3. Juni 2015                                                                 15°



Langsam geht’s zuende. Nicht mit mir, sondern mit dem Urlaub. Noch 2 volle Tage, dann ist Schluß mit Lustig.
Ausschließlich für heute hatte ich aus Dt. mein Stativ mitgeschleppt. Irgendwann hatte ich mal Fotos von den Beaches mit Sonnenuntergang in und um Mora gesehen und wollte das auch mal versuchen. Sonne war ja heute endlich mal wieder da.
Da der Sonnenuntergang laut Gerüchteküche allerdings erst am Abend stattfindet, stellte sich mir heute die Frage: was mache ich vorher?
Ich beschloß daher, einfach mal an die Straße Juan de Fuca zu fahren und zu gucken, wie weit ich gucken kann. Kanada soll ja quasi umme Ecke liegen.
Um es kurz zu machen: Kanada hab ich gesehen, die Strecke dahin war allerdings überflüssige Fahrerei. Als ich oben ankam, war gerade Extremebbe und im Gegensatz zu den Beaches 1-4 gab es hier nur Matsch und Modder. Nach einem kleinen gedrehten Kurzfilmchen für die Daheimgebliebenen, hab ich daher die Rückreise angetreten.


Strand von Sekiu. Das dunkle am Horizont ist Kanada


Nächster Halt: Third Beach.
Zu diesem Strand muß man 1,4 Meilen laufen. Es ist aber ein einfacher Weg und läuft sich ganz entspannt. Kein schwieriges Auf und Ab wie gestern am Second Beach. Und wenn man die Augen aufhält, kann man sie entdecken: die Banana Slugs. Meine war sogar eine gescheckte.





45 Minuten nach Verlassen des Autos war ich dann da. Third Beach.
Reaktion: kein Vergleich mit Beach 4, Second oder Ruby Beach bei Sonnenschein.
Es war gerade Flut auf Höchststand und alles, was man hier tun kann, ist Wellenknipsen und auf Baumstämmen und Felsen rumkraxeln. Und da ich gerne kraxel, tat ich das dann auch ausgiebig 1 Stunde lang. Südlich des Strandes gab es noch einen Wasserfall, aber da kam man nicht so ohne weiteres hin. Schade eigentlich. Hätte mich interessiert.



Halb 3 verließ ich diesen einsamen Ort. Ich war wirklich die ganze Zeit der einzige Mensch weit und breit, obwohl am Parkplatz sicher noch 5-7 andere Autos geparkt waren.



Wenn man den 2. und den 3. Beach besucht, dann muß man auch zum ersten.
Gesagt getan, 10 Minuten später war ich da.
Es ist der einzige der Beaches, der in einem Ort liegt. Aber auch hier waren außer mir vielleicht höchstens noch 5 andere Knipser und Gucker da. Noch ein paar Möwen und Raben, die sich gerade einen riesigen Lachs einverleibten, aber sonst…?





Klar war es schön hier. Aber nach Beach 4 konnte mich nichts mehr aus den Socken hauen.
Sonnenuntergang war gegen 21 Uhr. Noch verdammt viel Zeit rumzubringen bis dahin. Aber ich kann ja schonmal langsam losfahren. Sind ja nur noch 4 ½ Stunden..
Für besagte Fotos hatte ich mir Hole-In-The-Wall am Rialto Beach ausgesucht.

X


Dort soll es auch, nach Beach 4, die meisten und besten Tidepools geben. Ich packte also mein Ränzlein, meine Kamera plus ein zusätzliches Objektiv, mein Handy, eine Flasche Wasser und das Stativ und stapfte los.



1,6 Meilen entlang des Pacific NW Trails immer Richtung Norden. Ebbe war erst in 3 Stunden und das auch nicht so richtig. Die Ebbe heute Vormittag war deutlich niedriger, als das, was jetzt zu erwarten war und das machte das Laufen am Strand nicht gerade einfach. Immer da, wo Sand war und man bequem auftreten konnte, kam ständig Wasser angerollt, also mußte ich auf Steinen laufen und das war beschwerlich. Ich kam kaum voran.


der kleine weiße Punkt an der höchsten Stelle des Baumes..


