3. Mai 2011                                                             75°F



Gegen 3 Uhr war ich schon wieder wach.

So nen Jetlag hat ja auch gute Seiten. Ich hatte jetzt genügend Zeit, um mich den Kofferumpackgeschichten und der Dusche zu widmen.

Ein kurzer Anruf an der Rezeption sagte mir dann 5 Uhr auch, dass Dennys schon mit dem Frühstück auf mich wartete und so packte ich meinen Krempel ins Auto, checkte aus, wunderte mich auf dem Weg zum Kaffee, dass sogar 5 Uhr früh gezockt wird und lies mir später ein Toast mit Schinken und Käse und Hashbrowns und einen O-Saft zu meinem Kaffee bringen.

Hach war das schön.


Es gibt ja fast nichts authentischeres, als in den USA frühstücken zu gehen. Der Kaffee schmeckt zwar jetzt unwesentlich besser als früher, aber das tut meiner Laune keinen Abbruch.

Der Plan für heute sagte folgendes:

Erst einkaufen, dann den ganzen Tag im Red Rock Canyon SP verbringen und mir meine ersten Stempel holen.

Als ich am Walmart am Westende der Stadt ankam, sah es noch ziemlich leer aus.





Auch an der Tür stand: 7a.m.-7p.m.
Es war kurz nach 6 und… Ich marschierte einfach in den Laden. Andere taten es schließlich auch.Außer mir und vielleicht 2 oder 3 anderen Kunden, waren nur Putzer, Räumer und Sortierer zu sehen.

Fast eine Stunde schlenderte ich durch die Gänge, suchte, knipste, filmte und kaufte am Ende auch was ein. 51$ musste ich für meinen kaum bodenbedeckten Wageninhalt zahlen. Deswegen heißt es jetzt auch sparen. Die nächsten 3 Tage gibt es kein Frühstück in einem Diner und auch kein Steak. Wir sind schließlich nicht von der Wohlfahrt.



Kurz nach 8 bog ich dann zur Red Rock Canyon National Conservation Area, wie der „Park“ offiziell heißt, ab. Meinen Nationalparkpass schaute man sich an der Einfahrt nur beiläufig an und schon konnte das erste Abenteuer beginnen.




Das Visitorcenter ist für den relativ kleinen Park schon riesig, was man auch im Inneren sieht, denn es gab so gut wie nichts, womit man das Gebäude hätte füllen können. Es gab ein Rangerdesk und ein Giftshop und das war’s.



Ich holte 2 Ansichtskarten, drückte 2 Stempel in meinen Paß und verließ das Center, um mich auf die Scenic Route zu schwingen.
Im Netz hatte ich Fotos gesehen, die mir gefielen und so begab ich mich auf die Suche nach dem Ort, an dem sie entstanden waren.
Hatte ich schon erwähnt, dass das Wetter auf meiner Seite war?



Strahlend blauer Himmel, nicht ein klitzekleines Wölkchen, kein Gramm Wind und Temperaturen, die genau richtig waren.

So schlich ich also langsam die Panoramastraße lang, die übrigens eine Einbahnstraße ist, und hielt meine Kamera auf alles, was sich bewegte oder auch nicht.




(die Kamera war den ersten Tag leider etwas falsch eingestellt, daher die etwas rosa-blaustichigen Fotos)



Mein erster Stop war am „Calico Tanks Trail“.
Ich packte mein “Handtäschchen”, nahm meine Kamera, eine Flasche Wasser und stiefelte los.

Da es noch früh am Tag war, sah man nur wenige Besucher und auf dem Trail sogar nicht einen. Die meisten blieben bei ihren Autos und guckten nur.




Der Trail, den ich lief, war ok. Wäre ich ihn am Ende meines Urlaubs gelaufen, wäre ich sicher eher wieder umgekehrt.
Das, was mich interessierte, war leider ziemlich weit oben, denn es waren die Felsen und Steine und Slickrocks, die man mit ein wenig Übung auch hochklettern konnte, aber dafür war ich nur unzureichend ausgestattet.


Der Weg führte durch eine Art Canyon und es war unheimlich still da. Ab und an sah man Eidechsen oder eine Grille zirpte, wenn es die da gab, das war es aber auch schon.



Der Weg war mit 1,8 Meilen angegeben und durchweg einfach zu laufen. Leider musste/wollte ich nach der Hälfte ungefähr wieder umdrehen, denn ich hing quasi nur an der Flasche. Ich fragte mich wirklich, was ich im Hochsommer machen würde.

 



Kaum hatte ich was getrunken, fühlte es sich wieder trocken an. Dazu der drückende Planet von oben… Ich war wirklich nichts mehr gewöhnt. Außerdem hatte ich das Gefühl, hier nicht richtig zu sein und das die Fotos wo anders entstanden.



Ich hielt dann noch am Sandstone Quarry und am White Rock Trail, aber es war alles irgendwie nicht richtig. Zwar lief ich immer ein Stückchen, aber außer Steinen und Bäumen und Washes und ein paar Kletterern war nichts zu sehen.

Als sich dann auch noch eine Schulklasse aufmachte, das Territorium für sich zu beanspruchen, kehrte ich dem ganzen den Rücken und fuhr aus dem Park.



Es war kurz nach 10 Uhr.

Morgens.

Ich hatte geplant, den ganzen Tag hier zu verbringen und jetzt war ich schon vor dem Frühstück fertig ????

Das kann nicht angehen. Ich beschloss also, weiterzusuchen und den 18 Meilen Rundkurs erneut zu fahren.





Schon am ersten Aussichtspunkt hielt ich an und man merkte jetzt deutlich die Uhrzeit, denn es war kaum noch ein Stellplatz zu bekommen. Auch waren viel mehr Ausländer unterwegs, als man es gewohnt war. Ich hörte spanische, japanische, deutsche Sprachfetzen und welche, die ich nicht zuordnen konnte.

Ich schnallte wieder mein Täschchen um, nahm 3 (!) Flaschen Wasser mit und stiefelte Richtung Calico 1.

Nach 100m musste man sich dann entscheiden, ob man die volle Runde (10 Meilen) läuft oder nur die kurze. (0,9 Meilen).


Da ich erstmal nur gucken wollte…

Auf alle Fälle war ich hier schon mal richtiger als erst, denn die Felsen und Steine, die ich sah, waren mit ihren rosa Streifen wirklich hübsch anzuschauen. Dumm nur, dass der Anstieg ziemlich heftig war und ich abwechselnd trank, japste und knipste.

Auch spürte ich es jetzt im Nacken deutlich brennen und so kehrte ich mal wieder um.

 






Auf dem Rückweg hatte ich dann noch eine Begegnung der besonderen Art und ich erschrak regelrecht vor der Größe des Molchs/Salamanders, der da meinen Weg kreuzte. Er war mind. 20-25cm lang und an der breitesten Stelle ca. 4cm. Schade nur, dass er mich entdeckte und flucksig das Geschehen verließ. (lt. Google war es eine Krustenechse. Welche Art genau, konnte ich noch nicht in Erfahrung bringen. Gemeinsam haben sie aber, dass sie gefährlich sind)
Zum Glück hatte das Kerlchen mehr Angst vor mir, als ich vor ihm



Jetzt hieß es aber endgültig Abschied nehmen, denn nicht nur mein Nacken kochte, sondern auch meine Füße.

Ich zog mir Sandalen über und verließ den Park Richtung Las Vegas.



 

 


Mein Tank war zwar noch gut dreiviertel voll, da ich aber morgen nach Kalifornien fahre und da die Spritpreise exorbitant sind, musste ich heute noch soviel in das Auto pumpen, wie es mir möglich war.

 

Zwar kostete mich heute die Gallone auch 3,91$, aber das sind immer noch mind. 40ct weniger, als im Nachbarstaat.

Irgendwie stand die Zeit. Es war grad mal 12 Uhr. Ich beschloss, einfach zu meinem nächsten Quartier zu fahren und dann neu zu entscheiden. Wenn mir gar nichts einfiel, konnte ich ja immer noch in ein Outlet Store gehen und meine Kreditkarte glühen lassen.



Als ich die Tür des Hotels öffnete, hörte und sah ich nur Geklimper. Logisch, war ich doch immer noch in Nevada und da kann man schließlich nichts anderes..

Ich gab der Schalterfrau meine Reservierung und die KK und nach ca. 30 Sekunden meinte sie: das ist nicht das Hotel, das sie gebucht haben. Ihr Hotel ist das Buffalo Bill eine Straße weiter.
Ich war zwar im ersten Moment etwas geschockt, aber wenn sie es sagt.
Später fiel mir dann ein, wieso ich es verwechselt hatte. Die 3 größten Hotels des Ortes findet man auf einer Website und ich nahm an… Aber egal.

Der Parkplatz des Buffalo war wie ausgestorben. Man sah keinen Menschen und ich befürchtete schon, vor verschlossenen Türen zu stehen.
Als ich die Tür jedoch öffnen konnte, war ich erleichtert. Erstmal. Danach: puuuuh, hier stinkts. Es roch, als hat man seit dem Rauchverbot nichts mehr geputzt. Wenn mein Zimmer auch so riecht, dann gute Nacht Marie.

Ich bekam ein Zimmer mit King Size Bett im 2. Stock des B-Turmes und ich war wirklich positiv überrascht. Alles war sauber und vollkommen geruchsneutral.

Keine Ahnung, wie spät es war, aber ich fürchtete, nachdem ich alle meine Sachen ins Zimmer transportiert hatte, würde ich nicht mehr viel machen. Die Sonne und die Hitze machten mir arg zu schaffen und so gönnte ich mir erstmal eine kleine Auszeit und legte mich schlafen..

23 Uhr Ortszeit wurde ich durch einen Schrei, oder war es ein Quieker, aus meinen Träumen gerissen.

Mein erster Gedanke war: scheiße, verschlafen.

Mein zweiter… Oh nein, bitte nicht. Laß mich hier nicht in einem Stundenhotel abgestiegen sein. 

Im Nebenzimmer zog sich ein Pärchen die gemeinsame Briefmarkensammlung rein und es schien, als könnte sich die Lady beim Anblick der gezackten Bildchen vor Extase kaum noch halten

Erst gegen 6 Uhr morgens hatten sie alle 3 Alben durch und ich wieder meine Ruhe.

gefahrene Meilen: 103

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Motel: Buffalo Bill's Resort & Casino
          gebucht direkt auf der Webseite für 26$/Nacht
Bewertung: hässliches Hotel, Zimmer gut, zur Not wieder...









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