Eine Stunde nach meinem Eintreffen saß ich wieder auf meinen 4 Buchstaben und stieg erst in Santa Cruz am Leuchtturm wieder aus.



Aber nur kurz. Einmal stempeln und zwei, drei Fotos und ich war wieder weg. Es roch ziemlich stark nach Fisch und Meer und Modder und der Wind war auch nicht gerade von schlechten Eltern.

Den allseits bekannten Bordwalk ließ ich links, also eigentlich rechts liegen. Ich hatte keine Lust auf Bespassung und irgendwie sah er auch geschlossen aus. Da drehte sich kein Rädchen und die Parkplätze waren auch alle leer. (Anm.: ich hatte Recht. Laut Kalender waren an dem Tag keine Fahrgeschäfte geöffnet)
Paßt irgendwie zu meinem Urlaub. „Sorry, We’re closed“.



Was hingegen nicht geschlossen war, war die San Juan Bautista Mission im gleichnamigen Ort ein paar Meilen östlich im Landesinneren.

Geparkt hab ich irgendwo am Straßenrand. Stand nirgendwo dran, daß man es nicht darf. Und was nicht verboten ist, ist erlaubt.


Nach dem obligatorischen State Park Stempel hab ich mir dann meine erste Mission angesehen. Ich hoffte nur, hier wollte mich keiner bekehren. Wie gesagt, ich war zufrieden mit meinem Leben wie es war. Nicht zufrieden war ich hier allerdings mit dem Lärmpegel, der ausnahmsweise mal nicht NUR von den rumrennenden Kindern kam sondern auch von ein paar bekloppten Eltern, die hier professionelle Fotos ihres Babys, daß kaum ein halbes Jahr alt war, machen ließen.




Und um das kleine Wesen zum Lachen zu bringen, quakten und quiekten alle umherstehenden Eltern- und Verwandtenteile wie wild in der Gegend herum. Es war zum Davonlaufen. Wäre ich das Baby, ich hätte lange wie am Spieß gebrüllt, statt die Situation noch zum Lächeln zu finden.
Das war SO peinlich !!!





Die Mission war in meinen Augen keine echte Mission (mehr). Eher ein zum Museum umgestaltetes altes Gebäude. Alles war alt. Muffig. Staubig. Verfallen.



Im angrenzenden State Historic Park war es sogar noch ein Tacken älter und muffiger. Es roch nach seit Jahren nicht gelüftet. Sogar die riesigen Kakteenpflanzen hatten schon Staub und Spinnweben angesetzt. Und dann immer noch das Geschrei im Hintergrund.
Furchtbar.



Wenn ich eine Empfehlung abgeben müßte, würde ich sagen, wer in der Nähe ist, soll sich das ruhig ansehen. Ab 16 Uhr kost es nüscht mehr. Aber extra hinfahren…? Nur, wer geistigen Beistand sucht.





Das Motel, in dem ich mich heute für 2 Nächte einquartierte, war mal wieder ein privat von Indern oder Pakistani geführtes. Das Wohnzimmer lag direkt hinter der Rezeption und sah aus, als wäre ein Mülllaster soeben darin umgekippt. Auch die betagte Dame, die mir meinen Schlüssel aushändigte war ziemlich schmuddelig. Alles gute Vorzeichen was das Aussehen des Zimmers betrifft…



Fünf Minuten später erwies sich meine Vorahnung als mal wieder falsch. Es war ein hübsches Zimmer. Es hatte zwar nur einen Kühlschrank, den ich eh nie nutze und keine Kaffeemaschine oder Mikrowelle, aber was solls. Ich will hier ja nicht für ewig bleiben. Sauber war es zumindest.
Keine Ahnung, was hier am Meer in der Luft rumschwirrt, aber die Sonne blendete gewaltig. Wenn in Deutschland die Sonne abends unter geht, dann tut sie es normalerweise ohne großes/großen Tamtam. Und hier? Sie will alle Aufmerksamkeit die sie bekommen kann. Alles war in ein helles grell leuchtendes Gelb getaucht. Auto fahren konnte man wirklich nur mit Schweißerbrille.
Deswegen hab ich neulich schon gesagt: Hwy #1 nur von Süden nach Norden fahren. Sonst wird man blind.
Gleich um die Ecke lag ein State Beach, an dem man auch parken konnte und der nach Sonnenuntergang schließt. Dort wollte ich schauen, ob ich nicht ein paar hübsche Sonnenuntergangsbilder schießen konnte. Aber wie so oft auf der Tour, erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt.
Erstens war der State Beach schon dicht, obwohl es immer noch blendete, zweitens war die Aussicht beschissen, drittens war es windig und eisig kalt und viertens wurde Miss Sunny gerade von einer heranziehenden Wolke verdeckt und es bestand keine Hoffnung mehr, daß es heute zu einem gepflegten Sonnenuntergang kommen würde.
Wieso schreibe ich nicht einfach „nachdem ich im Motel eingecheckt hatte, fuhr ich noch schnell zu Safeway und knipste wenig später das Licht aus“? Wieso muß ich jede Einzelheit, auch wenn sie schief geht, immer bis ins kleinste auseinanderklamüstern?
Richtig. Von der Sorte Schreibern gibt es schon genug und das ist langweilig!



Motel:

Discovery Inn Monterey, Seaside - 116,48$ (2 Nächte)





Gefahrene Meilen:  180