Tag 16 - 11. Mai


Die halbe Nacht lag ich wegen der laufenen Klimaanlage des Zimmernachbarn über mir wach. Eigentlich war es nicht die Anlage, die mich wach hielt, sondern eher das daraus resultierende Vibrieren der Fensterscheibe in meinem Zimmer.
Es hat ewig gedauert, bis ich rausgefunden hab, wie ich den rasselnden Lärm abstellen kann, denn auf das Fenster kam ich erst später.

Da ich heute nur ein Ziel hatte, nämlich einen knochenunschonenden Stadtbummel, blieb ich noch etwas länger im Bett und mal wieder bedauerte ich meine unpräzise Urlaubsvorbereitung, denn ich hatte mal wieder ein Zimmer ohne Kaffeemaschine erwischt. Und irgendwie bin ich ohne Kaffee nur nen halber Mensch.
Irgendwann schaffte ich es nun doch, mich aufzurappeln und nach einem leckeren Frühstück mit genug Kaffee bei Dennys, welcher im Motel zu finden war, schnürte ich meine Schuhe und begab mich auf die Suche nach Fleckchen, die ich von dieser Stadt noch nicht gesehen hatte.



Der Weg vom Motel Richtung Strip führt offiziell durch eine Unterführung, welche tagsüber ja noch ok ist, bei der ich aber, wenn es dunkler wird, immer ein klein wenig Magengrummeln bekomme, da sich dort ab und an Gestalten rumtreiben, die man irgendwie nicht als Freunde haben möchte.
Heute kam mir jedoch mal wieder der Zufall zu Hilfe, denn an der 2. Fußgängerampel überholte mich eine Frau, die anscheinend eine Einheimische war und sie lief NICHT durch die Unterführung, sondern verbotener Weise über eine Blumenrabatte und dann über die Hauptstraße zurück auf den Fußweg.
Beim Warten an der Straße meinte sie nur, daß der Weg kürzer und nicht so gefährlich sei, wie der andere.

   
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Durch diese Aktion bekam meine Tagesplanung eine ganz andere Form, denn so mußte ich nicht zwangsläufig schon im Hellen wieder im Motel sein. Keine dunklen Gestalten = kein Grund zur Panik = Las Vegas bei Nacht
Die Hotels des südlichen Strips ließ ich heute links liegen, denn mein Ziel war, es endlich mal wieder bis zum Wynn zu schaffen. Normal mußte ich nämlich immer schon wegen Kreuz-Knochen-Rücken-Gelenkschmerzen am Venetian umdrehen und den Heimweg antreten. 



Leider war der Wettergott heute arg schlecht gelaunt, denn es war, um es mal auf hochdeutsch zu sagen, schweinekalt und dazu blies noch ein kräftiger eisiger Wind, der sich an den Häuserecken noch verstärkte.
Ich hatte nur eine dünne Hose und ein Poloshirt an und mein Zähneklappern hat man nur deswegen nicht gehört, weil der Wind ein paar db mehr drauf hatte.
Ich war bisher 2x im Mai in Las Vegas gewesen und immer war es sommerlich heiß, sodaß man froh war, endlich mal in ein runtergekühltes Casino gehen zu können. Heute war es andersrum: man hatte geheizt…





Besonders gespannt war ich auf das City Center gewesen, denn dieses wurde ja erst letzten Dezember eröffnet.
Allerdings hielt es nicht, was es versprach. Es war eine Mischung aus klaren Formen und eiskalter Langeweile. 



Architektonisch war es sicher eine Meisterleistung, aber ich kann jetzt nicht sagen, daß man Las Vegas nicht gesehen hat, wenn man nicht in einem dieser Gebäude gewesen war.

Ganz am Strip hatte man so eine Art Würfel gebaut, der als Shoppingbereich mit Restaurant angelegt war und durch den ich mal kurz schlenderte.

Fad.
Langweilig.
Steril.

Klinisch rein, wie ein OP vor einer Herztransplantation.
Das einzige, was die klaren Linien störte, war ein Angestellter mit einem Riesenwischmop. Außerdem waren 3 von 5 Läden noch nicht eröffnet und so war ich schneller wieder draußen, als ich reingegangen war.

 


   
                                       in dem Holzgeflecht befindet sich ein Restaurant...

Das Gute an den bisherigen Striphotels war, daß der Eingang direkt an der Straße lag und man mal eben schnell gucken konnte.



Das City Center hatte den Haupteingang 300m weit vom Strip versetzt und so würde es mich schwer wundern, wenn dieser Gebäudekomplex je Bewunderer und Anhänger oder sonstige Gäste bekommt.

