Dienstag, 10. Juni                                                                      98°F + X


Ich fürchte ja, der Tag heute wird genauso kilometerlastig und highlightarm, wie der gestrige, aber wenn man sich in den Kopf setzt, unbedingt die Plantagengegenden South Carolines zu sehen, dann nimmt man das in Kauf.
Fahren wir nach Süden.

Das heute der heißeste Tag meiner Reise sein wird, ahne ich noch nicht. Auch als ich am Cape Lookout NS ankomme, ist es zwar warm, aber angenehm.


Ich bin eines der einzigen „Gäste“ des National Seashores und kaum springe ich aus dem Auto, werde ich von einem Fährmann gefragt, ob ich eine Fährfahrt zu den Inseln machen möchte, die vor der Küste als natürliche Barriere liegen.
Würden wollen täte ich ja gern, aber leider läßt es mein straffer Zeitplan nicht zu, mich 2x 30 Minuten irgendwo hinschippern zu lassen und die Insel müßte ich mir ja dann samt Leuchtturm auch noch ansehen. Beim nächsten Mal vielleicht.
Stattdessen laufe ich mal wieder einen Nature Trail am Sound entlang, der sich als Reinfall entpuppt.


Aber das Thema hatten wir im Februar schon. Nature Trails taugen nie was, weil man außer ein paar Pflanzen nix sieht, weswegen man die Kamera aus dem Rucksack holen sollte.

Keine 20 Minuten später verlasse ich Cape Lookout und begebe mich auf lange Fahrt zum Moores Creek National Battlefield. Eine lange, endlose Fahrt durch North Carolinas Wohn-, Industrie- und Agrarviertel. Der ganze Staat sagte mir nicht so zu. Es gibt nichts, wofür es sich unterwegs lohnt, anzuhalten. Keine schönen Wohnhäuser mit weißen Säulen und Veranden mit Schaukelstühlen, keine Mansions oder sonst wie schicke Örtchen.



Alles ist hier nur grün und grün und dann kommt ein kaputter Wohnwagen, dann wieder Industriegebiet und weitere 10 Meilen Landschaft in grün.
Gewohnt wird hier zu 90% in diesen Trailern, die man, wenn man es denn möchte und die Faxen dicke von NC hat, einfach auf einen Truck verladen lassen und an anderer Stelle wieder aufstellen kann. 



Richtige Häuser sieht man nur in größeren Ortschaften. Aber trotzdem gibt es hier nicht ein Gebäude aus Stein. Und bald beginnt die Hurricanesaison…
Irgendwo auf halber Strecke bekam ich Hunger und dachte mir, ein Picknick wäre jetzt genau richtig und steuerte den nächsten Park an, in dem es diese Picknicktische gibt. Ich halte an, steige aus dem Auto und falle im gleichen Moment wieder rückwärts ins Auto und schließe die Tür.
Mann, was ist das da draußen?
Ich schaue zur Temperaturanzeige: 97°F
Aber nicht irgendeine 97°, sondern Südstaaten-97°. Das sind umgerechnet deutsche 36°C + 110% Luftfeuchtigkeit, die einem die Haut verbrühen. Es war der Wahnsinn.
Und dabei stand ich schon im Schatten.
Normalerweise ist es recht angenehm, wenn das Auto im Schatten steht und man am Kofferraum picknickt. Man hat einige Minuten Ruhe, kann in der Gegend rumgucken, überlegen, was man als nächstes macht und nebenbei schmiert man Schnittchen. Doch hier wird es sicher zur Tortur werden. Hier wird die Butter auf dem Weg von der Kühlbox zum Mund ranzig und der Käse beginnt ein neues Leben. Aber was soll‘s, ich hatte Hunger und keine Wahl.
Eine Minute später wurde mir die Entscheidung allerdings abgenommen, ob ich was esse und wie lange. Mein Brot hatte blaue Flecken. Seht ihr, ich wußtes. Zu heiß, um zu überleben.
Das Frühstück wurde vertagt und das Brot entsorgt.
Moores Creek NB.



„…und es wird noch heißer…!“
99°F.
Ich brech gleich zusammen. Wie soll ich mir was ansehen, wenn ich mit Überleben beschäftigt bin?
Ich war auch hier der einzige Gast. Nur das Rangerauto stand noch auf dem Parkplatz, sonst war niemand weit und breit zu sehen.

  



Ich schnappte mir mein Stempelbuch und … stand vor verschlossener Tür.
Mittagspause oder wie?
Zum Glück hat man den/das Pult mit den Stempeln in den frei zugänglichen Vorraum gestellt. So war es halb so schlimm.



Ich hatte grad mal 1 Minute die schützende Hülle des Autos verlassen und war schon triefend nass. Aber das half mir jetzt alles nichts, ich muß hier wenigstens zwei, drei Fotos machen, damit der heutige Bericht nicht nur aus Buchstaben besteht.


Ich holte mir eine Flasche Wasser aus dem Auto und lief den zum größten Teil überschatteten (heißt das so? Überschattet?) Trail durch das Schlachtfeld, von dem natürlich auch nur noch eine Wiese übrig war.


Es ging auch an einem Creek vorbei, deswegen der Name: Moores Creek und kaum war ich am Wasser, sprangen alle sich hier befindlichen Schildkröten mit Hechtsprung ins Wasser. Kein Witz. Sie sonnten sich auf diesen ins Wasser hängenden Ästen und platsch…weg waren sie.
Angsthasen.
Wo ich gar kein Schildkrötenfleisch esse

      

Nach 15 Minuten und nach 10 Fotos traf ich puterrot am Auto an und brauchte erstmal eine Pause. Hitze kann so anstrengend sein.

Bis zu meinem Tagesziel Wilmington waren es ca. 50km und so lange brauchte mein Körper auch, um wieder zum Normalzustand zurückzukehren.