Margret hatte ich den Auftrag erteilt, mich auf dem schnellsten Wege zum Valley of Fire zu bringen und als ich dann von der I15 auf die 169 abbog, ärgerte ich mich mal wieder über meine Anweisungen, denn im Nachhinein wäre die nächste Abfahrt ins Tal sicher die schönere und optimalere gewesen.
 

Auf der ganzen 169 standen immer wieder so nette Schilder, daß es hier zum Strand geht oder zu einer Bootsanlegestelle oder zu einem Erholungsgebiet für Wassersportler, doch irgendwie hab ich alles gesehen, nur kein Wasser. Überall sah man nur Wüste.



Auch sonst war das Fahren hier nicht besonders lustig, denn es war sehr sehr einsam und verdammt trostlos.
Erst, als das Valley näher kam, änderte sich die Natur etwas, und Berge kamen in Sicht. Rechts leuchteten mir auch die ersten roten Steine entgegen und es sah fast so aus, als hätte die Erde Pickel. Bisher sah man immer nur graue Ebenen und ab und an einen Hügel, und plötzlich sah man lauter rotglühende Knubbel, die irgendwie gar nicht hierher passten.



Endlich kam auch der passende Abzwieg zum Valley of Fire, ich schaltete meine Kamera an und suchte schonmal mein Geld, denn ich war ja in Eile. Nur noch knapp 6 Stunden blieben mir bis zur Autoabgabe und es waren noch einige Dinge zu tun.
Kurz nach dem Eingangsschild fährt man auf einen Parkplatz, auf dem sich eine Self-Register-Box befindet und man mal wieder per eingeworfenen Umschlag die Parkgebühr bezahlt.


State Parks sind nicht mit dem Nationalparkpass abgegolten und so zückte ich 10$ und legte den Abriss des Umschlages aufs Armaturenbrett.
Von diesem Parkplatz ging auch ein kurzer Weg zum ersten Highlights des Parks, nämlich zum Elephant Rock.
Irgendwie hatte ich ihn anders in Erinnerung. Freistehender.
Aber nun mußte ich bis auf die andere Straßenseite laufen, um ihn auch einigermaßen ablichten zu können. Da der Hintergrund ebenfalls roter Fels war, konnte man das Tier gar nicht so gut erkennen.
Für den Rückweg zum Auto nahm ich die Abkürzung über die Straße und lief damit eigentlich nur den anderen nach. Ich selber wäre ja NIE auf die Idee gekommen, mich den Parkanweisungen zu widersetzen…

Hatte ich schon erwähnt, daß ich Straßenbilder mag?


     

Als ich vor langer Zeit Fotos des VoF’s sah, fiel mir auch ein Bild in die Hände, daß eine sich schlängelnde Straße zeigte, die mal wieder aussah, als wäre sie nur tagsüber über die Felsen gelegt worde und dieses Stückchen Straße suchte ich jetzt.
Da man auch hier nicht überall anhalten darf, arbeitete ich mal wieder beidhändig. Links das Lenkrad und rechts die Kamera im Anschlag.

  


Vom VC aus, geht eine Scenic Route nach Norden und auf dieser Strecke war ich wirklich nur am Fotografieren, denn die Streckenführung war wirklich genial.
Zum Laufen hatte ich heute keine große Lust mehr und so beschränkte ich mich nur auf einen Schnelldurchlauf des Parkes. Klar, werde jetzt wieder einige Leser die Hände über den Kopf zusammenschlagen, was ich hier so alles verpaßt habe, aber zum Glück war ich alleine unterwegs und niemand redete mir rein.
Es war ja nicht das letzte Mal, daß ich hier war, aber für heute hatte ich einfach nicht mehr den Nerv für größere Unternehmungen. Es macht für mich keinen Sinn, mir irgendetwas anzusehen oder lange irgendwohin zu wandern, wenn ich das, was ich zu Gesicht bekomme, nicht zu schätzen weiß. Ich will später nicht sagen müssen: „Ja, ich war da, weiß aber nicht mehr, ob es mir gefallen hat.“









Also mach ich es lieber kurz, setz den Ort auf die To Do Liste und fahre weiter.

