4. Juni 2015                                                              20°C 



Da war er nun, der letzte Tag.
Es gab zwar heute noch ein Highlight, trotzdem war ich ein wenig traurig. Auch wenn die Temperaturen und das Wetter als solches nicht immer das Wahre waren, war es doch ein sehr schöner Urlaub. Soviel Grün hab ich nicht mal zuhause.
Aber bevor es Richtung Airport geht, muß ich noch ein Gebirge bezwingen.

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Also ich muß schon sagen, das Stückchen 101 zwischen Forks und dem Crescent Lake zog sich auch das 2. Mal wie Gummi. Zwar hatte ich heute einige bessere Ausblicke Richtung Berge und die Sonne schien, aber sonst war es ein verdammt zähes Stück Straße.



Lake Crescent sieht für mich aus wie der Königssee ohne St. Bartholomä und die Berge sind niedriger. Aber der Rest passt. Hier in der Lodge gab es, im Gegensatz zu den zig anderen Rangerstation des Nationalparks, einen Stempel in mein Buch. Wenn man in die Lobby Empfangshalle der Lodge kommt, hat man das Gefühl, man sei jemand, der es im Leben zu etwas gebracht hatte. Es war jetzt kein lichtdurchfluteter Raum á la Burj al arab, sondern eher ein
„alter Adel und 5-Uhr-Tee“-Raum.

Dunkle Holzvertäfelung. Alte Sessel und Couches, Holzschnitzereien, Schränke mit Büchern aus dem vorletzten Jahrhundert und über dem Kamin, in dem ein großes Feuer für Wärme sorgte, hing ein Hirschgeweih, samt Kopf. Ich stand erstmal da und hab geglotzt.  Kein Vergleich zu meinen Super8-Motelempfangsschaltern.
Das ist eine Art Etablissement, da fragt man nicht mal eben, was es kostet, hier zu übernachten. Die Preise sind für Gäste eher nebensächlich.
Alle anderen Stops an Stempelstellen waren dagegen weniger von Erfolg gekrönt. Anfang Juni ist halt keine Saison. Sowas hätte man wissen können…


Madison Creek Falls


Im Besucherzentrum des Olympic NP’s in Port Angeles gab es dann wieder eine Begegnung der besonderen Art, wobei es eher eine Beobachtung war.
Ranger sind heiß darauf, jedem Besucher so viel wie möglich über den Park zu erzählen und Infos zu verteilen. Diesmal war es allerdings bei einem der Besucher etwas anderes. Am Infodesk stand ein betagter, sehr betagter Mann samt Gehstöcken und Rolator, der sich über Wanderwege informierte.


Allerdings nicht die einfachen, die von Parkplätzen aus erreichbar und meistens behindertengerecht angelegt sind, sondern über Trails mitten im Park. Also die, die oben im Gebirge zu finden sind. So 20km-Trails auf 1500m Höhe. Er redete und zeigte und


fragte und dem Ranger merkte man an, daß er genauso dachte wie ich: was will der eigentlich? Er kommt ja kaum alleine auf’s Klo. Wieso will er das alles wissen????
Aber höflich wie Amerikaner nun mal sind, hat er ihm natürlich bei allen Fragen mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Aber einmal hab ich ihn mit den Augen leiern sehen.





Port Angeles im Vordergrund und Kanada am Horizont


Die Fahrt hoch zur Hurricane Ridge war dann mal wieder was für Sylvi. Wenn sie gekonnt hätte, hätte sie alle Wagen vor ihr auf der Strecke zur Seite gestellt, um angemessen fahren zu können. Stattdessen mußte sie mit stellenweise 25mph um jede Kurve zuckeln. Und dabei hatte sie es eilig. Sie hatte nämlich einen Termin.
Heute fand ihr erstes „Forentreffen“ statt. Ein Miniforentreffen.





Normal hat sie mit sowas nichts am Hut, aber wenn es so Leute sind, wie diese, dann kann man schon mal eine Ausnahme machen.
Pünktlich halb 2 gab es dann einen freundlichen Handschlag und danach über 2 Stunden nette Konversation über Gott und die Welt und natürlich über Reisen in die USA. Und Sylvi war amused. Es hat ihr Spaß gemacht und sie hätte nichts gegen eine Wiederholung.
Ja, die Informationen bzgl. des Treffens und die Fotos fallen reichlich spärlich aus, aber uns drei kennt doch sowieso keiner. Also erspare ich Euch den Anblick der 3 alternden Reisenden.



Zum Wandern oder kleinere Trails laufen kam ich nicht, aber das war nicht schlimm. Es war hier oben relativ kühl und später zog Nebel auf, sodass ich eh nicht viel gesehen hätte.



Gegen 4Uhr am Nachmittag ging es dann auf geradem Wege nach Bremerton in mein letztes Motel, um die Koffer für meine morgige Rückreise zu packen.
Kurz vor dem zu Bett gehen gab es noch Abendessen im angrenzenden Dennys, welches mich wieder gelehrt hat, daß Dennys nur für das Frühstück was taugt. Abendessen können sie nicht. Aber das hatte ich ja 2013 schon in Las Vegas festgestellt.

Während der gesamten Aufenthaltsdauer in diesem Super 8 ging übrigens die Uhr meines Handys 40 Minuten nach und ich weiß bis heute nicht, weshalb.
Sobald ich am nächsten Morgen Richtung Sea Tac unterwegs war, funktionierte es wieder.


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