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Bis zum Mount Saint Helens, den ich heute bereits das 2. Mal besuchte, waren es gute 150km und je weiter ich dem Kraterrand kam, was ja nicht wirklich der Fall ist, um so wolkenverhangener und nebeliger wurde es. Manchmal erkannte man nicht einmal die Leitplanken am Fahrbahnrand. Vielleicht gab es da aber auch keine. Wer weiß das schon?

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Während meines Stops in einem Learningcenter, welches sich mit dem Vulkan beschäftigt und auch als Besucherzentrum dient, hab ich nachgefragt, ob denn die Möglichkeit bestünde, daß es weiter oben aufklart. Die junge Dame, an die man 1980 noch nicht im Traum dachte, meinte nur, daß der Nebel beim sich Auflösen nach oben zieht. Die Chancen sind also eher gering.
Nur 10km weiter wurde sie eines besseren belehrt. Ich durchbrach die Nebelwolkenwand und der Himmel guckte hervor. Leider nur nördlich der Straße. Der Vulkan befand sich aber südlich davon.
Am Ende der Straße wurde vor einigen Jahren die Johnston Ridge Observatory gebaut und nach einem Geologen benannt, der zum Zeitpunkt des Ausbruches genau hier stand und einen Funkspruch absetzte, der im Radio zu hören war. Es waren seine letzten Worte. Man hat nie wieder etwas von Johnston gehört, gesehen oder gefunden.
Und von hier oben sieht man im Normalfall die Helene in all ihrer schönsten Pracht.
Heute schien sie Waschtag zu haben. Dampf, soweit das Auge reichte.


 

Ich blieb über eine Stunde da oben, auch um mir die kleine Ausstellung,

bei der man auch „mitmachen“ konnte, anzusehen.
In der Hinsicht haben es die Amis voll drauf. Geräusche wurden eingespielt. Am Model mittels Lichter der Hergang des Ausbruchs angezeigt, man konnte selber eine Seismographennadel durch Hopsen auf den Boden zum Schwingen bringen usw. Das macht sogar als Erwachsener noch Spaß, sowas auszuprobieren.



das schwarz-weiße kleine Rechteck in der Mitte oben im Bild,
ist mein derzeitiger Standort. Null Chance bei einem Ausbruch...



orange: Asche-, Gas- und Schlammströme


Auf dem Rückweg hatte ich dann endlich die Gelegenheit, wenigstens ein Mü des Vulkans zu sehen.
Es war der Hammer.
Ich hatte ja keine Ahnung, wie riesig er war.
2012 waren wir weiter weg und es sah aus, wie ein Berglein am Rande der Welt aber diesmal verschlug es mir fast die Sprache, wenn ich gerade geredet hätte.
Ich stand auf einer Art Aussichtsplattform und vor mir breitete sich ein ca. 10km breites Tal aus, durch das sich damals die Schlammfluten wälzten und dahinter… wow.


man erkennt es nicht richtig, aber das gelbgrüne ist eine Fläche von geschätzt 10x10km


Ich bin ja nicht so ein emotionaler Mensch, aber in dem Moment hätte ich beinah ein Tränchen verdrückt. Es gibt halt doch Dinge zwischen Himmel und Erde und wenn ich mir so vorstelle, daß er just in DEM Moment ausbrechen würde… Doppel-WOW. Da möchte ich nicht hier in der Nähe sein.
Alles in allem war ich froh darüber, doch hier hochgefahren zu sein.
Und jetzt war ich auch endgültig im Urlaub angekommen.
Kurz nach 16 Uhr checkte ich im Super 8 in Kelso ein und fuhr kurz darauf hin zum Visitorcenter, welches ich beim Fahren durch den Ort aus dem Augenwinkel sah und fragte die Lady, was man hier oder in der näheren Umgebung in 4 Stunden so anstellen kann.
Ihren Versuchen mich zufriedenzustellen nach zu urteilen, war die Notwendigkeit des Bau’s des Visitorcenters ein Schuß ins Blaue. Es gab nämlich nichts mehr für mich zu tun.
Ich hätte essen oder shoppen gehen können oder zu einem Wasserfall fahren, der in einer Stunde und 50 Minuten Entfernung irgendwo an einem Berghang hinunterrauschte. Ich bedankte mich daher brav und fuhr zurück ins Motel.
Es gab Abendessen aus der Kühlbox, 2 Folgen "Castle" , ich sicherte Filme und "vernebelte" Fotos und schrieb den Daheimgebliebenen kleine Nachrichten.



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