12. Oktober                                                                        



Der Wetterbericht im Internet sagte genau das Gegenteil von dem, was ich durch das Fenster sah. Nämlich Sonne pur.
Hier war es aber stark bewölkt und würde es vermutlich auch noch eine Zeit lang bleiben.
Was hatte ich heute geplant?
Monterey von rechts nach links und wieder retour. Ob ich das weltbekannte Aquarium besuchen werde, würde ich spontan entscheiden. Immerhin kostete es 34$ Eintritt und heute war Samstag. Ansonsten wollte ich noch zum Leuchtturm, den 17 Mile Drive fahren und zur Carmel Mission.
Da ich keinen Stadtplan hatte sondern nur Margret ll, wollte ich mir zunächst einen Überblick über die Verkehrslage verschaffen und fuhr zunächst einmal komplett durch bis zum Leuchtturm. 



Es war jetzt irgendwas gegen 10 Uhr und immer noch war die Sicht unter aller Kanone. Küste grau in grau taugt nicht für Fotos. Das muß besser werden. Genauso wie die Arbeitsmoral der hiesigen arbeitenden oder nicht arbeitenden Bevölkerung. Ich kann mich täuschen, aber je weiter ich in Richtung Süden fahre, um so später wird hier mit arbeiten begonnen und früher aufgehört. In San Francisco stand an den Türen noch 11 bis 5 oder Sonnenuntergang, hier am Leuchtturm war zu lesen: open daily from 1pm to 4pm.
Langsam fiel ich wirklich vom Glauben ab. Kein Wunder, daß der Staat pleite ist, wenn man diese Arbeitsmoral an den Tag legt. Ja, ich weiß, das gleiche stand auch schon ein paar Seiten weiter vorn. Aber ist doch waaaahr !!!

Weiter im Zentrum Montereys gab es 2 State Historic Parks, zu denen ich mich bringen ließ. Leider wurde mir auch hier ein Strich durch die Rechnung gemacht, da es dort überhaupt keine Möglichkeit gab, irgendwo legal sein Auto abzustellen. Alles waren nur Ladezonen oder man brauchte ein Einwohnerpermit. Ich fuhr 3 mal um den Block, aber es war nichts zu machen. Vor lauter Prass bog ich auch noch irgendwo falsch ab und landete mitten im 19. Jahrhundert. Wow, das soll mir mal einer nachmachen.



Amerikaner sind ja bekanntlich geschichtsbesessen und feiern alles und jeden, der irgendwann mal lebte oder gestorben war oder etwas entdeckt hatte. Was genau hier zelebriert wurde, erschloß sich mir allerdings nicht. Nach ein paar Fotos hab ich den Mummenschanz verlassen und wollte ein Visitor Center suchen. Ich brauchte dringend einen Stadtplan. 




4 Blocks weiter fand ich endlich eins und meine ersten Worte an den Mann hinter dem Desk, der anscheinend im Stress war, waren: This town makes me mad.
Seine Antwort: You are in Pacific Grove.

Es hat noch weitere Sätze gedauert, bis ich verstanden hatte, was er meinte. ICH ging die ganze Zeit davon aus, in Monterey zu sein. Dabei war ich hier bereits in einem Ort weiter. Und dieser Ort hatte nichts mit dem vorangegangen Chaos zu tun. Nur in Monterey war der Hexenkessel. Ich war in Pacific Grove weiter westlich und hier war seiner Meinung nach die Welt in Ordnung. Hier konnte man überall kostenlos parken, hier gab es einen Trail direkt am Strand, hier gab es ein Überwinterungsort für die Schmetterlinge und den besagten Leuchtturm, der erst 13 Uhr öffnet.
Trotzdem brauchte ich einen Stadtplan. Egal von wo. Ob jetzt Monterey oder Pacific Grove. Noch war es für mich das gleiche. Ist im Grunde wie Gelsenkirchen und „Lüdenscheid Nord“. Alles eins. *duck und wech*
Was Monterey anging, war das Thema durch. Ich hatte die Faxen dicke, nur rumzukurven und Parkplätze zu suchen. Außerdem war vor dem Aquarium, an dem ich vorhin vorbei kam, eine Schlange wie vor der Arena auf Schalke, wenn die Bayern zu Besuch sind.
Ich komme mal wieder hier her und dann an einem Tag mitten in der Woche.
Nachdem ich jetzt mit ausreichend Papier versorgt war, fuhr ich als erstes zu den Schmetterlingen, die ich auch übermorgen in Pismo Beach besuchen wollte. Hier sollen die Monarch Falter überwintern. Riesige Schwärme rotbraun-schwarz gemusterter Schmetterlinge.
Leider war während meines Kurzbesuches kein einziger zu sehen. Nur mal wieder eine Horde brüllender Kinder. Können die sich nicht normal unterhalten? Muß es immer mit 120 dB sein?
Fünf Minuten später saß ich wieder im Auto und fuhr Richtung Leuchtturm und Sunset Drive, an dessen Küstenabschnitt die besten Tide Pools weit und breit zu finden sein sollen.
Sollen.
Es war zwar grad keine Flut aber die Ausbeute war recht mager. Ab und an krabbelten ein paar Schneckenhäuser mit Füße unten raus da rum aber ansonsten gab es nichts nennenswertes.



Jetzt war es auch endlich 13 Uhr und ich konnte mir meinen Stempel abholen. Um sich den ganzen Leuchtturm anzusehen, hätte ich 3$ zahlen müssen, da der alte Herr, und er war wirklich schon jenseits der 80, mich geärgert hatte, konnte er sich die 3$ selber schnitzen.


Es war Zeit für den 17 Mile Drive.
Der Mann im Visitor Center meinte, er ist nicht zu verfehlen. Margret kennt zwar die Straße aber nicht die Route als sehenswertes Ziel.
Am Eingang zahlte ich meine 9,75$ und war gespannt, was mir hier für die Kohle geboten wurde.
Aha… Golfplätze.
Und Wohngebiete.
Und noch ein Golfplatz.
Cool… ein Nadelwald.
Wieder ein Golfplatz.




Ups, eine Kurve. Durch einen Wald.
Hey, welch Überraschung. Ein Golfplatz. Damit hätte ich ja nun nicht gerechnet.
Und schwupps, eine Ausfahrt Richtung Hwy 1.



Und alles zum Wahnsinnsschnäppchenpreis von unter 10$.
Setzen. Sechs.
Ich hab nicht einmal das Meer gesehen. Was das ganze sollte, weiß ich bis heute nicht.