Tag 3 - 28. April


Wir hatten ausgemacht, uns 4 Uhr in der Lobby zu treffen und dann gemeinsam
mit dem Shuttle zum Airport zu fahren.
Durch das blöde Gebläse vor dem Fenster war ich allerdings schon lange vorher wach, wenn man überhaupt davon sprechen kann, dass ich je geschlafen hab.
KEIN Auge hatte ich die Nacht zubekommen und das bei den bequemen
Betten. 


Ich wollte mich nicht länger von einer Seite auf die nächste schmeißen und hab mich fertig gemacht. Die Frage nach der passenden Kleidung entfiel ja auch heute und so spritzte ich mir im Bad nur nen paar Tropfen Wasser ins Gesicht, knipste noch mal alles Mögliche im Zimmer und machte mich auf den Weg in die Lobby. 

Wenn ich auf den letzten Reisen etwas gelernt hab, so ist es die Tatsache: Menschen aus den USA mögen den Gedanken, schockgefrostet zu werden.

Ich weiß nicht, wie warm oder kalt es um diese Uhrzeit vor der Tür war, aber innen waren es keine 15°C. Wie halten die es da nur aus???

Auch meine beiden Begleiter waren bald da und nach deren Guten-Morgen-Zigarette kam auch schon das Shuttle und brachte uns zurück zu United ans
Terminal 3.

Schon gestern Abend stellte sich für die beiden die Frage, was wird mit den flüssigen Mitbringseln im Handgepäck, die deutlich die 100ml überschritten?
Die Duty Free Dame meinte gestern ja zu ihnen, sie sollen das Parfüm dann in den Koffer packen, aber es konnte ja keiner ahnen, dass es so Schwierigkeiten machen würde, an das Gepäck zu kommen.
Also versuchten sie, ihr Handgepäck nachträglich aufzugeben, scheiterten aber kläglich, da sie irgendeine 11stellige Nummer brauchten, die nirgendwo auf dem Ticket zu sehen war.

Es blieb ihnen also nichts weiter übrig, als zu hoffen, dass beim Scan nichts gesehen wird. In der Zwischenzeit machte ich mich mit der Anzeigentafel vertraut und siehe da: endlich stand Phoenix da, wo es hingehörte.
Und da passierte mir ein furchtbar grober Schnitzer: ich las: Phoenix, 6 Uhr,
United, Gate 27.
Im Terminal 3 gab es aber kein Gate 27. Es fing hier erst bei Gate 60 an.
Egal. Wir stellten uns am Scan an, zogen uns aus, dann wieder an (und zu unserer aller Freude war den Officern wurscht, wie viele Liter Flüssigkeit man im Handgepäck hatte und liefen, bzw. irrten dann durch das Terminal 3 auf der Suche nach Gate 27.

Lange Rede, kurzer Unsinn, Gate 27 befand sich in Terminal 1 und der einzige Weg dahin führte nach draußen.
Wir also durch den Regen zum Terminal 1, dann zu Gate 27, wo uns eine freundliche Officöse zu verstehen gab: United fliegt ab Terminal 3.
Klasse. Ganz toll gemacht Sylvi.  Aber wieso schreiben sie dann Gate 27 dran, wenn es gar nicht zutrifft???
Wir schnappten uns also 60min vor dem geplanten Abflug den Airtrain, fuhren zurück zu Terminal 3 und siehe da: hätte ich mal lieber auf die Flugnummer geachtet, anstatt nur nach der Uhrzeit zu sehen. Hat ja auch keiner ahnen können, dass ausgerechnet heute 2 Flüge 6 Uhr nach Phoenix rausgehen. Das eine war United und das andere US Airways. (obwohl da auch nen Codeshare angegeben war).

