Calico.


Ich hatte ja noch nie eine „echte“ Ghosttown/Westernstadt gesehen. Nur ab und an mal einen verfallenen Schuppen oder einen alten Weidezaun.

Eintritt kostet hier 6$ und es tat mir diesmal nicht im Geldtäschel weh, diese Summe hinzublättern, denn bei einem Kurs von 1,48$ kann man echt nicht meckern. Wäre der Dollar bei 1,45, hätte ich es mir vielleicht noch überlegt 

4 Touristenbusse und mind. 50 Autos begrüßten mich, als ich auf den Parkplatz fuhr und was das bedeutet, muß ich sicher nicht großartig erklären.
Zum Glück waren es zu 90% amerikanische Touristen und diese sind ja bekannt dafür,  schon nach dem 2. Gebäude schlapp zu machen, umzukehren oder ins Restaurant zu gehen.
Schon nach gut 100 Metern war ich dann fast alleine unterwegs.






Calico war einst eine blühende Silberminenstadt, welche um 1881 gegründet wurde. In ihrer Glanzzeit beherbergte sie bis 1200 Menschen, die in ca. 500 Minen nach dem begehrten Edelmetall suchten.






Schon 20 Jahre später wurde die Stadt wegen des Preisverfalls aufgegeben, da die Minen unrentabel wurden.

Man sah den Gebäuden an, dass es nie und nimmer Originale waren, aber interessant anzusehen waren sie trotzdem. Was mir nicht so gefiel, waren die ganzen Souvenirläden, die in jedes Gebäude integriert waren.

Ist schon seltsam, wenn eine Bretterbude von außen den Anschein macht, bald zusammen zu fallen und sobald man die Tür öffnet, sieht man eine Kühltruhe oder einen Computerbildschirm.
Wobei die Hinweisschilder zu den Bezahlmöglichkeiten natürlich alles übertreffen.

Gekauft hab ich lediglich 2 Karten, denn der ganze andere Nippes war zwar nett anzuschauen, ließ mich aber nicht vom Hocker fallen.








Das klingt zwar jetzt alles irgendwie negativ, aber trotzdem würde ich immer wieder gern einen Abstecher hierhin machen. Egal, ob echt oder unecht, ich fühlte mich wie im Jahr 1885 und wartete darauf, daß jeden Moment ein Westernheld um die Ecke kam.

   

Das bekannteste Gebäude ist das sogenannte "Bottle House", bei dem man bis heute nicht weiß, ob es in dieser Stadt gebaut oder von irgendwo anders hertransportiert wurde. Auch wird angenommen, daß es ein Nachbau eines älteren bzw. "Vorgänger-"Hauses ist.











Nach reichlich einer Stunde fuhr ich mit einem Umweg über Baker und Kelso, zurück nach Primm.

Wer durch Baker fährt, dem fällt vor allem eins auf: das riesige Thermometer, welches an der Straße steht.

Es bedarf schon einiger Kreativität, um das ganze Teil auf ein Foto zu bekommen. Noch schwieriger ist es aber, es so zu fotografieren, daß man auch erkennen kann, wie warm oder kalt es denn draußen ist.

Selbst ohne Kamera ist es schwierig. Die Sonne stand denkbar ungünstig. Oder war das Thermometer am Ende sogar kaputt?

Als ich heute Morgen im Park unterwegs war und ich keine Menschenseele getroffen hatte, dachte ich mir, es lag an der Uhrzeit. Jetzt war es Nachmittag und trotzdem kamen mir auf dem Weg nach Kelso gerade mal 2 Autos entgegen.

Zwischendurch kam sogar mal der Gedanke hoch, ob vielleicht das Haupt-VC auch geschlossen hat. Das wäre dann doch doof..


Auf dem Parkplatz standen dann doch 2 Autos und auch die Tür war offen.



Kelso ist, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, eine Ghosttown.
Gegründet wurde sie um 1920 und diente als Eisenbahndepot. Kurz vor Aufgabe der Stadt in den 1940er Jahren, lebten hier bis zu 2000 Menschen, die hauptsächlich in den Borax- und Eisenminen der Umgebung arbeiteten.
Was geblieben ist, ist ein renoviertes Eisenbahngebäude und der Zugverkehr.
Halten tun die Züge hier allerdings nicht...


3 Stempel „wechselten den Besitzer“ und mein Soll für den Tag war erfüllt. Mir fiel übrigens auf, dass in Besuchereinrichtungen, die weit ab lagen oder wenig

frequentiert waren, das Durchschnittsalter der Angestellten bei mindestens 65 lag. Arbeit und trotzdem abgeschoben


Im Souvenirladen durchblätterte ich noch einige Tierbücher, um herauszufinden, welches sonderbare Wesen gestern meinen Weg gekreuzt hat, aber so richtig war nichts dabei, wobei ich nicht davon ausging, eine neue Spezies entdeckt zu haben.




Halb 5 war ich wieder im Hotel und entgegen aller Befürchtungen blieb es diese Nacht im Nachbarzimmer totenstill.

Auch heute war ich sehr früh müde. Ich überspielte nur noch die Fotos, schrieb ein paar Mails und es war noch keine 19 Uhr, als mir die Augen zu fielen.


gefahrene Meilen: 342



                                          Startseite: