16. Oktober 2015                                                                        18°C 

 

Das heutige Tagesprogramm mußte ich etwas zusammenstreichen, da ich gestern Abend noch gelesen hatte, daß die Straße zum Mt. Evans saisonbedingt, da war es wieder, das böse Wort, gesperrt war.
Es gab also nur noch die Georgetown Loop Railroad und wirklich viel war das nicht.

24 Stunden später.

Es war der beste Tag meiner Reise !!!

Natürlich nicht gleich zu Beginn, weil ich mal wieder eine etwas unruhige Nacht hinter mir hatte und Frühstück gab es auch keins, aber ich will mal nicht kleinlich sein. Wieso ich nicht gut geschlafen hab? Weil ich immer Zimmer erwische, vor oder unter deren Fenster geräuschvolle Hotelzubehöranlagen stehen. Klimageräte. Stromversorger. Windkraftanlagen. All so Zeug. Und natürlich geben die auch Nachts nie Ruhe.


                                                    Airport Buena Vista, CO

Das Wetter war im Übrigen das Gleiche, wie die letzten Tage auch. Sonne satt.
Frühstücken wollte ich eigentlich in einem kleinen Café hier in der Stadt, aber es gab kein Parkplatz mehr und der Eigentümer des danebenliegenden Motels hat mich von seinem verscheucht.
Macht ja nix. Im Kofferraum müßten noch ein altbackenes Brötchen und eine Scheibe Käse rumliegen.
Bis zum Städtchen Fairplay war es eine entspannte Fahrt durch eine Art Rocky Mountains Prärie. Weitläufig und alles voller Rindviecher. Wenn ich mir vorstelle, ich müßte hier mit dem Fahrrad… Und der Horizont kommt und kommt nicht näher…
Was gab es in Fairplay?
Naja, erstmal nichts.

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Und wenig später ein Büro der Staatlichen Forstbehörde und 6 Stempel.
Das war es eigentlich.

Aber wie immer schaue ich mich natürlich in dem Laden etwas um, um dann aber doch nichts zu kaufen. Meistens schaue ich nur nach interessanten Postkarten und da war sie… die eine. Natürlich war sie hässlich, aber auf ihr war ein Bild eines Freilichtmuseums, um es mal vorsichtig zu formulieren. „South Park City“
Noch nie was von gehört.




Die Dame am Desk meinte, das Museum ist hier im Ort und hat noch geöffnet, was an einem 16. Oktober nicht wirklich selbstverständlich war.
Margret kannte diesen Ort allerdings nicht. Ich konnte eingeben was ich wollte. Weder South Park, noch Museum oder Touristenattraktion lieferten irgendwelche Treffer.
Ich fuhr dann einfach mal durch den Ort und als ich am Rand ein Polizeiwagen sah, und ihn knipsen wollte, war ich auch schon angekommen. Er stand direkt vor dem Parkplatz zum „Museum“.









Da ich hier die nächsten 65 Minuten zubrachte, kürze ich etwas ab.
Das Museum hatte seit gestern wegen Ende der Saison geschlossen.
Trotzdem sah ich Menschen hinter dem Zaun rumschleichen, die definitiv NICHT zum Personal gehörten. Ich ging also zum Visitorcenter und klopfte.





Die Chefin des Hauses meinte zu mir, sie hätten seit gestern geschlossen, aber für 10$ könnte ich mir alles ansehen. Natürlich sind für mich knauserigen Menschen 10$ ein Grund „nein“ zu sagen, aber was ich von außen sah, interessierte mich und so zahlte ich ohne weiter nachzudenken den Eintritt, der auch regulär so hoch war.





 

Schon in einigen vergangenen Berichten schrieb ich, daß es die Amis voll drauf haben, Museen einzurichten oder Denkmäler zu erhalten und sowas wie das hier, hatte ich vorher noch nie gesehen. Dagegen sind Bodie oder Calico nur billige Imitationen.





Das Gelände ist nicht sehr groß und besteht eigentlich nur aus einem Stück Westernstädtchenstraße, einer Mine, einem kleinen Bahnhof und annähernd 40 Gebäuden, die man fast alle betreten darf. Normalerweise sammelt sich in solchen Gebäuden neben erhaltenem Inventar auch jede Menge Staub und Dreck an, aber das hier war pikobello sauber. Jedes Haus sah fast so aus, als würden die Hausherren jeden Moment wieder reingeschneit kommen.






                                         für jeden den passenden Zahn 

 

Es gab Wohnhäuser, Apotheken, eine Bar, Ärzte, Schmiede, eine  Kirche, eine Schule und jede Menge anderer Häuser, in denen man sich in der Zeit zurückversetzt sah.
Auf den Zug im „Bahnhof“ konnte man sogar hinaufklettern und die Einrichtung des Reiseabteils hatte ich so auch noch nie gesehen.
Das Beste war allerdings: ich war hier komplett alleine. Keine störenden ins Bild Latscher oder Kindergeschrei. Es war herrlich.







Begleitet wurde ich die ganze Zeit nur von einer Katze, die sich hier anscheinend auskannte, wie in ihrer Westentasche. Meistens ging sie vor und zeigte mir den Weg, was ich als nächstes ansehen sollte. Wenn sie sprechen könnte, hätte sie mir sicher viel zu erzählen gehabt.



Es war bereits nach dem Mittagessen, als ich alles gesehen und geknipst hatte.
Wenn ich dieses Museum bewerten müßte und die Höchstnote wäre eine 10, so bekäme dieser Ort hier eine 12 !!! Und das soll wirklich was heißen.



Keine halbe Stunde später wurde ich schon wieder „genötigt“ anzuhalten. Und das auf freier Strecke. Ohne Parkplatz. Aber viele andere Autofahrer taten es auch und was andere können, kann ich schon lange.





Der Grund waren 4 Elche, die in 100 Metern friedlich vor sich hingrasten und sich von den zig Schaulustigen nicht stören ließen. Ich war hin und weg. Normalerweise dachte ich bis vor 30 Minuten, daß das Museum heute nix mehr toppen kann und dann stehen diese Kreaturen am Straßenrand. Total geplättet stand ich mindestens 10 Minuten da rum und konnte mein Glück kaum fassen.






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