15. Oktober 2015                                                                        20°C 

 

Wie gesagt, die Nacht war eher durchwachsen. Dazu kamen diese fiesen Leuchtdioden und Lämpchen, die hier im Zimmer verstreut waren. Die Anzeige der Mikrowelle, das Antennenteil am Fernseher, der Rauchmelder, der Wecker…alle diese Dinge haben das Zimmer nachts erhellt, so daß ich ständig aufstehen und basteln mußte, um es einigermaßen dunkel zu haben.

Ansonsten hoffe ich heute auf nette Ausblicke Richtung Rocky Mountains und ein paar bunte Herbststimmungen. 


                                               Cimarron Railroad Exhibit

 

Als ich später bei dennys auf mein Frühstück wartete, hab ich mich mal wieder gefragt, wieso es hier fast zum guten Ton gehört, auswärts zu frühstücken. Wieso tun die Leute es nicht in Ruhe und Morgenmantel zuhause? Ich hätte überhaupt keinen Nerv dafür, aus dem Bett zu kriechen, ins Bad zu huschen, mich anzuziehen, ins Auto zu steigen und mir ein  Lokal zu suchen. Dafür bin ich morgens viel zu träge. Und viele von den Gästen essen ja hier vor Beginn ihrer Arbeit. Ein zweites no go. Ich bleib lieber so lange im Bett liegen, wie es geht.


Wenn die das hier unter der Woche täglich machen, dann muß es doch wahnsinnig ins Geld gehen. Ein normales Frühstück mit Kaffee und Tip kostet mindestens 12-15$, wobei die hier mit Tip echt nicht knauserig sind, wenn ich so auf die leer gegessenen Tische gucke. Das sind über 300$ im Monat. Pro Person versteht sich. Wenn dann noch die Familie mit is(s)t…
Mein lieber Herr Gesangverein. Haben die sonst keine Ausgaben?
300$. Damit würde müßte ich bei mir zuhause 7 Wochen auskommen.

 

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Aber zurück auf die Straße. Diese führte mich heute an der Curecanti NRA vorbei und vorbei ist das richtige Stichwort. Viel zu tun gab es hier nämlich nicht. National Recreation Area, der man schon vor Wochen den Stempel „Saisonende“ aufgedrückt hat. Es war zwar das herrlichste Wetter draußen, so mit blauem Himmel bis zum Horizont und Temperaturen über 20°C, aber wenn die Behörden meinen, es ist Saisonende, dann ist es das auch.

 

Nur ein paar einsame Anglerboote schipperten auf dem angestauten Gunnison River herum. Ansonsten war ich weit und breit die einzige Touristin. Viele Aussichtspunkte bzw. Seitenstraßen und Campingplätze waren bereits gesperrt, als ob man morgen den großen Blizzard erwartet.
Schon komisch die Leute hier. Wenn mal grad kein Shutdown ist, dann sorgen sie selber für Stillstand.

ich mußte eine Weile googlen, aber dann fand ich heraus,
um welches Tier es sich hier auf der Farm handelte:  es ist ein Yak
 







Die nächsten Meilen ging es permanent bergauf. Von 2000 auf 3500 Meter zur Continentalen Wasserscheide.
Richtung Westen könnte es das ablaufende Wasser in den Pazifik schaffen,
entscheidet es sich für den Osten und es überspringt den Mississippi,
schwappt es vermutlich irgendwann in den Atlantik, wenn es nicht vorher durch einen der vielen Rasensprenger auf eine Vorgartenwiese wieder ausgespuckt wird.


Ich hielt mich hier oben nicht lange draußen auf. Nicht, weil es so eisig, sondern weil es so hoch und luftdünn war. Wenn ich daran denke, daß ich morgen noch die Straße zum Mt. Evans und übermorgen die Trail Ridge Road im RMNP fahren will, dann gute Nacht Marie.





Mein heutiger Übernachtungsort war Buena Vista und dieses kleine Städtchen gefiel mir ausnehmend gut. In Deutschland würde man vermutlich Bergdorf dazu sagen, doch hier hat man einige Tankstellen und Firmensitze mehr, an die man vorbei muß, bevor man im Motel ankommt. Trotzdem wirkte es sehr aufgeräumt.







Kurz nachdem ich das Zimmer bezog, googelte ich, was ich noch so anstellen konnte und ich bekam die Info: Arkansas River und Rafting.
Naja, nicht ich selber wollte raften, dazu bin ich zu knauserig, sondern ich wollte Raftingbilder machen und vom Arkansas River hab ich die letzte Zeit auch schon viel Gutes gehört.





Der Fluß, der hier wenige km weiter nördlich entspringt und es irgendwann NICHT schafft, denn Mississippi zu überspringen, ist hier ein nettes kleines Bächlein mit einigen Stromschnellen und vielen Felsen im Wasser. Ich würde die Aussicht als hübsch bezeichnen und kaum hatte ich mein Urteil gebildet, sah ich sie: 2 Rafter
Man kann einen kleinen Trail am Fluß entlanglaufen, dessen Namen ich gerade vergessen habe. Und als ich die Rafter erreichte, hat es mein rechter Zeigefinger kaum noch von der Auslösetaste der Kamera geschafft.





Durch die Verwirbelung des Wassers an einigen Stromschnellen, blieben die Rafter immer an der gleichen Stelle, hatten aber trotzdem ihren Spaß. Fast so wie die „Surfer“ auf Kreuzfahrtschiffen, auf denen in einem Becken große Wellen imitiert werden.
Ich war hier auf einer Höhe von 2200m über dem Meer, es war später Oktober und ich lief die ganze Zeit kurzärmelig durch die Gegend. Sogar jetzt am Nachmittag kurz vor Sonnenuntergang waren es knappe 20°C und die sprechen hier von Saisonende.




Motel: Super 8, Buena Vista, CO

 


Gefahrene Meilen: 174


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