Macht es Spaß, sich irgendwo an eine Kante zu stellen, wo man nichts sieht, nicht mal nen Loch, und macht es Spaß, das bei einem Schneesturm zu tun? Ich war hin und hergerissen. Soll ich? Soll ich nicht? Was mache ich, wenn ich umdrehe? Den Wupatki anschauen???
Neeee, darauf hatte ich nun gar keine Lust.
Also fuhr ich weiter und hoffte einfach auf das Beste.


 



Als ich ankam, zeigte das Thermometer 33°F und es wehte ein eisiger Wind. Der Himmel war zwar an einigen Stellen aufgerissen, aber so richtig Spaß machte mir die Sache hier keinen.
Ich holte mir meinen Stempel ab und schaute im Bookstore nach Ansichtskarten, aber was da angeboten wurde, war unter aller Kanone.
Nicht ein Foto, das mich vom Hocker gerissen hat. Also lies ich meine sauer verdiente Kohle stecken und begab mich auf die Suche nach dem Shuttlebus.
Hier hatte ich die Wahl zwischen blau und grün.



Und natürlich setzte ich mich in den falschen Bus. Ich wollte den Rim Richtung Osten fahren und wurde stattdessen Richtung Westen gekarrt.
Am Yavapai Point stieg ich aus, machte meine Nebel-Schnee-da-müßte-eigentlich-der-Canyon-sein-Bilder und als ich schon blaue Hände hatte, verdrückte ich mich in das Rimhäuschen, um mich aufzuwärmen.



Hier kam es zu einer Begegnung der besonderen Art.
Eine Rangerin fing gerade an zu erzählen und stellte einfach mal an alle Zuhörer die Frage, wo sie denn herkamen.


 „Where you come from?“

„Idaho“

„Oh, it’s nice. And you?“

“I’m from Florida”

“Wow, what a long way.”

“I’m from California!”

“That’s great. Nice Country”

“I’m from germany” fiel ich den anderen ins Wort

Ihre Reaktion:  „Fine“

„I come from Kentucky“

“Wow, good. That’s far too”




Ich grinste, dachte an Lal@’s Worte, dass Ranger nur ihre Arbeit und den Weg nach Hause kennen und verließ das ungastliche Gebäude wieder.

Wieder im Shuttle und weiter Richtung Westen fahrend, bereute ich von km zu km mehr, in den Bus gestiegen zu sein, denn ich musste, ob ich wollte oder nicht, den gesamten Kurs fahren, um wieder zum Visitorcenter zu kommen. Und das dauerte…
Irgendwann gegen 15 Uhr war ich endlich angekommen und ging auf dem kürzesten Wege zum Auto um den Grand Canyon Richtung Osten zu verlassen.
Die Heizung stellte ich auf 30°C ein und hielt bis zum Ausgang des Parks nur noch 3x kurz an.



Es war zwar immer noch schweinekalt, aber wenigstens hatten wir jetzt blauen Himmel. Endlich bekam ich die Fotos, wegen derer ich hier war.
Der Canyon haut mich zwar nach wie vor nicht von den Socken, aber ich kann meinen Enkelkindern später mal erzählen: ich war 2x dort…



Die restliche Fahrt Richtung Motel war ein ständiger Wechsel zwischen Sonne und Schneeschauer und Seitenwinden und ich überlegte mindestens 2x ob ich ab und an mal anhalten und die Gegend anschauen sollte.
Aber immer dann, wenn es die Gelegenheit dazu gab, standen da jede Menge dieser Verkaufsstände der Natives in der Gegend rum und da hatte ich kein gutes Gefühl dabei.


Also genoß ich die Landschaft mit einer Geschwindigkeit von 70 Meilen und war am Ende froh, endlich das Rodeway Inn erreicht zu haben.
Ich hatte heute keine Lust mehr auf Auto fahren. Nur noch was essen, nach dem Wetter für morgen schauen und schlafen.



Leider hatte man mir ein Zimmer zum Hof gegeben und ich durfte meine ganzen Habseligkeiten über hunderte Meter zum Zimmer tragen.
Auf was man bei der Motelsuche alles achten muß, das ist schon beachtlich.
Ansonsten hatte ich nen gutes Durchschnittszimmer mit 2 großen und endlich mal wieder bequemen Betten und sogar eine Terasse war da. Nur leider war es zum draußen sitzen immer noch arg schattig.

Viel passierte heute nicht mehr. Ich hab mir meinen Bauch mit dem Rest des pappigen Brotes vollgeschlagen, hab die Bilder überspielt und die Heizung im Zimmer auf 75°F gestellt.

19.30 Uhr knipste ich das Licht aus.


Gefahrene Meilen: 265



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