Fährt man von Nordosten auf der 147 kommend nach Las Vegas, sieht man schönes, aber auch weniger Schönes. Das Schöne: es geht bergab direkt auf den Stratosphere Tower und die Striphotels zu und mit dem richtigen Objektiv auf der Kamera, wäre es ein schönes Foto, aber ich hatte mal wieder nur das Weitwinkel drauf. Also nix tolles, sondern nur mittelmäßig verwackeltes Foto.



Was nicht so toll ist und ich war froh, am Tag hier langzufahren: es hat was von der Bronx aus den frühen 80ern. Es gab zwar keinen Müll und dampfende Gullideckel, aber die Häuser und die davor umherwandelnden Gestalten wirkten alle nicht sonderlich hoffnungsvoll.



Läden und Tankstellen waren mit vollgekritzelten und teilweise abgerissenen Werbeplakaten zugepflastert, Leuchtreklame funktionierte nur noch zu 50% und später saßen Bettler an der Straße. Es war ein trostloser Anblick. Amtssprache schienen hier spanisch und 62 andere indigene Sprachen zu sein..



So wie mich diese Gegend entsetzt hat, tat es auch das Outlet-Center North. Dagegen war das Center South ein Tante Emma Laden. Hier gab es mindestens 2 Parkhäuser á 5 Stockwerke und jedes Stockwerk hatte eine Fläche von annähernd 1 Fußballfeld. Mach pi mal Daumen 10.000m². Das ganze mal 10 ergibt eine Stellfläche für ca. 50.000 Autos, wenn man die Zufahrtswege abrechnet. 50.000 Autos mal 2 Insassen waren eindeutig zu viele Menschen auf einem Haufen, denn ich mußte ins 2. Parkhaus auf die Ebene 4. Noch mehr Statistik?



Ok, hier waren so viele Menschen unterwegs, wie in das Leipziger Zentralstadion vor seinem Umbau passten. Oder in das Münchner Olympiastadion plus Warteschlange. Wenn man jetzt davon ausgeht, daß ich Shoppen hasse und als überflüssig betrachte, könnt ihr euch vorstellen, wie ich mir da vorkam.
Ich hatte ja schon gestern im Southcenter die Karte des Northcenters auswendig gelernt und wußte genau, wo sich Journeys befand. Nach 15 Minuten war der Fall erledigt und ich war zurück am Auto. Das hier war schlimmer als Rushhour in Los Angeles und keine Welt für Sylvi. Ich sag nur Inflation…
Meinen jährlichen Schuhkauf erledigte ich anschließend bei Wal-Mart. Parken, rein in Laden, Schuhe von der Stange, 9,87$ hingeblättert und raus aus dem Laden. Jippieee…neuer Rekord. 7 Minuten 39 Sekunden. Die Traumfrau jeden Mannes. Zum Glück für die Männerwelt geht mein Interesse gegen Null.
Nachdem ich hier genug falsche Gerüchte gestreut hab, wird es Zeit für die Kofferwaage. Am 30.9. wog der Koffer 20 Kilo. 23 darf ich und im Handgepäck war auch noch Platz.



16 Uhr war auch der Fall gegessen. Blieb noch das Stripparkenproblem.
Jedes Hotel hatte entweder auf der Rückseite einen riesengroßen Parkplatz, war 5stöckig unterkellert oder hatte Parkhäuser und überall konnte man für lau sein Auto abstellen, weil man davon ausgeht, daß man das Geld lieber am Pokertisch ausgeben soll. Ich spiele nicht, weil ich die Regeln nicht verstehe.

 

Weder am Poker, noch am Roulett noch an sonstigen Tischen. Noch drastischer sind die einarmigen Banditen, die lange schon nicht mehr einarmig sind. Das sind für mich böhmische Dörfer. Ich verstehs nicht. Entweder hab ich dafür ein paar IQ-Punkte zu wenig oder zu viel.





Ich beschränke mich aufs durchlaufen, heimlich knipsen und filmen und den Ausgang suchen. Oder wie heute: ein Buffet.
Laut Internet bietet jedes 2. Hotel sowas an und die Preise gehen von 20-45$ für das Dinnerbuffet ohne Steuer. Meine Suche startete ich im Paris, es ging weiter über das Ballys, Bellagio und Mirage und endete im Treasure Island. Entweder es war in den anderen zu teuer oder ich fand es schlicht und einfach nicht. Die Ausschilderung in den Hotels ist ja manchmal sowas von mies. Als ob man nicht will, daß der Gast je wieder nach draußen findet..





Im TI gab es heute Seafood für 26,99$ vor Steuer. Da ich langsam des Suchens und Umherirrens müde war, dachte ich mir: heute gibt’s Goldfisch. Bei dem Preis mußte er aus Gold sein. Wer kann schon Meeresgetier für fast 30$ nach Steuer verputzen? Aber heute war der letzte Abend in diesem Chaotenland und da gönnte ich mir mal was. Wenn ich schon an den Schuhen spare
Als ich dann das Buffet sah, fühlte ich mich auf Anhieb um mindestens 20$ beschissen. Klar gab es hier Fisch, aber das machte nur ca. 10% aus. Der Rest war Gemüse, Pizza, Sandwiches und Kartoffeln in allen denkbaren Variationen. Die 29$ kriegt man hier nie zusammen.





Egal, ich aß mich einmal von links nach rechts durch. Angefangen bei 2 Teilen Sushi und einem Kingcrabfußteil und hörte bei Garliclinguini auf.



Am Ende hatte ich 4 Teller eingesaut und mir eine Meinung zu Sushi und den Krabbenfüßen gebildet.
Meinung 1: Sushi ist toll und nehm ich jederzeit wieder.
Meinung 2: vergeßt die Krabbenfüße. Das Zeug schmeckt so, wie Brackwasser riecht. Pfui deibel.



Das Desertbuffet war dagegen echt in Ordnung. Creme Brulet. Lecker !



Als ich den Weg nach draußen fand, war es schon stockeduster. Da hier aber bekanntlich die Nacht zum Tag gemacht wird, war jetzt mehr los, als noch vor 2 Stunden und auch die Nuttenklatscher klatschten jetzt lauter, als vorhin. Einige Leute schauten etwas betreten in meine Richtung, als ich mir einen Stapel davon zusammensammelte. Dachten sicher, ich wäre ne Lesbe auf Entzug. Dabei fehlte mir nur noch ein Geschenk für…

Las Vegas bei Nacht.





Hat im Grunde etwas vom Center North, nur im Dunkeln mit mehr Leuchtkraft.
Ich schlenderte langsam zum Auto und war überrascht, daß sich die Erde aufgehört hatte zu drehen. Der Chevi stand noch genau da, wo ich ihn abgestellt hatte. Der Wahnsinn.



Zwei Stunden später bereute ich allerdings die Nudeln in Knoblauchsoße. Das Zeug macht Durst wie 10kg Salzhering und ich hing die nächsten 8 Stunden an der Flasche. Als der Wecker halb 6 bimmelte, war ich dann auch hundemüde. Ein klasse Start für den Tag des Rückfluges.