Frage:
Was ist eigentlich der Unterschied zwischen den Autos, die auf der 167 nach Norden fahren, zu denen, die in südlicher Richtung unterwegs sind?
Die, die nach Norden fahren, sind waschanlagensauber. Picobello Clean.
Normal fällt mir das nicht auf, aber da ich seit Tagen mit einer Dreckkruste auf meinem Auto unterwegs war, blendeten mich die strahlend weißen entgegenkommenden Autos und so kam ich drauf, daß ja viele Reisende nach der Landung auf ihrer ersten Fahrt aus Las Vegas Richtung Norden in den VoF fahren. Außerdem war heute Montag und es paßte.
Alle, die mir entgegen kamen, hatten den Urlaub noch vor sich… und ich war mal wieder deprimiert.
War das erste Stück der 167 schon trostlos, so setzten die nächsten Meilen auf der Straße dem ganzen noch die Krone auf, denn es wurde gebaut.
Um in meinen Berichten Erwähnung zu finden, muß etwas schon ganz besonders sein, aber diese Baustelle hat es mit Sicherheit verdient.
Ich hätte mir hier mit Sicherheit mehrmals in den A… gebissen, wenn ich vor meiner Ankunft in Las Vegas das Auto einer Grundreinigung unterzogen hätte, denn ich habe noch nie erlebt, daß man innerhalb weniger Meter zum schmutzigsten wird, was die Erde aufzubieten hat.
Der Belag der Straße wurde, sicher wegen der ganzen Frostschäden im Winter , neu gemacht und so fuhren wir hinter einem „Follow me-Car“ her und während wir das taten, also die anderen 10 wartenden Autos und ich, wurde die komplette Schicht, die sich normal UNTER dem Asphalt befindet, in einer 1 zu 1 Kopie auf die Autos verteilt.
Ich weiß nicht, was die Leute da für den Straßenbau verwenden, aber die Kreidefelsen in Rügen wären bei diesem Anblick sicher noch weißer geworden, als sie so schon sind. Fuhr ich bis eben noch einen mittelschwarzen Wagen, war er nun hellgrauweißmelliert.
Und nicht nur das. Auch das Innenleben meines Gefährts hatte die Farbe angenommen. In nur wenigen Minuten war ich um 35 Jahre gealtert, denn ich roch nicht nur nach Erde…
Ich fragte mich ernsthaft, welcher Hirni auf die Idee kam, nach dem VoF noch zum Hoover Dam zu fahren. Dann wäre mir das ganze Theater hier erspart geblieben, ich würde jetzt unter der Dusche stehen oder mir den Strip ansehen oder was anderes tolles tun. Aber nein, ich bekam den Rachen mal wieder nicht voll. Hier noch was gucken, da noch was knipsen…schrecklich.
Aber was solls. ICH muß die Karre ja nachher nicht putzen.
Bei meiner Planung für heute hatte ich immer im Hinterkopf: egal was, egal, wie lange, aber 20 Uhr ist Auto-Abgabetermin.



Und da es erst kurz vor 4 war, beschloß ich doch, mir noch schnell die Bauphase des Bypasses am Hoover Dam anzusehen. Da braucht man nicht wandern oder ewig lange suchen, man fährt hin, guckt, knipst und fährt wieder. Bis Las Vegas war es nur noch eine halbe Stunde Fahrt und so war der Deal perfekt.
Als ich auf der 166 am Lake Mead vorbeifuhr, bin ich regelrecht vor dem niedrigen Wasserstand erschrocken. Leider gibt es kein Vergleichsfoto aus den Jahren davor, aber auch so war der Unterschied klar zu erkennen.



