Dienstag, 27. Mai                                                                              82°F



4:30Uhr.
Ich werde durch Kopfschmerzen wach. Morgens schon Schmerzen inne Birne taugt nie was. Das sagt mir nämlich, daß was nicht stimmt. Und genau das verabschiedete sich dann die nächsten 4 Stunden lang schubweise aus dem Hals raus Richtung Toilettenschüssel.
Erst gegen Mittag ging es wieder aufwärts. Bis dahin dachte ich jede Minute ans sterben.
Da ich bis zum Mittag nicht wußte, wie es weiter geht, stornierte ich das Hotel in Georgia und buchte eine weitere Nacht hier in Tennessee. Die Lady an der Rezeption hat mir sogar den gleichen Preis wie vergangene Nacht berechnet, was ich sehr nobel fand. Wieder 5$ gespart.
Als ich gestern durch den ziemlich touristisch angehauchten Ort hier fuhr, kam ich auch an der Titanic vorbei.
Titanic?
Wow.


   


Also schnappte ich mir mein Notebook und recherchierte. Das Schiff ist ein Museum, kostet 24$ Eintritt und wenn man den Fotos glauben konnte, sah es da echt nett aus. Das mache ich. Ist interessant. In der Nähe. Und ich bin schnell wieder im Bett, falls es mich hebt. 


Um es kurz zu machen: Ich war nicht drin.
Am Eingang stand ein Schild: Fotografieren und filmen nicht gestattet.
SO EIN BLÖDSINN !!!!
Wenn man von einer Reise zurückkommt, will man schließlich nicht nur davon erzählen, sondern auch Bilder zeigen. Sonst denkt doch jeder, du spinnst.
Titanic. Ja klaaaar…

Zu den 5$ des Motels kamen also weiter 24$ des Museums dazu. Meine Güte, wenn das so weiter geht, bin ich am Ende des Urlaubs noch reich.

Den restlichen Tag verbrachte ich dann mit zwei Spaziergängen im Smoky Wald. Der erste war schön. Immer an einem Creek entlang und durch den Regen durch.





   

Normalerweise wollte ich bis zu einem Wasserfall, aber die Gegend hier ist bekannt dafür, daß sich das Wetter schnell ändert und kaum hatte ich es gedacht, fing es an zu kübeln. Ich war nass bis auf die Haut, als ich am Auto ankam.
Hach war das schön. Ich fühlte mich wie ein Kind, daß durch die Pfützen springt.
Leider hatte ich kein Handtuch im Auto und deshalb dauerte das Trocknen ein wenig. Darf man sich in den USA eigentlich in der Öffentlichkeit umziehen?



Der zweite Spaziergang war dann eher schon was für geübte Wanderer. Weniger wegen der Beschaffenheit des Weges, als mehr wegen des Höhenanstieges.



Mir ging mal wieder die Pumpe aber ich hab es bis zum Aussichtsturm und vorbei am Appalachian Trail durchgezogen. Allerdings lohnt sich der Weg wegen der Aussicht nur, wenn das Wetter mitspielt. Da es ja vorhin gerade geregnet hatte, machten die Great SMOKY Mountains ihrem Namen gerade alle Ehre. Man sah nämlich außer Dampf und Wolken nicht viel.


Ein paar Rucksackwanderer kamen grad den Trail hoch und ich bin beeindruckt über so viel Ausdauer und Mut und Zeit, die die Leute da mitbringen. Sie haben meine volle Hochachtung !!!







Zurück in Pigeon versuchte ich es heute mal im Golden Corral mit dem Essen. Wer nichts gegen Plastikkindergartengeschirr und Menschen hat, die mit dir gemeinsam im Büfett rumstochern, der wird es mögen. Satt werden zum kleine(re)n Preis.
Ich bin ja, was das Essen angeht, eher unkompliziert. Ich esse alles und krieg auch schon morgens Salzhering runter und hab nix gegen Käsemakkaroni mit Salat und Schweinefleisch auf einem Teller. Ich probiere alles und in allen Kombinationen.
Zurück im Motel hab ich endlich mit dem Bericht angefangen. 3 Tage. 6 Seiten. Mal wieder viel zu viel. Die Leute gucken ja doch nur Fotos..




