Solvang war dann wie vom Regen in die Traufe. Vom Nichts ins volle pralle Leben. Sollte ich das nächste Jahr wieder in die Staaten reisen können, werden es definitiv weniger Orte sein, die mehr als 10.000 Einwohner haben.

Immer, wenn ich an den ersten 10 Tankstellen vorbeikomme, bin ich innerlich gestresst.  Einfach eine Stadt auf die To Do Liste setzen genügt nicht. Sowas muß ganz penibel recherchiert und geplant werden. Was gibt es zu sehen? Wo gibt es das zu sehen? An welchem Wochentag ist geschlossen? Wo parke ich und wieviel kostet es? 



Das Problem hat man bei Nationalparks oder Monuments nie. Hinfahren, kostenlos auf den riesigen Parkplätzen parken, anschauen was und wie lange man möchte und das 7 Tage die Woche. UND man zahlt nur 80$ im Jahr. Karte zeigen, fertig.
Aber so eine Stadt ist schon ein anderes Kaliber.



Die Häuser der dänischen Einwanderer sehen toll aus, keine Frage, aber das ganze Szenario wird durch die blöden Geschäfte und deren Werbetafeln kaputt gemacht. Fachwerk kommerziell. Altertum trifft auf Neuzeit. Glockengeläut links, free Wifi rechts. Man weiß gar nicht, ob man die Häuser fotografiert oder die Werbung. Wenn man schon etwas wegen der Schönheit oder des Alters erhält, dann aber bitte ohne Souvenirshops mittendrin.



Santa Barbara setzt dem natürlich noch eins drauf. 1 Mio Straßen und Kreuzungen mit 4 Mio Ampeln, 5 Mio Autos und 10 Mio Touristen und Yachtbesitzer. Ich hab getan, daß ich schnell Land gewinne.

Nachdem ich in Lone Pine im Best Western übernachtet hatte, beschloß ich für mich, daß ich während dieser Reise in keinem Motel 6 mehr übernachte. Nichts gegen diese Motelkette, aber es ist schon irgendwie schön, wenn man nicht nur ein sauberes Zimmer mit einem Bett und einen Fernseher bekommt, sondern auch noch eine Kaffeemaschine und eine Mikrowelle dazu. Und wenn das Motel ganz nett ist, gibt’s sogar noch einen Gratiskugelschreiber dazu und eine Liste, auf denen die Fernsehprogramme der Reihe nach aufgeschrieben sind. Diese ewige Suche nach cnn nervte vor allem während dieser 3 Wochen gewaltig. Jeden Tag eine andere Nummer.
Zurück zum Thema.



Motel 6 war gestrichen bzw gecancelt, dafür gab es heute ein Country Inn & Suites by Carlson mit teils vernichtenden Kritiken.



Der Zug würde fast durchs Zimmer fahren und man muß froh sein, wenn man Straßenlärm gewöhnt war, denn auch die 101 verlief am Zimmerfenster entlang.
Da ich aber ein Engel auf Reisen war, ging der Kelch an mir vorüber und ich bekam ein Zimmer mit Blick auf den Parkplatz. Nix Zug. Nix Highway und am nächsten Morgen gibt’s hauseigenes warmes Frühstück.



Das Hotel samt Zimmer war schnieke, wie die Berliner sagen würden. Nur das Internet war grottig. Mal gab es ein Signal und mal nicht. Der Teppichboden im Zimmer ist jetzt etwas dünner wegen der ganzen Lauferei.




Heute war mein letzter Tag am Pazifik und wer weiß, wann ich wieder hierher komme. Und um den Abschied so richtig zu zelebrieren, suchte ich mir einen hotelnahen Strand und schaute dem Sonnenuntergang zu. Nein, ich verdrückte keine Träne, aber etwas melancholisch war mir schon zumute.




gefahrene Meilen: 150