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   18. Mai 2011                                 50°F  



Das Wecken übernahm heute Morgen kurz nach 5 ein laufender Motor eines Trucks, der auf dem Hof stand. Es ist eine furchtbare Unart, dass man hier in den Staaten erst mit dem Fahren beginnt, wenn der Motor heiß und die Fahrerkabine wohl temperiert ist.

Haben die Leute kein Rücksichtsgefühl? Meinen sie, nur weil für sie die Nacht zu Ende ist, dass auch der Rest nicht mehr schlafen darf? Es hätte nicht viel gefehlt und ich wäre aus dem Zimmer gestürmt, um den Zündschlüssel rumzudrehen. Gott sei Dank, für ihn, war er schneller mit wegfahren…

Für 2 Stunden konnte ich noch etwas vor mich hin dösen, aber 7 Uhr war ich endgültig munter.

Das Wetter zeigte sich von seiner angenehmen Seite, was bedeutet: mittelwarm und Schäfchenwolken.

Heute war der Tag, an dem ich New Mexico endlich verließ und an dem das Ende meiner Reise eingeläutet wurde. Mein Rückflug ging nicht von Nevada, sondern von Arizona aus. Bis dahin waren es aber noch einige Meilen bei hoffentlich schönem Wetter und damit ich auch alles schaffte, packte ich meine Sachen und drehte Gallup 8 Uhr den Rücken.

Tagesziel war heute Holbrook in Arizona, was eigentlich nur knappe 100 Meilen entfernt lag, aber heute hatte meine Tour einen extremen Schlenker Richtung Norden drin. Immer hatte ich nach einer Möglichkeit gesucht, mir das Canyon de Chelly NM anzusehen, ohne arm zu werden. Von dem Park zum nächsten Motel sind es zwar nur wenige Meter, aber leider gehöre ich nicht zu den Menschen, die sich eine Übernachtung um die 100$ leisten können.

Ansonsten gab es in der näheren Umgebung keine Motels und so blieb der Nordosten Arizonas immer außerhalb meiner Planungen. Dieses Mal war es jedoch anders. Meine Tour war dieses Jahr schon eh meilenlastig und so spielte es keine Rolle, dass ich nur wegen des Parkes einen 200-Meilen-Umweg in Kauf nahm.


Meine Route führte mich nordwärts über die Indian Route 12 und dann weiter Richtung Holbrook über die AZ 191.
Laut Wetterbericht sollte es zwar nicht so prickelnd werden, aber noch konnte ich mich nicht beklagen. Sprachs und schon sah ich am Horizont eine dunkle Wand aufziehen.
Quasi ab Staatsgrenze Arizona begann es zu regnen und hörte erst auf, als ich 4 Stunden später bei Tagesziel 2 ankam.

Der Regen war der Hauptgrund, weswegen es heute so gut wie keine Fotos gab, obwohl die IR 12 eine wirklich wunderschöne Strecke ist. Am Anfang fährt man an roten Felsen vorbei, dann kommt man in ein Gebiet mit Bergen, dann durch Wald. Es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Keine Meile gleicht der anderen. Wenn der Regen nur nicht wäre.


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Je weiter ich in Richtung Canyon de Chelly kam, umso mieser wurde das Wetter. Hatte ich zu Beginn noch 55°, waren es jetzt kaum mehr 45°(6°C). Ein Wolkenbruch jagte den nächsten und auch Graupel mischte sich ab und an mit drunter. Das war heute gar nichts. Das war absolut schrecklich. Das war echtes New Mexicowetter. Zu dem, was man da NICHT sah, passte der Regen hervorragend.

 

Der Canyon sollte ein Highlight meiner Tour werden, denn die Fotos, die ich sah, versprachen einiges. Heute hingegen gab es nur ein Versprechen: Wasserfotos.

Mit mir kam am Visitorcenter auch ein Bus mit deutschen Touristen an, die sich im relativ kleinen Raum so richtig schön ausbreiteten. Körperlich, als auch stimmlig.
Dazu kam eine Reiseleiterin, die sich zudem auch noch mächtig Gehör verschaffte.

Wäre draußen nicht gerade Weltuntergangsstimmung, hätte ich den Laden blitzschnell wieder verlassen, aber leider waren meine Sachen noch nicht trocken.
Ich war in einer echten Zwickmühle. Sollte ich den Canyon Canyon sein lassen oder sollte ich es auf einen Versuch ankommen lassen und den Rim entlang fahren?


Der Park, welcher eigentlich keiner war, war ein reiner Autofahrpark. Wanderwege gab es keine und wenn, dann musste man die Natives fragen, ob es denen genehm war, wenn man ihr Eigentum betrat. Soweit ich weiß, konnte man nur mit einem Guide Richtung Tal aufbrechen.



Ich sagte mir: wenn ich schon mal da bin, dann kann ich auch die paar Meilen am Rim entlangfahren und vielleicht gab es ja doch das ein oder andere Foto.

Bei den ersten 3 Aussichtspunkten hielt ich noch an und schaffte es, ohne komplett durchzuweichen und zu erfrieren, ein paar Bilder zu schießen. Schön ist was anderes, aber egal. Am 4. Punkt beschränkte ich mich lediglich auf ein Picknick auf dem Rücksitz meines Autos.



Ganz am Ende der Rimstraße kam man dann auch zum meistfotografierten Punkt des Monuments und auch ich versuchte mein Glück, allerdings vergebens. Als ich aus dem Auto stieg, war ich schon bedient. Es war so kalt und so windig und so nass, dass ich es nur für die Zeit von einem Foto draußen aushielt und den kleinen Weg zum Rim nicht gegangen war.



Es hilft alles nichts, da werde ich wohl noch einmal wiederkommen müssen.



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