Gefahrene Meilen:  71,3

Mittwoch, 28. Mai                                                                           83°F



Das Bufettessen ist noch drin und ich fühle mich pudelwohl. Genauso muß es sein.
Jetzt ist es halb 8, der Motelkaffee schmeckt scheußlich, die Sonne scheint und heute fahre ich ein letztes Mal in den Nebel-und Dampfwald Tennessees.
Wieso schon wieder? Naja, weil es hier zig Stempelstellen gibt und da mein nächstes Motel nur 30 Meilen in nördlicher Richtung liegt und ich es nicht stornieren wollte, weil sonst die ganze Route neu geplant werden müßte, mache ich einen 200km-Schlenker, den ich vorher so gar nicht auf dem Plan hatte.
Wieviele Kommata waren das jetzt? Mein Deutschlehrer hätte sicher gesagt, ich solle die Klasse noch einmal wiederholen. 


Heute ist der 30. Mai und es ist kaum 7 Uhr am Morgen. Ich hatte jetzt genügend Zeit, den Vormittag des 28. Mai zu verarbeiten und schreibe deswegen etwas beschönigt.
Ich kann es nicht leiden, wenn man sich nicht an die vorgegebene Geschwindigkeit hält !!! Und ich meine NICHT, daß man durch die Gegend rast. Ich meine, wenn 20mph angeschrieben steht, dann sollte man auch 20 +X fahren und nicht mit 8mph durch die Gegend schleichen, die aussieht, wie Teile des Hessischen Berglandes. Hessen. Hallo? Geht’s noch? Sowas sieht man auch im Harz, in Rheinland Pfalz. Sogar im Oberlausitzer Bergland.
Was man da sieht?
Richtig.
Nichts.
Ok, da gibt’s Hügel und Felder und Graslandschaften und Wälder, in denen viele Bäume stehen. Das wars. Nix besonderes also.
Und die Herrschaften tun hier so, als würden sie durch Gottes Eldorado fahren. Durch sagenhaftes Land, welches sie nie zuvor zu Gesicht bekommen hatten.
Vermutlich stimmt das sogar, wenn man bedenkt, daß deren Leben hier nur aus arbeiten, essen und schlafen besteht.

 


Ich wußte, wieso ich diesen Cades Cove Schlenker nie auf dem Plan hatte. Er hat mich um Jahre altern lassen.
Wieso ich nicht überholt hab? Weil es eine schmale Einbahnstraße ist, auf der nur ein Fahrzeug Platz hat. Jeder Fahrradfahrer wäre bei dieser Geschwindigkeit seitlich weggekippt und mich hätte es nicht gewundert, wenn wir von eben solchen überholt worden wären. Zum Glück blieben sie am Rand stehen und haben gewartet, bis das große Kriechen vorüber war.
Ich hätte euch jetzt gern ein paar Bilder von der Strecke gezeigt, aber ich war mehr damit beschäftigt, ins Lenkrad zu beißen. Aber wie gesagt: es gab an sich nix zu sehen.

                                           

Schade, daß ich mich mit diesen Gedanken von den Great Smoky Mountains verabschiedet hab, denn eigentlich war es hier reizend. Friedlich. Idyllisch. Und falls ich noch einmal in die Gegend komme, würde ich es im Spätherbst tun, wenn noch mehr Touristen hier langfahren, wenn die Wälder schön bunt gefärbt sind.

Bis ich in Knoxville ankam, hatte ich kein weiteres Ziel in Planung. Zwar war ich noch an einem Museum einer Sequoia angehalten, um einen Stempel zu kassieren, aber das ist nicht erwähnenswert, weil man da nicht gewesen sein muß.

Da gibt es nur einen riesigen Parkplatz, der leer war und ein riesiges Besucherzentrum, welches leer war und ein parkähnliches Gelände mit gemähtem Rasen, welches nicht viel voller war. 2 Mio verbaut und das nur für einen Park-Museumswächter, der sich hier von Tag zu Tag hangelt und sicher hofft, es möge bald Urlaub sein.