Leider blieb uns durch das rein und raus nun nichts anderes übrig, als uns nochmals an die mittlerweile 500m lange Schlange am Scan anzustellen und zu hoffen, dass hier im Akkord gearbeitet wird. Und was soll ich sagen? Es wurde. Innerhalb von 15 min waren wir wieder aus und angezogen und die 400ml kamen erneut ungeschoren davon.
Zum Thema Sicherheitsbestimmungen und USA lasse ich mich mal irgendwann später aus, aber bekloppt isses schon irgendwie

Am Gate 75 standen bereits 50 Menschen und das Boarding begann in 7 Minuten.
Leider waren alle Eßstände am Gate noch geschlossen und so mussten wir weiter auf Essen und Trinken verzichten. Wenn ich mich recht erinnere, gab es das letzte auf dem Flug nach SFO. Und das pappige Brötchen in Miniaturausgabe war schon nach 1h verdaut gewesen. Ich sah die ganze Sache allerdings positiv: wenn man nichts isst, kann man keinen fetten Hintern bekommen.  Nur Durst hatte ich.
Das war weniger schön.
Irgendwann saßen wir endlich in der Maschine, die kaum zur Hälfte gefüllt war
und hofften inständig: Bitte flieg !!!
Beim Anschauen der Flugstrecke sah ich, dass wir rechts an Las Vegas vorbeifliegen würden und schnappte mir einfach ohne zu fragen  einen freien Fensterplatz auf der linken Seite.


Niemanden juckte es großartig. Aber ich hatte soviel Platz für mich, dass ich mich fragte: wieso gab es hier in der Maschine Leute, die sogar für einen First Class
Platz bezahlten ??? Der Flug sollte 1,29h gehen und ich denke, so lange hält man
es doch auch in der Economy aus..
Wider erwarten startete der Flieger pünktlich zu unserem seit Tagen ersehnten Ziel und auch ohne Las Vegas in der Ferne gesehen zu haben, war es ein schöner kurzer Flug. Getränke gab es gratis und nach 1h20 min flogen wir über mein für 2 Nächte gebuchtes Motel in Phoenix, dass leider ohne mich gesehen zu haben, auskommen muß. 82$ in Wind… 





Langsam näherten wir uns unserem Abschied, doch 2 Hürden galt es noch zu meistern.

Hat das Gepäck hierher gefunden und werden die beiden vom Wohnmobilbetreiber abgeholt? Im Gegensatz zu sonst bei einer Einreise in ein anderes Land, meldeten sich diesmal nämlich nicht unsere Handys um uns zu begrüßen und jedes Mal,
wenn man eine Nummer wählte, egal, ob amerikanische oder deutsche, kam ein nettes Sprüchlein, man solle sich doch bei unserem Netzbetreiber melden.
Ich kannte das alles nicht, doch da ich ja eh nicht telefonierte und die sms klappten, war es mir relativ egal. Nur die beiden mußten sich nun irgendwie helfen.
Wie sie es gelöst haben, werde ich hoffentlich bald erfahren, denn ich drückte ihnen beim Abschied noch meine „Kontaktdaten“ in die Hand und verschwand zum Shuttle, das mich zu Alamo bringen sollte.
(Anm.: ich habe von den beiden je wieder etwas gelesen oder gehört)


Auch zur Fahrt zum Autovermieter war ich die einzige im Bus, was mich nicht wirklich störte. So konnte ich mir unbeobachtet die Gegend reinziehen. Am Ende des Urlaubes denke ich vermutlich anders, aber es ist schon toll, wenn man das erste Mal einen dieser riesigen Kakteen sieht.
Da möchte man nicht drunterliegen, wenn sie umfallen

Zum Abschied, und weil sie extra wegen mir die Tour gefahren war, drückte ich
der Fahrerin noch etwas Tip zu und machte mich auf den Weg ins Rental Car Centre, welches aussah, als wäre es kurz vor dem Ladenschluß. Durch mich stieg die Kundenzahl um glatte 50% und meine Alamodame war wirklich nett zu mir.
Normal verstehe ich ja nicht, was die Leute da von mir wollen, aber sie gab sich wirklich Mühe mit mir und meinte auch: der Roadsite Plan wäre bei mir nicht drin.
Ich hab ihn aber trotzdem abgelehnt und nach einer Choiceline gefragt. Leider konnte sie mir keine positive Antwort geben und so sah ich mich schon vor einem mickrigen Japaner mit Slicks stehen.
Sie belehrte mich noch, dass für heute in den Bergen starke bis orkanartige Winde angekündigt waren und meinte: drive careful und schickte mich nach 20min Verhandlungen zum Parkdeck in der 2. Ebene, wo mein schwarzer Ford Escape schon auf mich wartete.


