Normalerweise sollte es jetzt 17 Uhr sein und ich auf dem Weg ins Motel.
Margret kannte aber noch einen Ort hier in Norfolk, den man sich anschauen und wo man stempeln konnte. Einen Leuchtturm im Osten der Stadt und dahin fuhr ich jetzt.
Was ich allerdings nicht auf dem Radar hatte, daß dieser besagte Leuchtturm auf einem Militärgelände steht und damit begann ein Abenteuer, daß ich mir nicht hätte selber ausdenken können.



Als mich Margret rechts abbiegen ließ, wich erstmal 90% all meiner Farbe aus dem Gesicht, weil ich direkt auf einen US-Militär-Kontrollposten zufuhr und wenden wäre zu auffällig. Also kniffte ich die Augen zu und fuhr weiter.
Der nette Herr Grenzoffizier fragte mich, was mein Begehr ist und ich fing das Stottern an. „Ääähm, also ich..äähm, also… Margret ist schuld !!!
Ich wars nicht. Ehrlich. Also…sie sagt, hier gibt’s nen Leuchtturm.“
Er: „Yes, that’s right“
Weiter im Text.
"Haben sie Waffen, Drogen oder Alkohol im Wagen?"
"NEIN. Wie kommen sie darauf? Ich bin ein armer deutscher Tourist!"
"Ich weiß, aber sie sind hier in Amerika und hier sind Waffen legal. So ist es hier nunmal."
Überraschungseier illegal, Waffen legal. (ich glaub, ich hab ihn im Augenwinkel mit den Augen leiern sehen)
"Ich brauche ihren Führerschein und die Fahrzeugpapiere. Ist es ihr Wagen?"
"Nein. Ist ein Mietwagen."
"Haben sie die Mietwagenunterlagen?"
"Yes, sir."
(Man war ich froh, daß ich den Krempel nicht lange weggeworfen hatte)
Weiter im Text.
"Ok, Mam. Sie fahren jetzt da vor zu dem Kontrollposten und werden kontrolliert. Schönen Tag, Mam"



Des Dramas zweiter Teil. Diesmal Mrs. Officer.

"Hallo Mam. Sie wissen, daß sie sich auf Militärgelände befinden?"
"Yes, Mam."
"Bevor sie weiterfahren, werden wir jetzt ihr Auto kontrollieren. Ist das in Ordnung, Mam?"
"Yes, Mam"
"Ich brauche ihren Führerschein und die Fahrzeugpapiere. Schalten sie außerdem den Motor aus, ziehen sie den Schlüssel ab und legen ihn auf das Armaturenbrett. Dann steigen sie aus dem Wagen und öffnen alle Türen. Auch den Kofferraum und die Motorhaube."

"Ich weiß nicht, wo die Motorhaube geöffnet wird."

"Wir machen das schon.
Treten sie danach zur Seite und warten sie."


Es waren 3 "Mann" damit beschäftigt, mein Auto unter die Lupe zu nehmen. Taschenlampe im Kofferraum. Taschenlampe im Motor. Taschenlampe in meiner Unterwä…im Handgepäck. Ich kam mir vor, als war mein Gesicht auf irgendeinem Fahndungsplakat und ich bin aufgeflogen.

"Ok, Mam. Sie können jetzt die Türen wieder schließen und fangen sie bei der Beifahrerseite an. Setzen sie sich wieder in den Wagen und warten sie."



Ich bekam jetzt einen Zettel, den ich aufs Armaturenbrett legen mußte, mit dem Hinweis, daß ich 4 Stunden Zeit hätte, mir den Leuchtturm und die NHS anzusehen. Ich durfte nur bis zum weißen Leuchtturm fahren, weil es hier 2 davon gab. Einen weißen und einen schwarzen. Vom Schwarzen hab ich mich fernzuhalten, den weißen darf ich ansehen. Fahre ich zu weit, komme ich an einen weiteren Posten mit Warnlicht. Sollte ich weiterfahren, werde ich verhaftet. Oder so ähnlich.
Sie wünschte mir eine gute Fahrt und ich war entlassen.
Sylvi, das verschreckte Kaninchen.
Meine Fresse, und alles wegen eines Stempels. Ich war geplettet.
Die Meile bis zum Leuchtturm hab ich mich fast nicht getraut, irgendwie nach rechts oder links zu schauen. Komisches Gefühl, als potentieller Terrorist angesehen zu werden.

     
                                                                                      erlaubter Leuchtturm


Das Souvenirhäuschen war gut besucht. Ich war also nicht die einzige Depperte, die sich das Kontrollzeug angetan hat. Nur zum Leuchtturm wollte ich bei 8$ nun doch nicht. Ich kaufte 3 Karten, stempelte meine Stempel, hielt Smalltalk mit dem Ticketverkäufer, machte noch 3 Fotos und verschwand wieder.


 verbotener Leuchtturm


Aber nicht, ohne vorher noch schnell das Objektiv zu wechseln und die Kamera so einzustellen, daß ich während der Fahrt am Kontrollposten vorbei schwarfe Bilder hinbekam. Die Kontrolle am Eingang mußte ich UNBEDINGT knipsen, sonst glaubt mir am Ende niemand, daß ich das grad alles wirklich erlebt hatte.
Naja, viel ist nicht zu sehen, aber als Beweis ist es sicher zugelassen.
Für weitere Ziele hatte ich jetzt keinen Nerv mehr und fuhr zum Motel.

 





Kommen wir zum Drama Teil 3:

Ich darf/möchte keine Mautstraßen fahren, weil es im Vorfeld nicht sicher ist, wie man an der Mautstelle bezahlt. Bargeld ist ok, alles elektronische ist ein no go, weil mein Auto dafür nicht angemeldet ist. Margret hat daher die Anweisung, wenn eine Mautstrecke auftaucht, soll sie mich vor der Routenplanung fragen, ob es ok ist. Diesmal fragte sie nicht und so fuhr ich mitten rein. In eine toll-by-plate-Falle.
Das Kennzeichen wird geknipst und die Gebühr wird von der KK abgezogen. Ich hatte es in Florida schon, nur mit dem Unterschied, daß Mietwagen in Florida für sowas standardmäßig angemeldet sind. Mein Mietwagen hatte ich in NC geholt und dort gibt’s den Tollpass nicht. (und auch kein Personal, daß sich mit dem Mautquatsch auskennt und mir einen Rat hätte geben können )
Ich war also dem Herzinfarkt nahe.
Naja, nicht ganz.
Aber ich hatte keine Lust, eine Strafgebühr zu bezahlen, die Alamo ggf erhebt.
Als ich im Motel ankam, hab ich also erstmal gegooglet, wie ich das Problem löse.
Es gibt eine Seite, über die man im Nachhinein noch die Maut zahlen kann, in dem man das Plate (Kennzeichen) angibt, „den Ort des Verbrechens“ und seine Kontakt- und Kartendaten. Doch ausgerechnet jetzt, war das Kartenzahlsystem out of order (nicht verfügbar).
Ich muß also abwarten, was Alamo mir für eine Rechnung schickt. Vielleicht komme ich ja auch glimpflig davon, weil es in Virginia den Tollpass gibt und ich in Virginia Maut zahlen muß. Wir werden sehen…

Anm.:
3. September'14:  noch keine Nachricht/Abbuchung von Alamo



Gefahrene Meilen: 159,3