16. Oktober                                                                    



Ich hab geschlafen wie ein Baby. Das war das erste Mal, nein das zweite, daß ich eine richtige Decke hatte. So eine dicke, in die man sich richtig reinkuscheln konnte. Es war toll. Aber seit ich hier in den Staaten unterwegs bin, träume ich jede Nacht haufenweise Blödsinn. Vermutlich muß mein Hirn viel verarbeiten. Ich sehe schließlich jeden Tag etwas anderes. Da geht das in Ordnung.
Frühstück gab es nur bis halb 10, ich mußte mich also sputen, um nicht die Reste aus dem Kochtopf kratzen zu müssen.
Im Frühstücksraum liefen Nachrichten, aber es gab immer noch keine wesentlichen Neuigkeiten zum Thema Shutdown, obwohl es nur noch wenige Stunden bis zum Ablaufen der Frist waren. Zwar wollte oder würde man sich bald einigen aber irgendwie ging mir das alles zu langsam. Wieso warten sie immer bis zur letzten Sekunde? Wieso unterschreiben sie den Schrieb nicht gleich am Anfang des Streits, wo sie doch sowieso keine Alternative haben?
Nach einem üppigen Ei mit Würstchen und Speckfrühstück schrieb ich noch 5 Seiten Bericht und packte dann meine Sachen.  

Mein erstes Ziel heute kannte ich vor meiner Reise noch gar nicht. Aber manchmal sind Flyer eine nützliche Erfindung. Ich fahre in ein Museum.


         

   

In ein Museum, welches sich einem ehemaligen Präsidenten widmet. Ronald Reagan.

Keine Ahnung, was er besonderes getan hatte, außer Gorbatschow zu fragen, ob er den eisernen Vorhang öffnet, aber hier in den Staaten scheint er ein Held zu sein. Aber er war nicht der eigentliche Grund meines Besuches. Hier hatte man die Möglichkeit, in eine Airforce One zu steigen und das ließ ich mir nicht zweimal sagen.
Laut Homepage sollte es 16$ kosten, aber das war es mir wert. Was allerdings auch noch da stand, daß man nicht alles sehen konnte, weil auch hier der Shutdown seine Finger im Spiel hatte. Aber das mit dem Flugzeug klappte !! 



 

Das Museum oder wie es hier genannt wird, die Presidential Library liegt am Ende des Presidential Drive. Wieso ich das erwähne?



Weil an jedem Laternenpfosten an dieser Straße Bilder aller (?) ehemaligen Präsidenten hängen und man ständig zwischen Straße und Bilder hin und her guckt. Zum Glück war ich alleine unterwegs. Will nicht wissen, wie oft es sonst hinter mir gehupt hätte.



Ich fand es eine gute Idee. Sollte man bei uns auch ab und an zeigen, dann wüßte man bei Quizes wenigstens die Namen unserer Präsidenten oder Kanzler. Ich kenne nur Kohl und Änschäla. Wobei ich immer eine Entschuldigung parat hab. Da wo ich aufgewachsen war, gab es weder Kanzler noch Präsidenten. Und den Namen des einen Staatsratsvorsitzenden, der schon zu meiner Geburt das Sagen hatte, kenne ich. Aber zurück zum Thema.



Die nette ältere Lady am „Empfang“ teilte mir mit, daß es heute nichts kostet und das die Airforce One am Ende des Ganges links steht. Nein, nicht in Indien.
Das war heute das erste Mal, daß ein Shutdown auch was Gutes hat. Ich konnte mir das alles für lau angucken. So mag ich das.



Als ich dann das Flugzeug sah, war mein erster Gedanke: Wie haben die das Teil hier reinbekommen? Es gab zwar eine riesen Glasfront davor, die man sicher öffnen konnte, aber das Flugzeug war viel breiter. Und das Gelände davor sah nicht nach Flugplatz aus, wo man mal eben landen kann. Keine Ahnung, wie sie es angestellt hatten, es war auf alle Fälle beeindruckend. Auch die anderen Fahrzeuge, die hier rumstanden, waren äußerst fotogen. Wann sieht man schon mal ein Polizeiauto aus nächster Nähe? Wir als gesetzestreue Bürger, die nie zu schnell fahren…



Leider gab es auch einen Wermutstropfen. Knipsen war erlaubt. Nur nicht IM Flugzeug und das fand ich jetzt mal total blöd.  Wann sieht man mal ein Flugzeug von innen, daß nicht nach Flugzeug aussieht? Und das möchte man auch mit anderen teilen. Aber da wird einem ein Riegel vorgeschoben. Schade.





Alle, die das Flugzeug besteigen, werden fotografiert. Für die einen ist es ein Erinnerungsfoto, für die hier arbeitenden Aufpasser sind die Bilder sicher für spätere Strafverfolgungen wichtig, falls sich jemand NICHT an das Knipsverbot hält. Denk ich.
Der Flieger selber kam mir sehr eng vor. Eine normale 3-3 Bestuhlung hätte kaum Platz. Muß mal googlen, welchem Flugzeug der heutigen Zeit es nahe kommt.
Was soll ich noch groß schreiben? Es gab jede Menge Technik, Sofas, Küchen, Sitze, altmodische Telefone und Fernseher und Toiletten aber irgendwie ehrfurchtgebietend.
Mit der heutigen Airforce One sicher nicht zu vergleichen aber trotzdem sehr sehenswert. Mir hat es gefallen.


                   bei google map gibts das ganze auch noch als Rundumblick mit  im Museum bewegen


Größere Kartenansicht (Streetview für 3 Austellungsflächen )


Was mir nicht gefallen hat, waren die 3 Schulklassen, die mir hier den letzten Nerv raubten und die stolzen Preise, die für die Fotos verlangt werden. Die Preise gehen von 13 bis 26$. Für ein Foto von 20x25cm hab ich stolze 19$ bezahlt und dabei war die Qualität mal so was von mies. Jeder Knipsneuling mit einem 20€-Handy bekommt die Bilder schärfer hin. Aber was soll‘s. Das Geld hole ich mir von Dörte wieder, indem ich den Preis für ihre angeforderten Mitbringsel in die Höhe treibe. 



Alles in allem würde ich dem Laden hier eine 2- geben und nicht nur weil vieles geschlossen hat. Es gibt hier 10.000 Türen nach draußen und an jeder steht: Emergency Exit only. Alarm sounded when open. Oder so ähnlich. Wo es nun wirklich nach draußen ging, mußte ich erst erfragen. Es war jedenfalls nicht da, wo ich hinein kam.
Wenigstens hatten sie free Wifi.



Bei der Rückfahrt zur Hauptstraße knipste ich noch schnell Obama und die anderen Symbole, die mit diesem Land verknüpft sind und gab Margret die Anweisung, mich bitte zur San Fernando Mission zu bringen.

 

Keine Ahnung, woran es lag, sicher, weil wir beiden heute noch kein Frühstück hatten, aber sie verstand etwas anderes unter dieser Mission, als ich. In San Fernando sah ich das Schild, daß es zur Mission rechts ab geht, aber Margret meinte, ich hab noch 12 Kilometer. Und wem soll man mehr trauen?
Tja…