Gefahrene Meilen: 5953 und die Reifen waren absolut in Ordnung. Werkzeug fand ich keins, dafür aber das Ersatzrad und die Tanköffnung.
Ich umkreiste es noch 3 mal, um mich zu vergewissern, dass es keinen Schaden hatte oder sonst wie schmutzig war, stieg ein, schnalle Margret an und verließ um ca. 9:30 Uhr das Parkhaus in Richtung Beeline Hwy.
Im ganzen Trubel und in der Hektik hab ich natürlich das vergessen, was im Forum immer Thema Nr. 1 ist: Gibt es eine Choiceline? Wie ist sie gefüllt? Kann man Kühlboxen einfach so mitnehmen?
Auf all diese Fragen kann ich leider keine Antwort geben, denn ich war mental in Hektik. Nicht aufgeregt, aber irgendwie… nicht ganz bei der Sache. Schließlich ist
es ein Unterschied, ob man sich zu hause am PC befindet oder alleine das erste Mal weit weg von Mutti irgendwo in der weiten Welt.
Als ob man Scheuklappen auf hat..


Nur für den Fall, dass jemand fragt: Autos bekommen bei mir keine Namen. Ich hab ja schon Probleme damit, mir "Margret" (mein Navi) zu merken.

Ich war noch keine 5 Meilen unterwegs, als ich merkte:
ups…die Tanknadel meint es aber nicht gut mit mir. Wenn der Tank voll war, wieso bewegte sie sich schon? Bei meinem Auto zuhause dauert es über 100km, bis da was passiert. Sollte das Auto etwa ein Leck haben? Oder haben die mich beschissen und das Auto nur zu dreiviertel vollgetankt??

Egal, ich werde es weiter beobachten und sollte es sich verdramatisieren, kann ich ja immer noch Kontakt mit Alamo aufnehmen.
Momentan konzentrierte ich mich jedoch erstmal aufs Fahren, die Gegend und meinen knurrenden Magen, denn wie gesagt: das pappige Brötchen bei United war das letzte feste, was mein Verdauungsapparat zu tun bekommen hatte.Ich änderte also kurz entschlossen meinen Kurs und gab ein: Walmart
Bisher kannte ich nur: Walmart Supercenter, doch auch hier gibt es Unterschiede. Ich landete vor einem Walmart Neighborhood, der Öffnungszeit wie in der „ehemaligen“ hatte: Täglich von 6-12 Uhr.
Wow, dachte ich. Das es das noch gibt? Und dann ausgerechnet in einer 24h-Stadt wie Phoenix?

Ich schnappte mir nen Wagen und tigerte durch die Gänge.
Mein Einkaufszettel war kurz und so verließ ich die heiligen Hallen 20min später wieder und war 32$ ärmer.
Wichtig waren nur: Wasser und Brot.
Ich brauch halt nen bisschen, bis ich mich wieder an das normale Leben gewöhnt hab.


Die letzten 2 Tage waren ein einschneidendes Erlebnis..
Weiter ging es Richtung Norden und schon nach 10km war ich so gut wie alleine unterwegs und bestaunte einmal mehr die tolle Landschaft. Überall grünte und blühte es, was nicht selbstverständlich für diese Gegend ist. Normal meint man immer: Wüste, Sand, Kakteen und Apachen.

Es war wirklich hübsch hier und auch die Temperaturen blühten auf.
Nach ein paar Metern bog ich einfach mal rechts zu einem See ab, denn ich trug nach wie vor die Winterkleidung aus Deutschland und meine dicken Socken brachten mich fast um.
Ich parkte mein Auto also vorschriftsmäßig irgendwo in den Schatten und entblätterte mich.
Gott sei dank war niemand in der Nähe. Man hätte mich sicher verhaftet.
Nachdem ich mich wieder wohl in meiner Haut fühlte, machte ich erstmal Picknick und das Plätzchen hier war ideal dafür. Direkt an einem See, um mich rum lauter blühende Kakteen und die Sonne schien vom wolkenlosen Himmel. Gott, was will man mehr?