Die Leute, die sich hier einst ihr Häuschen gekauft hatten, waren damals sicher auch der Meinung, abend schnell mal von ihrer Terrasse aus ins Wasser zu hüpfen. Doch mittlerweile müssen sie sich dafür ein Wochenende frei nehmen, um es noch bis zum Arbeitsbeginn zum See zu schaffen.
Wo soll das noch enden?
Holt sich tatsächlich die Natur den vollgelaufenen Canyon zurück?
Die Sicherheitsvorkehrungen kurz vor dem Hoover Dam waren immer noch die gleichen und so hatte ich es nach kurzer Zeit geschafft und war vom Anblick der neuen Brücke überwältigt. Ich konnte mir ja schon vorstellen, daß sie groß sein würde, aber das das Teil SO riesig ist, hatte ich nicht gedacht.
Die Straße zum Dam führt unter der neuen Brücke lang und man fühlt sich plötzlich so winzig, wie eine Ameise im Grand Canyon. Unglaublich, was die Leute hier geschaffen haben. Ich nehme an, das Denkmal zu Ehren der Erbauer wird sicher noch einen Tacken größer



Mit dem Parkplatz hatte ich wirklich Glück, denn vor mir fuhr gerade ein Auto vom Platz.
Wow, das war stürmisch. Ich bekam kaum die Fahrertür auf und dann mußte ich noch aufpassen, daß sie mir nicht aus der Hand gerissen wurde. Wo kam plötzlich dieser Wind her?
Es war so ungemütlich, daß ich mich nach 4 Fotos wieder zum Auto wehen lies. Anders kann man es wirklich nicht sagen, und noch ein paar kmh mehr und die Sicherheitskräfte hätten Seile mit Karabinerhaken verteilt.





Als ich dem Damm den Rücken kehrte, hab ich mich gefragt, ob es wohl heute das letzte Mal gewesen war, daß ich über den Damm gefahren war?! Wird man später noch auf ihn drauf dürfen oder muß man ihn sich später nur von oben anschauen?
Ich ließ mich überraschen.

Je näher ich nun Las Vegas kam, um so dichter wurde der Verkehr. In Dt. käme jetzt sicher in den Nachrichten eine Staumeldung nach der anderen, aber hier hatte man beim Bau der Straßen mitgedacht, und gleich ein paar Spuren mehr gebaut.
Zu fünft fuhren wir also nun Richtung Stadt und ich war gespannt, wo mich Margret langführen würde. Mal wieder war ich froh, sie dabeizuhaben, denn so viele Straßen und Brücken und Abfahrten verwirrten mich komplett und ich sah nur anhand der Skyline, daß ich in etwa richtig war.



Endlich war ich auf der Tropicana angekommen und nun waren es sogar 6 Spuren in jede Richtung, die auch komplett genutzt wurden.
Trotz des ganzen Chaos, welches eigentlich keines war, denn es ging recht gesittet zu, hab ich die Stadt mit meinen Augen förmlich verschlungen. Ich mag Städte ja nicht besonders, aber Las Vegas ist schon eine Sache für sich. Man kann sie eigentlich mit gar nichts vergleichen.





Sie ist darauf aufgebaut, den Leuten auf so angenehme Art und Weise wie möglich das Geld aus der Tasche zu ziehen und so verwundert es niemanden, daß die meisten Gebäude und anderen errichteten Dinge Tankstellen, Freßtempel und Werbetafeln sind. Man wohnt außerhalb. Hier in der Innenstadt gibt man nur Geld aus oder guckt. Ich gehöre Gott sei Dank zur 2. Kategorie.
Punkt 18 Uhr hatte ich es endlich in mein Stamm-Motel, das Wild Wild West, welches jetzt ein Days Inn ist, geschafft und bekam sogar ein Zimmer mit Blick in Richtung Strip.



