Tag 14 - 9. Mai

Trotz des ganzen Troubles der letzten Tage fand ich, daß der Urlaub zu schnell verging. Es blieb nur noch ein Motel vor Las Vegas und dann hieß es fast schon Koffer packen.
Für heute hatte ich zur Abwechslung mal wieder eine Routenänderung drin, denn ich hatte erfahren, daß die CCR nach ewig langem Hickhack gegradet worden und für normale Autos wieder passierbar war. So cancelte ich die UT 24 und fuhr mal wieder unpaved.  

Bevor es jedoch losging, tankte ich noch ein letztes Mal für diesen Urlaub und hielt nochmal eben am Visitorcenter des GSENM am Ende von Escalante, um mir erstens meine Stempel zu holen und um zweitens den Ranger zu fragen, ob die Meldung wirklich richtig war, daß man die CCR wieder der ganzen Länge nach befahren konnte.



Er meinte nur, kein Problem, winkte ab und ich konnte ein weiteres Abenteuer Buckelpiste beginnen.
Mein Weg führte mich allerdings erst bis nach Tropic, denn mir war mal wieder nach frühstücken gehen. Nicht, daß ich nicht noch genug Essen im Gepäck hatte, aber es ist immer so mühsam, sich durch die Kühlbox zu quälen und seine Schnittchen selber zu schmieren. 


Margret meinte, Clarks Restaurant ist eine gute Adresse um seinen Magen ruhigzustellen und so wollte ich ihr mal nicht widersprechen.
Bevor ich allerdings satt wurde, galt es mal wieder, einige Hürden zu nehmen, denn erst stand ich mind. 5 Minuten am „Please wait..“-Schild, dann meinte ich zum Kellner, daß ich das Combofrühstück nehme und auf seine Frage hin „Bacon or Sausage?“ antwortete ich: „sausage“.
Er: „Oh, we don’t have sausage.“
Ich: „And why you ask me? I take Bacon“
Er: „We have also Ham“
Ich: „Ok, ham I like more“

Er zog von dannen und während ich so da saß und wartete, beobachtete ich die Ladys beim Tisch abräumen und sauber machen und was ich da sah, ließ meine Nackenhaare zu Berge stehen. 

Sie räumten zwar das Geschirr ab, bevor sie den Tisch sauber machten, ließen aber die Schale mit den Gewürzen und Ketchup und Konfitüren stehen und besprühten aus 50cm Entfernung den Tisch mit dem Reiniger. Ich weiß nicht, wieviele Dosen des „Insektizits“ da Tag für Tag auf dem Salz und Pfeffer landen, aber ich vermied es danach tunlichst, mein Essen nachzuwürzen. Wäre ich der Chef dort, hätte ich denen die Flasche aus der Hand geruppt und den Ladys das Zeug ins Gesicht gesprüht.
Nach 10 Minuten kam meine Combo aus Pancakes, Ei und Hashbrowns und der Kellner meinte, er mache sich auf die Suche nach Ahornsirup.

Langsam kam in mir der verdacht hoch, der Schuppen steht hier erst seit gestern und die Leute, die hier arbeiten, gehören wirklich in eine deutsche Berufsschule. Das alles war nicht wirklich wahr.
Geschmeckt hat es trotzdem, auch wenn ich während des Essens immer wieder durch Geschrei und herunterfallenden Geschirrs aus der Küche unterbrochen wurde.
Mahlzeit.

Schon auf der Fahrt zum Frühstück kam ich am Schild für den Kodachrome State Park vorbei, zu dem ich jetzt gut gesättigt aufbrach, denn schließlich lag er direkt an der CCR.
Viel hab ich mich vorher nicht über den Park erkundigt, nur daß man da ruhig eine Stunde oder mehr verbringen kann, wenn man eh in der Gegend ist.
Nach dem komplizierten Bezahlverfahren, denn man kam mit dem Auto am Mitarbeitereingang an, und um den VC-Eingang zu finden, mußte man das Gebäude einmal umrunden, fuhr ich einfach einmal bis zum Ende des kleinen Parks, um mir einen ersten Überblick zu verschaffen.



Die Lady am VC hatte mir einen Plan mitgegeben und mir schonmal vorab mitgeteilt, welchen Trail man UNBEDINGT laufen sollte. Und natürlich ignorierte ich ihre Hinweise, denn das, was mir als erstes ins Auge stach, konnte man nicht auf besagtem Weg sehen.
Ich will es mal zensiert ausdrücken:

Ich war im Pimmelpark. 

        



      

Normal gehört an den Eingang ein riesiges Warnschild, daß der Zugang für Kinder und Jugendliche nicht geeignet ist bzw. sollten sie es doch tun, es schwerwiegende Einflüsse auf ihr Erwachsenwerden haben kann.
Das, was hier rumstand, und das im wahrsten Sinne des Wortes, war alles, nur nicht jugendfrei.
Mit hochrotem Kopf lief ich den 800m-Nature-Trail und schoß ein Foto nach dem anderen, um später in meinem Bericht die Menschheit vor diesem Sündenpfuhl zu warnen.      

     

Die Natur mag ein großartiger Schöpfer sein, aber hier hatte sie eindeutig einen etwas schweren Tag gehabt. Wahrscheinlich heißt es deshalb: DIE Natur, und nicht DER…
Da ich eine junge, wohlerzogene, sittsame, ledige Frau bin,  zog ich mich beizeiten aus dem Geschehen zurück und wollte mir nun wieder etwas Abenteuer gönnen, denn gleich würde ich das letzte Mal für diesen Urlaub eine reifenmordende Strecke fahren.



        Startseite:                                  zurück:                                weiter: