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Jedenfalls war nun der Weg frei, um uns in Ruhe des 1980 in die Luft gegangenen Vulkans zu widmen. Wenn wir beim Dunkelwerden im Hotel ankommen, haben wir noch ca. 4 Stunden Zeit. Das sollte genügen und tanken würde ich irgendwo am Megatouristenziel St. Helens. Aber noch war der Tank mehr als halb voll.


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Die nächsten 100km fuhren wir durch durchschnittlich sehenswerte Gegend. Soll heißen: ein Baum, kein Baum. Nur ab und an erhaschten wir einen Blick auf den Krater.

Wettertechnisch war der Tag heute ideal. Kein Wölkchen war weit und breit zu sehen und ich freute mich jetzt schon auf die zahlreichen Fotos,
die ich gleich schießen werden würde.
       

Durch den Ausbruch änderte sich die Landschaft rund um den Berg drastisch. Kein Stein blieb auf dem anderen, kein Baum da, wo er begonnen hatte zu wachsen.




Die Schlamm und Gerölllawine und alles andere, was so aus dem Vulkan gespuckt kam, richtete eine enorme Verwüstung an. Jetzt, über 30 Jahre nach dem großen Bums, sieht man zwar, daß sich die Natur sehr erholt hat, trotzdem stehen hier und da noch „Erinnerungsstücke“ in Form von zahnstocherähnlichen Baumstämmen rum.





Es war ein faszinierender Anblick. Neue grüne Nadelbäume, bunte kleine Laubbäume und weiße Zahnstocher. Wunderschön.

   


Die Fahrt Richtung Spirit Lake dauerte wegen des Glotzens und Staunens extrem lange. Hinter jeder Kurve kam ein neues Oh und Ah und ständig mußte ich wegen Fotos anhalten. Herrlich







Am Visitorcenter angekommen, hoffte ich immer noch auf meinen ersten Stempel. Aber kaum hatten wir das Auto verlassen und liefen Richtung Eingang, wurden wir von einem Art Hausmeister angesprochen, der sowas in etwa meinte, wie:

„Closed for Season“

Die Sonne scheint aus allen Poren, es waren mindestens 25° im Schatten, von Schnee und Wintereinbruch konnte nicht die Rede sein und er meinte,"Sorry, ist geschlossen wegen Winter !!!" ?????????
Ich fasste es nicht.
Da könnte man hier dem Wirtschaftswachsum helfen und die faulen Säcke machen hier einen auf Weihnachtsferien.

Ok, dann muß die Reise halt ohne Stempel weitergehen. Komm ich halt irgendwann nochmal her. Was solls..





Da ich Frau P. zu Beginn unserer Reise prophezeit hatte, daß sie viel Wandern und Laufen müßte, wollte ich wenigstens dieses Versprechen einhalten.
Wir fuhren also bis zum See, bestaunten das gigantische Panorama und die vielen Millionen toter Baumstämme, die da so munter rumschwammen, schnürten unsere Wanderschuhe um und bestiegen eine Art „Aussichtsberg mit Stufen“.





Schon beim ersten Blick Richtung „Holztreppe“, fing ich an zu keuchen. Aber es half alles nichts. Irgendwie mußte ich da hoch. Und wenn es das letzte ist, was ich auf dieser Reise tu.


Ich weiß nicht mehr wie, aber irgendwie kam ich oben an und fühlte mich, als würde ich gleich das Zeitliche segnen. Mein Herz und Kreislauf überschlugen sich gegenseitig und ich brauchte eine gute halbe Stunde, um meinen Puls wieder auf Normalzustand zu bringen.


Die Aussicht hier oben war natürlich genial, nur daß der Vulkan grad denkbar ungünstig, weil gegen die Sonne, in der Gegend rumstand.  Der Blick zum Spirit Lake hingegen, war eine Augenweide. „Berühmt“ ist der See ja wegen der Millionen toter Baumstämme, die während des Vulkanausbruchs durch die Lawine hineingeschoben wurden. Ich hab keine Ahnung, was es für Bäume waren, aber so wie sie aussehen, schwimmen die dort noch in 1000 Jahren.





Beim Abstieg vom Hügel fiel unser Blick auf den Krater und unser beider Herz machte einen Hüpfer, als wir Dampf aufsteigen sahen. Eine ganze Weile beobachteten wir das Schauspiel und waren uns sicher, daß da was Großes im Gange war. Leider konnte uns bei der abendlichen Internetrecherche niemand weiterhelfen. War wohl nur ein kleiner Rülpser…



Mittlerweile war es 16 Uhr und in 2 Stunden würde die Sonne untergehen. Auch wenn die Trennung von diesem Schauspiel schwer fiel, mußten wir uns langsam sputen. Zwar wollten wir heute nichts mehr anschauen, aber im Dunkeln fahren wollte ich nun auch nicht.
Bis zum Motel waren es noch 130km oder gute 2 Stunden Fahrt, wenn man nicht bummelt oder doch noch was unterwegs zum Gucken findet.
Wichtig waren also nur 2 Dinge: schnell fahren und unterwegs noch tanken.
Was die nächsten 2 Stunden folgte, war alles andere, als Urlaubsfeeling.
Ich bin nach wie vor der Meinung, daß dieser Vulkan ein Touristenmagnet ist und in der Nähe die ein oder andere Infrastruktur, sprich Häuser, Geschäfte, Infotafeln und Tankstellen zu finden sein müßte. Aber weit gefehlt. Während der kompletten Fahrt sank die Stimmung wegen Trostlosigkeit der Landschaft und sinkender Tanknadel ins bodenlose.
Keine Wüste des Südwestens war so eintönig, wie die Fahrt Richtung Süden, weg vom Vulkan.
Nichts auf der Strecke erinnerte uns daran, auf einer von Menschen bewohnten Kugel zu sein. Alles, was wir sahen, waren Bäume und eine Straße mit lauter Rechts- und Linkskurven. Baum, rechts, links, rechts, links, Baum, Baum, rechts, links…
Kilometer um Kilometer und die Tanknadel sank und sank.
Irgendwann kam ich auf die seltenblöde Idee, Margret zu fragen, ob es hier in der Nähe irgendwo ein POI namens Tankstelle gibt. Ihre Antwort sorgte nur dafür, daß unsere Laune weiter sank, wenn man das noch so sagen kann. Schließlich war sie schon ganz unten.
Endlich, nach 70km kamen, wir zurück in die Zivilisation namens Cougar. Vermutlich hat der Ort seinen Namen daher, daß man ihn ewig suchen muß, bis man ihn findet.
Nachdem wir an einer Uraltzapfsäule Anno „gab es da schon Benzin?“ unser Wägelchen vollgetankt hatten, konnten wir nun ruhigen Blutes das 2. Motel der Reise ansteuern.


Zum Abendessen gab es eine Familienpizza mit allem und belegt mit kalten Tomatenscheiben und gegessen haben wir diese in einer Pizzeria, in der man den gleichen Besen für die Theke und den Fußboden benutzte.
Kein Wunder also, daß wir die einzigen Gäste waren..
Zum Schreiben des Tagesberichtes kam ich heute nicht.
Grund: müde, müde, müde.


Gefahrene Meilen: 276,1

Motel 6, Woodland, WA
Normaler Motel 6-Standard. Keine Fotos.