Satt, zufrieden und 10 Fotos später kehrte ich zum Beeline Hwy zurück und gab Margret den Befehl: bitte einmal Montezuma Castle.
Ich war mit Hühnchen 2006 schon mal hier, aber entweder konnten oder wollten wir das Castle nicht sehen. Wir waren nur im Visitorcenter und sind damals unverrichteter Dinge wieder abgezogen.
 



Diesmal hatte ich Zeit, war alleine und niemand drängelte mich.
Ich schnappte mir meine Fototasche, kaufte mir im VC eine Postkarte und das Buch für die Stempel und lief dann den 300m-Trail.
Mittlerweile war es schon arg warm draußen und da ich kein großer Hitzefreund bin, schaute ich mir nur kurz das Bauwerk an und verließ nach 15 min das National Monument wieder.



Sicher, es war schon beeindruckend, wie es da in den Felswänden klebte, aber um sich hier lange aufzuhalten, war für mich zu wenig zu sehen.

Das ganze hier kostete 5$ Eintritt, aber ich hatte ja noch den NP-Pass vom letzten September.

Auf dem Weg zum Auto fiel mir auf: keiner kontrollierte die Pässe oder sorgte dafür, dass man bezahlte. Ich schlenderte einfach so durch und niemand hielt mich an.
Schon komisch.
Dadurch, dass die letzten Tage so chaotisch waren und ich die vergangene Nacht nicht wirklich schlafen konnte, machte sich langsam Müdigkeit und Erschöpfung in mir breit und ich beschloss, auf geradem Wege nach Cottonwood zu fahren, wo ich für heute ein Zimmer im „The View-Motel“ gebucht hatte.




Das Zimmer war, wie soll ich es sagen: ok

Weit weg von berauschend zu sein, aber es war ja nur eine Nacht. Es war sauber, hatte eine Dusche, kostenloses, wunderbar funktionierendes Internet und ein breites Bett und das sollte fürs erste genügen.

Erste Amtshandlung: Auto ausräumen.
Innerhalb von nur 5 min verwandelte sich mein Zimmer in ein Chaos mittelprächtigen Ausmaßes, aber was solls. Schließlich musste erstmal alles organisiert und umgepackt werden.

Nach der ausgiebigen Dusche meldete ich mich per Mail bei allen, die mich bereits vermissten und schrieb noch etwas im Forum.
Man, die waren froh, dass ich noch lebte. Selten haben sich so viele Menschen um mich so viele Sorgen gemacht


Hey, Unkraut vergeht nicht !!!
Auf meiner Liste, was ich diesen Urlaub alles so anstellen wollte, stand unter anderem auch drauf: Watson Lake.
Nur doof, dass ich erst wieder 17:45 Uhr auf die Uhr gesehen hab und für schöne Fotos am See, war ich eindeutig zu spät dran oder zu weit weg oder beides.
Vom Motel zum See waren es noch 82km und wenn ich ehrlich bin, ich wollte lieber schlafen, als durch die Gegend fahren.
Ich hatte heute schon 200Meilen abgespult und die Tankanzeige stand auch schon wieder nur auf halb.
Aber nur im Zimmer rumsitzen und warten, bis ich einschlafe, wollte ich auch nicht, also raffte ich mich auf und fuhr wenigstens noch bis nach Jerome, wo ich 2006 auch schon war.
Damals war mein Sensor der Kamera aber dermaßen verdreckt, dass ich auch hier noch eine Rechnung offen hatte.
Tja, was soll ich sagen? Leider war der Historic Park wegen Umbaus/Renovierung geschlossen und so fuhr ich nur schnell durch das Örtchen, das noch genauso verwahrlost und heruntergekommen aussieht, wie damals und dann zurück nach Cottonwood, wo ich noch schnell in einem mexikanisch angehauchten Supermarkt ging.
Gekauft hab ich nichts, aber schon toll, was man so alles findet, von dem man bis dato gar nicht wusste, dass es existiert und das man es essen kann.
Ich weiß nicht, wie sich das nennt, aber die verkaufen so eine Art Strohplatten, die man essen kann. Und Chilis im 1000er Pack. Und weiße Bohnen zum selber schaufeln. Und… Zeit, schlafen zu gehen.


Schon 20 Uhr drehte ich mich auf meine Lieblingsseite.


Gefahrene Meilen: 206



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