16. Mai 2011                                                       85°F   

direkt zum Thema Petroglyphs NM

So langsam neigte sich meine New Mexico-Zeit dem Ende entgegen und ich fand es auch gut so. Den größten Schritt bis an die arizonaische Grenze machte ich heute, in dem ich einen Fahrtag einlegte, der mich bis nach Grants brachte.


Ein bisschen was wollte ich mir zwar unterwegs auch anschauen, aber es war jetzt nichts Weltbewegendes. Eher was zum Füße vertreten.

Da ja bekanntlich gestern Sonntag war und alle öffentlichen Stellen geschlossen hatten, drehte ich heute noch einmal eine Abschiedsrunde durch Santa Fe, um bei all denen kurz zu halten, die Stempel im Angebot hatten.



Ich hatte es zwar nicht geplant, aber da ich schon mal am Capitol vorbei kam, konnte ich auch schnell halten und ein paar Fotos vom Innenleben der Regierung schießen. Ich finde es ja schade, dass das Capitol von New Mexico so anders aussieht, als man es von Capitolsen gewohnt war.


Keine goldene Kuppel, keine riesigen Stufen zur Eingangstür, keine Säulen und innen fehlten mir auch die Gemälde der ehemaligen. Es gab sie zwar, aber dazu musste man in den 3. Stock.

Naja, was soll. Ich will ja hier nicht einziehen.

  





Meine Fahrt ging dann weiter zum Nationalpark Service irgendwo im Nordosten der Stadt und ich schaffte es sogar, pünktlich zur „Ladenöffnung“ da zu sein.
Die Betonung liegt aber auf „ICH schaffte es…“, der Hausherr lies allerdings mal

 

wieder auf sich warten. Ich hatte doch tatsächlich ein Dejavu…
Als dann 10 nach 10 endlich der

  

Oberstempler angetrabt kam, sah man schon den Grund.
Mit seinen 150kg Lebendgewicht

war es halt nicht so einfach, ohne den McDonalds Milchshake zu verschütten, aus dem Auto zu kriechen. Diesmal blieb ich allerdings ruhig, obwohl ich zu gern ein paar Worte zum Thema Pünktlichkeit verloren hätte.




Aber als Entschädigung bekam ich dann auch 5 Stempel. Ne feine Sache. Damit hätte ich die 85 erreicht.

Die Stempelaktion im BLM an der Interstate war schneller erledigt, obwohl mir der Obervorsteher am liebsten den ganzen Tag Tipps zu allen möglichen Parks gegeben hätte. Mit 2 Stempeln mehr und einer Hand voll Broschüren verlies ich die Halle und konnte zum Ziel Nummer 1 aufbrechen:



Hier soll es hunderte in Stein gekratzte Schrift- und Bildzeichen der Vorfahren der Vorfahren geben und das wollte ich mir mal aus der Nähe anschauen.

Wie bei mir üblich, ist die erste Adresse immer das Visitorcenter.


 


Ich weiß nicht, ob ich es schon mal erwähnt hatte, aber mir ist in letzter Zeit immer wieder aufgefallen, dass je kleiner ein Park oder Monument ist, um so größer ist der Parkplatz vor dem Besucherzentrum.
Heute Morgen war ich die einzige, die darauf parkte und mein kleines graues Auto sah so richtig verloren darauf aus. Hier gab es mehr Stellplätze, als bei den größten Supermärkten in Deutschland.


Wie man allerdings auf die Idee kommt, ein Visitor Center da zu bauen, wo man sich nichts anschauen kann, ist mir schleierhaft. Da baut der us-amerikanische Staat ein Besucherzentrum für ne halbe Mio irgendwo ins Gelände, pflastert davor alles mit sicher hundert Parkplätzen voll, nur, um den Leuten Bücher, Postkarten und Kartenmaterial von einer sich langweilenden älteren Dame anzudrehen.

Sonst gab es da nämlich nichts. Außer Toiletten.


(anklicken für pdf-Vollversion)

Die Petroglyphen und Trails befanden sich an ganz anderer Stelle. Schon irre manchmal..



Bevor ich aufbrach, musste ich mich mal wieder entscheiden, ob ich zum südlichen oder zum nördlichen Außenbezirk wollte. Da auf der Karte der südliche größer war, entschied ich mich dafür, denn ich hatte ja Zeit ohne Ende.

Auch hier war nicht besonders viel los, gerade mal 3 Autos standen auf dem Parkplatz und wieder fragte ich mich, was das denn hier wohl so jährlich kostet.
So riesig das Gelände auch war, gab es doch hier trotzdem nur ein Trail und das war ein Rundkurs von 3 Meilen Länge.