Auch sonst war mir die rechte Seite des Strips viel lieber, weil da der Bär steppte. Da war immer etwas los, da waren mehr Geschäfte, Fresstempel und Spielhallen.
Es gab eigentlich nur einen Grund, die Seiten zu wechseln, und das waren die Bellagio-Fontaines, die aber erst am späten Nachmittag ihren Betrieb aufnahmen.
Irgendwann hatte ich es dann doch bis zur Fashion Show Mall geschafft, aber auch hier war es fast schon menschenleer. War hier immer noch die Rezession im Gange? Egal, in welches Geschäft man schaute, alles, was die Verkäufer taten, war, auf die Uhr gucken und hoffen, daß bald Feierabend ist. Ein harter Job…

 


So langsam meldeten sich auch meine alten Knochen und ich machte kehrt und lief zurück zum Motel, wo ich mich 4 Stunden aufs Ohr legte.
Heute abend wollte ich mir ein hübsches Steakhouse suchen und den Tag beim Bellagio schön ausklingen lassen.
Kurz bevor es dann zur 2. Schicht ging, überlegte ich es mir natürlich nochmal anders und verschob das Steak auf morgen. Heute war mir plötzlich nach einem Buffet und ich ging kurz ins Netz, um zu schauen, welches preislich und qualitativ am besten abschnitt.
Zur Auswahl hatte ich am Ende das Monte Carlo und das Luxor.
Beide hatten gute Kritiken bekommen und lagen preislich in meinem Rahmen. Wohin ich gehen würde, wollte ich dem Zufall überlassen.


 Erstmal packte ich mich etwas wärmer ein, als noch heute morgen, denn ich hatte keine Lust, nochmal 4 Stunden vor mich hinzuklappern.
Ganz langsam schlenderte ich Richtung Bellagio, denn mein Magen wußte zu dem Zeitpunkt noch nicht, ob er überhaupt Hunger oder nur wenig Appetit hatte. Ich suchte mir also eine schöne Stelle bei den Fontänen und wartete gemütlich vor mich hin. 

Im Fernsehen hab ich vor einigen Monaten eine Reportage gesehen, bei der es u.a. auch um diese Wasserspiele ging und der, der sich das alles hier ausdenkt, meinte, daß er jedes Jahr 2 neue Stücke ins Programm nimmt und so hoffte ich inständig, daß ich nicht wirklich nur „Time to say good bye“ oder dieses andere, mit der sinkenden Titanic zu hören bekam.
Tja…
Aber leider hat da wer meine Wünsche nicht richtig vernommen, was sicher am noch immer recht windigen Wind lag, denn nach 15 Minuten des Wartens, sank mal wieder ein riesiges Schiff in den eisigen Fluten des Atlantiks und ich konnte machen, was ich wollte, es ließ sich nicht verhindern…
Zu guter letzt wurde ich auch noch samt meiner Kamera nass gemacht, denn jedesmal, wenn die Fontainen besonders hoch waren, kam eine klitzkleine Windböe und schwupps…wieder ein Tropfen auf der Linse.
 







Nachdem wir allesamt untergegangen und meine Kamera vom Wasser befreit war, schlenderte ich wieder Richtung Süden und entschied mich spontan für das Monte Carlo Buffet.

Ich will hier nicht alle meine Tellerinhalte breittreten, aber soviel muß ich dazu sagen:

Ich hab schon besser gebuffet.

Irgendwie war nichts für mich dabei, was mich vom Hocker gehauen hat. Es war alles schonmal irgendwie da. Es gibt eigentlich nicht viel, was ich nicht esse, meist scheitert es an irgendwelchen kleinen Zutaten oder Gewürzen, weshalb ich dieses oder jenes ablehne und heute war so ein Abend, an dem man es besonders „gut“ mit mir meinte, denn überall stand geschrieben: Spicy, chilli, hot… und das ist nun nicht so mein Fall. Auch dieses mexikanische Essen mit den ganzen komischen Namen sagte mir nicht zu.

In meiner Gesamtwertung belegte daher das Monte Carlo Buffet den letzten Platz, was immer noch dem Vizemeister entsprach.

Mein Verdauungsspaziergang führte mich mal wieder an den Visitenkartenklatschern vorbei und es hätte nicht lange gedauert und ich hätte einem dieser Kartenverteiler meinen deutschen Unmut darüber um die Ohren gehauen, ob ich denn wirklich so aussehe, als würde ich irgendwelche geldgeilen Stripnutten anrufen wollen?

    

    


Das Musikstück, was man am Bellagio dann zum Besten gab, war auch nicht der Brüller und so verabschiedete ich mich für heute von der Straße der Sünde, knipste auf dem Heimweg noch ein wenig vor mich hin, denn langsam gingen hier die Lichter an.
Nachdem ich die wenigen Fotos von heute überspielt und mich nach dem morgigen Wetter erkundigt hatte, legte ich mich schlafen, denn den ganzen Tag auf Pflaster unterwegs zu sein, macht mich immer unheimlich müde…






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