sachen zusammen und organisierte noch schnell mit der Rezeption zusammen meine morgige Abreise.
Da der Bus von Termini halb 5 Richtung Ciampino abfuhr und ich keine Lust hatte, mit dem Gepäck einmal um den Bahnhof zu laufen, wollte ich mit einem Taxi fahren.


  
Der Hauptbahnhof ist nachts geschlossen, was bedeutet, das der Weg zur Haltestelle mind. 500m länger ist, weil man nicht durch, sondern drumrum laufen muß. Außerdem ist das Bahnhofsgelände nachts nicht unbedingt was für allein umherziehende Touristinnen…
Mein Wecker sollte also halb 4 klingeln. Was macht man also an einem Abend, wenn man weiß, man hat nur noch 7 Stunden zu schlafen?
Riiiiichtig, man geht ins Bett.
Gute Nacht.


Freitag, der 8. Februar


Ich hab sogar schlafen können. Welch Wunder.
Aber wenn man bedenkt, daß die letzten 4 Tage wahnsinnig anstrengend waren…
Irgendwie war ich viel zu zeitig. Kurz nach 4 war das Taxi schon da und 5 min später stand ich bereits am Bahnhof. Der Kilometer hat mich sage und schreibe 10€ gekostet. Hätte ich DAS gewußt…
Egal, nun saß ich im Bus und ab 5:30Uhr vor dem Check-In-Schalter des Fluges 4101 nach HHN. Ich frag mich, weshalb ich 3 Std vor Abflug dasein sollte. Absolut unsinnig. Denn erst wartet man vor dem Check-In und anschließend nochmal mind. 90 min am Gate.
Egal, wenigstens hatte ich diesmal nen Fensterplatz, weil ich eine der ersten war, die ins Flugzeug steigen konnte. Der Flug ansich war ok, doch leider saß ich „mitten“ in einer italienischen Großfamilie, die sich ZU lieb hatte und die ganze Zeit nicht voneinander lassen konnte. Ich war eingeengt in italienische Konversation, die an Lautstärke eine deutsche um ettliche dB überstieg…
Endlich in HHN angekommen, hieß es ein weiteres Mal warten. Es war halb 11 und der Bus nach KO fuhr erst 12:15Uhr.
Lange Rede, kurzer Unsinn: 14 Uhr war ich endlich zuhause. 


  
Fazit:

Jederzeit wieder.
Am liebsten im Winter.
Und alleine.
Denk ich…



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