Ich sagte mir, wenn es mir nicht gefällt, oder zu heiß wird, denn die Sonne meinte es heute wirklich gut mit mir, oder ich sonst wie nach einer Zeit genug oder ausreichend Fotos haben sollte, kann ich ja immer noch umdrehen. So stapfte ich los und der Anfang war schon mal gewöhnungsbedürftig. Es ging nämlich die ganze Zeit durch tiefen Sand.

Links war eine riesige Freifläche mit Büschen und vertrockneten Gräsern, wie sie hier nun mal im Südwesten vorkommen und rechts vom Weg ging es einen Hang steil nach oben, der über und über mit schwarzen Steinen übersät war. Irgendwie erinnerte mich das an den Braunkohlentagebau bei Senftenberg, nur war es da sicher nicht so heiß wie hier.
  

Hier sollten also jetzt auf den Steinen die berühmten Zeichnungen zu finden sein.

Nun gut, dann schau ich mal nen bisschen.

Allerdings war das leichter gesagt, als getan, denn einerseits musste man aufpassen, wohin man trat, andererseits war es immer noch sehr sandig, was ein Vorankommen erschwerte und dann lagen hier SO viele Steine rum, dass mir bald schummerig wurde.

Egal, wohin man schaute, überall sah man schwarz. Man könnte auch sagen, mir wurde schwarz vor Augen. Egal, wie ich es ausdrückte, es blieb was es war: ein Puzzle mit 1000 Teilen und kein Anfang in Sicht.

Schon nach 500m hatte ich keine Lust mehr. Man sah zwar ab und an ein paar Kratzer auf dem Stein, aber weder rechtfertigte das meinen Spaziergang, noch dass man hier ein Monument errichtete.

So lief ich dahin, immer 2 Schritte vor und einen zurück, geradeaus gucken, stolpern, rechts gucken, Schummer vor den Augen, ahhhh….da, ein Männeken…geradeaus gucken, stolpern.

Ne Leute, was ein Unfug.

   


Leider war ich schon soweit gegangen, dass ich mittlerweile weiter war, wäre ich umgedreht, als würde ich den Weg bis zu ende gehen. Meine Flasche Wasser war auch schon halb leer, ich hätte halb voll geschrieben, wäre der Trail interessant, aber so war sie eben halb leer und die Sonne brannte vom Himmel und meine Fotoausbeute betrug ganze magere 4 Stück.
Mit jedem Schritt, den ich durch die Gegend stolperte, wurde meine Laune schlechter und in meinem Kopf formten sich immer wüstere und rachsüchtigere Gedanken. ( )

Der Weg war zwar ein Rundweg, aber die 2. Hälfte führte fast parallel zur ersten Hälfte und irgendwann, als ich schon Köpfe rollen sah, bin ich einfach querfeldein gegangen und war von den 3 Meilen am Ende sicher nur 2,8 gelaufen.

Die zweite Hälfte verlief übrigens über die weite Fläche, die ich zu Anfang beschrieben hatte. Weit und breit keine Steine, keine Hyroglyphen und kein sonst was. Wer sich das ausgedacht hat, den würde ich feuern, wäre ich da Chef. Ach nein, ich würde das ganze Monument schließen und es sich selbst überlassen.

Die Steine liegen von der Stadt soweit weg, das würde gar nicht auffallen, dass da mal was war…

Bevor ich mich wieder dem Fahren zuwandte, hab ich erstmal die Schuhe gewechselt und den Füßen etwas mehr Luft gegönnt. Hach, was tat das gut.

Nach dem ganzen Trist überlegte ich natürlich, ob ich mir die nördliche Stelle auch mal anschauen soll und entschied dann: hinfahren kann man ja mal.


(das Bild passt nicht zum Text, aber irgendwas muß ja den Bericht auflockern)


Ich mach jetzt kurz: ich war da, hab gesehen, dass da nen paar Leute einen 200m-Hang hochklettern und war schneller wieder auf der Straße, als ein Kuh muh sagen kann.


Im Internet hatte ich Bilder und Informationen über eine Pueblo Siedlung gefunden und nachdem ich von Albuquerque aus 80km Richtung Westen gefahren war, bog ich nach links auf die Indian Rt 22/State Rt 23 ab und wollte mich mal überraschen lassen, was Sky City, wie sie auch genannt wird, so zu bieten hat.

Da ich nur der Minimalplaner bin, also bei google Map schau, wo viele Bilder sind und danach fahre, und nicht der akribische Planer, der jeden cm vorher recherchiert, wusste ich nur, dass es da was Altes zum Gucken gab. Mehr aber nicht.



