Ich bin jetzt wieder eine Zeit lang zuhause und diese Reise geht mir einfach nicht aus dem Kopf.
Seit meiner Rückkehr liege ich nachts wach und denke darüber nach, was alles war und hätte sein können und was als nächstes kommt.
Den Bericht hatte ich, bis auf 2 Tage, schon grob am Tag des Rückfluges fertig, doch je länger ich darüber nachdenke, was ich so erlebt und geschrieben hab, umso mehr komme ich zur Erkenntnis, daß ich einige Veränderungen, Korrekturen und Löschungen vornehmen werde, bevor ich alles veröffentliche.
Diese Änderungen betreffen den 1. Oktober ab 16 Uhr und enden am 3. Oktober beim zu Bett gehen.
Ursprünglich hatte ich 6 Seiten dahingekritzelt. Mittlerweile sagt mir eine Stimme, wenn ich DAS den Leuten zu lesen gebe, ist nach Seite 12 keiner mehr da. Ich weiß, daß es ein Reisebericht ist und es ist üblich, das niederzuschreiben, was man erlebt hat. Da diese 48 Stunden nach Erreichen des Motels in Twenty Nine Palms aber alles andere als schön waren, kürze ich es ein wenig ab, um dem Negativen nicht noch mehr Futter zu geben.

Wie gesagt, es war 16 Uhr und ich habe im Motel 6 eingecheckt und die Frage an die Rezeptionistin, ob sie vielleicht weiß, wieso das Visitor Center verschlossen ist, hätte ich mal lieber nicht gestellt.
Ihre Antwort: „It’s closed because the Gouvernment Shutdown. All Employees are at home!” 



Ich war wie vom Donner getroffen und vom Blitz gerührt oder anders herum. Ich stand gefühlte 30 Minuten einfach nur so am Desk und mußte diese Nachricht sacken lassen.
Alles ist geschlossen.
Alle Parks, Monumente, Museen, Besucherzentren, Parkplätze, öffentlichen Toiletten, Strände (was ich da aber noch nicht wußte), Campingplätze und sonstige historisch bedeutsame Einrichtungen, die dem Bund unterstellt waren. Alles dicht. 


Jetzt wird der ein oder andere sagen, ok, da ist vielleicht was geschlossen, aber du bist in Kalifornien, da wird doch wohl etwas zu finden sein, was man ansehen kann und wo KEIN Riegel vorgeschoben wurde.
Klar kann man das, aber wenn man Reisen in die USA plant, orientiert man sich hauptsächlich an den Nationalparks und der Landschaft im Allgemeinen. Will man ans Meer? In die Wüste? Oder lieber Berge? Regenwald? Canyons oder Schluchten? Und unweigerlich landet man auf nps.gov und auf google map und verbindet die schönsten Gegenden oder interessantesten Orte miteinander und erstellt eine Route und einen Plan, wie die 3 Wochen aussehen könnten. Würde man das nicht tun und sich null informieren, könnte man auch nach Iowa oder Missouri fliegen und schauen, was es da so alles gibt. Mit Sicherheit würde man sich 18 Tage plus X zu Tode langweilen.

Als ich mich wieder etwas gefangen hatte, mußte ich klären wie es nun weiter geht. Ich hatte 2 Nächte in dem Motel gebucht, die ich jetzt aber definitiv nicht mehr brauchte. Zum Glück war es ein Motel 6, welches man bis 18 Uhr am Tag der Anreise kostenlos stornieren kann und genau das tat ich jetzt für die 2. Nacht.
Kurz darauf schleppte ich wie im Traum meine Sachen aufs Zimmer und machte mir Gedanken zu morgen. Und übermorgen. Und die kommenden Tage. 
Keiner konnte sagen, wie lange so etwas dauert. Das letzte Mal passierte das zwischen den Jahren 1995 und 96 und ging 21 Tage. 


Heute war der 1. Oktober und wenn es diesmal genauso lange dauert, hätte ich nicht nur EINE A-Karte.
Kurz nachdem ich es mir mit meinem Notebook auf dem Bett bequem gemacht hatte, klingelte das Telefon und die Dame der Rezeption fragte, ob es mir gut ginge.


NATÜRLICH NICHT !!!!
Aber ich fand es richtig nett, daß sie nach dem Rechten schauen wollte. Ich muß ziemlich betröppelt ausgesehen haben, als ich eincheckte.
Während im Fernsehen CNN lief und ich darauf hoffte, daß die wütenden Regierungebeamten, die sich da im Senat anbrüllten, zu einer Einigung kommen würden, schaute ich immer wieder auf die Online Karte von Kalifornien und suchte nach Auswegen.


                                               Murral in Twentynine Palms


Wäre ich jetzt in einem Motel irgendwo am Pazifik oder in den Rocky Mountains, wäre es vielleicht nicht ganz so tragisch, aber ich war hier in einer GOTT VERLASSENEN GEGEND und den Ar.. der Welt konnte man erkennen, sobald man aus dem Fenster sah.
Wäre hier nicht der Joshua Tree NP, würde ich nie hier her fahren. Hier gab es nur Nichts mit einer Prise von Trocken und Hitze, garniert mit ein wenig Staub vor der Hütte.


Ich wußte wirklich nicht, was ich morgen tun sollte.
Ab dem 4. hatte ich viele Sachen auf dem Plan, die nicht der Regierung des Landes, sondern Kalifornien unterstellt waren, was bedeutete, daß ich meine Route nicht großartig ändern konnte. Ich mußte nur Ersatz- und Ausweichziele finden. Und eine Übernachtung für morgen.