Auf halber Strecke hatte ich dann eine Begegnung der anderen Art. Ein Weißkopfseeadler. Mein erster Freilebender überhaupt. Nur leider war er arg weit weg oben auf einem 50 Meter Baum und es war ziemlich schwierig, ein nicht verwackeltes oder verschwommenes Bild zu machen. Daher sieht es auch ein wenig matschig aus.



Und wie ich da so stehe und gucke, habe ich außer dem Geräusch von Wellen noch ein anderes im Ohr. Fluglärm.
Erst dachte ich, es sind Linienmaschinen die in Seattle starten oder landen und deren Route direkt über den Nationalpark geht, aber der Lärm war permanent da und ziemlich laut und irgendwie war es nicht logisch.
Ich schaute also am Adler vorbei Richtung Himmel und sah… Nichts.
Nur Lärm.
So ging das eine ganze Weile. Immer hörte es sich an, als wenn 10km weiter eine Maschine startete oder landete. Also hätte man sie ja sehen müssen. Es war schließlich direkt über mir.
Mittlerweile war ich vom Ereignis über mir mehr fasziniert, als vom Lärm hinter mir, den die Wellen verursachten und dann… Ha, ich wußtes. Flugzeuge. 
Aber keine Linienmaschinen, sondern Kampfjets im Manöver. Top Gun direkt über mir.


der Streifen am Himmel ist menschengemacht



Durch das viele Licht der Sonne und dem klaren Himmel sah man allerdings nicht viel. Immer nur ein kurzes Aufblitzen, wenn das Flugzeug die Sonne reflektierte. Immer wieder umkreisten sich 2 Jets und verschwanden wieder im Licht. Es war spannend.
Fotos hab ich auch gemacht, aber sie sind noch verschwommener geworden, als das Adlerbild. Aber ich war total hin und weg.
Scheiß auf die Wellen. Flugzeuge. 
Irgendwann waren sie jedoch fertig mit Kriegsspielchen und ich konnte weiterziehen.



1,6 Meilen können verdammt lang sein, wenn man nicht recht vorankommt. Irgendwann hatte ich es jedoch geschafft und war am Felsen mit dem Loch, von dem ich allerdings wenig, bis gar nichts sah. Die Wellen waren einfach noch zu hoch und die Felsen, die am Strand rumlagen, zeigten auch nur wenig von der angepriesenen Farbenpracht der Tidepools.
Ein wenig enttäuscht war ich ja schon. Zumal es immer noch 2 Stunden bis zum Sonnenuntergang waren. Aber irgendwie hatte ich keine große Lust mehr darauf zu warten.



Ich schleppte mich also nach 20 Fotos wieder langsam zum Parkplatz zurück. Das Stativ hatte ich umsonst aus Dt. mitgebracht. Und da es eh nicht mehr so ganz heile war, würde ich es auch im Motel zurücklassen. Den Platz im Koffer konnte ich eh gut gebrauchen.



Ist euch mal aufgefallen, daß das Licht in den Staaten während des Sonnenunterganges ein ganz anderes ist, als in Dt.? Ich glaube, die Frage hatte ich im 2013er Bericht auch gestellt. Aber es ist wirklich so. Liegt es am Meerwasser, daß sich in der Luft verteilt und so das Licht gestreut wird? Es ist hier am Abend alles viel bunter, weil die Sonne einen ganz warmen gelben Ton verstreut.
Es war hier so bunt, daß man meinen könnte, der Fotograf hat in den Farbeimer gegriffen. Richtig kitschig.



Kurz vor 20 Uhr verabschiedete ich mich dann vom Pazifik. Wer weiß, wann ich ihn wiedersehe?
Da ich morgen noch einmal einen stressigen Tag haben werde, lud ich heute schon mein Auto fast komplett aus, um morgen früh alles Überflüssige in den großen Koffer zu packen. Auch die Kühlbox wurde heute komplett gelehrt und alles, was ich nicht mehr brauchte, wurde entsorgt.
Es war fast 11, als ich dann endlich das Licht ausknipste.

Fazit zum Tag: Note 3-
Sonnenuntergang am Ruby oder Second Beach wäre sicher die bessere Wahl gewesen.



                                          Startseite: