Nein, eigentlich lag das nächste Ziel und Punkt 4 der Meckerliste in West Virginia und damit hatte ich meine 8 (Staaten) komplett.

Ich war in Harpers Ferry, einem National Historical Park.

 


Was genau Harpers Ferry ist oder war, muß ich später mal googlen, aber es hat sicher etwas mit früheren Flußüberquerungen zu tun, denn hier flossen der Shenandoah und der Potomac River zusammen.

             
 
 

Irgendwie hatte das hier was vom deutschen Eck, nur älter und ohne der komischen Reiterstatue. Was hingegen gleich war, war die Anzahl der Besucher, nur mit dem Unterschied, daß hier 99% der Rumlaufenden Horde Schulkinder waren, die sich gegenseitig anbrüllten. Und wenn ich sage brüllen, dann meine ich brüllen. Irgendwann hatte ich genug und hab mitgebrüllt. Auf deutsch, versteht sich. Das sie viel zu leise sind und ICH SIE LEIDER NICHT HÖREN KANN !!!!
Sie hörten mich nicht.





Ich muß irgendwann noch einmal hierher, wenn Ferien in Amerika sind, vornehmlich im Herbst, wenn es schön bunt ist, denn wenn man den Lärm ignorierte, war es hier wirklich hübsch.



Auch der Appalachian Trail verlief hier entlang und in einem der vielen kleinen Bars gab es sogar diese Wanderstöcke zu kaufen. Kosteten so um die 20$. In der Bar, in der das Foto entstand, war ich übrigens 3x innerhalb von 15 Minuten.

      


Das erste Mal, weil ich Wasser brauchte, da ich meine Flasche irgendwo verlegt hatte, das 2. Mal, weil ich beim Hinausgehen merkte, daß es arg hell draußen war und ich meine Brille hab liegen lassen und das 3. Mal, weil ich nicht genug beladen war. Mein Stempelbuch lag noch auf dem Tresen.
5 Minuten Ausflug und bepackt wie ein Esel. Rucksack. Schlüssel. Wasser. Karte. Buch. Knipse. Brille.





Um sich Harpers Ferry anzusehen, wird geraten, den Shuttlebus zu nehmen, der alle 15 Minuten fährt. Man kann auch mit dem Auto bis in den Park, findet aber so gut wie keinen Parkplatz. Nur leider frißt diese Shuttlegeschichte enorm viel Zeit, die ich heute nunmal nicht hatte und so mußte ich nach meinem Besuch einige Ausflugsziele des Tages canceln, da ich es bis 17 Uhr noch bis Fredericksburg schaffen mußte und bis dahin waren es 170km. In Deutschland bräuchte man dafür knapp 2 Stunden, hier meinte Margret: 3,5h
Weiß der Geier, wo sie mich wieder langschickt. Und das, obwohl ich ihr eingegeben hatte: schnellste Route



Und schon sind wir bei Punkt 5.

Ich mußte nach Fredericksburg und Margret ignorierte das Schild am Straßenrand, welches mich auf den Highway Richtung F. lotste. Stattdessen schickte sie mich in die Pampa.



Die nächsten 2 Stunden ging es den Hügel rauf, den Hügel runter, Rechstkurve, Linkskurve, Vorsicht bremsen, Mähdrescher auf der Straße, Baustellenampel, Hügel rauf, Hügel runter, STOP-Schild für alle 4 Straßen, Rechtskurve, Linkskurve, es war zum Verzweifeln.
Ich bezeichne diese Reise zwar als die beste USA-Reise, die ich je gemacht hab, aber dieser Tag heute war die berühmte Ausnahme. Es hat NIX geklappt und so endete der Tag auch.
Zwar hab ich es bis 17 Uhr nach Fredericksburg geschafft, aber angesehen hab ich mir nichts mehr. Ich wollte nur noch schnell ins Best Western und duschen und dann ins Bett!
Best Western.
Punkt 6.



Normalerweise kann ich mir BW nicht leisten. Es gehört zur gehobeneren Klasse und kostet selten unter 80$ die Nacht. Dieses hier kostete ca. 50$ und ich wollte mir mal was Gutes gönnen. Gut war, es war ruhig. Kein Straßenlärm oder nervige Nachbarn. Weniger gut war, daß das Zimmer schon älter war. Alte Möbel, alte Lampen und das Plastikgrünzeug an der Wand war eingestaubt.
Aber dann.
Wenn ich einen Kühlschrank im Zimmer hab, wird er erstmal ausgeschaltet. Ich kann bei dem Brummen nicht schlafen.
Bevor ich unter die Dusche sprang, wollte ich erst was essen, denn außer einem Teilchen und einer Nektarine hatte ich heute noch nichts. Und wie ich da so saß und meine Schnittchen schmierte, hörte ich es:
platsch, platsch, platsch
Wenn irgendwo ein Wasserhahn tropft, dann werde ich zum Tier. Fallende Wassertropfen sind eines der hässlichsten Geräusche, die man hören kann. Außer natürlich, man war tagelang in der Wüste Gobi unterwegs und der Camelbag ist leer.
Ich unterbrach also das Schmieren und schaute im Bad nach dem Rechten. Platsch. Toilette? Platsch. Hm… ich kann nix sehen. Platsch. Dusche? Alle Hähne zu und der Duschkopf sowie der Wasserhahn trocken. Platsch. Wasserbehälter der Klospülung geöffnet. Bisschen gerüttelt. Platsch. Deckel wieder drauf. Nach unten geguckt. Platsch. Da war eine Pfütze.
Wo kommt das Wasser her?
Platsch.
Von der Decke?
Nein. Alles trocken.
Platsch.
Ich könnt das hier noch ewig so weitermachen, aber irgendwann ist mein Brot eingetrocknet, bis ich des Rätsels Lösung gefunden hab. Platsch.
Ich hab also erstmal die Tür verriegelt und hab gegessen. Platsch.
Keine Ahnung, wie deutsche Toiletten gebaut sind, aber hier ist der Wasserkasten an die Kloschüssel geschraubt und da lag der Hase im Pfeffer. Platsch. Es war marode und durchgerostet und platsch.
Wie beendet man das Drama?
In dem man den Tank leert und dafür sorgt, daß kein Wasser nachlaufen kann. Gesagt, getan. Hahn zugedreht und Ruhe war.
Nach der Dusche, ich saß auf dem Bett und ging meinen täglichen Recherchen nach: platsch
Ey Leute, langsam reichts.
Erst das Klo, jetzt die Dusche.
Und kaum hatte ich die Dusche trocken und saß wieder auf dem Bett:
platsch.
Ihr könnt euch jetzt kaum vorstellen, in welche ungeahnten Höhen mein Blutdruck schoss. Das darf hier alles nicht wahr sein. Wenn es hier noch einmal platscht, dann RASTE ICH AUS !!!
Ich stand mal wieder vom Bett auf und ging dem Geräusch nach.
Es war das Abtauwasser im Kühlschrank, den ich zu Beginn ausgeschalten hatte. Platsch.
Ich nahm paar Küchentücher und hab zu guter Letzt den Kühlschrank sauber gemacht.
Endlich kehrte Ruhe ein.
Das Klo war außer Betrieb, die Dusche trocken und der Kühlschrank wurde ebenfalls in seine Schranken verwiesen.
Die Ruhe war herrlich und irgendwann war ich eingeschlafen. 
Bis nachts kurz nach 1 eine Alarmanlage eines vor meiner Tür stehenden Autos anging…


gefahrene Meilen:  199,9