Was jetzt kam, war der schmutzigste Teil meiner ganzen Reise, denn nun hieß es: Auto ausräumen.
Während der ganzen 12 Tage hab ich versucht, so wenig Chaos wie möglich im Auto anzurichten, aber es ist praktisch unmöglich, Ordnung zu halten, wenn der Beifahrersitz leer ist.
Fast 30 min hab ich gebraucht, bis das Auto leer war und ich alles im Zimmer verteilt hatte. Alles, was noch im Auto war, war Margret, denn ich bezweifelte, daß ich das Mietwagenzentrum ohne ihre Hilfe finden würde.
Ich packte also mein Rucksäckel mit dem Geld, meiner Sonnenbrille, der Quittung für den Ölwechsel und einer Flasche Wasser und gab dem Schmutzfink ein letztes Mal die Möglichkeit, ein guter Gastgeber zu sein.
Entgegen meiner Befürchtungen ist es das leichteste in Vegas, den Weg zu Alamo zu finden, denn man muß nur den Strip weiter Richtung Süden fahren und nach nur wenigen km steht auch schon „Rental Car Return“ an den Vorwegweisern dran und es ist quasi ausgeschlossen, sich da zu verfahren.



Alle Mietwagenfirmen befinden sich unter einem Dach und jede Fa hat innerhalb der Zufahrt seine eigene Abfahrt. Sozusagen „Mietwagenrückgabe für Dummies“.
Alamo befindet sich im 2. Stock und nach nur 5 Minuten war alles erledigt. Ich schnappte alles, was sich noch im Auto befand, einschließlich Margret und schrieb noch schnell die Meilenendstände auf, tätschelte dem Auto nochmal den H…nein, das tat ich nicht, denn es hatt sich ja den Popo seit Tagen nicht abgewischt und marschierte mit meinem Ölwechselpapierchen zum Customer-Service-Häuschen, direkt hinter den anderen schmutzigen Autos.
Ich erklärte dem Mann in meinem Simple-Englisch, daß mein Schmutzfink nach neuem Öl verlangt hatte und ohne großes Primborium senkte der nette Herr meine Angangstankfüllung von 60$ auf 0$ herab.
Das nenn ich Service.
Mein Plan war jetzt gewesen, mit dem Shuttle zurück zum Airport zu fahren und dann eventuell mit einem Hotelshuttle irgendwo in die Stadt oder mich mit dem Taxi zurück ins Motel bringen lassen.
Leider waren grad keine Hotelshuttles am Airport und so machte ich es kurz und stieg in ein Taxi und meinte zum Fahrer, der aussah, als ob er in seiner Freizeit auch zu den Harleydrivern gehört: „Wild Wild West please“.
Und dann kam das, was ich am wenigsten erwartet hatte.
Meine Vorbereitungen zu Las Vegas hatten ergeben, daß eine Taxifahrt vom Airport zum südlichen Strip zwischen 13 und 16$ (incl. Tip) kostet und daß die Strecke ca. 2,5 Meilen lang ist. Mit dieser Information hab ich mein Bargeld kalkuliert und mir soviel aufgehoben, daß es auch noch für die 2. Taxifahrt zurück zum Flughafen plus evtl. einer Fahrt vom Strip zum Motel reicht.
Doch dieser miese. &§“&%!& nahm die für ihn rentablere Strecke durch den Tunnel und verteuerte so meine Fahrt um 10$.
Ich war so sauer und wütend und… war, daß ich nach nur 2 Minuten Kopfschmerzen bekam.
Nachher hatte ich im Netz gelesen, daß man es „getunnelt“ nennt, wenn Taxifahrer ihre Kundschaft auf dem angeblich schnelleren Weg zur Stadt bringen. Das diese Strecke 5 Meilen länger ist, sagen sie einem jedoch nicht.
Er hatte mir übrigens nur 2 Worte zu sagen: „Hi“ und „Thanks“.
Schade, daß ich mir nicht seine Taxinummer gemerkt hatte, der hätte sich über eine kleine Rache von mir sicher gefreut.
Auf die Stadt hatte ich natürlich jetzt keine Lust mehr und außerdem wurde es hier schon zeitiger dunkel, als die Tage davor, denn mal wieder mußte ich dank Pacific-Time die Uhr umstellen.
Ich schluckte also nur noch etwas gegen die Kopfschmerzen und legte mich ins Bett, wo ich auch bald darauf selig einschlummerte.



Gefahrene Meilen: 290



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