Während der Fahrt nach Kanab, wo ich mir für heute Nacht ein Zimmer im Bob-Bon-Inn reserviert hatte (Anm.: das Motel hat einen neuen Besitzer, wurde renoviert, umbenannt und kostet jetzt doppelt soviel), zog ich mir erstmal meine Schuhe aus. Man hörte die Füße förmlich Halleluja singen und mir ging es auch gleich viel besser.
Kanab war meine letzte Etappe vor Las Vegas und ich verliebte mich gleich beim ersten Blick in dieses Städtchen. Endlich mal kein heruntergekommenes Nest, in dem es nur 1Motel, 2 Tankstellen, 3 Häuser, 4 Ställe und 5 verrostete Autos gab.
Es war groß, übersichtlich, aufgeräumt und man fand hier alles, was man zum Überleben braucht. Ein Ort, in dem man es sicher auch länger, als nur eine Nacht aushielt. Es gab sogar ein schönes Steakhouse, welches von mir aber heute nicht besucht werden würde.
Margret kannte mein heutiges Motel nur als Bon-Bon-Inn und ich war gespannt, welches Sahnestückchen ich für diese Nacht aufgetrieben hatte. Ganz am nördlichen Ende des Städtchens kam es in einem Grün-Braun-Look zum Vorschein und gefiel mir auf anhieb. Es nannte sich selber „Little Hollywood“ und war ein richtiges Kleinod.

   
  

Wenn jetzt noch die Zimmer genauso schnuckelig waren, wie es das Äußere versprach, war die Welt in Ordnung.
Als ich das Office betrat, fiel mir erstmal die Kinnlade nach unten, denn ich hatte noch nie so viele ehemalige Hollywood-Westerngrößen gesehen, wie sie hier auf Bildern an den Wänden hingen. Der ganze recht winzige Raum war von oben bis unten voll behangen und ich hab eine ganze Weile erstmal nur geguckt. Gestört hat mich dabei keiner, denn ich war ganz alleine.
Auf dem Tisch lag ein Telefonhörer und davor ein Zettel, auf dem stand, daß man anrufen sollte, wenn man ein Zimmer wünscht.



So ganz ohne war es nicht, denn auf englisch telefonieren gehört nicht zu meinen Lieblingsaufgaben, aber nach einem kurzen „Hallo, I have a reservation“ war das Telefonat schon wieder beendet.
Nach 5 Minuten kam ein Pickup vorgefahren und ein älterer Herr um die 75 betrat den Raum und begrüßte mich freundlich.
Während ich gewartet hatte, hab ich schonmal das Motelbuchungsformular ausgefüllt und brauchte so nur noch den Schlüssel. Mein Zimmer war in einem langgestreckten Nebengebäude, direkt neben dem kleinen Parkplatz und vor meinem Zimmer standen auch Tische und Stühle.
Wäre es nicht so furchtbar windig gewesen, man hätte sich abends gemütlich vors Zimmer setzen und die Leute beobachten können. Vor dem Zimmer auf der Wiese stand eine alte Kutsche und überhaupt stand und lag hier viel altes „Gerümpel“ rum, was aber in keinster Weise unordentlich und zugemüllt aussah. Ich fühlte mich hier pudelwohl !!!



Auf meiner To Do Liste für heute stand noch ein weiteres Ziel und obwohl ich Bedenken wegen des Windes hatte und auch sonst recht lustlos war, riß ich mich zusammen und fuhr Richtung Norden, denn hier in Kanab gab es noch einen State Park, den ich mir unbedingt ansehen wollte. Also "unbedingt" war vor meinem Urlaub, das "unbedingt" hatte sich aber grad verflüchtigt und so galt das Ziel eher als was zum abhaken. 

Der komplette Name des Ortes lautete: Coral Pink Sand Dunes State Park und wie der Name es schon vermuten ließ, handelt es sich dabei um ein kleines Stückchen rotfarbenes Wüstchen, von dem ich schon schöne Fotos gesehen hatte, die bei Sonnenuntergang aufgenommen wurden.
So fuhr ich also die 20 Meilen erst alleine nach Norden und dann weiter alleine nach Westen und schließlich war ich da.



So richtig Lust hatte ich immer noch nicht auf Sand, aber was solls, jetzt war ich nunmal hier und wollte das Beste daraus machen. Als ich am VC ankam, wartete der Officer schon sehnsüchtig auf mich, denn als er mein Auto kommen sah, verließ er das Gebäude und kam mir förmlich entgegen. Scheint ein langweiliger Job zu sein, denn weit und breit war sonst kein Mensch oder Auto zu sehen. Und auch ich überlegte, ob das bisschen Sand, welches ich irgendwie vor lauter Bäumen nicht sehen konnte, die 6$ wert war.


10 Sekunden standen wir beiden uns praktisch wie bei einem Duell gegenüber und überlegten. Der Officer an der Tür, ich bei laufendem Motor im Auto. Er guckte, ich guckte.
Nee, keine 6$.

     



Ich drehte um, fuhr die Straße noch ein Stückchen in den Park, drehte aber nach 2 Meilen ohne Sand gesehen zu haben, wieder um und fuhr zurück Richtung Motel.
Kurz vor dem Parkausgang gab es einen kleinen Parkplatz, von dem man aus Zugang zu den Dünen hatte und so hatte ich wenigstens eine kleine Gelegenheit, etwas Sand zwischen meine Zehen zu bekommen. Es war noch recht warm heute, aber der Sand war eiskalt. Schon nach 10 Metern hatte ich Eisfüße, denn meine Schuhe hatte ich wohlweislich ausgezogen. Es war ein ganz feiner Sand, ohne Steine dazwischen oder Pflanzen und mal abgesehen davon, daß ich bei 2 Schritten vor, wieder einen zurückrutschte, war das Laufen recht angenehm.



Ich machte 4, 5 Fotos, putzte meine Füße ab und kehrte nach nur 10 Minuten dem Sandkasten für Erwachsene den Rücken. Sicher hat er mehr Zeit verdient, aber mir war heute nicht nach Sandkuchen backen und wie formulierte es vor einiger Zeit Silke so schön? Ich hatte meine Sandförmchen nicht dabei
Auf dem Rückweg zog ich mir mal wieder Countrymusik rein, denn irgendwie war es mir jetzt sentimental. Schließlich ging morgen praktisch mein Urlaub zu Ende und wer weiß, wann ich wieder hierher kam?
Ansonsten tat ich heute nicht mehr viel. Ich fuhr schnell noch in einen Supermarkt, denn mein Brot verlangte nach einer Auflage und mein Wein war auch ausgegangen. Leider aber hatten sie letzteres nicht, denn immer noch war ich in Utah und die sind, was Alkohol angeht, sehr sehr sehr vorsichtig, denn es handelt sich dabei sicher um eine Droge des Teufels und so gab es an dem Abend stattdessen nur Wasser zum Brot.
Bevor ich dann gegen 22 Uhr das Licht ausknipste, laß ich noch was im Forum und tippte ein paar Zeilen Bericht, mit dem ich arg im Rückstand war.



Gefahrene Meilen: 189



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