Die Landschaft war übrigens richtig erholsam für meine New Mexico geschädigten Augen. Endlich gab es mal wieder rote Felsen und Struktur in der Landschaft.

Als ich in Acoma ankam, sah es recht ausgestorben aus. Kaum Menschen und wenig Häuser. Nur in der Mitte des Ortes gab es ein riesiges, neu errichtetes Gebäude, das recht schön in die Landschaft passte.

Ich fuhr einfach mal auf den Parkplatz, um mir das ganze näher anzuschauen.

Irgendwie erschloß sich mir das ganze aber nicht. Ich lief einmal um das Haus rum, und an der Vorderseite schien eine Art Café zu sein. Daneben gab es Toiletten, die aber geschlossen hatten. Das wars. Sonst keine Schilder, Menschen oder sonstige Hinweise auf irgendwas. Nur eine handvoll Natives saßen davor im Schatten und wollten ihre Waren verkaufen.

Ich bin wieder Richtung Parkplatz gelaufen und kam am Hintereingang vorbei. Eine riesige Holztür versperrte mir den Weg und ich dachte mir, klink ich doch einfach mal. Vielleicht landeste ja in der Gesindeküche

Wow…keine Küche. Es war ein Haupteingang.



Und was sah ich da? Ein Tresen und dahinter eine weitere Native, die sofort aufsprang, als sie mich sah. (Sowas mag ich ja gar nicht. Leute, die sich sofort auf Kundschaft stürzen..)

Sie begrüßte mich herzlich und mein Blick schwiffte einmal um 180° durch den Raum und blieb an einem Schild hängen, deren erste Zeile wie folgt lautete:

Visitor: Adult 20$

Mein erster Gedanke war leider auch mein letzter in diesem Haus:

ZWANZIG DOLLAR UM MIR EIN HAUS ANZUSEHEN ????
Und schwupps, war ich wieder in meinem Auto und auf dem Weg nach Grants ins Motel.



Wie ich später im Forum erfuhr, waren es nicht 20$ für das Haus, sondern für eine Tour den Berg hoch, um sich weitere Alteingesessene anzuschauen. 


Da ich aber in den letzten Tagen schon genug alte Mauerreste gesehen hatte, war die verloren gegangen Chance nicht sonderlich schmerzlich. Eher im Gegenteil. So hatte ich 20$ mehr, die ich in ein anständiges Steak investieren konnte.

Kurz bevor man nach Grants kommt, befindet sich auf der linken Seite, wenn man nach Westen fährt, ein Welcome Center. Auch hier passt die Geschichte mit den Kosten, die ich erst bei den Petroglyphs erzählt hatte. Ein riesiges Visitor Center, Millionen Stellflächen und kein Schw… da. Ich allein mit einem Oberstempler. Man hatte der sich gefreut, endlich was zu tun zu bekommen.

Und weil es ihm so viel Spaß machte, hab ich ihm natürlich auch haufenweise Fragen gestellt, deren Antworten mich eigentlich gar nicht interessiert haben. Z.B. was man unbedingt im El Malpais NM, welches ich mir morgen anschaue, gesehen haben muß. Das klingt zwar jetzt böse, aber wenn man bedenkt, dass es da eh nur 3 Wege gibt...

Der restliche Tag ist eigentlich schnell erzählt, denn außer, dass ich in Grants noch beim Walmart war und einmal durchs Dorf gefahren war, um mal wieder festzustellen, dass die Größe der Orte logisch ist, hab ich nichts weiter gemacht.


Wieso es logisch ist?
Nunja, angefangen hat es sicher mit einem Gebäude. Nach und nach kamen weitere hinzu und eine Straße. So ging es immer weiter und weiter und irgendwann, als das erste und zweite und dritte Gebäude zu alt waren, verfielen sie. Statt sie aber abzureißen, um etwas Neues zu bauen, erweiterte sich der Ort in der Breite, anstatt in der Tiefe. Um es kurz zu machen: es fängt in der Mitte an zu faulen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich Motels und Tankstellen immer an Anfang UND Ende des Ortes befinden und in der Mitte alles tot ist. In einigen Jahren sind dann auch aus einem Ort zwei geworden. Wie Budapest. Nur andersrum.

gefahrene Meilen: 187

________________________________________________________________

Motel: Motel6, Grants

gebucht: direkt bei motel6.com für 46$ incl. Tax

Bewertung: normales Motel6 ohne nennenswerte negative oder positive Dinge

free WiFi

 







                                            Startseite: