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      14. Mai 2011                                                     70°F 



Wenn ich an die ewig lange Strecke dachte, die mir heute bevorstand, hatte ich gar keine Lust aufzustehen.


Ich meine damit nicht die Strecke insgesamt, sondern das Teilstück auf der 550, bis ich irgendwann links in die Berge abbiegen konnte.

Keine Ahnung, wie ich die 550 beschreiben soll. Normal haben sogar die langweiligsten Highways hier in den Staaten in gewisser Weise ihren Reiz, aber die hier war einfach nur langweilig und ermüdend. Fast schon zermürbend. Zumal es die ersten 150km nur bergan ging.

Tanken wollte ich mal wieder später. Irgendwo um Cuba rum, da war es etwas günstiger und wer mich kennt, weiß, dass man nur mit Geiz zu was kommt.

Nach 2 Stunden hatte ich die Strecke endlich geschafft und suchte nun nach einer Tankstelle, als ich an einem Schild: BLM Office vorbeikam. Ich bog also ab und stand, wie sollte es anders sein, vor verschlossenen Türen. Es war immerhin Samstag und da wird in öffentlichen Stuben nicht gearbeitet.

Wie ich da so in meinem Auto saß und noch keine Minute auf dem Platz vor dem Gebäude stand, hielt plötzlich ein Motorrad neben mir.  „Man sind die schnell“ war mein erster und einziger Gedanke, dann fragte mich der Officer auch schon, ob alles in Ordnung sei.

Machte ich den Eindruck, als wäre alles bestens? NEIN, natürlich war alles SCHEIßE !!!  Ich stand hier mitten in der Pampa, rechts und links von mir gab es nur New-Mexicanisches-Vakuum und der fragt mich, OB MIT MIR ALLES IN ORDNUNG IST !!!!!!!

„Yes Sir, all fine. Ich hab nur festgestellt, dass das BLM geschlossen hat!“


„Ok, Mam. Have a nice day“

Haben die hier nichts Besseres zu tun, als wehrlosen Touristen aufzulauern? Da schaut man mal eben nach dem Weg, schon ist man den Handschellen näher, als dem Ausflugsziel.

An der Zapfsäule hatte ich dann nach Langem mal wieder Erfolg mit dem Eingeben der Postleitzahl. Immer, wenn ich irgendwo tanken wollte und sie wollten einen Zip-Code, hatte das berühmte „90210-Spielchen“ nicht geklappt. Hier nahm man meine Zahlenkombination aber anstandslos an und ich konnte mein Auto volltanken.

In San Ysidro bog ich dann endlich von der 550 auf die NM 4 in Richtung Jemez Recreation Area ab und plötzlich war ich wie in einer anderen Welt.


Fuhr ich erst durch absolute Ödnes, sah ich jetzt vor mir eine Berglandschaft, fast wie in Wyoming oder Montana. Es fuhr sich gleich viel entspannter, denn endlich gab es was zu gucken. Auch kam ich jetzt an den berühmten Adobehäusern vorbei, die ich eigentlich in ganz New Mexico vermutet hatte.

Was gab es Schöneres, als durch eine Bergwelt zu fahren, wenn der Himmel blau, die Bäume grün und der Strich auf der Straße strahlend gelb war?

In Jemez Springs hielt ich am dortigen Visitor Center, bekam einen wunderschönen Stempel in meinen Pass, fragte noch, ob es außer der schönen Strecke noch etwas anderes zu sehen gab und der nette Mann überreichte mir ein Papier mit allen möglichen Orten, an denen ich anhalten und etwas bestaunen kann.
Es war eine richtig schöne Fahrt. Berg rauf. Berg runter. Rechts gucken. Links gucken.



Leider hab ich nicht so oft anhalten können/wollen, wie ich es hätte können dürfen/täten, denn einerseits waren die Punkte, die auf dem Zettel markiert waren, fast nur Picknickplätze und zweitens hatte ich die ganze Zeit 2 Autos hinter mir, die mich ein wenig nervös machten.



Dieses Tempomatgefahre ist ja ganz gut und schön aber als Vorausfahrender hat man immer irgendwie das Gefühl, verfolgt zu werden.
So stoppte ich nur kurz an Soda Spring, wo es irgendwie nach verfaulten Eiern roch, knipste 4,5 Fotos, beobachtete wieder verzweifelte Fotografen, die das Bild der Bilder machen wollten und ständig warten mussten, bis andere aus dem Bild verschwanden und fuhr nach 10 Minuten weiter.

 
               (zum Schild lesen bitte anklicken)




Das mit dem „durch’s Bild latschen“ ist hier genauso verbreitet, wie das ständige excuse me sagen. Da steht man da, will ein Bild ohne Menschen und die, die da dumm rumstehen, stören sich nicht die Bohne daran, dass sie dumm rumstehen.



Genauso wenig, wie es die Amis stört, wenn sie auf der Straße vor einem einen „Opa mit Hut“ haben. Ok, gehen wir eben mit dem Tempo nach unten. Egal. Wir haben alle Zeit der Welt. Oder an der Kasse wenn du nur schnell deine Postkarte bezahlen möchtest, und der Typ vor dir erstmal 1000 unnütze Fragen an den Kassierer stellt und beide eine stoische Ruhe an den Tag legen.


KÖNNT ICH AUSWACHSEN !!!

Mein Weg führte mich irgendwann auch an der Valles Caldera vorbei, allerdings war da bis auf die Zufahrt, noch alles geschlossen. Die Saison für Vulkane startet hier erst Ende Mai…



Auch von der Straße hatte man einen schönen Blick auf die Talsohle, die eigentlich ein riesiger Vulkankrater ist. Im Gegensatz zum Yellowstone, sah man hier, daß da was war. Rechts neben der Straße waren Bäume und links sah es aus, wie eine tiefliegende Prärie. Ein schöner Anblick und ich hoffte, dass er es auch noch eine Weile bleiben würde und dass es erst in die Luft fliegt, bis ich außer Reichweite war. Wie weit das ist? Keine Ahnung. Ob Europa weit genug ist?



Übrigens ist die Strecke nichts für Wohnmobilfahrer. Also jene, die ein riesiges Schiff bewegen und hinten noch ein Jeep anhängen haben.

Mir kam eines dieser Gefährten entgegen und noch 5km später konnte man verbrannten Gummi riechen. Es ging eine ganze Weile immer bergab und er stand wohl nur auf der Bremse, jedenfalls schien es irgendwas bei ihm zerlegt zu haben. Den Qualm hätte man an der Stelle auch zu einem Waldbrand zuordnen können.



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