21. Oktober


Als ich heute Morgen aus dem Fenster sah, traute ich meinen Augen kaum: Schnee.

Gestern spazierten wir noch im Sonnenschein am Strand entlang und heute brauchten wir fast Skier. Ist doch verrückt !!!


Laut Wetterbericht sollte es aber nur ein kurzes Intermezzo sein und je weiter wir Richtung Norden kommen, umso besser und sonniger und schneeärmer sollte es werden. 


In den vielen Broschüren, die sich mittlerweile angesammelt hatten, laß ich etwas von einem Lewis&Clark Park und dachte mir, daß wäre doch etwas nettes für nebenbei und Stempel kann ich da sicher auch noch holen.
Sogar Margret kannte den Park und lotste uns geraden Weges… in die Irre.
Wir wären vermutlich eher in Tokio angekommen, aber mit Sicherheit nicht irgendwo, wo sich die beiden Entdecker getummelt hatten. 


Manchmal ist es doch besser, den Schildern zu folgen, als auf hysterische Weiber zu hören. Und genau so ein Schild stand am Ende der 6km langen Astoria-Megler Bridge. Sie kam uns zwar kürzer vor, aber google map meinte auch, sie wäre so lang. Tja, so schnell täuscht man sich.

 
Größere Kartenansicht

Größere Kartenansicht

Was macht man, wenn das Schild zweideutig ist?

Richtig. Man entscheidet aus dem Bauch heraus. Und manchmal ist die Entscheidung richtig und meistens jedoch falsch. Wir haben viel gefunden, allerdings keinen Lewis und Clark Park. 
Schon des Öfteren haben wir festgestellt, daß die Ausschilderung in diesem Jahr besch... ungünstig ist. Es gibt keine Seen, obwohl sie eingezeichnet sind, Parks fehlen, Straßen führen nicht dahin, wo sie sollen oder man fährt durch Orte, die es schlicht nicht geben dürfte.
Ich hab versucht, die ganze Sache positiv zu sehen: umso mehr Zeit haben wir dann für den Regenwald im Olympic NP.
Kurze Zeit später versperrte uns aber wieder ein kleines braunes Schild den Weg. „Fish Hatchery“ stand darauf. 


Noch bevor ich das Denken begonnen hatte, war ich rechts abgebogen. Keine Ahnung, ob es eine gute Idee war aber braune Schilder bedeuten immer, daß Außenstehende was zum Gucken haben.

Eine ganze Zeit fuhren wir durch den Wald und kamen nach ca. 5km an einer Lachszucht heraus.



    

Als erstes fiel uns auf: keine Menschen. Keine Autos. Aber eine gehisste Flagge. Und das ist ein gutes Zeichen. Es deutet nämlich von „hier ist wer zu Gange“.
Zwei Minuten später standen wir an einem Lachszuchtbecken und haben versucht, Fische zu knipsen. Das Ergebnis war zwar nicht berauschend, aber wir konnten wenigstens erzählen, wir hätten lebenden Lachs gesehen.





„Leider“ war unser Aufenthalt damit aber noch nicht beendet, denn als wir das Gelände verließen, sah ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung im Bach, den wir überquert hatten.
Noch mehr Lachse.
Aber diesmal freilebende. Am Lebensziel angekommene. 


Während der Recherche zu dieser Reise hatte ich immer nach Flüssen gesucht, wo man sich dieses Schauspiel ansehen konnte, doch das Ergebnis war niederschmetternd. Nirgendwo fand man genaue Aussagen darüber, wo man Lachse bei der Wanderung sehen konnte. Und heute weiß ich: Fast an jedem Fluß, der Verbindung zum Pazifik hat und nördlich Kaliforniens zu finden ist, kann man Lachse beobachten. Oder man fährt einfach den Schildern nach, auf denen „Salmon Hatchery“ oder „Fish Hatchery“ steht, von denen es eine Menge gibt.


Wir haben das Tummeln eine ganze Weile beobachtet und als es uns zu kalt wurde und wir meinten, genug Fotos zu haben, fuhren wir weiter.
Ich fand den Abstecher jedenfalls gelungen und jede vergeudete Minute wert.



Ursprünglich stand Aberdeen, Washington auf dem Übernachtungsplan, doch als wir durch die Stadt fuhren, war ich froh, daß sich unsere Pläne so sehr geändert hatten. Die ganze Stadt war alt und heruntergekommen. Vielleicht lag es aber auch nur am hässlichen Hafenviertel, aber mehr als den hiesigen Walmart haben wir uns nicht angesehen.