Tag 12 - 7. Mai


Ich konnte nicht schlafen. Die halbe Nacht lag ich wach und hab mich von einer Seite auf die andere geschmissen und erst gegen 3 kam ich zur Ruhe. Was ich geträumt habe, geht keinen was an, aber ein Psychoanalytiker hätte seine blanke Freude an mir.

Da ich heute nur 1 wirkliches Ziel hatte, konnte ich es mir erlauben, zu trödeln und nicht wie sonst, wo ich praktisch 8 Uhr schon im Auto saß. Alles, was heute auf dem Plan stand, war der Capitol Reef NP.

So lag ich also bis halb 10 im Bett und hab es tatsächlich geschafft, mit dem Bericht aktuell zu sein. Ich hoffe nur, er ist nie zu lang und zu langweilig. Vielleicht schreibe ich ihn ja noch um oder lasse mir was Lustiges einfallen oder… egal.
Nicht heute.
Als ich später das Auto belud, hielt das Wetter nicht das, was es anschaulich vorgab, denn als ich die Gardinen zur Seite zog, sah ich strahlend blauen Himmel und ging davon aus: Westen + herrliche Sonnenschein = Sommer. Aber ich hatte mal wieder weit gefehlt.

Auf dem kurzen Weg zum Auto, hab ich mir beinah Frostbeulen geholt, so kalt war das. Die Temperaturanzeige meinte beim Losfahren: 38°F. Ok, damit die, die sich nicht damit auskennen, nicht erst nachschlagen müssen:

38°F = ca. 4°C
Bei der Fahrt zum Park sah ich überall weiße Flächen auf den Wiesen und grübelte darüber nach, was das wohl sein könnte. Erst, als ich an einer Ranch vorbeikam und dort auch der Zaun weiß war, sah ich den Grund:
Die Leute hatten über Nacht die Sprinkleranlagen angelassen und das Wasser ist gefroren, sobald es den Boden oder den Zaun traf.

Über den Sinn oder Unsinn der Geschichte möchte ich besser nicht nachdenken, aber so sonderlich umweltbewußt sind die Menschen hier noch nicht. Ich denke, das kommt erst, wenn sie für Wasser anstehen müssen…
Kurz bevor ich mein Ziel erreichte, holte ich mir noch schnell im Chuck Wagon General Store eine Tüte Schinken in Scheiben und 6 Baguettes in der Tüte und zahlte den stolzen Preis von 9$ und paar Zerquetschte. Dadurch, daß der $$ grad am Klettern war, kosteten mich die beiden Teile 7,50€. In Deutschland würde ich den Ladenchef fragen, ob er sie noch alle hat, aber hier blieb mir keine andere Wahl.



Gestern Abend im Restaurant hatte ich ja entschieden, heute morgen als erstes zur Hickman Bridge zu gehen, aber den Gedanken verwarf ich mal eben, denn wandern auf nüchternen Magen und dann vielleicht noch Berg hoch und das bei der Kälte, muß nun wirklich nicht sein. Ich wurschtelte also mal wieder alles um den Haufen und wollte stattdessen den Park von vorn aufrollen:



Erst zum Gooseneck Overlook, dann am VC Picknicken bzw. frühstücken, als nächstes wollte ich Normal-Urlauber spielen und den Scenic drive entlangfahren und zum Abschluß, also dann wenn ich mich nachher ausruhen konnte, wollte ich zur Hickman Bridge laufen.



Den Overlook hatte ich in 10 Minuten abgehakt, sprich: hingefahren, ausgestiegen, Kamera geschnappt, den 600ft Trail gelaufen, Fotos gemacht, zurück zum Auto gestapft und weiter gefahren.

Ich hätte auch überlebt, wenn ich nicht dagewesen wäre.



Kurz nach dem VC auf der Scenic Route hatte die Parkverwaltung einen Picknickplatz angelegt, von dem ich nun Gebrauch machte. Bis zu den Tischen schaffte ich es nicht, denn sie standen alle im Schatten und es war immer noch nicht viel wärmer, als zu dem Zeitpunkt, als ich das Motel verließ.



Auf der anschließenden Fahrt auf der Scenic Route, wo die Sonne natürlich wieder von vorn kam, überlegte ich mir, einen zusätzlichen Trail mit ins Tagesprogramm aufzunehmen und so parkte ich mein oberschmutziges Auto am Great Wash und wollte mal schauen, was es da zu sehen gibt. Auf dem Plan, auf dem alle Trails angegeben und eingezeichnet waren, wurde der Weg als leicht eingestuft und ich fand, was leichtes tat mir jetzt gut.

Ich zog also meine Wanderboots an, steckte 2 Flaschen Wasser in meine Tasche, schnappte mir meine Knipse und zog los Richtung großem Wash und wollte mir anschauen, was er denn so zu bieten hatte.
Ich mach es jetzt mal kurz: nach 1,5km bin ich wieder umgedreht, denn es war die mit Abstand langweiligste Wanderung, die ich diesen Urlaub gemacht hatte.
Vom Beginn des Weges bis zu meiner Umkehr war hinter jeder Flußbiegung das gleiche zu sehen und eine Abwechslung war nicht in Sicht.
So wie mir, erging es aber auch anderen Wanderern, denn die, die ich noch auf dem Hinweg überholt hatte, kamen mir bei meiner Rückkehr auch nicht entgegen. Sie haben wohl schon vorher aufgegeben.



Schade um die Zeit, die ich dafür geopfert hatte. Wenigstens sprangen ein paar Blümchenbilder bei raus.




Wieder an der UT24 angekommen, bog ich rechts ab und fuhr bis zu den Petroglyphs, denn sowas hatte ich vorher noch nie live gesehen. Doch. Hatte ich. Damals am Newspaper Rock. Aber da mich der Anblick nicht sonderlich vom Hocker gerissen hat, hatte ich es schon wieder verdrängt.





Mit mir kam auch ein älteres Ehepaar im Camper am Parkplatz an und der Mann schaute sich immer wieder nach mir um, als ob ich ihn verfolgen würde. Ich hab versucht, so gut es ging, ihn zu ignorieren, aber es ging mir nach einer Zeit ganz schön auf die Nerven.
Ich machte nur schnell meine 2, 3 Fotos der Felszeichnungen und ging zurück zum Auto.
Trotz des abgebrochenen Hikes und der Flucht von eben, lag ich gut in der Zeit und hatte nach der Hickman Bridge noch genügend Zeit, mich um die UT12 zu kümmern, denn sie führte mich zum heutigen Motel in Escalante.
Bevor es jedoch soweit war, packte ich mal wieder mein Ränzlein und hoffte, daß die Meile bis zur Brücke nicht gar zu beschwerlich wurde, denn endlich hatte es hier die Temperaturen, die man im Mai erwartete.





Die Lady gestern im Restaurant hat mir diesen Trail wirklich ans Herz gelegt, doch ich hätte ihr sagen sollen, daß Berg-Hoch-Touren nicht so meins sind. Es macht einfach keinen Spaß, wenn man bereits nach 50m hechelt, als hätte man schon einen 50km Fußmarsch in der Wüste hinter sich. Ständig mußte ich anhalten und japste nach Luft. Ich kam mir vor, wie eine alte Frau, deren Leben bald ausgehaucht ist.




Aber wenigstens wurde mir hier klar, was erst die Glotzerei des Mannes bei den Petroglyphs sollte, denn die, die mir entgegen kamen, taten das gleiche. Und dann schaute ich an mir herunter und es machte klick.


Ich hatte mein Lieblings T-Shirt an, auf dem Dr. House zu sehen war und unter seinem markanten Gesicht steht: „It’s not Lupus“ und vermutlich wollten den Satz alle lesen.


Jetzt, da ich es wußte, konnte ich wenigstens in Ruhe weiterschnaufen, ohne mir darüber auch noch Gedanken zu machen.








Irgendwann hatte ich endlich die Strapazen des Aufstieges überstanden und ein Blümchen nach dem anderen geknipst, was anderes gab es nicht, was fotogen genug wäre, und ich konnte mich dem Arch widmen, der in gewisser Weise sehr viel Ähnlichkeit mit dem Arch im Natural Bridges NM hatte. Nur war der hier einen Tacken kleiner und das drunter herkraxeln war nicht so mühevoll, wie bei seinem großen Bruder.







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