4. Mai 2011                                                       85°F  


Da es schon recht spät am Tag war und ich heute über 500km abzuspulen hatte, packte ich meinen Krempel zusammen und fuhr Richtung Mojave National Preserve.



Unter einem National Preserve versteht man einfach übersetzt, ein Naturschutzgebiet, das einen ähnlichen Schutzstatus wie ein Nationalpark hat, in dem aber auch gejagt oder nach Bodenschätzen gesucht werden darf.



Ich war gespannt darauf, wie es in dieser Wüste aussieht und ob ich vielleicht auch ein paar Tiere zu Gesicht bekomme, von denen man im Zusammenhang mit Mojave schon einiges gehört hat.


(Yoshua Tree "Yucca Bervifolia")


Da ich dieses Jahr auf Stempeltour bin, musste ich die Route so legen, dass ich beide Visitorcenter ohne große Umwege ansteuern kann.
VC Nummer 1 war das Hole in the Wall Informationszentrum im Zentrum des Gebietes, welches teilweise nur über unbefestigte Pisten zu erreichen ist.

Dass es noch sehr früh am Tag sein musste, erkannte ich daran, dass so gut wie niemand unterwegs war. Sobald ich den Hwy15 verlassen hatte, war ich quasi allein auf der Welt.

Zu Beginn der Strecke sah es noch überall recht eintönig aus. Die schnurgerade Straße durchschnitt die Landschaft und rechts und links waren nur grüne und gelbblühende Büsche zu sehen. Dahinter sah man jeweils steil aufragende Berge und Felsen.


Hier und da gab es Anzeichen von Zivilisation aber ansonsten war es hier öde. Auch konnte ich keine beheimateten Tiere ausmachen. Keine Schildkröten, keine Schlangen, keine Echsen, kein nichts.

So fuhr ich dahin, und außer dass ich ab und an mal lenken musste, passierte nicht viel. Margret zeigte mir ab und an auch Namen an der Strecke, die wohl Ortschaften bedeuteten, aber gesehen hab ich nichts. Nicht mal was Verfallenes oder ein Zaun.

Muß wohl eine veraltete Kartenversion sein 



(anklicken für pdf-Vollversion)




Von der Cedar Canyon Road bog ich wenig später auf die Black Canyon Road ab und es staubte gewaltig.

Als ich die Reise vorbereitet hatte, hatte ich Bedenken, dass ich mich evtl. nicht zurechtfinden würde, denn die Pisten und Sträßchen sind nur auf genauen Karten eingezeichnet.

Jetzt, da ich hier war, konnte ich ganz beruhigt sein, denn es standen an jeder Kreuzung und Abzweigung Schilder, die einem den Weg wiesen.



Die Piste wurde von irgendwem als „Autobahn“ betitelt, ich würde ihr allerdings höchstens eine 7 ("Dorfstraße") geben, denn es war arg waschbrettig.

Es lagen zwar keine Steine rum, die die Reifen durchbohren konnten, aber trotzdem fuhr es sich manchmal sehr rutschig.




Auch in der Natur tat sich jetzt einiges, denn aus den grünen Büschen wurden jetzt ausgewachsene Yuccas und ich musste immer mal wieder anhalten, um das ein oder andere Foto zu machen. Querfeldein marschieren war mir allerdings nicht geheuer, denn man wusste ja nie, wer einem da über den Weg „schlich“ und so begnügte ich mich damit, aus dem Auto raus und wieder reinzuhüpfen.



Endlich kam ich am Visitorcenter an und mir schwante Böses.



Meine Vermutung bestätigte sich keine 2min später, als ich vor verschlossenen Türen stand. Der Grund war zwar angeschlagen, aber mein englisch ist nun mal nicht das Beste. Irgendwas mit Staffing shortly..

Ich war natürlich ein klein wenig angesäuert, denn hätte ich das gewusst, wäre ich gleich nach Kelso gefahren und hätte mir das Einsauen meines Autos erspart.

Vor der Tür war eine Infobox, aus der man sich eine Parkkarte nehmen konnte und so sah ich, dass es hier in der Nähe eine oder mehrere Höhlen gab, die man sich anschauen konnte und so sattelte ich mein Pferd und gab ihm die Sporen.

10km weiter bog ich rechts in die Essex Rd ab und sah ein Schild auf dem stand: Caverns closed.

  


Na klasse.

Irgendwie war heute der Wurm drin. Da quält man sich durch die Hitze der Wüste, um dann jedes Mal festzustellen, dass man nicht willkommen war.

Trotzdem fuhr ich die Straße bis zum Ende durch und stand plötzlich vor verriegelten Türen.

Vor dem Tor stand ein Wagen und neben ihm waren 2 Männer mit frühstücken beschäftigt, die ich gleich mal auf den Kopf zu fragte, ob sie denn wüssten, wieso die Höhlen zu sind.
Einer der beiden meinte, sie werden renoviert.
Aha…
Frische Tapete und einmal feucht durchwischen oder wie?

Ich vollführte mal wieder gekonnt ein Dreherle, ließ noch schöne Grüße da und machte mich auf den Weg nach Barstow, denn erstens gab es dort mindestens 3 Anlaufstellen für meine Stempel und zweitens waren die Spritpreise dort noch halbwegs bezahlbar, wenn man das von 4,21$/Gal sagen kann.



Die Strecke zog sich allerdings wie Kaugummi. Das lag sicher nur daran, dass 70 mph nicht unbedingt der Bringer sind. Fast wäre ich unterwegs eingeschlafen.

Auf halber Strecke fuhr ich einen Rastplatz an und erkannte: hey, hier warst du schon mal. Allerdings waren 2006 die Bäume grüner und in der Damentoilette waren noch alle Türen vorhanden und die Handtrockner funktionierten.

Nach einem ausgiebigen „Kofferraumfrühstück“ nahm ich die 2. Hälfte in Angriff und war gegen 11 endlich in Barstow.

Irgendwo am Bahnhof gab es ein Museum, in dem auch Stempel verteilt wurden und so lies ich mir von Margret den Weg zeigen.

Das Haus, das irgendwann mal das Bahnhofsgebäude war, beherbergte noch andere Firmen und Ausstellungen und so öffnete ich die erstbeste Tür und landete beim Chamber of Commerce, bei denen ich definitiv falsch war.
Ich fragte, den netten Herren am Desk, ob er denn wüsste, wo ich hier im Haus „ein Stempelkissen“ finde. So richtig wusste er damit nichts anzufangen und meinte dann nur, er glaube nicht, dass ich hier richtig bin.

Egal, dann suche ich halt weiter. Ich umkreiste das Gebäude und wurde auf der genau gegenüberliegenden Seite fündig: ein Route-66-Museum hatte seine Pforten geöffnet und dort gab es auch, leider erst nach meiner Frage danach, einen Spanish-Trail-Stempel.

Na wer sagt’s denn

Da er nicht öffentlich zugänglich war, wusste natürlich auch niemand, dass es ihn gab und so drückte ich mir einen grünen Abdruck ins Buch und stellte erst hinterher fest: ups… 4. März? Da war wohl was falsch…

Aber mit so Stempeln ist es wie mit Briefmarken: außer einem selber interessiert sich eh niemand für die Sammlung

Nachdem ich noch eine Runde durch das Museum gedreht hatte, welches übrigens kostenlos zu besichtigen und ein wenig eingestaubt ist, einen Souvenirladen beherbergt und wo es kostenlos Kaffee und Gebäck gibt, ja wirklich, fuhr ich wieder zurück nach Barstow und suchte die beiden Hauptquartiere des BLM und des NPS, die direkt nebeneinander lagen.

Meiner Meinung nach wurde hier jede Menge Geld aus dem Fenster geworfen, wenn man bedenkt, dass beide „Vereine“ einer Behörde angehören.
Beim BLM gab es leider nur einen Stempel,

dafür hatte ich beim NPS mehr Glück als Verstand, denn ich befolgte einen Tipp aus dem Internet.
Es gibt Stempel, die für jedermann zugänglich sind und es gibt Stempel „unterm Ladentisch“



Und so öffnete die Lady lächelnd ihren Büroschrank und holte mindestens 5 Schachteln mit den verschiedensten Stempeln hervor. Sie meinte, viele davon sind Raritäten, denn sie wurden in Besucherzentren benutzt, die es nicht mehr oder bald nicht mehr gibt, z.B. das VC in Needles, welches demnächst schließen wird.

Auch bekam ich endlich meinen Abdruck vom Hole in the Wall-VC, vor dessen verschlossener Tür ich heute Morgen stand.

Hätte ich gewusst, dass ich hier alles in einem Abwasch erledigen konnte, hätte ich mir die 3000km Umweg gespart.

Vollkommen happy zog ich von dannen, tankte noch schnell mein Wägelchen bis zum Anschlag voll und fuhr zu meinem 3. Ziel für heute:



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